TmMalo Tasso's Befreites Jerusalem. Nebcrsetzt Prof. Ili. Dnttcnhofcr. Neue gänzlich nmgcnrlieitete Lnsgalie. Erller Land. Scrlin. Verlag von A. Hofnian» L Comp. 1854 . Leipzig, Erster Gesang. 1. Ich sing' den Führer und die fromme» Waffen, So des Erlösers großes Grab befreit; Viel ward durch seinen Geist und Arm geschaffen, Biel bracht' auch die. Eroberung ihm Leid, Vergeblich war der Höllcnmacht Nufraffcn, Vergeblich Asiens, Lybicns Volk ihm dräut. Denn Gottes Kunst führt' zu den heil'gen Fahnen Zurück, die sich verirrt auf falsche Bahnen. 2, O Muse, deren Stirn am Hclikone Sich nie umlaubt mit welkem Lorbcerkranz, Nein, bei den Sel'gen dort am Himmelsthrone Von Sternen strahlt, bekrönt im ew'gcn Glanz, Gieb, das, in mir ein himmlisch Glühen wohne. Erleuchte meine» Sang, vergicb, wenn ganz Nicht deinem hehren Reiz die Verse dienen. Und Wahrheit schminkend irdisch sich begrünen! Du weißt, cs strebt die Welt dahin, wo linde Süß schmeichelhafte Worte beut Parnaß, Daß Wahrheit in des Verses süßer Rinde Lockt, überredet selbst den störr'gcn Haß. So reichen wir Arznei dem kranken Kinde, Des Kelches Rand benetzt mit süßem Naß; Es trinkt nun so getäuscht die bitter» Säfte, Und Täuschung bringt ihn, neue Lebenskräfte. Tasso, bcfr. Ierus. , Erster Gesang. 4 . Hochherziger AlfonS, der mich entzogen. Den irren Wanderer, des Schicksals Wutb, Der mich zum Hafen führte, als durch Wogen Und Klippen fast erstarrt mein LcbenSblut, Sei diesen Blattern freundlich nun gewogen, Drinn meine Weid' und heiß Gelübde rubt! Vielleicht kommt eine Zeit, wo ich eS wage Zu schreiben, waö ich jetzt nur ahnend sage. Recht wär'S, (wenn — waS sic freilich niemals waren. Das heißt: in Frieden — je die Christen hin Mit Ross' und Schiffen eilten, den Barbaren Die ungerechte Beute zu cntziehn,) Daß dir das Sccptcr über Hecresschaaren, Wo nicht, deS Meeres Herrschaft sei verliehn. Nachcisrer Gottfrieds, höre du indessen Dies Lied, um einst dich mit dem Feind zu messen. Sechs Jahre warcn'S, daß in der Levante Den hohen Streit die Christenschaar begann. Durch Sturm Nicäa, und das wohl bemannte Antiochien sich durch KricgeSlist gewann; Worauf der Kampf mit Persiens Volk entbrannte. Das herkam, ein zahlloser HecreSbann; Tortosa siel, die schlechte IahrSzcit machte, Daß nun das Heer auf'S nächste Jahr erst dachte. 7 . DeS regenvollcn Winters Endestundc, Der jeden Krieg cinschläfcrt, war nicht fern. Als von dem Thron in reinster HimmclSrunde, Der höher steht ob dem entferntsten Stern Erster Gesang. 3 Als von dem Stern cs ist zum Hvllenschlunde, Beliebt zu schau'n der Welten höchstem Herrn Nach unten, wo die Welt sich ihm vollkommen Darstellt, obgleich in einen Punkt verschwommen. Er schaut das All und blicket auf der Christen Anführer, die in Syrien weilen, hin. Und mit dem Blick, dem in der Menschen Brüsten Nicht die geheimste Regung kann entfliehn. Schaut er auf Gottfried und sein heiß Gelüsten Die hcil'ge Stadt den Heiden zu entzichn; Er sieht, daß frommer Eifer ihn entfachte. Und er an Ruhm und Gold und Macht nicht dachte. Schaut Baldovin nach Menschengröße trachtend. Der sich in ird'schem Streben ganz verirrt; Schaut Tancred, der, sein Leben ganz verachtend. Um eitle Liebeslust sich härmend, girrt; Und Bohemund Antiochien sich betrachtend. Ein Reich dort gründend, daß stets fester wird, Gesetze gebend, ob Gebräuchen waltend. Des wahren Gottes Cultus aufrecht haltend, Und von dergleichen Plänen so benommen. Daß an kein ander Handeln mehr er denkt. Er schaut Rinald, dcß Geist, zum Kampf entglommen,^ Sich nimmer mit Geduld zur Ruhe lenkt. Den Geldgier, Herrschsucht, zwar nicht überkommen, Der aber tief im Durst nach Ruhm versenkt; Er schaut ihn an des Guelfen Lippen hangen, Von alten Helden Kunde zu empfangen. r 4 Erster Gesang. 11. Nachdem der Herr das Denken, wie das Fehlen In den und jenen Herzen nun erspäht. Ruft er aus Himmclsglorien Gadriclcn, Der bei den Ersten dort als Zweiter steht, lind zwischen Gott und den getreusten Seelen Ais froher Bot' und treuer Dolmetsch geht; Er trägt Befehle von dem Himmel nieder. Der Sterblichen Gebet zum Himmel wieder. 12. Gott spricht zum Boten: Gottfried geh' entgegen, In meinem Namen frag': was hält er ein? Warum will man nicht wieder Krieg erregen, Jerusalem aus Ketten zu befrei'»? Zum Rath ruf' er die Herrn, er soll die Trägen Für's Werk begeistern! er soll Führer sein! Ich wähl' ihn hier, die werden's auf der Erde, Das;, wer Genoss' ihm war, sein Diener werde. Er sprach's, der Engel gürtet ohne Weile Sich, zu vollbringen, was der Herr gemeint, Umhüllt mit Lust die unsichtbaren Theile, Daß sichtbar er dem ird'schcn Sinn erscheint. Und von Gestalt ein Mensch, hat er in Eile Mit ird'schcr Schönheit himmlische vereint; Ein Jüngling in der Kindheit frischem Glanze, Um's blonde Haar den Schmuck von; Strahlenkränze. Der Himmclsbotc nimmt die weißen Schwingen, Die unermeßlichen mit goldnem Rand, Die schnell und leicht durch Wind und Dunst ihn bringe». Wo er erhaben schwebt ob Meer und Land. Erster Wcsang. 5 In der Gestalt will er sich nicderschwingcn. Dem tiefste» Thcil deS Weltrunds zugewandt. Am Libanon erst niag den Flug er zügeln. Und wiegt sich frei auf ausgespreizten Flügeln. IS. In raschem Schwünge nun herabgeflogc», Lägt er sich nieder auf Tortosa's Strand. Hall' ruhte mich die Sonne in den Wogen, Halb glänzte sic schon an des Ostens Stand, Und, wie cs täglich ward von ihm gepflogen. War Gottfried brünstigen, Beten zngewandt, Als ihm erschien des Engels Angesichte, Der Sonne gleich, doch glänzender von Lichte. io. Gottfried, so sprach er, schau, nun ist vollkommen Zum Kriege reif die gute Jahreszeit! Was mag den» der Verzug euch jetzt noch frommen. Das, ihr Jerusalem vom Druck befreit? Zum Nathe lag die edel» Ritter kommen. Und sporne flugs die Trägen an zum Streit! Zun, Führer hat dich Gott bereits ersehen. Gern werden unter deiner Macht sie stehen. Gott schickt als Boten mich, dir zu enthüllen. Was er verfügt, und sollte nicht mit Fug Sicgshoffnung jetzt und Eifer Dich erfüllen Für unser Heer, das er dir übertrug? — Er schweigt, und wo die Himmelsäther quilic». Zum höchsten Luftrevier trägt ihn sei» Flug, Und Gottfried, von des Engels Glanz geblendet. Blickt tiefbewegt ihm nach und »»verwendet. 6 Erster Gesang. IS. Dach, als er nun begreift, wer liier gegangen, lind faßt, was er gesagt und wer gebeut. Da wird sein Wunsch zum beißen Gluthvcrlangen, Als Führer zu beenden jenen Streit. Nicht daß sein Herz des Hochmuths Wahn umfangen. Weil Katt mehr Kunst als andern ihm verleiht; Den eignen Willen fühlt er sich entflammen Durch Gottes Wort, wie Asche glüht in Flammen. io. Drum hat er die Genossen sich ersehen. Die rings zerstreut, zum Nathe er berief, Mit seiner Botschaft eint er freundlich Flehen, Schickt Boten über Boten, Brief auf Brief. Was halb cntschlafne Tugend läßt erstehen. Was eine Seel' entzündet, welche schlief. Er wendct's an, und auch den Schmuck er findet, Mit dem geziert sein Wort gefällt und bindet. 20. Ein jeder Führer tommt nun mit den Seinen, Nur Bvhcmund hat sich nicht eingestellt, Tortosa öffnet gastlich sich den Einen, Die Andern lagern draußen in dem Feld. Zu einem feierlichen Tag erscheinen Die Großen all', zu würd'gem Rath gesellt. Der fromme Gottfried redet nun zu ihnen Mit klarem Ton und majestät'schen Mienen: 21 Ihr Krieger Gottes, die der Herr ersehen. Daß ihr den wunden Glauben wieder heilt; Der euch zu Meer und Land in Trug und Wehen, So Schutz als sichre Führung stets ertheilt; Erster Gesang. Daß Länder wir, so kämpfend widerstehen. Ihm weihen dursten, schnell und unverweilt. Besiegten Völkern seinen Namen kündend. Sie durch sein siegreich Banner überwindend; Wir ließen nicht manch holdes Pfand zurücke Im heim'schcn Haus — spricht je mein Inn'rcs wahr Wir gaben nicht uns preis des Meeres Tücke Und eines lang ausschnden Kriegs Gefahr, Damit uns kurzer Nuhmesklang beglücke. Und ein Stück Land uns lasse der Barbar; Wir müßten denn kleinfüg'gcn Preis erwählen. Vergossen Blut zum Schaden unsrer Seelen. Ziel unserS Denkens und der Preis der Waffen War Zions stolzer Maucrpracht Ruin, Unwürd'gcm Joch die Christen zu entlassen. Sie harter, böser Knechtschaft zu entziehn. Ein neues Reich im heil'gen Land zu schaffen. Wo sicher wohnt der Andacht frommes Glüh», Und brünst'ge Pilger ganz nach frommem Willen, Am hohen Grabe ihr Gelübd' erfüllen. 24 . Viel ist gewagt, noch mehr mit Muth erlitten; Wenig zum Ruhm, nichts für den Zweck bis jetzt. Wird Halt gemacht, wird da und dort gestritten. Nach andrem Ort der Waffen Macht versetzt: Was hilft's, daß wir aus unsrer Heimath Mitten Solch große Macht nach Asien kühn gehetzt. Wenn solche Mittel endlich nichts verrichten Als, statt ein Reich zu gründen, cs vernichten? 8 Erster Vesang. 2S. Ein mächtig Reich wird nimmer Der erbauen, Der bauen will auf weltlich Fundament, Wo Heidenvöiker ringsumher zu schauen, lind man nur wenig Glaubensbrüdcr kennt, Wo man den Griechen nimmer darf vertrauen, lind fern die Hülfe ist vom Occident; Nur Trümmer häufet er, die ihn begraben. Nur sich würd' er ein Grab errichtet haben. 