Schwedisch-polnischer Krieg.
107
über die Reichsgrenze in das seiner Familie vom Kaiser ver-pfändete Fürstcnthum Oppeln flüchtete, als das Heer, dann Oer.Krakau sich den Schweden ergaben, als endlich der Kosacken- ^ö5hctman Chmielniczki sich mit diesen verband und auf Lembergzog, die Russen Lublin einnahmen, Polen verloren schien ^),um so mehr stimmte der Kurfürst seine Federungen stufenweiseherab, um so weniger wollte ihm der König nachgebcn. Erhätte so gern die Souvcrainctät über Preussen gehabt und Erm-land in seinen Schutz genommen, um es zu behalten; dochmuffte er Beides aufgeben; dann wollte er Schweden alsSchutzherrn, dann als Lehnsherrn anerkennen. Er bot die Hälfteder Zölle und deren Erhöhung, ja zu Gunsten Schwedens aufsein Bündniß mit den Generalstaaten zu verzichten, er trugdem Könige seine Unterstützung zur Erlangung der Kaiserkronenach Leopolds Tode an. Karl Gustav gab immer weniger nach,wurde immer kälter und brach endlich alle Verhandlungen ab H.Vergeblich erbot sich der Kurfürst gegen den Kaiser, Preussenals Reichslehn annehmen, zuletzt dessen Sohne zur Erlangungder polnischen Krone behülflich sein zu wollen, wofür erdas königliche Preussen mit Pomerellen als Souverain, dochnach dem Aussterben seines Hauses in männlicher und weib-licher Linie rückfällig an Österreich, verlangte. Der Kaiser waralt, krank, nicht gerüstet und mistrauisch ^).
Der Kurfürst hatte während dieser Verhandlungen seine Aprilursprünglichen Entwürfe thätig verfolgt, sein Heer auf fast 165527,000 Mann gebracht, den Oberbefehl dem Generalfeldzeug-meister von Sparr übergeben, der durch Hintcrpommern nachPreussen marschirte, um die Schweden zu beobachten'), und Augustwar dann selbst, wahrend Karl Gustav gegen Krakau zog, mit8000 Mann an die Weichsel gerückt, ohne auf Wittenbergs Septbr.
1) kastorius Irb. VII. p. 549.
2) kulsnäorl V. 53 ff.
Z) pulenäork V. 27 ff. Der Kurfürst fürchtete sogar, der Kai-ser möchte sich von den Schweden Polen geben lassen und diese» dafürganz Preussen zu nehmen gestatten. Der Kaiser dagegen glaubte, derKurfürst halte es heimlich mit den Schweden und suche nur ihn aus-zuforschen.
4) Sparrs Leben S. 30 u- 50.