Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
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Kann irgend etwas mich vergessen machen, daß ichein Athener und nicht frei bin, so ist cS die lindernde,wachsame, lebendige, nie schlummernde Liebe Jones,eine Liebe, die in unscrm neuen Glauben ein neuesGefühl geschöpft hat*); eine Liebe, von der keinerunserer Dichter, so herrlich sie auch immer sind, einBild gegeben hat, denn aus der Religion hervor-gehcnd, wird sic selbst gleichsam zur Religion; sieverbindet sich mit reinen, überirdischen Gedanken; sicist Das, was uns, wie wir hoffen dürfen, durch dieganze Ewigkeit begleiten wird, und was wir daherrein und unbefleckt erhalten, damit sein Anbckenntnißuns vor Gott nicht beschäme. Sie ist der wahreAusdruck jener dunkeln Fabel von EroS und Psyche

*) Das, was wir in der Liebe Sentimentalität neunenund als solche fühle» , war den Alten sehr wenigbekannt und findet noch auf den heutigen Tag beinicht christlichen Völkern kaum eine Anerkennung. SS ein nicht mit dem schwankenden Glauben, sondern mit der Ueberzeugung, daß die Leidenschaft von derSeele komme, und wie die Seele unsterblich sey,innig verwachsenes Gefühl. Chateaubriand hat inseinem an Jrrthum wie an Wahrheit so reichenGeistdes Christenthnms," mit seiner gewohnten Beredsam-keit über diese Empfindung sich verbreitet. Wirklichbildet sie den Hauptunterschied zwischen der Liebespoesteder Neuern und der Alten, daher ich gegen Wahrheitund Natur nicht zu verstoßen glaubte, wenn ich demGlaukns nach seinem Uebertritt zum Christenthumdas Bewußtseyn dieses Gefühls beilegte, obwohl erdie Ursache desselben mehr nur zu ahne», als sichdeutlich zu erklären vermag.