Friede zu Aachen. Polen.
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Unterdessen hatte sich Ludwig XIV. der Freigrafschaft leichtbemächtigt; sechs und dreissig ummauerte Städte waren in ei-nem Zeiträume von 11 Tagen in seiner Gewalt. Seine Ge-nerale riethen die ihm vorgelegtcn Bedingungen sich nicht ge-fallen zu lassen, vielmehr den Krieg fortzusetzen, die Ministerdagegen, sie anzunehmen, wie es bereits in dem geheimenTheilungsvertrage mit dem Kaiser festgesetzt war. Das be-stimmte wahrscheinlich den König hauptsächlich zur Nachgiebig-keit. Er begnügte sich im aachener Frieden mit einer, obwohl 2. Maiimmer noch ansehnlichen Zahl zum Theile der wichtigsten von ^068ihm eroberten flandrischen Festungen und gab die Freigrafschaftzurück, welche ihm obnehin nebst Flandern, Neapel, Sicilienund Navarra, gemäß dem mit dem Kaiser geschlossenen Thei-lungsvertrag über die spanische Monarchie nach dem bald ge-hofften Tode Karls II. zufallen sollte '). Doch war sein Stolzauf das empfindlichste verletzt durch die entschlossene Staats-klugheit Johanns von Witt, der Ludwigs ehrgeizige Entwürfeso wohl durchschauet hatte und sie ferner zu kemmen drohete.
Was er freiwillig aufzugebcn bereit war, hatte er gezwungenaufgcben müssen. Wie der Löwe, welcher aus einer -Heerdedas beste Stück nicdergerissen, im Begriffe zufrieden mit sei-ner Beute abzuziehen, die Jäger herbeieilen sieht und nun fürden Augenblick Halt macht, dann seine Beute in Sicherheitbringt und sich nun bereit hält die unterdessen beruhigtenFeinde desto kräftiger und plötzlicher zu überfallen, so schloßLudwig XIV. für jetzt billigen Frieden mit Spanien, um dannseinen Rachekrieg gegen Holland zu beginnen.
Bald darauf scheiterten auch die Umtriebe sowohl Frank-reichs als aller anderen Mächte in Beziehung auf die polni-sche Krone und nahmen eine Allen unerwartete Wendung.
Wir haben bereits erzählt, welche Unruhen die Bemühun-gen der Königin von Polen erregt hatten, dem Prinzen vonConde oder dessen Sohne noch bei Lebzeiten des Königs dieNachfolge auf den polnischen Thron zu verschaffen. Ludwig XIV.hatte zwar, um Brandenburg zu gewinnen, und sicher auchum Österreich einzuschläfern, öffentlich Conde aufgegeben undversprochen den Pfalzgrafen von Neuburg zu unterstützen, der
1) Eignet 1. II. p. 432 f.