20. Türkei, Antiochien, Persien — hoch erhaben Sv in der That, als durch des Namens Klang — Sie sind nicht unser Werk, nein, Himmelsgabcn, Weil wunderbar der Sieg unS dort gelang. Wenn wir durch Aufruhr sie verloren habe». Wie fast ich fürchte, trotz dem hohen. Gang, Den uns der Geber vorschrieb, wird der Menge Zur Fabel einst das laute Nuhmgcprängc. Ha, Keiner sei, der Gottes Gnadcnspende Durch Mißbrauch schnöd' verliert, versäumt, verstreut! Der nicht dem Werk vom Anfang bis zum Ende, Zum hohen Kampf berufen, ganz sich weibt! Nun, da uns günstig ist die Sonnenwende, lind jeder Paß von Hindcrniß befreit. Was hält uns ab, die Mauern zu berennen. Die wir das Ziel des ganzen Sieges nennen? Ja, ich beschwor' euch, Fürsten — und dies Wort Hört diese Zeit, cs höten's künft'gc Zeiten, Die Engel hören es im Himmel dort — Reif ist die Zeit, für's hohe Werl zu streiten. Erster Gesang. 9 Unsicher wird das Sichre fort und fort; Je mehr man harrt, je wen'ger läßt sich's leiten, Ist langsam unser Lauf, ich sage wahr — Bringt Palästina Hüls Aegyptens Schaar. 20. Er sprach's; es folgt ein Murmeln kurz und leise. Drauf Peter sich, der Ercmitc, regt. Ganz einsam in der Fürsten hohem Kreise Saß er, der jenen Krcuzzug einst bewegt: Was Gottfried heischt, ich rath' es, sprach der Greise; Hier ist kein Zweifel, seine Rede trägt Der Wahrheit Zug und Stempel, er bewies es, Ihr billigte und ich sage nur noch dieses. 30 . Schau ich genau auf euer Schmäh» und Zanken, Wie ihr euch, wie zur Probe, hadert, drückt. Wie ihr mit widerspenstigen Gedanken Das halb Begonnene im Keim erstickt. Scheint mir der Streit und des Verzuges Schwanken Zu einer hohen Quell' cmporgerückt: Weil hier die Herrschaft, in verschiedne Meinung Gctheilt, auch vielfach ist und sonder Einung. 31 . Wo nicht ein Einz'ger herrscht, zum Rathen, Schlichte», Dem Strafe wie Belohnung gleich entkeimt. Der die Geschäfte auSthcilt und die Pflichten, Wird irr' die Herrschaft und der Zweck versäumt. Schafft einen Leib, dem gern die Glieder pflichten. Ein Haupt, das alle leiten kann und zäumt! Verleiht an Eine» Scepter, Macht und Krone, Daß königliches Ansehn in ihm wohne! 10 Erster Gesang. 82 . Hier schwieg der Greis. O, heiliges Erglühen, Welch Herz könnt' wohl vor dir verschlossen sein! Dein Wort, dem Eremiten darf's cntsprühcn. Du prägest eS der Brust der Ritter ein. Du tilgst den Trieb, den uns Natur verliehen, Nach Ehre, Freiheit und der Herrschsucht Schein; Daß Wilhelm, Guelf, die Höchsten in dem Heere, Gottfried zuerst verlcih'n des Führers Ehre. gg. Die Andern stimmen bei. lind Aller Streben Prüfend zu leiten ist er nun bestellt. Bestegte sollen seinem Willen leben. Er lenkt den Krieg wohin, wie's ihm gefällt. Die Andern — sonst ihm gleich — sind ihm ergeben. Auf seinen Wink ihm als Diener gesellt. Beschlossen ist's, der Ruf davon erklungen, Verbreitet schnell sich durch der Menschen Zungen. 84 . Er zeigt den Kriegern sich; wohl scheint cs ihnen. Gar würdig sei er seines hohen Rangs, Und er empfängt mit huldvoll ernsten Mienen Der Seinen Gruß voll kriegerischen Klangs. Die wieder grüßend, die ihm eifrig dienen. Voll Liebeszeichen, voll geschäst'gen Drangs, Entbeut er bei des nächsten Tages Grauen, Das Heer, um ganz gcschaart cs zu beschauen. Sv. Als nun am Aufgangsort die Sonn' erglommen, Mehr als gewöhnlich strahlend, rein und licht, Sieht man gerüstet jeglich Fähnlein kommen. Sobald der neue Tag die Nacht durchbricht. Lrstcr Vesang. Im Schmuck zeigt Jeder möglichst sich vollkommen Im weiten Kreis vor Gottfrieds Angesicht. Er steht allein und sieht vorüber wandern Fußvolk und Reiter, Eines nach dem Andern. Gedächtnis;, Feind der Zeit und dem Vergessen, Bewahrer aller Dinge treu und wahr. Beseele mich, damit ich künde, wessen In diesem Heere war jedwede Schaar, Das; sich ihr Ruhm mit aller Zeit mag messen. Den doch zu schwärzen sucht ein jedes Jahr! Mit deinen Schätzen schmücke meine Sprache, Das; keine Zeit sie minder glänzend mache. Erst kamen Franken, deren kühne Schilde, Des Königs Bruder Hugo sonst regiert. Aus Islc de France, dem herrlichen Gefilde, ! Völlig umschlossen durch ein Flusigeviert. Goldlilicn tragen sie im Fahnenbilde; Seit Hugo ihnen ward vom Tod entführt. Führt sie Clvthar, ein Ritter auserkoren. Nur das; er nicht im Purpur war geboren. 3S. Eintausend Männer sind cs, schwer gerüstet; Auf sie folgt eine gleiche Neiterschaar, — Normannen — die sich stolz und kriegrisch brüstet. Und Waffen trägt, so jeder Zierde bar.' Es führt sie Robert wie es ihn gelüstet, Der in dem Land als Fürst geboren war. Dann zweier Völkerhirten Banner fliegen, Wilhelms und Adhemars, vor ihren Zügen. 12 Erster Gesang. gg. Und beiden, welche einst sich bcil'gcn Zwecken, Dem Gottesdienst, mit frommem Sinn geweiht, Musi nun der Helm das lange Haar verstecken. Im Waffenschmucke ziehen sic zum Streit. Der Erste wählte sich vierhundert Necken Aus von Oranicns Markung weit und breit, Der Andere erkor aus Puy's Stauen Die gleiche Zahl, im Kampf gewandt zu schauen. 40 . Drauf kommt mit seines Bruders Bolognesen Zur Heercsschau gezogen Baldovin, Desi frommer Bruder, nun zum Herrn erlesen Der Heersmacht, mit den Seinen ihn läsit ziehn. Dann folgt der Graf von Chartres, streng von Wesen Und Math und in den Waffen stark und kübn. Bierhundert führet er; an Balduin schlossen Jedoch sich dreimal mehr auf stolzen Rossen. Ein Mann, der mit Verdiensten Glück verbindet. Zieht Herzog Guclf nach diesen auf sogleich. Ob ihn als Sproß von röm'schen Vätern kündet, Sein Stammbaum, der an sichern Ahnen reich. Ist doch sein Name deutsch, und eng verbündet Dem Haus der Welfen bleibt er und sein Reich. Am Donaustrom, in Kärnthen dieser thronet. Am Rhein, wo Sucven, Rhäticr einst gewöhnet. 42 . Zu diesem mütterlichen Erbthcil brachten Ruhmvolle Waffen ihm manch schönes Land; Draus zog er Völker, die den Tod verachten, Wenn er zum Kampf sie führt mit kühner Hand. Erster Gesang. 13 Er und manch lustiger Bruder, sie verlachten Den Winter, heißem Zechen zugewandt. Fünftausend warcn's einst, doch von den Hieben Der Perser ist ein Drittheil nur geblieben. -iS. Dann kommt ein Volk, von Frankreich und dein Meere Und Deutschland hart begrenzt, wv sich dem Rhein Die Musel eint, ein Land voll guldncr Achrc Und reich an Vieh — ihr Haar hat gelben Schein — Nebst jenem Insclvulk, das buhe Wehre Entgegensetzt des Oceanes Dräun, Dcm's nicht nach Waaren, Schiffen bloß gelüstet. Der Städte, ganze Reiche selbst verwüstet. 44 . Zweitausend kvmmc» sie zugleich geschritten. Von eines andern Roberts Hand regiert. Ein wenig stärker ist die Schaar der Brillen, Die Wilhelm, jüngrer Sohn des Königs, führt; Pfeilschützen sind'S, cs geht in ihrer Mitten Ein Volk, des; Wohnort fast den Pol berührt. Aus Wäldern kommen diese bärtigen Starken, Und Iren sind es, von der Erde Marken. 45 . Tancrcd kommt nun; im Kampfe hoch vor Allen Und — nur Ninaldo »chm' ich aus — so gut Wie schön uni jedem Auge zu gefallen. Der Nnmuthrcichste und der Reichst' an Muth. Kann je auf ihn von Schuld ein Schatten falle», Ist's nur das Nase» höchster Licbcsgluth; Ein Blick nur war's, der ihn so tief Versehrte, Ltets wuchs die Gluth, die er mit Kummer nährte. Erster Gesang. 40 . Als Persiens Volk in schwerer Niederlage Erlag einstmals des Frankenheeres Wucht, Und Tancrcd müd' —> sv meldet uns die Tage — Weil er zu schnell versalzt der Feinde Flucht, Dem matten Körper eine weiche Lage, Den durst'gen Lippen eine Labung sucht', Da zeigt sich eine Quelle rein und kühle, Umgeben van des Rasens üpp'gcm Pfühle, 47 . Als mit entblößtem Antlitz, sanft vallkvmmen Gewaffnet, eine Jungfrau var ihm stand. Zu gleichem Zweck war sicher hergekammen Die schöne Heidin nach der Quelle Rand. Er sah sic, staunte, und war schnell entglommen. Van ihrer Schönheit Zauber ganz entbrannt. O Wunder! Amor, kaum gebaren, flieget Sa mächtig schon einher, und bat gesiegct. 48 . Sie schließt den Helm, und kämen nicht die braven Genossen Tancreds, sie bekämpft' ihn wild. Es weicht das stolze Weib van ihrem Sclavcn, Denn Flucht scheint einzig jetzt ihr Schirm und Schild. Dach in dem Herzen sein wird nimmer schlafen Ihr bcrrlichschöncs kriegerisches Bild; Es ist ihm, wo er geht, stets in Gedanken, Ta schürt er seine Gluthcn sonder Schranken. 49 . Wer tiefer blickt, der könnt' an ihm wähl schauen: Der brennt in Llebesgluth, an Hoffnung arm; Sa geht er seufzend hin, gesenkt die Brauen Zur Erde blickend und erfüllt van Harm! — Erster Gesang. 15 Achthundert Reiter folgen von den Gauen Campanicns, jenen milden, seinem Arm, Wo aus dem Mittelmcer in sanftem Neigen, In üppigsllßcr Pracht die Hügel steigen. Zweihundert Griechen kommen nun gezogen. Mit keines Panzers Eisenschutz bewehrt; Auf ihren Rücken klirren Pfeil' und Logen, An ihrer Leite hangt ein krummes Schwert; Auf hagern Nossen, ganz zum Lauf erzogen. Bei schmaler Kost, durch Mattheit nie beschwert. Sind sie zum Angriff, Rückzug immer fertig. Und selbst im Flieh», zersprengt, des Kampfs gewärtig. si. Sie führt Tatin. Mit den lateinschen Waffen Aus Griechenland herbei kam er allein. O Schand', o Schmach! kannst, Hellas, du erschlaffen? Wie nah der Krieg dir ist, sichst du nicht ein? Willst müßig dir das große Werk begaffen, llnd schaust hier nur wie im Theater drein? Die Sclavcrci beklage nun mit Nichten, Dich drückt die Knechtschaft nicht, sie soll dich richten. !