-»-D 192 <L<>-
nicht kümmern! Wir können ihm zwar, da du von ihmabhängig bist, unsere Thür nicht verschließen; aber meinHerz ist so fest und sorgfältig vor ihm verwahrt, daß ersich gewiß nimmer hineinstchlcn soll. Neben der ehelichenTreue steht der Haß, den ich gegen diesen zudringlichenMann empfinde, wie eine rüstige Wache davor. Drumkeine Grillen, guter Konrad! Ich denke wohl, der HerrGraf soll cs bald müde werden, die steilen Treppen derBurgwart ohne Dank und Lohn auf und nieder zu stei-gen." —
Das ward ihm auch in der That lästig ; er gab aberdeßhalb seine lüsternen Wünsche nicht ans. Sein beleidig-ter Stolz, daß ihn die Gattin eines seiner Diener ver-schmähte, lechzte nach einer wollüstigen Rache, die er mitGewalt ansznführcn beschloß.
In dieser schändlichen Absicht mußte Konrad, der ihmimmer zu scharf auf den Mund sah, wenn er SabinenSchmeicheleien sagte, nothwcndig entfernt werden. Umaber nicht durch eine weite Sendung Verdacht zu erwecken,schickte der Graf ihn nur zu einem benachbarten Rittermit einem Briefe, worin dieser gebeten ward, den Ueber-bringer ans gewissen Ursachen vier und zwanzig Stundenauf Antwort warten zu lassen.
Konrad gehorchte nicht gern. Eine dunkle, bange Vor-ahnung , die er vorher bei keiner Versendung empfundenhatte, preßte sein Herz, und er ritt in der Dämmerungdes Abends — denn da erhielt er erst seine Abfertigung— schwermüthig fort.
Er trabte rasch durch einen Wald,
Der Sporn gab seinem Nasse Flügel;
Doch schnell fiel eine ZwcrggestaltIn Bauerntracht ihm in den ZügelUnd rief mit lauter Stimme: „Halt!"