466
Buch IV. Sechstes Hauptstück.
Historikers unwürdigen Gesinnung und Sprache geschriebeneGeschichte des Hauses Brandenburg ^).
Für das Chinesische war besonders der Propst Müller mBerlin sehr thatig. Durch ihn wahrscheinlich angeregt ließder Kurfürst chinesische Handschriften in Holland kaufen undzog den aus China zurückgekommenen Jesuiten Couplet aufeinige Zeit nach Berlin, um dem kurfürstlichen Leibarzte Men-zel Unterricht im Chinesischen zu ertheilen ^).
Es scheinen diese Bestrebungen für chinesische und indischeLiteratur zusammenzuhangen mit der Hoffnung, das Haupt-geheimniß der Alchymie, die Goldmacherkunst, zu entdecken.Jedenfalls betrieb der Kurfürst diese damals und noch langehin von Fürsten so sehr gesuchte und von Betrügern zur eige-nen Bereicherung benutzte Kunst mit großen Kosten in seinemeigenen Laboratorium, natürlich ohne Erfolg. Er erwiederteauf die ihm von Kunkel selbst gemachte Vorstellung, dieRentmeister würden die an sie erlassenen Assi'gnationen nichtauszahlen wollen und ihn übel anlassen: „Das kümmert Euchnichts! Was ich haben will, muß geschehen; ich bin nicht so
wie_ich habe allezeit so viel in meiner Schatulle, daß ich
keinen darum fragen darf. Ich spiele jetzt nicht sonderlichmehr, habe öfter tausend Thaler auf einmal verspielt, auchwohl zur Lust so viel in die Lust fliegen lassen, so kann ichauch zu meinem Vergnügen an allerhand Wissenschaften etwaswenden und darf mir Niemand einredcn, was ich thun undlassen will" ^).
1) Leti war wohl nie als Historiograph des Kurfürsten angestellt(wie König in s. Berlin II. S. 249 angibt), sondern pflegte seine zahl-reichen oberflächlich compilirten Werke, auch wohl jeden Band besondersfremden Fürsten zu widmen. Seine kitratti iüstorioi - politioi - ekrono-logici s Aoneslogici <Ie»L casa elettorale üi LraoilonburKO widmeteer, den ersten Theil Johann Georg III. von Sachsen, den zweiten demgroßen Kurfürsten, und erhielt, als er ihn persönlich in Berlin über-reichte, von diesem 500 Thaler und eine Medaille 100 Ducaten wcrth.Er ist ein niedriger Schmeichler.
2) König II. S. 423.
3) König II. S- 193 u. 252.