132 Buch IV. Drittes Hauptstück.
Schon drei Tage nach seinem in Labiau mit Schwede»abgeschlossenen Bündnisse ließ er dem Könige von Polen i»Danzig durch den holländischen Residenten bezeugen, wie freund-lich er immer gegen ihn gesinnt gewesen sei und wie sehr er anWiederherstellung des Friedens arbeite'). Er verhandelte nochvor dem Ende des Jahres wieder mit dem Lithauer Gonsicwskiund dem Bischöfe von Ermland. Das Benehmen der Polenund ihres Königs zeigte, wie gern man den Kurfürsten schonenwollte. Vergeblich suchte ihn Karl Gustav, als Ragoczy in Polenvorrückte, zum kräftigen Angriffe aus Polen zu vermögen; vergeb-lich wollte der verwegene König, als er sah, daß Österreich thätigTheil nahm und Dänemark losbrach und sich mit Ragoczy Nichtsdurchführen ließ ^), die Sache aufs Äußerste treiben, daß sie bie-gen oder brechen müsse. Der Kurfürst wich immer aus. Ent-schlossen gab er endlich Polen ganz auf, suchte es nur noch zu be-unruhigen und vorzüglich gegen Österreich Feinde zu wecken, umJuli für sich freie Hand zu behalten. Er sagte gerade zu: er wolle in1657 Deutschland nichts als Oldenburg und Delmenhorst, aber denDänen wolle er Norwegen und Schonen nehmen und ihrenKönig vom Throne stoßen. Die Sachsen und Brandenburgermöchten Schlesien nehmen; Frankreich werde Österreich denKrieg erklären; oder auch der Kurfürst möge selbst mit PolensGenehmigung das königliche Preussen für Hinterpommern ver-tauschen. Dem Kurfürsten schien alles das zu wcitaussehend.Er wich der mündlichen Verhandlung mit dem Könige, derdeshalb nach Frauenburg kam, aus, wäre am liebsten partei-los geblieben und hätte sich dafür von beiden Thcilen Vor-theile zusichcrn lassen^).
In der That hatten die preussischen Stände, bei den La-if putenänrk VI. 49 f. Er zeigte Karl Gustav an, der Königvon Polen habe von Danzig aus mit ihm (dem Kurfürsten) zu unter-handeln gewünscht, Karl Gustav möge das gestatten, kukenäork6arol. Lust. III. 37.
2) Weil er gar nicht der Mann war, es ausführen zu können. SeinHeer war schon im Hinmärsche in voller Unordnung, er eitel, dünkelvcllund kein Feldherr, lerlon I. p. 35 ff. p. 40. SO u. s. w.
3) kukenllork VI. 65. 6ur»I. 6ust. IV. 28 f.