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„Gott! welcher Antrag!"
Deutet ihn ja nicht übel! Ich würde, wenn ich ein mäch-tiger Fürst wäre, für diese Gunst Millionen bieten; abermeine beschränkten Glücksumstände erlauben mir nur, Eu-ren Gatten mit zweihundert Dukaten zu unterstützen. —
„Schweigt! Ich und mein unglücklicher Mann würdendiesen Lastcrsold verachten, wen» uns auch im nächstenAugenblicke der Hungertod zu vernichten drohte. — Ach,die Armuth hat viel zu dulde»; aber das ist ihr schrecklich-stes Loos, daß sie von bösen, übermüthigen Menschen alsder Sptclball ihrer schändlichsten Neigungen und Lüste be-trachtet wird!" —
Indem so die brave Frau mit der Wärme beleidigterTugend sprach, stand Schlehdorn vor ihr mit niederge-schlagenen Augen wie ein Schulknabc, dem sein zürnender Lehrer einen Verweis gibt. Sie verließ den armenSünder, wie ei» Gesandter den Hof, dem sein Fürst denKrieg erklärt hat, eilend und ohne Abschied.
Ais sie heim kam und den schlimmen Erfolg ihrer Sen-dung erzählte, setzte Schlehdorns doppelte Bosheit ihrenMann in Erstaunen. „Für einen so nichtSwürdigen Lot-terbuben hätt' ich ihn doch nimmer gehalten!" rief er ans:„Er verdient nicht die geringste Schonung; wir wollenihn ohne langes Bedenken verklagen. Geh, liebes Weib,geh augenblicklich zum Stadtmcister^! Auch er war ehmalsmein Gastfrcund, und wird deßhalb um so mehr dle Ge-rechtigkeit mit gebührender Strenge handhaben." —
Der gute Mann irrte sich in dieser Hoffnung gewaltig.Die kleinen Augen des dicken, zur Zeit regierenden Kon-suls wetterleuchtete» hinter den hohen Wangcnbcrgen, dieihnen täglich mehr Aussicht benahmen, mit zärtlichem Feuer
" Der damals übliche Tiiel der jetzigen Bürgermeister.