57
sprach eine laute, Helle Stimme; „der Löwe wartetDeiner."
„Ich bin fertig," sprach der Athener. „Bruderund Leidensgefährte, noch eine letzte Umarmung!segne mich und lebe wohl!"
Der Christ öffnete die Arme; — er drückteden jungen Heiden an die Brust; — küßte ihmStirn und Wange, — schluchzte laut, und schnellund heiß stoffen seine Thräncn über die Züge desFreundes.
„O hätt' ich Dich bekehren können, so würdeich nicht weinen. O daß ich zu Dir sagen könnte:wir Beide werden heute Abend mit einander imParadiese seyn."
„Vielleicht ist Dies dennoch der Fall," ent-gegnen Glaukus mit bebender Stimme. „Die-jenigen, welche der Tod trennt, können fich jen-seits des Grabes treffen. Erde, schöne geliebteErde, lebe wohl für ewig! Würdiger Ccnturio, ichbin fertig."
Er riß fich weg, und als er hinaus in die Luftkam, drückte ihr Hauch, der heiß und trocken war,obwohl die Sonne nicht schien, schwer ans ihn ein.Sein von den Wirkungen des tödtlichen Trankesnoch nicht erholter Körper schauderte und wankte.Die Soldaten mußten ihn stützen.
„Muth!" sprach Einer, „Dn bist jung, rüstig,gut gebaut. Man gibt Dir eine Waffe; verzweiflenicht; vielleicht trägst Du noch den Sieg davon."