Druckschrift 
6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

-»D 276

denn der Derwisch sprach davon, daß er noch einige Jahrereisen werde.

Sie wanderten fort und besuchten Asiens Hauptstädte.Der gute Alte versäumte keine Gelegenheit, den Geist sei-nes Zöglings durch freundlichen Unterricht zu bilden, unddurchwachte, als der Jüngling in eine gefährliche Krank-heit fiel, sieben lange Nächte bei seinem Lager. Er gabihm, mit Einem Worte, die unverkennbarsten Beweise vontreuer, väterlicher Liebe.

Abdalla's Herz glich von Natur einem Eisspiegel, überden alle Empfindungen flüchtig hinwcgglitten. Dennochmachte die Zärtlichkeit seines Pflegevaters endlich Eindruckauf ihn. Er versprach oft, mit einem großen Aufwandvon Worten, bis an das Ende seines Lebens dankbarzu sepn.

Bei dergleichen Aeußerungen war immer die Antwortdes Derwisches:

»Sprich nicht von Dankbarkeit, mein Kind!

Der Morre Schass oerweht der Wind.

Der Mund der Dankbarkeit darf schweigen:

Doch muß sie sich in Thaten zeigen."

Am Ende des zweiten Jahres ihrer Reise kamen dieWanderer in eine wilde Gegend.Hier, mein Sohn,sprach der Derwisch,verbirgt die Erde einen großenSchatz. Wir können ihn heben, wenn du Muth hast, indie dunkle Tiefe hinabzustcigen."

Abdalla erbot sich dazu. Der Derwisch beschwor mitZauberformeln und Gebeten die verschlossene Erde. Sieöffnete sich, und er sprach zu dem Jüngling:Geh' hinab!Laß alle Reichthllmer, die du treffen wirst, unberührt!Bringe blos einen eisernen Leuchter mit zwölf Armen!