den Wunder» klösterlicher Heiligkeit, welche einen so gro-ßen Thsil der Literatur mönchischer Zeitalter ausmachten.Aber ihr Auge haftete nicht auf den gothischen Buchsta-ben und den schönen Malereien des heiligen Buches. Mitaller Besorgniß und aller Zärtlichkeit einer Mutter schweifteer von Isabellen zu Anna — von Anna zu Jsabella, bisendlich die schöne Gräfin mit einer so sanften Stimme,wie man sie selten hört, aber die auch de» Fremden so-gleich zur Achtung und Liebe stimmt, begann:
„Komm her, mein Kind, Jsabella, gib mir DeineHand, und flüstre mir in'S Ohr, was Dich gereizt hat/'
„Meine Mutter," versetzte die Herzogin, „sS würdemir übel anstehen, ein Geheimniß zu haben, das Du nichtwüßtest, und doch, dünkt mich, würde es mir noch übleranstehen, Etwas zu sagen, was Deinen Zorn erregenkönnte."
„Zorn! Isabel! Wer empfindet je Zorn gegen Per-sonen, die man liebt?"
„Verzeih mir, meine süße Mutter," sagte Jsabella;ihre stolze Stirne nahm einen sanfteren Ausdruck an, sietrat näher, und küßte ihrer Mutter Wange.
Die Gräfin zog sie sanft auf einen Sitz neben sichnieder —
„Und jetzt sag' mir Alles — wenn nicht anders etwaDein Clarence, in der hastigen Laune eines Liebenden,Deine Gefühle verletzt hat; denn um häusliche Geheim-nisse soll auch eine Mutter sin treues Weib nicht auS-fragen."