Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
Seite
219
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IV. Der JbseniSmus.

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lich tief beschämend, daß man nach diesem Beispiel tieferVerwirrtheit noch mehr Worte über den Geisteszustand einesMenschen verlieren muß. Aber da dieser Mensch von Narrenund Fanatikern der Welt als großer Sittenlehrer und Zukunfts-dichter aufgeschwindelt wird, darf der psychiatrische Beobachtersich die Arbeit nicht ersparen, auch noch auf seine anderenAbsurditäten hinzuweisen.

In derselben „Frau vom Meer" gibt Ellida ihren Ent-schluß, ihren Gatten Mangel zu verlassen und mit dem„Fremden" zu gehen, sofort auf, als Mangel ihr mit „schmerz-erfülltem Herzen" sagt: „Jetzt kannst du deinen Weg wählen.In voller Freiheit." Sie bleibt nun bei Mangel. Sie wähltihn. „Woher kam die Wandlung?" fragt Mangel und fragtder Leser mit ihm. „O begreifst du denn nicht," antwortetEllida schwärmend, „daß die Wandlung kam, daß die Wand-lung kommen mußte, als ich in Freiheit wählen durfte!"(S. 99.) Diese zweite Wahl soll also einen Gegensatz zu derersten, als Ellida sich mit Mangel verlobte, darstellen. Essind aber alle Bedingungen, alle ohne Ausnahme, dieselben ge-blieben. Ellida ist jetzt frei, weil Mangel sie ausdrücklich frei-gibt; sie war aber damals noch freier, da Mangel noch gar keineRechte auf sie hatte, also sie nicht erst freizugeben brauchte.Ein äußerer Zwang wurde bei der Verlobung ebenso wenigauf sie geübt wie später, in der Ehe. Ihr Entschluß hingdamals wie jetzt ausschließlich von ihr selbst ab. Wenn siesich bei der Verlobung unfrei fühlte, so war es nach ihrereigenen Erklärung, weil sie damals arm war und sich von derVersorgung locken ließ. Aber daran hat sich nichts geändert.Sie hat seit ihrer Verheiratung keine Erbschaft gemacht, so vielwir von Ibsen wissen. Sie ist so arm, wie sie je gewesen.Wenn sie Mangel verläßt, kehrt sie in dieselbe wirtschaftlicheGedrücktheit zurück, die sie als Mädchen unleidlich gefunden.Wenn sie bei ihm bleibt, ist sie ebenso versorgt, wie sie zu