Streit mit Pfalz-Neuburg. 97
gebar. Der Knabe war von seiner Geburt an der Gegenstandder lebhaftesten Sorge seines Oheims, des Kurfürsten, welchersogleich in den Streit über seine Vormundschaft verwickeltwurde, die er, des Prinzen Mutter (Tochter Karls I. von Eng-land) und Großmutter mit vielen anderen Fürsten in Anspruchnahmen. Nach vielfachem Zwiste einigten sie sich so, daß zurHalste die Mutter, zur Halste die Großmutter des Prinzenund der Kurfürst zusammen Antheil an der Vormundschafthaben sollten').
So finden wir Friedrich Wilhelm schon in den erstercnJahren seiner Regierung in vielfachen nothwendigen Berüh-rungen, ausser mit den kleineren deutschen Fürsten, auch mitdem Kaiser, mit Polen, Schweden, Frankreich, Holland, jetztauch mit England und im Innern seiner Lander mit allenGegenständen, welche die Macht eines Fürsten erhöhen können,lebhaft beschäftigt. Es schien uns wichtig, diese mannichfacheRichtung seiner Thätigkeit als Landesherr in seinen Jugend-jahrcn ausführlicher nachzuweisen, da er sie, wie wir sehenwerden, in seinem Alter nie aufgab, weil die Gegenstände der-selben nicht von augenblicklichen Einfällen, von vorübergehen-der Laune abhingen, sondern in seinem innern Wesen ihrenHalt fanden und mit ihm ein geordnetes Ganze ausmachten.Der hohe Ehrgeiz des jungen Fürsten war offen an den Taggetreten und wurde mit Erstaunen und Besorgniß vor seinenweitern Entwürfen wahrgenommen °). "
1) Wagenaar Buch 46.
2) Schon 29. Juli 1645 schrieb der französische Minister Briennean den französischen Gesandten bei den Friedcnsverhandlungen über Fried-rich Wilhelm, dieser wünsche eine Tochter des Prinzen von Oranicn zuheirathen, um Holland für sich zu gewinnen: insi» e'esr un prines deZrande expectution et on dlt gu'il ne veut sonder ü une Oouronneguand I'uutoritv ns le doit point regardsr, estiinant indixns d'dtreseulewent Is msri de la Heins (Ldristine). IUdiuoirss et negoeiatiousII. ?. 2. p. 104. Man vergl. dazu was oben Axel Oxenstjerna gegendie Hcirath des Kurfürsten mit der Christin« einzuwendcn hatte. Sichererist wohl, daß man ihn eigener Familienrücksichten beschuldigte, alleindarum ist das was er sagt nicht weniger treffend.
Stenzel Gesch. d. Preusstsch. Staats H.
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