392 Buch IV. Fünftes Hauptstück.
standhaft zu sein, beeilte die Eroberung von Greifswalde undschickte noch drei Regimenter ab, wahrend er dem übrigendurch den Feldzug vom Sommer bis in den Winter ermüde-ten Heere einige Erholung in den Winterquartieren gönnteund, wie wir gesehen haben, die politischen Angelegenheiten,so viel er konnte, zu ordnen suchte. Weil die Lithauer dieZufuhren abschnitten und das Land auf dem rechten Ufer derMemel sehr wüst war, die schwedischen Truppen dort Man-gel litten und daher Krankheit und Sterblichkeit unter ihneneinriß, so zog Horn von der Mündung der Ruß den Flußetwas hinaus, dessen Übergänge der Statthalter, der Herzogvon Croy, mit 3000 Mann Landesaufgebots besetzt hielt. Alsder schwedische General von dem Anmarsche Görzkes hörte,ging er da, wo sich die Memel in zwei Arme unter den Na-men Nuß und Gilge theilt, unterhalb Tilsits über den durchdie Dürre des vorhergegangenen Sommers seichten Fluß,ohne daß die schwache und durch den Donner des Geschützeserschreckte Miliz Widerstand geleistet hatte. Der Befehlshaberdes nicht stark besetzten Schlosses von Tilsit übergab dasselbe,sobald die Schweden erschienen, und nach kurzem Widerstandeergab sich auch das Schloß zu Ragnit. Überall wich die zuschwache und zum Feldhaltcn nicht geeignete Miliz, und dieSchweden dehnten sich nun an dem Pregel bis in die reicheUmgebung Insterburgs aus, dessen Schloß 300 Mann dreiTage hindurch vertheidigten. Preußische Streifparteien über-fielen im Rücken der Schweden einzelne Plünderer und brach-ten viele Gefangene nach Memel. Die schlechten Wege hiel-Zanuar ten Görzken ungemein auf, doch kam er noch zu rechter Zeit1679 an, um Königsberg vorläufig zu decken.
Als der Kurfürst von dem weitern Vordringen der Schwe-den hörte, beschloß er, ohngeachtet er kränkelte und der Win-ter ungemein streng zu werden begann, doch ohne Zeitverlustaufzubrechen, um das durch Einverständniß mit den Schwedensehr gefährdete Königsberg zu retten. Er ließ in Westfalenalle dort stehenden Truppen, besetzte die Festungen in Pom-mern, nahm alle Reiterei und Dragoner 5500 Mann und3500 ausgewählten Fußvolks aus allen Regimentern, die dop-pelte Anzahl lxr nöthigen Officiere mit 34 Geschützen und