- 2 . So mögt ibr in der Reihe denn erschauen Die letzte Schaar, die erst' an Kraft und Ruhm. Die freien Ritter nennt man Asiens Grauen, Mars Donnerkeile und des Heeres Blum'! Schweigt von den Schiffern aus der Minycr Gauen, Von Arthurs und der Seinen Heldenthum. Vor ihrem Ruhm muß jeder früh're schwinden: Welch' Würdiger nun wird sich als Führer finden^ 16 Erster Gesang. ss. Dudo von Consa ist's. Da, wer an Tugend lind Blut der Beste sei, zu sagen hart. Sind Alle Eins, ihn zum Befehl befugend. Dieweil er mehr geschafft und mehr gewahrt. Zur ernsten Mannheit reifte seine Jugend; Noch zeigt er frische Kraft im grauen Bart, Manch schönen Narbenschmuek hat im Gesicht er, lind laut von Ehre, Muth und Kühnheit spricht der. ö«. Ihm folgt Eustach, von eignem grosicm Ruhme, Noch mehr, weil er ein Bruder Gottfrieds heißt; Gcrnand, bekrönt von bohcm Hcrrschcrthumc, Der Norwegs König seinen Vater preist; Nüd'ger von Balnavilla, wohl die Blume Der Ritterschaft, nebst Engerlan zumeist; Genton, Rambald, sic eifern, wer der Kühnste, Gehrharde zwei, vom nämlichen Verdienste. Sö. Ubaldo und Nosmund sind nun zu nenne», Der liebte e>bt Lancasters Hcrzvgssil;. Obiz, den Tuskcr, sollte Jeder kennen. Der eifrig mit Geschichte plagt den Wist. Achill und Palamed und Sforza brennen, Lombarden alle Drei, im RuhmeSblisi, Und Otto auch, bei dem den Schild man findet. Auf dem ein Kind sich nackt der Schlang' entwindet. öl>. Guasco'n, Ridolsen auch nicht zu vergessen. Zwei Guides dann, durch hohen Ruhm bekannt; Noch Germer, Eberhard; es war' vermessen Und undankbar, rühmt' sie nicht meine Hand. Erster Gesang. 17 Wo fuhrt ihr hin mich, der ich nicht versessen Aufs Zählen bin, vereint durch süßes Band, Gildipp' und Odoard? die so in Liebe brennen, Daß Krieg, ja Tod, die Gatten »initiier trenne»! 57. Was bringt uns Amors Schule nicht für Kunde! Die zarte Frau, sie wird im Kriege kühn. An des Geliebten Seit' in jeder Stunde; Ei» herber Schlag streckt Beider Leben hin. Gleich ist der Schmerz für Beide, gleich die Wunde, Kein Streich hat ein ent Schaden je'verlieh». Wird er verletzt, so mußte sie erbleichen. Und blutet er, auch ihr die Seel' entweichen. 58. Doch diese überstrahlt Rinald, der Junge, Wie Alle, die im Heer zur Must'rung gehn; Zeigt er mit holder Kühnheit wildem Schwünge Die Heldcnstirn, wird er allein geseh'n. Dem Hoffen eilt sein Alter vor im Sprunge, Du denkst auf Blüthcn wo schon Früchte stehn. Mars scheint er, so in Erz gehüllt die Glieder, Doch Amor, legt er seine Waffen nieder. so. Es gab der Welt ih» in der Etsch Gefilde Sophia, welche Bcrthold heiß geminnt; Doch nahm der schonen Mutter bald Mathilde Den Säugling von der Brust, das süße Kind. Es lehrt' ihn königliches Thun die Milde, Sie zog ihn auf; er blieb ihr treugesinnt, Bis vom Drommetenklang im Oriente, Sein Jugcndmuth ganz für den Krieg entbrennte. Tasse, bcfr. Icrus. 2 18 Erster Gesang. so. Und dann allein aus unbekannten Wegen Floh er — nicht hat er fünfzehn Jahre ganz — Zur Ferne, .wo das Christenheer gelegen, Durch's Jnselmeer, die Marken Griechenlands. Welch' würdig Ziel, hochherz'ger junger Degen, Welch' edle Flucht, welch' hohen Ruhmes Glanz! Drei Jahr' ist er im Feld bei den Genossen, Und kaum um's Kinn sieht weichen Flaum man sprossen. oi. Die Reiter sind vorbei, zur Must'rung gehen Des Fußvolks Haufen, Raimund zieht voran; Als Herr Toulvuse's liefern Pyrenäen Ihm Volk, sowie Garonn' und Ocean. Viertausend sind's, mik Waffen wohlversehen. Erprobt und hart, gewohnt der rauhen Bahn. Das Volk ist gut, der Führer viel erfahren, Und keinen bessern fänden diese Schaaren. Stephan L'Amboisc führt fünftausend Köpfe Von Blois und Tours zu diesem Waffentanz. Dies ist kein starkes Volk, das nichts erschöpfe, Geht's gleich in Stahl gehüllt und schmucke» Glanz. Ihr Land, so üppig froh, erzeugt Geschöpfe Voll Lust und leichtem Sinn, ihm ähnlich ganz. Ihr erster Angriff zeigt das tollste Wagen, Doch bald ermatten sie und sind geschlagen. «s. Alkast kommt nun herbei mit trotz'gcn Mienen, Wie Kapaneus vor Theben einst gezeigt; Sechstausend Schweizer führt er, von dem kühne» Volk, das aus Alpenburgcn niedersteigt; Erster Gesang. 19 Er läßt zu würd'germ Zweck das Eisen dienen Der niedren Froh»' deS Pflügens sonst gebeugt; Und seine Hand, die Heerde» erst geleitet, Nu» furchtlos gegen Königsthrone streitet. Jetzt sieht Tiar' und Petri Schlüssel prangen Man im entrollten Banner hoch und kehr. Mit siebentausend kommt Camill gegangen, Fußgänger sind's, in Waffen, blank und schwer; Froh, Laß der Hinimel Ruhm ihn läßt erlangen. Den alten Ahnen gleich, in diesem Heer, Wo nicht, zu zeigen, daß zur alten Tugend Nichts fehlt, als Kriegeszucht der röm'schen Jugend. 22 Erster Gesang. 74 . Der Führer, der vor Hinterhalt bewahren Die Streiter will, und Feindes tückischen Plan, Eilt, auszusenden leichte Nciterschaaren, Daß Kunde von dem Lande sie empfahn; Zugleich auch Wcgcbauer, wohlerfahren. Daß sie dem Heere schaffen gute Bahn, Sie ebnen Hohen, füllen auch die Gründe, Daß überall man offnen Zugang finde. 75. Nicht Heidcnvolk, auch noch so dicht ergossen. Nicht Mauerwcrk, von Gräben tief umfaßt. Kein Strom, kein Waldgcbirg, noch so verschlossen Von dichtem Tann, zwingt je das Heer zur Rast. So kommt der Flüsse König angcschosscn. Wenn er sich schwellt mit ungefüger Hast, Zerstörend bricht er durch des Ufers Dämme, lind nichts ist, was sich ihm cntgegenstemme. 7S. Der Fürst von Tripoli birgt volle Schränke, Viel Volk und Wehr in Vesten, hoch und weit, Er spielte wohl den Franken böse Ränke, Allein er wagt sich nicht heraus zum Streit. Drum schickt er Boten her und Sühngcschenkc, Zeigt zum Empfang der Christen sich bereit. Und hat des Friedens Pactcn unterschrieben. Ganz wie dem frommen Gottfried sie beliebe». Vom Berg Sclr herab, der hoch erhaben Gen Osten sich erhebt, der Stadt nicht fern, Zieh» Christenmänncr, Weiber, Mädchen, Knaben, Ein langer bunter Zug, hinab zum Herrn Erster Gesang. 23 Des Christenheers, darbringend ihre Gaben. Sic sehen ihn, sie hören ihn so gern. Sie staunen ob der vielen fremden Streiter, lind freundlich, fromm, geleite» sic sie weiter. 18 . Er führt das Heer stets auf geraden Wegen, Und schlägt sein Lager nah' dem Mcercsrand, Er weis, ja, das, der Flotte reicher Sccgen Ihm zu Gebote steht am freien Strand, Dem Heere schaffend, was, um es zu pflegen, So starke Wehr, als Brod, — man braucht zur Hand; Der gricch'schcn Inseln Ernt' ist so die seine, Creta und Chios schicken ihm die Weine. 79 . Von bohcn Schiffen, so wie leichtern Kähnen, War schon das nachbarliche Meer beschwert. So das, im Mittclmcer den Saraccnen Jedweder sichre Durchgang schien verwehrt, Denn viele sind der Schiffe außer denen. Die Sanct Georg und Marcus hat bewehrt. Von England, Frankreich, Holland hcrgcschwommcn. Zu denen auch noch die Sicilicns kommen. Und sie, die Alle durch die starken Baude Des gleichen Willens enge hier vereint. Sie brachten Vorrath von gar manchem Strande Und Alles, was dem Heere nvthig scheint, llnd da die Pässe frei noch in dem Lande Und von den Grenzen ferne noch der Feind, Sv eilen sic dabin mit schnellen Schritten, Wo Christus einst des Todes Pein gelitten. 24 Erster Gesang. 81 . Doch sic, die Wahrheit stets mit Lug verbindet, Fama, die Zwischcnträg'rin, geht vorauf; Daß sich zum Sieg bereits das Heer verbündet. Und unaufhaltsam schon begann den Lauf, Wie groß, wober die Schaarcn, wird verkündet. Der Kühnsten Ruhm und Namen zählt sie auf. Sie spricht von Siegen, schrecklich anzuschaucn, Und bringt den Zwingherrn Zions Angst und Krauen. 82 . Vor einem Uebcl ewig zu erbangen Ist schlimmer, als das Uebcl selbst sich weist; An jeder Kunde Hauch muß zweifelnd hangen Das gicr'gc Ohr und lauschen jeder Geist; Von wirrem Flüstern ist die Stadt befangen, Das bald von außen, bald von innen kreist. Doch hegt der greise König Rachgedankcn, Ist gleich Gefahr ihm nah, sein Herz voll Schwanken. 88 . Des Königs Nam' ist Aladin; er hütet. Von Sorg' umdrängt das Reich erst kurze Zeit, Jetzt ruh'ger zwar, hat er doch einst gcwüthct llnd ist zum Bösen auch noch stets bereit. Er hört, daß, der dem Frankenheer gebietet. Die Stadt erstürmen will in kühnem Streit, Zur alten Furcht kommt neues Unglücksahnen, Er scheut die Feinde wie die Unterthancn; 84 . Weil in der Stadt gemischtes Volk sich findet. Der kleine, schwächrc Theil desselben steht Bei Christi Lehre, die er fromm verkündet. Der stärkre, größre, glaubt an Mahomet. Erster Gesang. 25 Als Aladin sich dort den Thron gegründet Und Alles nun nach seinem Willen geht. Erleichtert ihre Lasten er den Heiden, Und läßt dafür die Christen doppelt leiden. Die angcborne Wuth, die schon so lange, Durch's Alter eingewicgt, erkaltend ruht. Erwacht, gereizt, in ihrem heißen Drange, Und mehr als jemals lechzt er jetzt nach Blut. So regt, erstarrt von Kälte sich die Schlange, Zahm scheinend, wilder in des Sommers Gluth; Sv wird der zahme Löwe grimm und wüthig. Wie einst er war, neckt man ihn übcrmüthig. — Wohl sch' ich cs, wie die ungläubige Menge — So sprach der Fürst — nun freudige Gluth durchdringt. Beim Unglück Aller wetzet sie die Fänge, Und lacht, wenn Alles weint, die Hände ringt, Sic sinnt, wie Hinterhalt, Vcrrath gelänge. Denkt, wie sie heimlich mich ums Leben bringt. Und wie dem Feind und seinen Kampfgenossen Im Stillen werde Thür und Thor erschlossen. 87 . Das darf nicht sein. Dem schändlichen Beginnen Begegne ich, bevor sic es gedacht! Ich will sic tödtcn und auf Qualen sinnen. Das Kind im Mutterleib sei umgcbracht! In Asche sinken Haus und Tempelzinnen, Für sie zum Scheiterhaufen angcfacht, Und wo auf diesem Grab die Priester beten, Da will ich sie als erstes Opfer tödten. 