„Ihre Eifersucht haftet auf einem „Tand,leicht wie die Luft." Wollen Sie mir ver-zeihen ?" lispelte ich der Madame d'Anville zn,während ich sie in den Epeisesaal führte.
„Verzeiht die Liebe nicht Alles?" war ihreAntwort.
„Wenigstens," dacht' ich, „spricht sie nie in sozierlichen Floskeln." Die Unterhaltung lenkte sichbald auf Bücher. Ich meines OrtS nahm damalsan solchen Erörterungen niemals Theil; in der That,ich habe mich lange Zeit nach dieser Richtschnurgehalten, daß ein Mann nie gewinnt, weun er zumehr als Einer Person auf Einmal spricht. Wennman nicht glänzt, so ist man ein Narr, glänzt manaber, so ist man ein geplagtes Thier. Man mußentweder lächerlich oder unbeliebt werden — ent-weder verletzt man seine Eigenliebe — durch Dumm-heit; oder die der Andern — durch Verstand. Deß-wegen verhielt ich mich still, gab mir das Ansehen,ausnehmend erbaut zu seyn, und murmelte dannund wann „gut!" „sehr wahr!" Die UnthätigkeitEines Geistesvermögens hat indeß, dem Himmelsey Dank! das Gute, daß die Lebhaftigkeit der an-dern dadurch zunimmt, mein Auge und, mein Ohrsind immer auf der Hut, wie eine Schildwache,während der Ruhe meiner Lippen. Indeß ich gegenAlles gleichgültig und unbekümmert erscheine, ent-geht mir nichts; das kleinste Versehen an einerSchüssel oder einem Diener, die geringfügigste Ei-