„Ach, ich kann mich kaum fassen!" antwortete Jener:„Die unerwartete Nachricht vom Tode meines leiblichenBruders — denn das war dein Vater — hat mein In-nerstes erschüttert. Seit einer langen Reihe von Jahrenhaben wir einander nicht gesehen. Ich durchzog als Kauf-mann alle Theile der Welt, erwarb mir ein fürstlichesVermögen, und kam jetzt in meine Gcburtsstadt zurück,um mich zur Ruhe zu setzen und brüderlich mit deinemVater zu thcilen. Indem ich im Begriff war, nach seinerWohnung zu fragen, erblickt' ich dich, erkannte schnell dasmir immer gegenwärtige Bild meines unvergeßlichen Bru-ders in jedem Zuge deines Gesichts, und mein Herz walltedir zärtlich entgegen. Aber du vergaltst nicht Liebe mitLiebe; denn das erste Wort, das ich aus deinem Mundehörte, war ein Dolch in meinen Busen, und diese Wundewird nimmer heilen. Ach, ich wollte mein Gold und meineJuwelen ins Meer werfen, wenn ich damit deinen Vatervon dem unerbittlichen Tode zurückkaufen könnte!" —
Nu, nu, gebt Euch nur zufrieden! sprach Aladdin, dendieses Klagelied zu lange von seiner Spielgesellschaft ab-hiclt: Geht, Herr Oheim, besucht meine Mutter!
„Sie befindet sich doch wohl, die gute Frau?" sagteder Alte, und trocknete seine Thränen.
Wie man das nimmt; antwortete der leichtsinnige Knabe:Gesund am Körper, krank am Beutel.
„Das hat nichts zu sagen;" tröstete Jener: „Ich willihr Arzt und dein Vater sepn."
Topp, Herr Ohm! rief Aladdin: Das wird meinerlieben Mutter viel Freude machen. Geht doch ja gleichzu ihr!
Der alte Herr entschuldigte sich, er habe jetzt nicht Zeit,weil er eben hundert Lastkameele mit seinen Gütern erwarte.