Felsenburg war seine Welt. Er, der Sklav seines men-schenfeindlichen Vaters, durste sich nie so weit davon entfer-nen, daß er die Spitze des Thurms aus den Angen ver-lor. Der Alte war schon seit fünfzehn Jahren Wittwer,und ging seit dieser Zeit bloß mit Weidmännern und Zech-brüdern um. Wenn er nun auch ein oder zwei Mal imJahre das Licht seiner Pracht leuchten ließ vor der benach-barten Ritterschaft, und sie mit Weib und Kind zu einemglänzenden Gastmahl einlnd, so erschienen zwar Frauenund Fräulein in bunter Menge; es gelang ihnen abersammt und sonders nicht, den ruhenden Hcrzenshammerdes jungen Grafen in Bewegung zu setzen. An gutemWillen und thätigcn Anstalten gebrach es nicht. Der ein-zige Sohn des steinreichen Grafen von Droß war dievortheilhafteste Partie im Lande; Mütter und Töchter stell-ten ihm daher mancherlei Netze. Er schritt aber ruhigdarüber hinweg, und bemerkte kaum die Erobcrungsver-suche dieser Damen, die lieber eine schnarrende Leier, alsden herzansaffcndcn Gesang seines Lieblingsvogels horten.Ein Mädchen von Geist und Gefühl war ihm auf seinerLebensbahn noch nicht begegnet.
Ahnungen, sonst nie empfunden,
Wecke' in ihm die Nachtigall;
Tage träumt' er hin wie StundenBei dem süßen Liederschall;
Doch nicht blvs ihn saust zu rühren,
War das Amt der Sängerin;
Auch ein Herz nach seinem SinnSollte sie an« Herz ihm führen.
Ihre ZaubcrmelvdeinHorcht' er einst mit Wonnclauschen.
Da begann ein leises RauschenDurch den Laubcngang im Hain;