Druckschrift 
2 (1893)
Entstehung
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Die Jch-Luicht.

keinen Angenblick geleugnet werden. Er ist außerordentlichemotiv und hat die Gabe, das, was seine Gefühle erregt, wir werden sehen, daß diese Gefühle fast immer solche desHasses und der Wnth, also Unlustgefühle sind, höchst leibhaftigund wirksam darzustcllen. Seine Fähigkeit, Lagen zu ersinnen,in welchen Charaktere ihr Innerstes nach außen kehren müssen,abgezogene Gedanken sich in Handlungen nmsetzen und sinnlichsonst nicht wahrnehmbare, ursächlich wirkende Anschauungen undGefühlsweisen in Stellungen und Bewegungen, in Mienen undWorten packend sicht- und hörbar werden, weist ihn naturge-mäß auf die Bühne hin. Wie Richard Wagner weiß er Vor-gänge in lebendige Fresken zusammenznfassen, die den Reiz be-deutungsvoller Gemälde besitzen; mit dem Unterschiede jedoch,daß Ibsen nicht wie jener mit fremdartigen Trachten und Ge-rüchen, mit baukünstlerischem Prunk, Maschinenzaubcr, Götternund Fabelthieren arbeitet, sondern mit tiefen Ausblicken inSeelen-Hintcrgründe und Menschheit-Zustände. Märchenhaft istIbsen auch; nur läßt er die Einbildungskraft der Zuschauernicht in bloßen Anblicken schwelgen, sondern zwingt sie inStimmungen und bannt sie in Vorstellungskreise durch dieBilder, die er vor ihnen entrollt.

Sein Drang, den ihn beschäftigenden Gedanken in einemeinzigen Gemälde zu versinnlichen, das man mit einem Blickesoll übersehen können, gibt ihm auch die Formel seines Theatersein, die zwar von ihm nicht erfunden, aber zu großer Voll-kommenheit ausgestaltet wurde. Seine Stücke sind gleichsamSchlußworte, welche lange voraufgegangene Entwickelungen be-enden. Sie sind das plötzliche Aufflammen von Zündstoffen,die seit Jahren, vielleicht während ganzer Menschenleben undsogar mehrere Geschlechter hindurch, aufgehänft wurden und derenjähe Glut eine weite Ausdehnung von Zeit und Raum scharferhellt. Die Vorgänge des Jbsenschen Theaters laufen meistin einem einzigen Tage, höchstens in zweimal 24 Stunden ab,