Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
109
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rmbehütcten Schönheit und ihrem gefährlichen Beruf dro-hen konnte. Aber ihre sittsame Tugend schritt unbeflecktdurch alle hindurch. Es ist wahr, sie war von Lippen, diejetzt stumm, in den jungfräulichen Pflichten unterwiesenworden, welche Ehre und Religion vorschreiben. Und alleLiebe, die nicht vom Altar sprach, widerte sie nur an underschreckte sie. Aber außer dem gestalteten sich auch, alsSchmerz und Einsamkeit ihr Herz reisten, und sie zuZeiten zittern machten bei dem Gedanken, wie tief es zusuhlen vermöge, ihre frühen, unbestimmten Träume zueinem Ideal von Liebe. Und bis das Ideal gefunden ist wie erkältet uns der Schatten, den es vor sich her-wirst, gegen die Wirklichkeit! Mit diesem Ideal kamimmer und immer unbewußt und mit einem gewissen Ge-fühl von Scheu und Mißbehagen für sie die Gestalt undStimme des warnenden Fremden. Beinahe zwei Jahrewaren verstrichen, seit er in Neapel erschiene» war. Manbatte nichts von ihm gehört, als daß einige Monate nachseiner Abreise sein Schiff nach Livorno hatte segeln sollen.Von den redseligen Zungen Neapels war sein Dasepn, dasfür sie als so außerordentlich galt, beinahe ganz vergessen;aber Viola's Herz war treuer. Ost schwebte er durch ihreTräume, und wenn der Wind durch jenen phantastischenBaum seufzte, mit welchem die Erinnerung an ihn ver-woben war, fuhr sie zitternd und crröthend ans, als hättesie ihn sprechen gehört.

Aber unter dem Schwarm ihrer Anbeter war Einer,dem sie ein freundlicheres Ohr lieh, als den klebrigen, zum