Mit Bedauern muß ich sagen, daß, was man eigent-lich Erziehung nennen kann, von diesem seltsamen Paarebei ihrer Tochter sehr vernachlässigt wurde. Freilich hattekeines von beiden viele Kenntnisse mitzntheilen, nnd Ge-lehrsamkeit war damals nicht Mode, wie jetzt. Aber derZufall oder die Natur begünstigte die junge Viola. Sielernte, als etwas ganz Natürliches, ihrer Mutter Sprachezugleich mit der ihres Vaters, lind bald konnte sie lesenund schreiben; nnd ihre Mutter, eine Katholikin, beiläufigbemerkt, lehrte sie bei Zeiten beten. Aber dann machten
— allen diesen geistigen Erwerbungen entgegenarbeiiend!
— die seltsamen Angewöhnungen Pisani's und die un-ablässige Psiege und Sorgfalt, deren er von seinem Weibebedurfte, daß das Kind oft allein blieb mit einer altenWärterin, die es zwar herzlich liebte, aber keineswegsgeeignet war, sie zu unterrichten. Dame Giauctta warjeden Zoll eine Italienerin und Neapolitanerin. IhreJugend war ganz Liebe gewesen, nnd ihr Alter war ganzAberglauben. Sie war redselig, zärtlich — eine Schwä-tzerin. Jetzt plauderte sie dem Mädchen vor von Cavalie-re» und Prinzen zu ihren Füßen, und dann machte sie ihrwieder das Blut erstarren mit Mährchen nnd Sagen,vielleicht so alt als die griechische oder etrurische Fabel —von Dämonen und Vamphrn — von den Tänzen um dengroßen Wallnußbaum zu Benevento, und dem beschädi-genden Zauber des bösen Blickes. Alles das trug in derStille dazu bei, bezaubernde Netze über Viola's Phantasiezu weben, welche zu zerreißen Nachdenken nnd reifere