45
Noch hielt Odo Stand, und würde in Stückenzerhauen worden sein, wenn die Sarazenen seinernicht absichtlich schonten, um ihn gefangen zu neh-men. Saladin ging unverzüglich auf die neue Vestelos, und nahm sie ohne Widerstand vor BalduinsAugen weg, der es nicht wagte, zu Hülfe zu eilen.Der Sieger ließ sie in einen Steinhaufen verwan-deln, und alle darin befindlichen Tempelherren wur-den, nachdem man sie dem Gespötte der Soldatenpreisgegebcn, theils erwürgt, theils in der Mitteentzweigesagt. Viele stürzten sich in das Feuer undverbrannten, andere warfen sich in die Wellen desJordans, noch andere sprangen, um dem schmäh-lichen Tode aus Feindeshand zu entgehen, von denMauern herab auf die Felsen und wurden zer-schmettert.
Saladin ließ den gefangenen Odo vor sich brin-gen, und bot ihm die Freiheit unter der Bedin-gung an, daß ein gewisser Emir, sein Vetter, dender Orden gefangen hielt, auch freigcgeben würde.„Gott verhüt' es", rief Odo aus, „daß ich mei-nen Rittern ein so gefährliches Beispiel geben sollte;ich würde sie dadurch berechtigen, sich gefangen zugeben, in der Hoffnung, wieder ausgewechselt zuwerden. Ein Tempelherr gibt für seine Auslösunghöchstens seinen Gürtel oder seinen Dolch. Siegenoder Sterben ist mein Gesetz und des ganzen Or-dens Wahlspruch!"*).
Odo starb noch in demselben Jahre zu Da-maskus in einem finstern Gefängnisse. Seine Ge-fangenschaft und Tod sahen viele Christen als einegerechte Strafe Gottes an, weil er und sein Orden
) S. Anmerk. 12.