26 Erster Gesang. > So denkt — und noch bei solchem bösen Denken Verbleibt's — i» seinem Sinn der Böscwicht, Sieht man der Unschuld ihn das Leben schenken, Sv ist cs Feigheit, Güte sicher nicht, i Es hält ihn ab ein mächtiges Bedenken: Näth gleich die Furcht ihm grausames Gericht, Sv wagt er doch das Acrgstc nicht zu üben, Weil zum Vergleich ihm sonst kein Weg geblieben. M. Drum mäßigt der Tyrann sein tolles Wüthen, Macht anders es zu kühlen sich geschickt, Ningsher im Lande plötzlich Flamme» sprühten; Zerstörung haust, so weit da§ Auge blickt. Nichts bleibt, was Schutz den Franken könnte bieten. Kein Ort mehr, wo der Müde sich erguickt; Er trübt den Quell, die Bäche auf den Trifte», Ilnd mischt die reine Fluth mit bösen Giften. Er übt ruchlose Vorsicht, das geweihte Jerusalem befestigt er mit Macht. Drei Seiten sind gewachsen jedem Streite, Nur wcn'gcr stark ist die gen Mitternacht. Jedoch verschanzt er diese schwächere Seite, Sobald die erste Furcht in ihm erwacht. Und wirbt, so schnell und viel er nur vermochte. Zum Dienste Söldner so wie Unterjochte. Zweiter Gesang. 1. Indes; der Zwinghcrr ruft zum Kampf die Menge, Kommt eines Tags zu ihm Ismen allein; Ismen, der aus verschlossncn Grabes Enge Die Leichen ruft mit frischen Lebens Schein, Ismen, der, durch verruchte Zaubcrsängc, In seiner Burg den Pluto schüchtert ein. Der seine Geister zu dem Dienst des Bösen, Gleich Sklaven binden kann und wieder lösen. 2. Einst Christ, sodann zu Mahom abgcfallcn. Hat jenen Glauben er nicht ganz verdrängt, Vielmehr zu bösen Plänen nach Gefallen Halbkundig beide Lehren arg vermengt. Nun läsit dem Dunkel grauscr Fclscnhallcn, Wo er versteckt auf schlimme Künste denkt. Die öffentliche Noth ihn schnell enteilen. Und schlechtem Herrn noch schlechtem Rath ertheile». a. Das Sicgcrhccr, Herr, spricht er — naht mit Eile, Doch wenn ob seinem Marsch uns Schreck befällt. So thun wir nur, was ziemt an unsrem Thcile, Dann hilft der Himmel uns, hilft uns die Welt. Als Führer, König hast du sonder Weile Alles vorbcrgcschn, besorgt, bestellt. Drum zweifle nicht, thun ihre Pflicht die Andern, So wird der Feind zu seinem Grab nur wandern. 28 Zweiter Vesang, Was mich betrifft, ich komm', in den Gefahren Bei jedem Werke dein Genoß zu sein, WaS Atter kann, im Rathe viel erfahren. Was Zauberkunst vermag, sei alles dein, Nom Himmel ausgcstvß'ne Engelschaarcn Will ich zugleich zu unsrem Werke weih'»; Erlaube nun, daß ich zuerst verkünde. Auf welche Art den Zauber ich begründe. s. Im Christcntempcl steht in einer Grotte Verborgen ein Altar, d'rauf ruht da§ Bild Der Göttin, welche von dem Christengottc, Dem eingcsargtcn man die Mutter schilt; Ein ew'geS Licht brennt dort die fromme Rotte Vor m Bildniß, das ein Schleier dicht verhüllt. Gelübde sieht man dort in langen Reihen, So ihrem Gott die gläub'gen Frommen weihen, o. Dies Bildniß mußt du nun mit eignen Händen -- So will ich cS — entführen jenem Ort, Und während kräft'gcn Zauber anzuwenden. Ich eile, trag'S nach unserm Tempel fort. Von uns bewacht, muß uns gezwungen spenden Verhängnisvolle Hülfe dieser Hort, Unüberwindlichkcit den Mauerringcn Von Zions Burg soll dieses Wunder bringen. Er spricht cS, und der König, der ihm glaubte, Stürmt hastig hin, wo er eS finden soll. Zwingt schamlos dort die fromme» Priester, raubte Das keusche Bild, das rein und unschuldsvoll Zweiter Gesang. Zum Tempel wandern muß, ww unerlaubte Gebräuche lüedcrzleh'n des Himmels Groll. Aufs heil'ge Bild am ungeweihten Orte Summt dann der Magier seine Lästerwortc. Doch Morgens, bei des Tages erster Helle, Sieht, der den ungeweihten Ort bewacht. Das Bild nicht mehr an seiner früher» Stelle. Er sucht ringsum, mit Muth und wohlbedacht; Dem König meldet er's in aller Schnelle, In dem sich drob die grimmste Wuth entfacht; Er denkt sich, eine von den Christenseelcn Hat sich erfrecht, eS heimlich wcgzustehlen. Sei's durch die Hand von einem frommen Diebe, Sei's durch des Himmels hohe Wunderkrast, Damit an dem verruchten Ort nicht bliebe Das Muttcrgottesbild in schnöder Haft; — Man weiß nicht, wer's gcthan, ob Haß, ob Liebe, Ob's Mcnschenkunst, ob's Wunderkrast geschafft. Doch will ein frommer Sinn: bei solchem Werke Sei still der Mensch und preise Gottes Stärke. Der König stört mit seinem ungeduld'gcn Durchforschen jede Kirche, jedes Haus. Für den Verräther setzt er und den Schuld'gen, Belohnung jenem, diesem Strafe aus. DeS Magiers Kunst muß nun der Forschung huld'ge». Doch bringt er, noch so fleißig, nichts heraus. Der Himmel höhnt des Zaubers, fein gcjponnen. Hat er das Werk, hat es ein Mensch ersonnen? 30 Zweiter Gesang. 11. Doch, als der König sieht, daß ihm entgangen Der Christ, auf dem zumeist sein Argwohn ruht, Wird seine Brust von bösem Kroll befangen, Wild flammt sein Zorn empor und seine Wuth. Um jeden Preis will Rache er erlangen, Und ohne Schonung kühlen seine Gluth. — Mein Grimm soll fehl nicht gehn in diesen Horden, Der Räuber sterb' im allgemeinen Morden! 12. Die Unschuld soll, fällt nur der Thäter, fallen! Die Unschuld? ha, was sag' ich, wer ist rein? Voll Schuld ist jeder von den Christen allen, Nie tonnt' auch einer uns gewogen sein. Wär' Einer auch nicht neuer Schuld verfallen, Sv büßt er alte Sünd' in neuer Pein! — Aus, meine Treuen, auf! vertilgt durch Flammen Und durch des Schwertes Schneide all' zusammen. IS. So spricht er zu der Schaar; wovon die Sage Das ganze Christenhäufchen schnell durchdringt; Sie sind bestürzt von diesem schweren Schlage, Den Tod erschauend, der sic nun verschlingt. Nicht Einer denkt, daß Flucht, daß Kamps man wage, Daß er Barmherzigkeit durch Fleh'n erringt. Doch wie sie unentschlossen, zagend bange», Ist unverhoffte Hülfe aufgcgangen. 14 . Denn eine Jungfrau lebt in ihrer Mitte, Die königlichen Sinn im Busen trägt. Zum Schmuck der Tugend wird von reiner Sitte, Der Reiz der hohen Schönheit ernst gepflegt. Zweiter Gesang. 3l Ihr höchster Ruhm ist, daß in enger Hütte Solch hoben Werth sie still und schweigsam hegt. Vor Buhler Blick und Lob geht eng verschleiert Sie einsam nur einher und ungefeiert. 15. Doch keine Macht kann Schönheit so verstecken, Dasi man nicht ihren Reiz erkennt und preist; Du, Amor, willst's nicht, suchst sie zu entdecken An eines Jünglings sehnsuchtsvollem Geist. Du machst uns blind und Argus gleich, dem kecken, Machst, daß das Aug' sich schließt und offen kreist. Du lenkst auch nach dem keuschesten Gemache Des Andern Blick durch tausendfältige Wache. 16 . Olind, Sophronia nennen sich die Beiden, Die gleichem Ort und Glauben angehören. Sie ist so schön und er ist so bescheiden, Gr glüht, doch ohne Hoffen und Begehren, blicht weiß noch wagt er, kund zu thun sein Leiden, Und sie verschmäht den Blick ihm zuzukehren. So hat der Arme denn bis jetzt geschmachtet. Für sie, die ihn nicht kennt, nicht sieht, nicht achtet. 17 . Nun kommt die 'Nachricht, daß des Zwingberrn Tücke Gin Blurbad droke allen Christen hier. Und daß ihr Volk sie dieser Nvth entrücke. Entsteht und keimt ein edler Plan in ihr. Das Schamgefühl hält sie auf Augenblicke; Doch mächtig treibt des Opfermuths Begier; Die Kühnheit siegt; nein, macht nur schamcrglühen. Und läßt die Scham zum höchsten Muth erblühen. 32 Zweiter Gesang. 18 . Allein sicht man die Maid durch'S Volk sich wagen, Sie birgt die Schönheit nicht und zeigt sic nicht. Sie senkt den Blick mit sittsamem Betragen, Und zieht um's edle Haupt den Schleier dicht. War's Zier, Nachlässigkeit, ich kann'S nicht sage». War Zufall oder Kunst im Angesicht? Des Himmels Gunst, Natur und Liebe geben Schmucklosem Reiz des höchsten Zaubers Leben. IS. Zum König geht die Jungfrau sonder Flecken; Sie schaut nicht auf, an ihr hängt jeder Blick, Sie trägt den Blick voll Ingrimm sonder Schrecken, Trotz seiner Wuth zieht sie sich nicht zurück. Dir will ich, Herr — nun zügle deine Recken Und kühle deinen Zorn nur einen Augenblick — Den Dieb, der dich beleidigt, überweisen, Es straf und treffe ihn dein rächend Eisen. 20. Vor ihrem Muth, dem plötzliche» Entfalten Der Reize, strahlend und voll hcil'ger Kraft, Kann sich der König fast nicht fest erhalten, Schon schwindet seine Wuth und Leidenschaft; Lies; wcn'gcr Zorn er, sie mehr Milde walten. So liebt' er sie und käm' in ihre Haft; Doch spröden Herzens spröde Offenbarung Nimmt nimmer ein; denn Reiz ist Amors Nahrung. 21 . ES war Erstaunen, Sinnenlust, Vergnügen, Wo nicht gar Liebe, was das Herz ihm rührt. Sag' alles! spricht er, und ich will verfügen, Das; nicht ein Christen!,aupt das Schwert berübrt. Zweiter Gesang. Den Schuld'gcn schau zu deine» Füßen liegen, Spricht sie; die Hand, o Herr, hat cs vollführt; Ich bin's, ich stahl aus deines Tempels Hallen Das Bild, auf mich mag deine Strafe fallen. So hat sie zu des Volkes Wohlergchn Aufs hohe Haupt des Schicksals Wucht gezogen. Hochhcrz'gcr Trug! ist Wahrheit je so schön. Daß jemals dir sie werde vorgezogcn? ES ist der Zwingherr fast hcstürzt zu sehn. Fällt nicht in Wuth gleich, wie er sonst gepflogen. Dann spricht er: mache nun mir offenbar, Wer dein Berather, dein Genosse war. Ich wollte, daß sich nicht thcilhastlg mache. Sprach sie, ein Andrer, dieses NuhmcS mein; Rur ich, allein ich, wußt' um diese Sache, Rathgeberin, Vollführerin allein. So, sprach er, fall' auf dich auch meine Rache, Du nur sollst meines Zornes Opfer sein. Sie sprach: cs ist gerecht, o Herr, und billig, Mel» war der Ruhm, die Strafe trag' ich willig. 