Druckschrift 
2 (1837) Von 1640 bis 1688
Entstehung
Seite
475
Einzelbild herunterladen
 

Der große Kurfürst.

475

Klugheit benutzten und mit Einsicht verwendeten Hülfsquellcn,verbunden mit der freien Verfügung über das gesammte übrigeVermögen der Unterthanen in seiner Hand, bildeten eine Macht,wie sie vor ihm unbekannt war, und gaben dem Hause Bran-denburg eine Bedeutung unter den europäischen Staaten, wiesie keiner seiner Vorfahren hatte ahnen können.

Damit man sehe, wie der berühmte Burnet, ein scharf-sinniger Beobachter, erfahrener Menschenkenner und freimüthi-ger Beurtheiler, den Kurfürsten, mit dem er sich zweimallange und vertraulich in Cleve unterhalten hatte, schildert, somögen dessen Worte hier folgen ').

Friedrich Wilhelm, sagt er, war ein Fürst von großemMuthe und ebenso kriegerisch als im Kriegswesen erfahren.Man hielt ihn auch allgemein für einen guten Kopf. Er hatteeine große Nolle in Europa gespielt und ihm war nichts un-bekannt, was sich seit fünfzig Jahren ereignet hatte. Mit ei-nem bewunderungswürdigen Gedächtnisse, welches die unbedeu-tendsten Gegenstände unauslöschlich fest behielt und ihm Alles,was er je in seinem Leben gesehen hatte, so zu sagen vor dieAugen führte, verband er einen äußerst lebhaften Geist, aberauch ein galliges Temperament, so daß er leicht in Hitze ge-riet!). Nachdenken mäßigte nachher sein erstes Aufbrausen,doch setzte er sich dadurch dem Vorwurfe der Unbeständigkeitaus. Seine Lebensweise war geregelt ^), und vorzüglich lagenihm die Interessen der Religion am Herzen. Er that waser nur vermochte die Lutheraner und die Calvinisten einanderzu nähern, doch verdroß ihn die Starrheit jener vorzüglich inPreussen, worüber er sich sehr beklagte, nicht weniger als ihmdie Unbicgsamkeit der Calvinisten missiel. Er tadelte dieSynode von Dordrecht sehr, da sie, nach ihm, die ganze Welt

1) 6», net Iiistoirs des äernisres rävolntions ä'^ngleterre. n In1725. io 4to 1'. I. p. 7SZ f. in Worten sehr abweichend von des-selben IVsämoires pour ssrvir n I'kistoirs äs Io Zranäs Leetagae. I.on-äres 1725. in 12wo 1. III. p. 285. Ich bin jener Übersetzung gefolgt,da sich das Original leider auf der hiesigen Bibliothek nicht befindet.

2) Darin stimmen alle Zeitgenossen überein und loben cs einstimmig,weil cs damals, vorzüglich was das Trinken anging, sehr selten war.Luch ausserdem schweifte der Kurfürst nie aus.

>

-- ' »,/>