Druckschrift 
6 (1836)
Entstehung
Seite
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Er war immer so voll Leben! er kannnicht todt seyn! komm daher, lege Deine Hand aufsein Herz! gewiß schlägt cs noch!"

Bruder, die Seele ist entflohen! wir wollenihrer in unfern Gebeten gedenken! Du kannst dentodten Staub nicht wieder erwecken! Komm, komm!Horch! während ich da spreche, krachen die Mauern! horch! das Geschrei der Todesangst! Kein Augen-blick ist zu verlieren komm I"

Ich höre nichts," erwiedcrtc Medon, die grauenLocken schüttelnd.Der arme Junge, seine Liebehat ihn getödtct!"

Komm, komm! vergib die freundliche Gewalt!"

Was! Wer will den Vater von dem Sohn tren-nen?" Damit faßte Medon den Leichnam fest indie Arme und bedeckte ihn mit leidenschaftlichen Küs-sen.Geh Du," sprach er, das Gesicht einen Augen-blick aufrichtcnd,geh Du; wir müssen allein bleiben!"

Ach!" erwiedcrtc der mitfühlende Nazarener,der Tod hat Euch ja bereits getrennt!"

Der alte Mann lächelte ruhig.Nein, nein,nein!" flüsterte er, indem seine Stimme bei jederSilbe leiser ward:der Tod ist gütiger gewesen!"

Damit sank sein Haupt auf die Brust seinesSohnes, seine Arme ließen von der Umschlingungnach. Olinth faßte seine Hand; der Puls hatteaufgchört zu schlagen. Die letzten Worte des Vaterswaren Worte der Wahrheit: der Tod war güti-ger gewesen!