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Die Wandgemälde Eduard von Gebhardts in der Friedenskirche zu Düsseldorf : 12 Blätter mit begleitenden Worten
Entstehung
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BERGPREDIGT II

Weithin dehnt sich die Frühlingslandschaft, der Hörerkreis. Von fernher schallt zu ihnenhinüber das Wort Jesu. Eine Frau winkt rückwärtsschauend mit dem Finger denMännern, die eine Kranke vom Wagen gehoben haben: „Dort geht der Weg zum Helfer!"In den harten, beinah abstoßenden Zügen einer Verlassenen dämmert es wie Morgenlichtdes Heils, während ihr Kind, der unschuldige Erbe menschlicher Schuld, ihrer noch unbe-wußt, sich an sie schmiegt, und ihre Mutter das Haupt, bitterlich weinend, in die Händevergräbt. Eine Hörerin fragt die Nachbarin: „Darf ich's denn auch glauben?" „Gewiß, dubist gemeint, du vor allen!" Der satte, welterfahrene Bürgersmann mit dem Handstockzwischen den Knieen weiß vorderhand mit dem Gehörten noch nichts Rechtes anzufangen;aber er hört doch zu und läßt sich das schwer Faßliche durch den Sinn gehen, dieweilsein Weib Auge und Ohr und Herz ist. Der Knabe, des Vaters Kind, spielt mit dem Stroh-halm, das Mädchen, in der Mutter Art, horcht aufmerksam zu. Ein verwachsen Männleinist, um besser hören zu können, ähnlich wie Zachäus in Jericho, auf einen Baum gestiegen,einem Jungen nach, natürlich, wie wäre er sonst auf den guten Gedanken gekommen? ::Das Gegenstück zu den singenden Reformatoren in der triumphierenden Gemeinde sind dieLieder- und Tondichter. Altmeister Bach dirigiert das Oratorium der Seligen, keine Passionmehr, sondern ein Jubellied, zu seiner Rechten Händel, zur Linken Beethoven, der alsGeschenk des Himmels sein Gehör wiederbekommen hat und den Schall der himmlischenMusik mit den an die Ohren gehaltenen Händen auffängt. Paulus Gerhardt und JoachimNeander fehlen auch nicht in der Besetzung dieses Hallelujah im höchsten Chor. Die musi-zierenden Engel scheinen ihre Kameraden auf der andern Seite an Liebreiz noch zuüberbieten. ::