24 . Nun fragt der Zwinghcrr, neu pon Wuth entbrannt Wo bargst du jenes Bild, auf welche Weise? Ich barg cs nicht, sprach sic, ich hab's verbrannt, lind dies gereicht mir, traun, zum höchsten Preise; So wird verhütet, daß ungläub'gc Hand Nicht Schimpf und Schmach dem hcil'gcn Bild erweis Den Raub, v Herr, siehst du auf ewig nicht. Der Räuber steht vor deinem Angesicht. affe, best. Jcrus. g 34 Zweiter Gesang. ss. Doch war die That nicht Raub, noch Näub'rin ich. Gerecht war's, ungerechte» Raub zu lösen. — Da knirscht und schäumt vor Zorn der Wüthcrich, Ganz löst sich ihm der Zügel alles Bösen. — Nun hoffe nicht Verzeihung mehr sür dich. Du keusches, hohes Herz, du cdicS Wesen! BcrgcöenS schuht dich Amor mit dem Schild Der Schönheit gegen seine Wuth, so wild. so. Ergriffen wird die Schöne; zorndurchdrungen Verdammt der Herr zum Feuertod die Maid. Von Fesseln wird ihr zarter Arm umschlungen. Geraubt der Schleier ihr, das keusche Kleid; Sie schweigt, doch Furcht hat nimmermehr bezwungen Dies starke Herz, nur etwas Bangigkeit, Die schöne Wang' erbleicht, doch saust erblassend, Slicht Blässe, zartes Weiß nur blicken lassend. Die große That ward ruchtbar und sie führte Viel Volk herbei. Olind kam zu den Ncih'n; Klar war der Raub noch unklar, wer'S vollführte; Er denkt, cS könnte die Geliebte sein. Doch wie er sicht, daß sie die Kette schnürte. Nicht mehr verklagt, nein, schon verdammt zur Pein, Die Henker schon beim bösen Werk geschäftig. Stürzt er dahin durch das Gedränge heftig. ss. Er rief: deS Raubes ist nicht schuldig sie. Nein, nein, nur Wahnsinn spricht auS ihrem Munde, Sie dacht' es, wagt' cS, könnt' cs rauben nie. Ein einsam blödes Weib und sonder Kunde! Zweiter Gesang. 35 Wie täuschte sie die Wacht? das Bildniß, wie Entführte ste'S, mit welcher List im Bunde? That ste'S, erzähle sic's! Ich bin der Dieb! So sprach er, der, die ihn nicht liebt, zulieb. 29 . Und drauf: von dort, wo Lust und Sonnenschein In eure Moschee hineingclangen, Drang durch ein kleines Loch bei Nacht ich ein, Nus Wegen, wo kein Mensch von mir gegangen. Die Ehre, wie der Tod, sind beide mein! Sie soll für mich die Strafe nicht empfangen! Mein ist dies Feuer, mein dies Kettenband, Den Scheiterhaufen seht für mich in Brand! 30 . Sie hebt das Haupt und blickt so himmlisch gütig, Im Auge sanfte Frömmigkeit, ihn an. Welch' Nasen treibt dich, welch' ein Nathschluß zieht dich Hierher, du armer, unschuldvollcr Mann? Glaubst, ohne dich sei ich zu wankclmüthig. Zu tragen, waS die Macht deS WüthrichS kann? Ich Hab' ein Herz, und, gilt eS, eins zu tödten, Gcnügt's an dem, kein Helfer ist von nvthcn. 31 . So spricht sie zu Olind, doch ihr Geheiß, Sticht ändcrt'S ihn, nicht will er Folge geben. O großes Schauspiel, wo die Liebe heiß Im Kampf ist mit großmüth'ger Tugend Streben, Wo Tod erscheint des Siegers höchster Preis, lbnd des Besiegten größte Pein das Leben! Da Beide sich hartnäckig in der Schuld Verklagen, reißt dem König die Geduld. 3 ' 36 Zweiter Gesang. Er glaubt, daß sic zu höhnen sich bemüh». Und mit den Martern treiben ilir Gespötts, (lilaubt beiden, spricht er, fesselt sie und ihn, Führt sie zu ihrer würd'gcn Sicgcrstättc! Er winkt den Scherge», die von Eifer glühn. Und rasch den Jüngling fesseln mit der Kette, An einen Pfahl legt man sie Beide diehr. Rücklings und abgewandt das Angesicht, M. Schon sicht man rings den Schcitcrbaufen ragen. Schon glüht der Blasbalg von der Flamme Schein; Da bricht der Jüngling aus in Wchcklagen, Und spricht zu ihr, vereint in gleicher Pein: Ist dies das Band, das ich gehofft zu tragen Dureh's Leben hin, mit dir stets im Verein? Die Flamme die, die einst mit gleiche» Gluthcn Durch unsre Herzen — wähnt' ich — sollte fluthcn? !U, Mit andrer Kluth, mit andrem Band verwoben Hätt' Amor uns, als nun das- Schicksal bot; Zu viel; zu viel! es ist dies Band zerstoben. Doch ewig eint uns jetzt die höchste Noth. Wohl nun! zum Scheiterhaufen jetzt erhoben, Thcil' ich mit dir so gern den Feuertod, Das Brautbctt nicht! — nun kann mich nimmer schmerzen Dein — mein Geschick, ich sterb' an deinem Herzen. S5, Und, o mein Tod, wie bist du mir willkommen! Da selig süsie Marter mich beglückt! Da ich in deine Nabe bin gekommen. An deiner Seit' dem Leben werd' entrückt! Zweiter Gesang. 37 Zu gleicher Zeit mit mir wirst du verkommen. Wo dann dein lcizter Hauch noch mich entzückt. So spricht er weinend; sic, voll Seelenadel, Erwicdcrt ihm mit diesen, zarten Tadel: 36 . Freund, andere Gedanken, andre Klage Erheischt aus wichtigem Grunde nun die Zeit. Denk" an den ird'schcn Lauf der Prüfungstagc, Das; Gott den Guten hohen Lohn verleiht!. Ans ihn schau' duldend, süß ist dann die Plage, Froh hoff' auf jenen Thron der Ewigkeit! Den Himmel schau, wie schön, und schau die Sonne, Sie bringt uns Trost, sie ladt uns ein zur Wonne. — S7. Da weint das Hcidenvolk, gerührt von Schmerz, Da weint der Christ, doch mit gedämpftern Stimmen. Ein Etwas scheint selbst durch das barte Herz Des Königs seltsam weich hindurchzuglimmcn. Er fühlt's und ärgert sich; er will von Erz Erscheinen, kehrt sich ab, sich fest zu stimmen. Beweint von Allen sic allein nicht weint,; Und ihre Thräncn nicht den andern eint. In der Entscheidung kommt ein Krieger her, Er scheint gar stolz und würdig sehr von Wesen; Als Fremdling kündet Kleid ihn so, als Wehr, ES scheint, in fernem Land sei er gewesen; Der Tiger auf dem Helme ziehet sehr Auf ihn den Blick, ein Zeichen, hoch erlesen, Clorinda trägt's, wenn sie im Kriege sicht; Man glaubt, sie sei's und darin irrt man nicht. 38 Zweiter Gesang. » 9 . ES schien ihr Weibersinn und Weibertand Seit ihrer frühsten Jugend nur ein Tadel, Und cs verschmähte ihre stolze Hand Arachne'S Kunst, die Spindel und die Nadel, Floh eingeschlvss'nc Oerter, weich Gewand, Denn auch im Feld bewahrt sich Scelenadel. Sie waffnct ihr Gesicht mit Stolz und Trutz, Dies- trutzig Wesen scheint ihr bester Putz. 4M Die zarte Rechte führt — ist nach so scheu Ihr Nenner auch — gewandt und fest den Zügel, Dem Speer- und Schwertgefecht, dem Ringen treu. Stählt sie de» Leib, gicbt ihrem Laufe Flügel; Verfolgt den Bären und den grimmen Leu Durch Waldgcheg und pfadlos fels'ge Hügel, Den Krieger» scheint sie eines Lbwcn Bild, Ein Mann erscheint sie in dem Waid dem Wild. 41 . Sic kommt vom Grenzgebiet der Perscrgaucn, Wo ihre Macht die Christenschaaren neckt. Oft ward ihr Arm und Haupt gar wund gehauen. Manch klarer Quell mit ihrem Blut befleckt; Doch, als sie kommt, hat der Hinrichtung Grauen Beim ersten Anblick schon ihr Nug' entdeckt. Sehn will sic'S, wisse» auch, warum erkoren Zum Tod sie sind, und giebt dem Pferd die Sporen. 42 . Der Haufen weicht; um näher zu betrachten Das arme Paar, hält sie im Laufe ein. Da sieht sie, wie sie schweigt, und sieht ihn schmachten, Starr scheint daS schwächere Geschlecht zu sei». Zweiter (besang. S9 Er weint, wie wer den Schmerz scheint zu verachten. Van Mitleid mehr gedrückt, als Todespc'in. Doch schweigend kehrt den Blick sie schon zum Himmel, Als war' entrückt sie schon dem Erdgewimmel. Clorinda wird erweicht und schmcrzcrregt Ob Beider Loos, und spendet ihnen Zähren.' Doch mehr fühlt sie für die, so stumm erträgt, Als für Olind, der nicht den Schmerz kann wehren. Zu einem Kreisen sie sich schnell bewegt. Der da zur Seite stand. Von ihm zu hören: - Sprich, welch' Verbrechen führt, welch' hart Gebot, Welch' böses Schicksal die zum Martcrtod? ' 4 ccus. 6 Vierter Gesang. IS. Die gottverfluchten Seelen warten nicht. Bis diese Rede macht' ihr Ende finden; Sie schwingen sich an's klare Sternenlicht, lind stürzen aus der ew'gen Nächte Gründen, Dem Sturmwind gleich, der düster heulend bricht Aus seiner Heimathgrotte schwarzen Schlünde», Den Himmel zu verdunkeln, unheilschwcr Weit hinzuzichen über Land und Meer. io. Die Schwingen breiten sie nach allen Seiten, Durchstreifend rings die Welt in schnellem Flug, Beginnen manche Listen zu bereiten. Neu stets in Zauberkunst, gewandt in Trug, Doch Muse, sprich! wie sie den Christenleuten, Durch wen beibrachten ihren bösen Lug! Du weißt es; dvch der Vorzeit großes Streben Gelangt zu uns als schwaches Lüftchen eben. 20. Ein Zauberer Hydravt, gar groß und mächtig. Herrscht in Damaskus und dem nahen Land, Für seine Kunst, zu forschen, was La nächtig Die Zukunft birgt, von Jugend auf entbrannt. Mein was hilft's, ob er auch forscht bedächtig. Des Krieges Ausgang bleibt ihm unbekannt; Sticht die Gestirne, nicht der Holle Macht Erhellen ihm die dunkle Zukunftsnacht. 21. Er glaubt o Menschensinn, durch Blindheit kenntlich. Wie ist dein Urtheil eitel und beschränkt! — Daß zu verderbe», grollend unabwendlich. Das Christenheer durch Tod der Himmel denkt, Vierter Gesang. 83 Und Ruhm und Preis den Heideuvolkern endlich In diesem schweren Kriege, meint er, schenkt, Drum wünscht er. daß sein Volt in diesem Kriege Sich viele Beut' und hohen Ruhm erficgc. 22 . Doch da er fürchtet für sein eigen Leben, Und diesen Krieg für blutig, grausam halt. Sinnt er, wie er die Christen mag umwcben Mit Zauberkunst, die ihre Kraft zerschellt. Daß dann durch sein und Egyptens Erheben Die Macht des Heeres leichter wird gefällt. Er denkt'S, da kommt der böse Hvllcnrecke, Daß er ihn stachle, sporne zu dem Zwecke. Er räth ihm, wie das Werk leicht mag gelingen, llnd geht mit allen Mitteln ihm zur Hand. — DcS Königs Nichte läßt den Preis erringen Der Schönheit, ringS das ganze Morgenland. Die feinen Listen, die verdeckten Schlingen, Die Frau und Zaubrin übt, sind ihr bekannt. Sic ruft der Fürst, erklärt ihr seinen Willen, Und bittet sic, ihn treulich zu erfüllen. 