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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
152
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war sie doch dem Jüngling nicht abhold. Er war derErste, der ihr zärtliche Achtung bezeigte; und gegen Aeu-sterungen dieser Art ist auch das sittsamste Mädchen nichtunempfindlich.

Als die Hitze des Tages verkühlt war und die Zeit derAbcndpromenaden herannaht e, sandte Rosalie einen stillenSeufzer ins Wäldchen, wo der Graf längst mit Ungeduldihr entgegen sah.

Er zürnte heut der Nachtigall:

Sie sollt' ihn nicht durch laute Triller stören,

In weiter Ferne schon de» SchallDeS FußtrirtS der Erwarteten zu hören.

Aber, wie ein ächter Sohn des Dichtcrgottes, unbeküm-mert um den Kaltstnn mitunter wohl auch Haß undVerfolgung seiner Zeitgenossen, sein unsterbliches Liedsingt: so wirbelten und trillerten die Waldsänger fort, ohnevon dem Undankbaren (der ihnen nur dann ein geneigtesOhr leihen wollte, wenn er ans kein Mädchen zu lauernhatte) Kunde zu nehmen. Sie kehrten sich sogar nichtdaran, daß er zornig vom Rasen aufsprang und ihnen mithochgeschwungenem Taschentuche Schweigen gebot.

Er lauscht' und lauschteMit ruhlosem Sinn.

Ein Blättchen rauschte,

Schnell sah er hin;

Doch immer kehrte sein BlickGetäuscht zurück.

Da seufzt' er bange:

»Wo weilt sie so lange?

Sie ist mir nicht hold,

Sie scheuet den Grafen,

Sein Silber und Gold.