war der Stein des Anstoßes. Die Arme kannte nie dasGlück, sich von ihren Eltern geliebt zu sehen. Ein älte-rer Bruder war das von Beiden verzärtelte Schooßkind.Ihre Affenliebe für ihn war ohne Gränzen, und erzeugteKaltsinn und Härte gegen seine Schwester. Sie wünsch-ten oft, daß Ursel stürbe, um der Aussteuer übcrhobcn zusehn, und die unzertrennte Summe ihres Vermögens demLiebling zuwenden zu können.
Der Tod ist aber kein Bandit, der sich dazu dingenläßt, eine verhaßte Person aus dem Wege zu räumen.Die Rabeneltern halfen sich nun durch den Beschluß, ihreTochter lebendig in einem Kloster zu begraben.
Dieses Vorhaben setzten sie auch nach der Anwerbungdes Ritters eilig ins Werk. Ursel schied ungern ausdem frohen Kreise der Menschen. Sic zitterte vor demfinstern Kloster, dem schauervollen Grabe der Freiheit.Aber sie hatte gegen die Grausamkeit ihrer Eltern keinenBeschützer; denn in den Zeiten des Faustrechts bändigtekein Gesetz die Gewalt tyrannischer Väter. Sie konntenihre Kinder wie leibeigene Sklaven behandeln.
So ward denn auch Ursel mitten in einer Nacht, ohneGefühl für ihre Seufzer und Thräncn, in einen Wagengestoßen und in ein fernes Kloster geführt. Ein alterDiener (dessen schon mehrmals geprüfte eiserne Verschwie-genheit ihn zu diesem Geschäfte sehr brauchbar machte)war ihr Begleiter und Wächter auf der Reise. Außerihm kannte niemand den Ort ihrer Verbannung.
Hakelberg hattj seit seiner zurückgewiescnen Erwer-bung mit dem Wolfsteinschcn Hause gegrollt und dessenSchwelle nicht wieder betreten. Seiner Ursel blieb erzwar hold und treu; aber sie weinte schon einige Wochenlang in ihrer Lüstern Zelle, und er wußte noch kein Wort