Druckschrift 
1 (1842)
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

Ihr irrt Euch!" sagte der Kavalier mit einem Lä-cheln.Ich weiß wohl, daß ich zu Eurem verdientenTriumphe mit behülflich war, uud Ihr seyd es, die kaumweiß, wie. Das warum will ich Euch sagen: weil ichin Eurem Herzen einen edler» Ehrgeiz sah, als de» derweiblichen Eitelkeit; die Tochter war es, die meine Theil-nahme erregte. Vielleicht wünschet Ihr mehr, daß ich dieSängerin bewundert hätte!"

O! nein, nein!"

Wohl, ich glaube Euch. Und nun, da wir uns sogetroffen haben, will ich etwas verweilen, um Euch zurathcn. Wenn Ihr das nächstem«! ins Theater kommt,werdet Ihr die ganze galante Jugend von Neapel zuEncrn Füßen haben. Armes Kind! die Flamme, die dasAuge blendet, kann die Schwinge versengen. Bedenke,daß die einzige, nicht befleckende Huldigung diejenige ist,welche diese galanten Herren Dir nicht darbringcn werden.Und was immer Deine Träume von der Zukunft seyenund ich sehe, während ich mit Dir spreche, wie wild undkühn sic ins Weite schweifen mögen nur diejenigen er-füllt werden, welche um den häuslichen Herd kreisen!"

Er schwieg, indcß Viola's Brust unter dem Ge-wände sich hob. Und in einem Ausbruch natürlicher undunschuldiger Bewegungen, kaum, obwohl eine Italiene-rin, das Ernste in seinem Nathe fastend, rief sie ans:

Ach, Eccellenza, Ihr wißt gar nicht, wie thener mirschon dieser häusliche Herd ist. Und mein Vater ohneihn, Signor, gäbe es gar keine Heimath!"