24 . Er sprach: Geliebte, die bei blonden Haaren llnd einer Bildung mädchenhaft und weich. Mehr noch als ich im Zauber bist erfahren, Klug wie ein Greis und kühn dem Jüngling gleich; Ich hege großen Plan; wenn wir uns paaren. Wird unser Wirken sein an Folgen reich. Das Netz, ich zeig' cs dir, das ich gesponnen. Vollführe kühn, was Schlauheit hat ersonnen! o' 84 Vierter Gesang. S5. stich' hin zum Cbristenbcer! entfalte jede Frau'nkunst, die locket zarter Gluth Gesköbn! Bon Seufzern sei gebrochen deine Rede! Mit heißen Tbrcincn sei gemischt dein Fleh»! Grschcinct deine Schönheit bittend blöde. Kann dir das rohste Herz nicht widerstehn! Verhüll' in Scham dein allzukühncS Wagen, Der Wahrheit Kleid sei um den Trug geschlagen. Gewinne Gottfried mit den süßen Blicken, Ist'S möglich je, mit schöner Worte Klang, Daß der verliebte Mann sich fühle drücken Des Krieges Last, in den voll Hast er drang! Wo nicht, such' andre Ritter zu berücke», Führ' sie dahin, wo Rückkehr nie gelang! Gr gicbt noch manchen Rath; und sagt ihr endlich, Nichts sei für Vaterland und Glauben schändlich. Armida, schimmernd in der Jugend Fülle, Vertrauend auf den Zauber der Gestalt, Nimmt diesen Auftrag an; und durch die Stille Der Nacht sie auf verborgnen, Pfade wallt. Sie hofft, ihr üpp'gcr Reiz in schöner Hülle Besiege erzumschirmte Kriegsgcwalt. Doch manch' Gerücht schon war, eh' sic gekommen Zum Lager, ausgcsprengt zu ihrem Frommen. Die Jungfrau kan, nach kurzer Zeit dahin, Wo's Frankcnheer die Zelte hat geschlagen. Und als die neue Lchönbeit dort erschien, Bestaunt man sic, und hört man leise Fragen, Vierter Schlug. 85 Wie wenn beim bellen Tag ein Stern erglüh'« Am Himmel wnrd' und ein Komet aufiagen; So nach der schönen fremden Jeder blickt, Läuft hin, fragr, wer sic sei und wer sie schickt. so. Nicht Nrgos, Cypros, Delos sab das Bild Der Schönbeit glänzen je in böh'rcr Feier. Goldbaar umlockt ihr Haupt, bald unverbüllt, lind bald versteckt vom weisen, dichten Schleier. So blinkt der Hinimel, wenn durch Wolken quillt Noch halb umflort der Sonne golden Feuer. Wenn endlich dann der Strahl durch Wolken bricht. Scheint doppelt hell und klar das Tageslicht. ^0. Die Locken kräuselt nun der Lüste Kosen, Die die Natur schon kräuselt wellig fein. Die Augen senken sich, die regungslosen, lind schließen karg der Liebe Neichthum ein. Im Antlitz scheint ein süßer Hauch von Rosen (begossen über zartes Elfenbein; Nur auf dem Mund, draus Licbcsbauchc ziehen. Scheint einfach rotb die Rose zu erblühe». Der Busen, weiß wie frischen Schnees Spiegel, Erglänzt und stille LiebeSgluthcn weckt, Halb sind enthüllt die schön gcrund'tcn Hügel, Jur Hälfte nur im ueid'sche» Kleid versteckt. Doch nimmer hemmt die Sehnsucht ihren Zügel, Wird auch dem Blick geheimer Reiz verdeckt; Zufrieden nicht mit äuß'rer Schönbcit Prange», Will lief zum Innersten sic hingelangcn. 86 Vierter Gesang. S2. Wie sich daS Licht durch Wasser und Krystali' Oh»' eS zu trennen »der theilcn drängt. Dringt der Gedanke durch den Kleidcrschwall Und wagt zu schau», was das Gewand umfängt. Dort wandelt er, beschaut die Wunder all'. Und freuet sicht von keinem Zwang beschränkt. Dann eilt er, cS der Sehnsucht zu verkünden. Um ihre Gluth nach heißer zu entzünden. Gepriesen und mit Lüsternheit beschaut. Geht nun Armida durch die gier'ge Menge, Sic mcrkt's und ist im Herzen drvb erbaut, Vvll Hoffnung, daß ihr Raub und Sieg gelänge. Nach Gottfried's Zelt sic fragt und um sic schaut, Wer wohl sic führe durch des Lagers Gänge. GS führt Eusiach sie, der ein Bruder war DeS hohen Haupts der ganzen Christcnschaar. 34 . So wie den Schmetterling das Licht anziebt. So wird er pon der Schone» ungezogen. Ins Auge, da§ so sittsam niedersieht. Er schauet ihr, von ihrem Reiz betrogen. Dem Zunder gleich, der an der Flamm' entglüht. Ist auch von heißer Gluth er schon durchsogcn. Und spricht zu ihr, denn zur Verwegenheit, Treibt ihn der Jugend Licbcshcftigkeit. S5. Jungfrau — wenn solch ein Name dir gebührt — Denn inenschlich, irdisch nicht ist Dein Herkommen. Nie hat dcS Himmels heitres Licht berührt Ein Erdenkind, so rein und so vollkommen! Vierter Gesang. 87 Was wünschest du, was hat dich hergeführt? Kommst dn zu deinem oder unsrem Frommen? Sprich, das; ich recht dich würd'ge, wer du bist. Daß, wic'S gebührt, mein Muud den Fuß dir küßt. as. Sie spricht: dein Lob nimmt allzuhohcn Flug, Solch' hohen Preis soll man mir nimmer geben. Nicht sterblich nur bin ich, ach, mir erschlug Die Freuden das Geschick, Schmerz ist mein Leben. Und was mich fremdes flücht'gcS Mädchen trug In dieses Land, es- ist mein Unglück eben! Zum frommen Gottfried komm' ich hergcwallt. Vertrauend ihm, desi Güte rings erschallt. 37 . Und weil dein Herz mir fromm erscheint und rein, Drum, daß zu Gottfried du mich führest, will ich! — Und er: daß dich der Bruder führe ein. Beim andern für dich sprechend, sind' ich billig. Dein Fleh», Holdsel'gc, soll nicht fruchtlos sein. Denn meinem Bitten ist der Bruder willig. Befiehl nach Wunsch, und Alles sei gcwäbrt. Was meines Bruders Macht kann und mein Schwert. rs. Sie schweigt, er führt sie hin, wo von den Großen Umgeben Bouillon thront, dem Volke fern. Sie neigt sich ehrfurchtsvoll, und Überflüssen Von Scham, spricht sie zuerst kein Wort zum Herrn. Der bangen Maid, vom Schamroth übcrgossc», Reicht Trost der Held, zeigt ihr der Hoffnung Stern, So daß sic endlich ihren Trug cntspinnct Mit süßem Wort, das jedes Herz gewinnet. Vierter Vesnng. 8g. Siegreicher Fürst, vor dessen Heldcntbume Die Welt sich beugt, des; Namen sie verklärt. Das; Völker, Fürste» schätzen sich's zum Ruhme. Hat sic gefällt dein allbcsiegend Schwert! Bekannt ist deines Adelt- hohe Bluuie, klnd das; der Feind svgar dich liebt und ehrt. Dies gibt auch deinen; Feinde dat Vertrauen, Zu dir zu flieh'», auf deinen Schutz zu bauen. 4a. Ich, die in jenem Glauben einst gebaren, Den du zertratst und willst vertilgen nach. Zum Kämpen Hab' ich, Hvhcr, dich erkoren Für meiner Väter Thron, einst hehr und hoch. Wenn Andre flehen vor Verwandter Thoren, Sind sic bedräut durch fremden Siegers Joch, Komm' ich, da sie kein Herz im Busen liegen, kknd flehe Hülfe von des Feindet Degen. 41 . Dich ruf' ich an, mein Hoffen baut aus dich. Du nur kannst mir die früh'rc Große geben; Denn deine Hand, den Feinden fürchterlich. Sie kann so gut hinschmettern, alt erbeben; Nicht schwäch'rcr Ruhm krönt Mitleid, sicherlich, Alt seiner Feinde ängstliches Grbcbcn; Und wie du stürztest manches Hcrrschcrtbum, Wird dir, erhebst du mich, der gleiche Ruhm. 42 . Doch, hindert dich des Glaubens Unterschied, Mein billig' Fleh'» mit Güte an zu hören. So wende ich mich an Dein mild Gcmüth, Und dies Vertrauen kannst Du nicht abwehren. Vierter Gesang. 89 Der Gott sei Zeuge, der auf Alles sicht. Du kannst gcrecht'rc Hülfe nie gewähre». Dvch, dasi du Alles wissest, so vernimm Mein Mißgeschick und meiner Feinde Grimm. 4a. Arbilan'S Tuchler hin ich, der, entsprossen AuS niedrem Stau»», errang den Herrschcrstab Dainask'S, weil ihn erhob zum Bctlgcnossen Cariclia und ihm zu erben gab Das Reich. Dvch kaum ward mir da§ Licht erschlossen Des Lebens, sank die Mutter in ihr Grab. Der Tag, an dem ich sog die ersten Lüfte, Erschloß für sie des TodcS dunkle Grüfte. 44. Fünf Jahre waren kann, dahin gegangen. Seit sie verließ der Erde nichtigen Tand, Als mein Erzeuger, schon vom Tod umfangen, vielleicht im Himmel sich mit ihr verband. Die Sorg' uni mich, uni's Reich ließ er gelangen In seines bcißgeliebten Bruders Hand, Er glaubte, wohnt' im Mcnschenherzcn Liebe, Daß seinem Worte treu der Bruder bliebe. 45. Als dieser meine Leitung übernommen, Bewies er sich für mich so gut gesinnt. Daß man für treu ihn hielt und für vollkommen An Lieb' und Mitleid, für sein Pflegekind; Sci'S, daß nicht wollt' sein böses Frommen Den Tugendmantel abthun so geschwind, Sei'S, daß sein Wille wirklich rein gewesen, Weil er dem Sohn zur Frau mich auserlesen. Vierter Gesang. 46 . Ich wuchs, mit mir der Sohn. Doch Rittcrwcisen Und edle Kunst übt' niemals seine Hand; -He tonnt' Erhabnes, Großes ihn hinrcißen Nie war für hohe Thaten er entbrannt; Das Aeußre auch war häßlich nur zu heißen, Stolz war sein Sinn, der Habsucht zugcwandt; So roh war er in Sitte» und Gebräuchen, Daß er im Laster sich nur fand als Gleichen. 47 . Sv herrlich war geartet der Gemahl, Dem zu vermählen mich der Ohne beschlossen Und den er mir mit klarem Wort empfahl Als meines Reichs und meines Betts Genossen, Und List und Kunst und jede Hcrzcusqual Gebraucht' er, mich zu rühren, unverdrossen. Doch ein Versprechen konnte nicht sein Dringen Nur Schweigen konnte cs von mir erzwingen. 48 . Mit finster drohn'dem Blicke schied er endlich. Der mir sein böses Herz erst machte klar. Und die Geschichte meines Unglücks kenntlich Auf sciucr schwarzen Stirn zu lesen war. Die Nächte durch ward ich nun unabwcndlich Gequält durch gräßlicher Gespenster Schaar, ES füllte meine Seele tiefer Schauer, Gewisse Ahnung meiner künft'gen Trauer. 40 . Oft kam zu mir der theuern Mutter Schatten, Ein blasses Wesen und von Schmerz erfüllt. Wie anders doch, als sie gezeigt mir hatten Ihr himmlisch-hold und liebreich-lächelnd Bild! Vierter Gesang. 