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Noseville, „meinen Sie nicht, jede Novelle solltesie zum bestimmten Ziele haben und durchgängigirgend eine besondere Moral einschärfen, wiemanche Erzählungen von Marmontel und MißEdgeworth?" ,
„Nein," antwor cte Lord Vincent, „jede guteNovelle hat Einen großen Zweck und alle densel-ben — ncmlich unsre Kenntniß des menschlichenHerzens zu vermehren. In diesem Sinne mußein Novcllenschreiber Filosof seyn. Wer immermit Glück uns die menschliche Natur und Gattunggenauer enthüllt, hat der Wissenschaft und ebcn-damit der Tugend den wichtigsten Dienst erwie-sen, denn-jede Wahrheit ist eine Moral. Diesergroße und allgemeine Zweck, den ich mir immerdenke, wird durch die ängstliche Aufmerksamkeitauf eine einzelne Moral, wovon Sie sprechen,eher verkümmert als erweitert.
So zieht Dryden, in seinem Versuch überden Fortschritt der Satyre, ganz mit Recht Ho-raz dem Iuvenal vor, so fern man auf das Be-lehrende bei Beiden steht; weil die mannigfal-tigen Satyrcn des Erster» gegen alle Laster ge-richtet sind, die beschränkteren des Letzter« zumgrößten Theil nur gegen Eines. Die Menschheit —das ist das Feld, welches der Novcllenschreiberbearbeiten soll: die Wahrheit, die Moral über-haupt soll seine Ausbeute seyn. In einem gele-genheitlichen Gespräch, in beiläufig eingefiochtnen