IV. Der Jbsenismus.
161
und Sekt-Trinken Oswald Alvings sin „Gespenster") täuschtden aufmerksamen Betrachter nicht darüber, daß sie Automatensind. Trotz der Kunstgriffe des Dichters sieht man hinter derausgcpinselten Lebensfarbe die Gelenk-Scharniere und Hort manhinter den Tönen des in ihrem Innern verborgenen Phono-graphen das Knarren und Rasseln des Mechanismus.
Ich habe der hohen dichterischen Begabung Ibsens gerechtzu werden gesucht und werde dies im Laufe dieser Untersuchungnoch einigemale thun können. Ist es aber diese Begabungallein oder hauptsächlich, welche ihm seine Bewunderer in allenLändern geworben hat? Schätzt sein Gefolge von Pfeifern undDudelsackbläsern ihn um seiner schlicht emotionellen Auftritteund um seiner lebensechten Nebenfiguren willen? Nein. Siefinden ganz Anderes an ihm zu rühmen. Sie entdecken inseinen Stücken Weltbilder von größter Wahrheit, die glücklichstedichterische Anwendung wissenschaftlicher Methoden, Klarheitund Schärfe der Gedanken, umwälzungslustigen Freiheitsdrangund zukuuftschwangere Modernität. Wir wollen nun diese Be-hauptungen der Reihe nach prüfen und zusehen, ob sie sich aufIbsens Werke stützen können oder blos willkürliche, unerweis-liche Redensarten ästhetischer Schwätzer sind.
Ibsen soll also vor Allem musterhaft wahr sein. Er istja für den „Realismus" vorbildlich geworden. Thatsache istaber, daß seit Alexander Dumas dem ältern, dem Verfasserder „Musketiere" und des „Montechristo", vermuthlich keinDichter so viel verblüffende Unwahrscheinlichkeiten in seinenWerken aufgehäuft hat wie Ibsen. (Ich sage Unwahrscheinlich-keiten, weil ich nicht wage, Unmöglichkeiten zu sagen; denn
Warum sagen Sies denn nicht? Nora. Weil ich nicht darf; dennes klingt so häßlich. . . Nank. Ja, dann ists nicht rathsam. Aberzu uns können sie ja doch — Wohlan, was ists, das Sie in HelmersGegenwart gern — Nora. Ich möchte mal so recht von Herzenrufen: Himmeldonnerwetter!" Nora, S. 24.
Nord au, Entartung. II.
11