91 Flicb, Tochter, flieh' und wolle nicht ermatten. Dir droht Verderben, wenn auch klug verhüllt. Schon Gift nnd Schwert hat der Tyrann erkoren, Der treulos dir den Tod hat zugcschworcn. sa. Was half es, weh! daß Kunde ich empfangen, Daß warnend mir der Mutter Bild erschien. Da ich von zager Furcht noch war befangen. Zu kräftigem Entschlüsse wenig kühn! In trauriger Verbannung hinfort bangen Und nackt aus meines Vaters Ländern zieh». Das schien zu hart! besser die Augen schließen. Wo ich zuerst des Himmels Licht sah sprießen. m. Es schreckte mich der Tod; doch das Erkccken, » Vor ihm zu slichn — wer glaubt cs? — fand ich nicht. Zch fürchtete mein Zagen zu entdecken. Damit ich nicht beschleunige mein Gericht. So war voll Unruh' und voll düstrer Schrecken Mein Sein, gefoltert durch der Qual Gewicht, Wie wer cntgcgensieht dem Augenblick, Wo ihm das Schwert den Kopf trennt vom Genick. In solcher Nvth, — sei's nun, daß mir gewogen Das Glück, sei's auch, daß Schlimm'reS droht hinfort Ein Diener, in dem Schlosse aufcrzogen, Dem meines Vaters Hof bot einen Hort, Entdeckte mir, durch alte Treu' bewogen. Daß der Tyrann beschlossen meinen Mord, Da ihm er das Versprechen abgcnommen. Noch an dein Tag mit Gift mir bcizukvmmcn. 92 Vierter Vcsang. ss. Er fügt' hinzu, nur ungesäumtes Flicbn Könnt' tängrc Dauer geben meinen Tagen, Und wett ich sonst nicht Hülfe sah crbtühn, Säumt' er nicht, seine Hüls' mir anzutragcn. Er machte mich durch seinen Zuspruch kühn, Das, ich vergas das früb'rc bange Zagen, Und in der Nacht an seiner treuen Hand Verließ den Obctm und das Vaterland. S4. Schwarz war, mehr noch als svnst, des Dunkels Schleier Der uns verbarg Vvr jeden Spähers Blick. Zwei Mädchen fvlgten meinem Abentheuer, Die treu mir waren selbst im Mißgeschick. Oft blickt' ich nach den Mauern, ach! sv thcucr. Der Burg, mit thränenschwcrem Aug' zurück, Mir war's, als könnt' ich nimmer satt mich schauen An den geliebten vatcrländ'schcn Gauen. Gedank' und Aug' war bei de» hcini'schcn Fluren, Die Schritte setzt' ich ungern weiter fort, Gleich einem Schiss, durch das die Winde fuhren, Wild schleudernd cs hinaus vom sichern Port. Die Nacht, den nächsten Tag, wo sonder Spuren Der Weg war, kamen wir durch manchen Ort, Bis endlich ein Kastell uns blickt' entgegen, Das an des Reiches Grenze war gelegen. Nrontcn's Schloß war dies. — Arvnten's Hand War's, die mich gütig der Gefahr entführte. — Doch als nun dem Verräther ward bekannt. Daß mich sein feindlich Thun nicht mehr berührte, Vierter Gesang. 63 Warf er auf beide, gräßlich wutbcntbrannt,' Die Schuld, die selbst ihm das Gewissen schnürte, Uns beide klagt er des Verbrechens an. Das, könnt' er's, mir er hätte angethan. or. Ich, sprach er, lackt' Arant mit reichen Gabe», Daß tödtlich Gift er mische seinem Wein, Um, wär' er todt, nicht Aufsicht mehr zu haben. Mich vom Gesetz, vom Zügel zu befrei'»; Daß ich in Wallust völlig dann begraben. In tausend Buhler Arme» könnte sein. O, daß ein jäher Blitz mich Niederschlage, Eh', heil'ge Zucht, ich jemals dir entsage, ss. Daß lechzend grimm nach Blut, ball Gier nach Geld, Der Wütbrich mir getrachtet nach dem Leben, Das kränkt, mehr daß bemakeln er gewallt Mein reines Herz, mein rein nnd schuldlas Strebe». Aus Furcht, daß ihm das Volk im Unmuth grallt. Sucht er sein Thun mit Lügen zu umwebcu. Damit die Stadt in Ungewißheit bleibe Und nicht Empörung ihn Vom Thran Vertreibe. so. Und schmückt sein Haupt jetzt auch die Königskrane, Ist auch mein väterliches Reich jetzt sei», Sv treibt ihn dach zn immer neuem Hahne Sein wildc-S Herz, des; Wuth schläft niemals ein. lind stellt Arvnt sich nicht vor seinem Thrvnc, Wird ihn er und sein Schluß de» Flammen weih», lind gegen mich und meiner Flucht Genossen Ist nicht nur Krieg, auch Pein und Tod beschlasscn. Vierter Gesang. 00. Er thuc dies?, so hört man ihn vorwcnden. Um rein zu waschen von der Schmach sein Haupt, Um wiederum dem Stamme zuzuwenden Des Blutest Ehre, die ich ihm geraubt; Er thut's indes;, weil noch in seinen Händen Er sicher nicht mein Erb', die Krone, glaubt. Nur wenn vom Tod' ich werde hingcrafft. Glaubt völlig er gesichert die Herrschaft. 01. Er wird erfüllen wohl dast Mordbeginnc», Dast ruchlos er beschloß in seinem Geist. Blut sühnt den Zorn, der flammt in seinen Sinnen, Den meine Thräncnfluth nicht schweigen heißt. Wehrst du nicht, Herr! des; Schuh ich will gewinnen. Ich armes Mädchen, schuldlos und verwaist. Möcht' aus der Thränenfluth zu deinen Füßen Die Rettung meinem armen Blut crsprießen! 02. Bei diese»; Fuß, der den Gottlosen dräut. Bei dieser Hand, bereit, das Recht zu wahren Bei deinen Siegen, die du nie entweiht. Bei den von dir bcschirmeten Altären, Hör' auf mein Flchn, las; finden dich bereit. Mein Reich mir, und mein Leben zu bewahre», Aust Mitleid — doch nur Mitleid rührt dich nicht. Nur Billigkeit und Sinn für Siecht und Pflicht. 03 . Du, dem von; Himmel ist die Kraft gegeben, Daß Rechtest er nur will, und dies auch kann, Erlangest dir ein Reich, rctt'st du mein Lebe», Denn dir gcbört'S, wie wieder ich'S gewann. Vierter Gesang. Von all' den Helden, die dich hier umgeben. Weis' zehne nur zu meinem Schutze an. Und da mir Freund' und Völker noch vertrauen. Genügen sie, den Thron neu aufzubaucn. 04 . Ja, einer von den Edeln, der die Wacht Bei dem verborg nen Pförtchc» übernommen. Will dies uns öffnen, daß zur Mitternacht Wir sicher in das Schloß des Königs kommen. Er bat mich, anzurufcn deine Macht, Die, wenn auch klein, ihm mehr wohl möchte frommen, Als wär's — so ehrt dein Banner er, dein Schwert — Ein fremdes großes Heer, gar stark bewehrt. — ss. Sie schweigt und harrt der Antwort nun entgegen. Mit stummer Miene, die beredter klagt. Doch in des Führers Herz sich Zweifel regen. Er schwankt, da schwere Sorge an ihm nagt. Ihm bangt vor Heidentrug, bei dem Erwägen, Daß treu nicht der, der Gott die Treu versagt; Doch Mitleid regt sich anderseits lebendig. Das in solch' edeln Herzen wacht beständig. ss. Nicht angcbvrnc Güte ist's allein. Die ihn bewegt, für sie sich zu erweichen, Der Vortheil auch; von Nutzen muß es sein Führt der den Sccpter von Damaskus Neichen, Der dienstbar ihm, die Wege halte rein, Der willig sei, die Hände ihm zu reichen, Und Waffen, Gold und Mannschaft ihm gewähre, Wann der Egypter Schaar sich ihm annäb'rc. 90 Diener Gesang. 07 . Indem sein Blick, von Zweifeln voll, zur Erde Sich senket, während er bedenkt, erwägt. Hängt fest daS Mädchen an dcS Herrn Gebende, Betrachtend seine Mienen unbewegt. Doch weil sic sicht, daß später Antwort werde, Als sie geglaubt, stöhnt sie, von Furcht erregt. Er schlägt der Schonen endlich ab die Bitte, Jedoch voll Milde und voll art'gcr Sitte: im. Wenn Gottes Dienste nicht, von ihm erkoren, Gewidmet wäre unsrer Schwerter Kraft, So wäre auch dein Hoffe» nicht verloren. Und Mitleid, Hülfe, fändest du wahrhaft. Doch che wir den hartbedrängtcn Thoren Und seiner Heerde Freiheit nicht geschafft, Jst'S billig nicht, des Sieges tlauf zu hindern Dadurch, daß wir deS Heeres Kräfte mindern. iw. Doch, nimm mein Wort zum Unterpfandc hin. Und bau' auf dieses Wort in deinen Sinnen! Wenn wir dem schnöden Joche je entzieh» Die hcil'gen und dem Himmel thcucrn Zinnen,' Dann wollen wir, wie Mitleid heischt, uns mühn, Dir die verlorne Herrschaft zu gewinne». Doch frommes Mitleid würde jetzt nicht frommen. Da Gott zu seinem Recht' noch nicht gekommen. 70 . Es bleibt die schöne Jungfrau unbeweglich Bei diesem Worte, die Blicke senkend, stehn; Blickt dann voll Thräncn auf, und weinend kläglich. Spricht händeringend sic mit Klaggestöhn: Vierter Gesang. 97 Weh! niemand gab der Himmel solch unsäglich Schwcrdrückend Loos, so taub für armes Flchn, Daß eher wechselt andrer Sinn und Wesen, Eh' sich mein hartes Loos wird endlich losen. Nicht Hoffnung blüht mir, endlos ist die Pein; Kein Fleh» kann mehr der Menschen Brust erweichen. Eh' hoffte ich, e§ rühr' das Leiden mein — Das dich nicht rührt — den Wüthrich sonder Gleichen! Zwar will ich dich der Grausamkeit nicht zeihn. Weil du nicht willst mir kleinen Beistand reichen; Zum Himmel klag' ich, er erschuf mein Loos Und machte dich für Unglück mitleidslos. 72 . Nicht du, o Herr, cs ist nicht deine Güte, Mein Schicksal ist's, das Hülfe mir verschloß. Daß dies verhaßte Leben doch verglühte. Du unerbittlich, grausam gräßlich LooS! Mein war dein Schmerz, daß in des- Lebens Blüthe Die holden Elter» schon das Grab umschloß. Dein Opfer muß, dcS Reichet- bar, gelangen. Zur Schlachtbank nun, gebunden und gefangen. 78 . Doch, weil so Glauben mir, als Siitsamkcit Verbietet, daß ich länger hier verweile. Wo bcrg' ich mich? wo wird mir nun Geleit? Wo Schutz vor des Tnranncn Wuth zu Theile? Kein Ort ist so verschlossen weit und breit. Den er nicht zwingt. Wozu Berzug der Eile? Ich schau' um mich — umsonst ist Flucht — dem Tod Fest geh' entgegen ich, der höchsten Noth. Teffo, befr. 2crm. 7 98 Vierter Scsang. 7t. Sie schwieg; cs schien ihr Antlitz übcrgosscn, Bom königlichen Zorn, der sie erfüllt; Sie dreht den Fusi, als wie zum Gehn entschlossen, Des tiefsten Unmuths und des Schmerzes Bild. Da ist dem Aug' der Thräncnquell entflossen. Wie er dem Zorn, mit Schmerz gepaart, entquillt, Die Thränen scheinen, die dem Aug' entfallen. Im Sonnenschein gleich Perlen und Krystallen; 75 . Ein klares Naß bethaut die rothcn Wangen, Und mancher Tropfen netzt des Kleides Saum; Gleich Blumen, die mit Weiß und Purpur prangen. Benetzt von eines Thaues frischem Schaum, Wenn sic beim ersten Frührvth aufgegangen. Den kleinen Schoost der Luft erschließen kaum, Aurora nun sie anölickt mit Entzücken, Und lüstern wird, ihr Haupt damit zu schmücken. 76 . Die häuf'gen Tropfen, deren klare Fluth Den Busen und die Wangen schmückt der Schönen, Sie sind wie Feuer, das im Herzen ruht, lind cs entflammend, schwellt durch mächtiges Dehnen. O Amors Wunder, der lcbend'ge Gluth Nus Wasser lockt, das Herz entflammt durch Thränen! Stets ragst du über die Natur empor. Doch hier urkräftigcr noch als je zuvor. Der falsche Schmerz entlockt viel wahre Zähren, Und weich wird auch das härteste Gcmüth, Ein Jeder denkt voll Trauer: wird erhören Sie Gottfried nicht, jetzt, da er solches sieht, Vierter Vesang. 