Druckschrift 
8 (1843)
Entstehung
Seite
74
Einzelbild herunterladen
 

74

Athen ist, und tragen ihn in raschem Fluge von Shenenach Amboise. Wir müssen annehmen, daß die beidenAbgesandten GloucesterS schon den Ort ihrer Bestimmungerreicht haben baß die Dame bei Isabel, der Gesandtebei Margaretha eingetroffen ist.

In einem der dem Grafen eingeräumten Zimmer imköniglichen Palast, in der Vertiefung eines ungeheurengothischen Fensters, saß Anna von Warwick; der kleineSchieber am Fenster war offen, und gewährte eine Aus-sicht auf einen weiten, schönen Garten, wo dichte Gehölzeund regelmäßige Alleen abwechselten, über welche dasprächtige Gewölle eines Sommerabends, ein wenig vorSonnenuntergang, abwechselnd Licht und Schatten war-fen. In diese Aussicht war das holde Antlitz der LadyAnna nachdenkend versunken. Das starr blickende Auge,der gesenkte Hals, die auf den Knieen ruhenden Arme, diegefalteten zarten Finger dieß Alles gab ihrer ganzenErscheinung den Charakter der träumerischen Ruhe.

In demselben Zimmer waren noch zwei Frauen; dieEine schritt mit langsamen, aber ungleichen Schritten aufund ab, ihre Lippen bewegten sich von Zeit zu Zeit, alsspräche sie mit sich selbst, und ihre Stirne war leicht ge-runzelt. Ihre Gestalt und ihr Angesicht trugen auchden Charakter der Träumerei, aber nicht den der Ruhe.

Die dritte Dame, die zarte, liebliche Mutter der bei-den Andern, saß etwa in der Mitte des Zimmers vor einemkleinen Tisch, auf welchem eine jener Handschriften vonreligiösem Charakter lag, voll von den Moralitäten und