Druckschrift 
1 (1854)
Entstehung
Seite
169
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Siebenter Gesang.

19 .

Oft wenn die Heerde sich in WaldesgründcnVerbirgt vor mittagsheißem Sonnenschein,

Gräbt sie in Lorbeer- und in BuchenrindenWohl tausendmal dc§ Theuern Namen ein;

Ihr seltsam Unglück will dem Wald sie künden,

Den Bäume» sagen ihre Licbespein,

Drauf lies't sie ihre eignen Züge wieder,

Und Thränen rinnen auf die Wangen nieder.

20.

Dann spricht sie weinend: liebe Pflanzen, euchSei nun vertraut Herminia's Schmcrzcnskunde!Vielleicht zu eurem holden SchattenreichKommt ein Verliebter einst in später Stunde,

Süß Mitleid fühlt er dann im Herzen gleich,

Wird Ahnung ihm von meines Herzens Wunde;

Und spricht: Geschick und Lieb' ist ungerecht.

Und lohnt so große Treue also schlecht!

21.

Vielleicht kommt einst ward ja vom Himmel eineBitte der armen Sterblichen erhört

Durch Schicksals Fügung Der zu diesem Haine,

Den ach, mein tiefes Leid wohl nicht beschwert.Und wenn zum Grabe dann, das die GebeineDer Armen birgt, er seine Augen kehrt,

So wird er späten Lohn mir noch gewähren.

Und feiern meinen Gram durch Seufzer, Zähren.

22 .

Mag mir alsdann der Tod das Glück erschließen.

An deren Herzen nur der Gram genagt.

Und meinem kalten Staub die Freude sprießen,

Die mir das Leben immerdar versagt.