Lhngefähr zu dieser Zelt wurde in der nämlichen Sache der,eben so sehr durch seine administrativen Talente als durch den Adelseines Characters ausgezeichnete Präfecc von Leyden plötzlich nachParis berufen. Er eilte dahin in den schönsten Erwartungen derBeweise von Zufriedenheit, die er erhalten würde und die er sosehr verdiente, wurde aber sogleich zu dem Grand-Inge (Dberrich-ccr) berufen und sollte noch eher sich vor ihm gestellcn, als er sichdem Ersten Consul prascntiren würde. Dort ward er nun ganzunerwartet über einen Biics offiziell befragt, welchen man ihm vor-lcgte. Er konnte nicht sogleich die Unterschrift abläugnen, so ge-schickt war sie nachgemachc; war aber ganz außer sich über die Ge-sinnungen, welche der Brief enthielt — eine offenbare Vertheidi-gung Morcau's und Verwünschungen gegen den Ersten Consul. —Ein Beamter von hohem Range und ein Feind des Präfecten hattedies Machwerk schmieden lassen, um ihn zu stürzen. Der Prüftetbewies, daß diese Sache ihm ganz fremd sey und erschien nun inder großen Audienz bei dem Ersten Consul, welcher ihm einer ganzbesonvern Aufmerksamkeit würdigte und indem er von ihm giengzu ihm sagte: „Kehren Sic zu Ihrem Berufe zurück, den Sie
so treu erfüllen. Meine ganze Achtung folgt Ihnen. Dieses vf»sencliche Acugniß muß Sie über eine Unannehmlichkeit trösten, wel-che Niederträchtigkeit und Verläumdung Ihnen zugezogcn haben."
Aus folgendem Zuge mag man erkennen, daß Napoleon, selbstbei einer unzulässigen Frcisinnigkeic nicht gleich in Zorn gcrieth.
Herr von Montalivet war, wie ich von ihm selbst weiß, einstnach einem Minister-Conseil mit dem Kaiser allein und sagte zudemselben: „Nicht ohne wahrhafte Verlegenheit muß ich eö wa-gen, Ew. Majestät von einer fast lächerlichen Sache zu unterhalten,aber ein Präsect — noch ein ganz junger Auditor — weigert sichoffenbar, mir einen Titel beizulegen, den alle Ihre Minister ge-wöhnlich erhalten. Mehrere Subalternen meines BureauS habenbemerkt, daß er mir nie das Prädikat Monseigneur gicbt, und,weil sie dieses für absichtlich hielten, ungeschickterwcise ihn in mei-nem Namen darüber zur Rede gestellt. Er hat hierauf ganz kurzgeantwortet, daß er cs nicht thun werde. So sehr ich mich nunauch schäme, daß cs mit dieser Sache so weit gekommen ist, sokann ich doch nun nicht mehr zurückgehcn." Dem Kaiser kam an-sangS eine solche Widersetzlichkeit ganz unglaublich vor — er konn-te sich über die Narrheit eines jungen Präfecten nicht genug ver-wundern. Endlich aber antwortete er dem Herrn von Montalivet,nach einigen Minuten Nachdenkens, lächelnd: „Bei alle dem stehtvon dieser Verbindlichkeit kein Wort im Codex und der junge