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6 (1847) Talismane gegen die lange Weile
Entstehung
Seite
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hatte bei der Kammerfrau die Nachricht abgegeben, baßder zerbrochene Wage» an diesem Orte, wo es a» geschicktenHandwerkern fehle, nicht wieder hcrgestcllt werden könne.

Diese Verlegenheit hob sich zwar zum Thcil durch Hein-richs Erbieten, mit Anbruch des Tages zurück zu reitenund einen Wagen zu senden; allein die Gräfin mußte sichdoch entschließen, noch eine Nacht im Schlosse zu bleiben.

Sie bezog dasselbe Gemach, wo ihr der Geist Buße ge-predigt hatte, und er unterließ nicht, sich wieder zu zeigen.Doch sei» Wesen war ganz verändert. Er kam nicht lang-sam und traurig geschritten; er schwebte mit fröhlicherLeichtigkeit ins Zimmer, setzte sich bei Mathilden niederund sang zur Harfe:

AuS des Grabes engen SchrankenLas; mich nach ein Mal zu dirIn das Land dcS Lebens wanken,

Dann erschein' ich nicht mehr hier.

Habe Dank! Ich geh' und freueMich der stillen Nnhestarr,

Die mir deines Leichtsinns NeueEwig nun bereiter hat.

Da diese Worte gesungen waren, überreichte der GeistMathilden seine Harfe mit einer freundlichen Geberdc,womit man ein Geschenk zu begleiten Pflegt. Dann ver-schwand er und hielt Wort; denn man sah ihn seit diesemTage nicht wieder.

Eben so redlich hielt nun auch Mathilde das ihrige: sicward Lindhofs Gemahlin. Die Harfe der Jungfrau blieblange bei ihrer Nachkommenschaft ein heiliges Erbstück,und die Mütter brauchten sic oft, wenn die Töchter hcran-wuchsen und nach Mathilden zu arten schienen, zum War-nungszeichcn gegen Leichtsinn nnd Untreue.