MOSES EIFER FÜR GOTT
Die Kinder Israel im tollen Zuge. Den goldenen Götzen, halb Rind, halb Flügelpferd, mitdem Ausdruck lustigen Behagens an der ungezügelten Lust seiner Verehrer, tragensie unter einem roten Baldachin. Die Posaunen, ihrem heiligen Dienst entfremdet, erschallenzum Dienst der Sinnengier. Mienen und Bewegungen der Tanzenden lassen keinen Zweifel,daß sie entschlossen sind, durch Moses langes Ausbleiben verleitet, das drückende Jochder guten Sitte abzuwerfen, dem Fleisch uneingeschränkte Freiheit zu gönnen. ::
Aber was bereitet sich dort oben vor? Die zwei Gestalten im Vordergrund sehen mitFntsetzen das Gericht nahen und stellen so die Verbindungslinie zwischen den beiden Teilender durch die mächtige Schwarzwaldtanne getrennten Szene her: links der ausgelassene Fest-jubel, rechts die Manifestation der göttlichen Strafgerechtigkeit. Moses ist vom Berge gestiegen,wo er die Gebote Gottes für sein Volk empfangen hat. Sein zürnend Auge überblickt miteinem Schlag die ganze heillose Lage, in die das Volk sein eigener Ungehorsam und dieSchwachherzigkeit des Statthalters Aaron gebracht hat. Soll nun das Volk, vom FrondienstAegyptens errettet, im wiederaufgelebten Stierdienst untergehen? Die Gesetzestafeln, großund schwer, aus dem Felsen gehauen, werden im nächsten Augenblick zerschellt auf demBoden liegen. ::
Zu diesem Zornesmittler steht in seltsamem Kontrast der Mann im roten Rock. Moses, derunbeugsame Verkünder und Vollstrecker des göttlichen Willens; Aaron, der feige und schlaueDiplomat, der mit den Leidenschaften zu paktieren versteht und nun doch zur Einsichtkommt, daß es eine folgenschwere Torheit war, dem Volke nachzugeben, wenngleich er seinVorgehen immer noch zu rechtfertigen versucht. ::
Freilich zürnt Moses und wird strenge strafen. Aber auch mit der Rute in der Hand bleibter der liebende Erzieher. Des Volkes Schuld nimmt er priesterlich aufs eigene Herz, undauf die Lippen legt sich das Wort, Bitte und Fürbitte zugleich: „Verwirf mich nicht vondeinem Angesicht!" ::