Jahre sich umsonst bemühen mochten. Und dies Allesmachte sie ganz besonders geeignet, mit einer bangenFreude an ihres Vaters Musik zu hängen. Diese geister-haften Noten, immerdar ringend, in wilde, abgebrocheneTöne die Sprache überirdischer Wesen zu übersetzen, um-schwebten sie von ihrer Geburt an. So hätte man sagenkönnen: ihr ganzes Gcmüth sep voll Musik gewesen —Gemahnungen, Erinnerungen, angenehme oder schmerz-liche Empfindungen — Alles war unauflöslich vermischtmit jenen Tönen, die sie bald entzückten, bald ängstigten— die sie begrüßten, wenn sie ihr Auge gegen die Sonneöffnete, und sic zitternd weckten auf ihrem einsamen Lagerim Dunkel der Nacht. Die Legenden und Mährchen Gia-netta'S dienten nur dazu, das Kind die Bedeutung jenergeheimnißvollen Töne besser verstehen zu machen, sie lie-ferten ihr die Worte zu der Musik. Es war natürlich, daßdie Tochter eines solchen Vaters bald einigen Geschmackan seiner Kunst zeigte. Aber dieser entwickelte sich haupt-sächlich im Ohr und in der Stimme. Sie war noch einKind, als sie göttlich sang. Ein großer Cardinal,— großebenso im Staat wie im Conservatorio, hörte von ihrenAnlagen nnd ließ sie zu sich holen. Von diesem Augenblickan war ihr Schicksal entschieden; sie sollte der künftigeStolz Neapels, die Prima Donna von San Carlo wer-den. Der Cardinal drang auf die Erfüllung seiner eignenVorhersagungen, und sorgte für die berühmtesten Lehrerfür sie. Nm ihr den Geist des Ehrgeizes und Wetteifersrinzuflößen, nahm Se. Eminenz sie eines Abends mit in
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