69 So mußt' ihn eine wilde Tig'rin nähren. Ein Stein zeugt' ihn im rauhsten Fclsgcbict, Wenn nicht die Fluth wild brausend am Gestade, Hat solche Schönheit nimmer vor ihm Gnade. 78 . Eustach, der Jüngling aber, dessen Sinn Von Lieb' und Mitgefühl ist ganz entglommen. Tritt kühn heraus vor seinen Bruder hin. Wo andre schweigen, murmeln, fast beklommen: O Herr und Bruder, Starrheit, Eigensinn Hält dich für deinen Ausspruch eingenommen. Geht dein Gesetz unbeugsam seine Bahn Und setzest andrer Wünsche du hintan. 70 . Ich sage nicht, daß die, in deren Händen Die Sorg' für untergcb'nc Volker liegt, Bon diesen Mauern ab sich sollen wenden. Daß sie versäume» sollen ihre Pflicht. Jedoch von uns, die freie Dienste spenden. Von denen, die so fest verpflichtet nicht Die Kricgcszucht, kannst zebn du auserseh'n. Daß für das Recht sie einen Kampf bestehen. 80 . Denn der entzieht sich nicht dem Dienst des Herrn, Des; Schwert der Jungfrau Unschuld Schutz erwiesen; Als Opfer sicht es auch der Himmel gern. Wenn wir des schnöden Zwinghcrrn Blut vergießen. Ist auch mein Sinn vom sichern Vortheil fern. Der aus dem Nitterzug uns muß crspricßcn. So mahnt mich Pflicht des Ordens, der gebeut. Zu zieh'» zum Schutz der Unschuld in de» Streit. 100 Vierter Wcfang. 81 . Bei Gott! in Frankreich sag' es keiner wieder. Noch wo man Tugend ehrt und Courtoisic, Daß uns Gefahr und Mühe war zuwider. Bei einer Sache fromm, gerecht wie die! Hier leg' ich meinen Helm und Panzer nieder, Entgürte mich des Schwerts; unwürdig nie Will Waffen tragen ich, ein Roß regieren, Und nur zum Schein den Namen Ritter führen! 82 . Er sprach's; da stimmt der ganze Orden ein, Einstimmig hört man lauten Ruf erklingen; Es heißet gut den Rath ihr Beisallsschrein, lind auf den Führer sie mit Bitten dringen. — Ich gebe nach, will überwunden sei». Spricht er, da mich so viele nun umringen; Sic habe, wenn ihr's wollt, um was sic bat, Jedoch nach eurem, nicht nach meinem Rath. 83 . Doch, wohnt in euch noch einiges Vertrauen Auf Gottfried, zügelt eure Leidenschaft! Er sprach's; jedoch für sic, die jetzt nur bauen Auf die Gewährung, hat dies Wort nicht Kraft. Was kann nicht eine Thränc schöner Frauen, Und süßer Lippen Wort, so zauberhaft? Wenn gvld'nc Ketten schönem Mund entschlüpfen, Unlösbar dann sich Herzensbande knüpfen. 84 . Eustach ruft sie zurück, und spricht: begraben O schönes Mädchen sei nun ganz dein Schmerz! Bald sollst von uns du solche Hülfe haben, Wie sic nur heischt dein furchtsam zagend Herz; Vierter Gesang. Arniida's Antlitz strahlt nun hochcrhaben. Vom Granr befreit mit heitern Lächelns Scherz, Und als ihr Schleier wischt die tümmertrüben Acuglein, schien selbst der Himmel sie zu lieben. ss. In Worten süß, und Töne» himmlischmild, Dankt für die Gunst sic, ss sie hat empfangen; Sie werde ewig sein davon erfüllt. Und Kunde soll' die ganze Welt erlangen; Ihr Mienenspiel spricht, ein beredtes Bild, Was sich die Rede nicht darf unterfangen, Ihr Jnnres wird durch Lächeln so verstellt. Daß Keinen Ahnung des Verdachts befällt. sa. Da sic nun sicht, wie dem Beginn der Tücken Ihr Schicksal hat so freundlich zugclacht. Denkt sie recht rasch im Werke vvrzurücken. Eh' Mißgeschick die Thai zu Nichte macht; Sie wirkt mit süßen Mienen, holden Blicken, Mehr als Medea's, Circe's Zauberinacht, Und mit Sirencnkunst in Stimm' und Zügen, Will sie den wachsten Geist in Schlummer wiegen. 87 . Und jede Kunst übt nun die schöne Frau, Um immer neue Buhlen zu umschlingen; i Nach Zeit und Ort bemißt sie ganz genau. Wie da und dort die Lockung mag gelingen; Bald senkt sie schämig nieder ihre Brau', Bald strebt ihr Gluthblick alles zu durchdrungen; Spornt den, hält jenen fest am Zügel bald, Wie der zu hitzig liebt, und der zu kalt. 102 Uicrler (Scsnng. ss. Sicht wen sic, dcr von Mißtrau'« halb befangen In seiner Licbet-gluth zurück sich zieht. Läßt sic ein gütig Lächeln ihn erlangen, Indes; sie hold und freundlich nach ihn, sieht. So spornt sie träges, furchtsames Verlangen Und macht, daß zweifelnd Hoffen neu erglüht, Jndeß sich Liebcsgluthen so entzünden. Muß schnell das EiS der Furchtsamkeit verschwinden. ss. Doch andern, die von blinder Gluth gelenkt. Sie kühn und lüstern suchen zu erringen. Wird weder süßes Wort noch Blick geschenkt. Um so zur Scheu, Verehrung sie zu zwingen. Doch durch den Ernst, der aus die Stirn sich senkt. Läßt sie deS Mitleids süße Strahlen dringen. So Laß er fürchtet, aber Hoffnung hegt. Und sich der Spröden mehr zu Füßen legt. so. Und bald, in tiefem Sinnen hingegangen. Zeigt Trauer sie im Wesen und im Blick, Bald glänzen Thränen auf den schonen Wangen, Bald preßt sie sic in'S Innerste zurück. Arglose Seelen weinen ob dem Bangen Der Maid alsdann und ihrem Mißgeschick, Sie stählt' in Mitlcidsgluth der Liebe Pfeile, Damit kein Herz solch' starker Wehr enteile. si. Doch flieht sic bald Gedanken voller Pein, AIS ob ihr HoffnungSborn nun wieder fließe, DeS Frohsinns Zier nimmt ihre Stirne ein. Den Buhlen beut sie Reden nun und Grüße; Vierter Gesang. 103 Gleich einer Doppelsonne klarem Schein Ist dann ihr Blick, ihr Lächeln himmlisch süße ; Zerstreuend ganz des Kummers Nebclwogcn, Womit sich ihr zuvor die Brust umzogen. ! . - Sich' Lächeln, süße Reden rings versendend, t Berauscht mit Doppcllust sie jeden Geist, Die Herzen aus der Männer Brust entwendend, ' Die nie so große Wonne noch durchkreist, > Grausame Lied'! ob Wermuth, Honig spendend, Tod ist's doch immer nur, de» du verleibst, l Denn gleich verderblich sind zu allen Stunden ? Arznei und Krankheit, die du hast erfunden. s os. s. So wechselnd, bald in Gluthcn, bald wie Eis, -- Bald lächelnd, weinend, hoffend, furchtbcklommc», ^ Läßt truggewandt Armida aus dem Kreis i Der Ungewißheit nie die Männer kommen. ^ Spricht einer je zu ihr, gebrochen, leis, r Wie Lieb' ihn quäle, wie er sei entglommen, -f Stellt sie sich unerfahren, blöde, scheu, Nicht wissend fast, wovon die Rede sei. ij 04. -j Auch läßt sie schamroth sich das Antlitz färben, Z Und sittig dann ihr Blick zu Boden sieht, § Der Wangen frisches Weiß sieht man ersterben, H Und junge Nvsenslor auf ihnen blüht; So seh'n wir Morgens an der Wolken Kerben Das neue Morgenroth, das duftig glüht. Und mit der Scham zugleich auch aufgegangen, Entfacht des Zornes Gluth die schönen Wangen. 104 Vierter Gesang. os. Dach merkt sic eine» Wink, daß zu entdecken Den beißen Wunsch, ein Mann sich fest entschloß, Den stiebt sic jetzt, leibt dann das Ohr dem Kecken, Und spricht er halb, läßt sie ihn wieder los. So weiß sie ihn den ganzen Tag zu necken, lind läßt den Matten endlich hoffnungslos. Dem Jäger gleich, der, kommt das Dunkel endlich, Die Spur des Wildes findet nimmer kenntlich. ss. Dies war die Kunst, die so viel tausend schlug, Daß alle blind sie in die Falle gingen; Nein, Waffen waren's, Zauber nicht, noch Lug, Gewalt der Liebe mußte alle zwingen. Was Wunder, daß Herakles, Tbeseus trug. Und selbst Achill Gott Amors böse Schlingen, Wenn wessen Schwert für Christus tapfer kriegt. Zuweilen sich des Frevlers Fesseln fügt? Fünfter Gesang. Indes; Armida Trug ersinnend fein. Durch Liebe sucht die Ritter zu gewinnen. Und hofft, mit den versprochnen Zehn allein. Zu fükren andre heimlich auch von hinnen. Denkt Gottfried nach, wem den Befehl verleih',: Er soll bei dem gefährlichen Beginnen; Doch macht ihn schwanken Ueberzahl und Muth Der Abcntheurer, und ihr heißes Blut. Fünfter Gesang. 105 2 . Er spricht mit klugem Sinn, wie sich's gebührt: Wählt einen nun, durchaus nach eurem Willen, Daß er des grasten Dudv Banner führt; Und dieser mag das Werk der Wahl erfüllen, — Sa werd' van keinem Varwurf er berührt. Klaubt er, und aller Mistmuth werd' sich stillen. Er zeigt zugleich Var seinem ganzen Heere, Daß er der tapfern Schaar schenk' gleiche Ehre. g. Er ruft sie her und spricht: ihr habt gehört Längst meinen Rath, bekannt ist euch mein Meinen, Der Maid sei Hülfe wohl van uns gewährt, Dach nur wenn beßrc Zeiten uns erscheinen. Ich wiederhol' ihn, gänzlich unbeschwert Könnt ihr euch, wenn ihr wallt, nach seht ihm einen, Denn in der Welt, wo alles wechselt, wankt. Ist der beständig oft, deß llrthcil schwankt. 4 . Glaubt ihr, daß eurem Rang es schlecht sich schicke. Geht ihr Gefahren nicht mit Eifer nach, Und daß ein Rath das kühne Herz bedrücke. Der euch erscheint aus Klugheit allzuschwach, Halt' ich euch wider Willen nicht zurück-. Noch nehm' ich das zurück, was ich versprach. Denn gegen euch sei, wie ich's billig finde, Der Zügel meiner Herrschaft leicht und linde. Geht, »der bleibt, es gilt mir dies gleichviel. Ganz frei mag hierin euer Wille schalten, Dach erst wählt für den Führer, welcher fiel. Den Stellvertreter, der ob euch mag walten; 106 Fünfter Gesang. Der wähle zehn sich aus, wie's ihm gefiel — Doch hier sei mir die Herrschaft Vorbehalten; Zehn und nicht mehr, zehn sei die höchste Zahl, Im Andern ha»dl' er ganz nach seiner Wahl. So Gottfried; angcfcucrt nun von Allen Der Bruder schnell dem Hausen sich entwand; Wie uns an dir, o Herr, nur kann gefallen Der kluge Sinn auf Fernes hingewandt. So heischt die Pflicht, die uns ist zugcsallen Ein muth'ges Herz und eine tapfre Hand; Bei dir kann Zögern nur als Vorsicht gelten. Uns würd' in gleichem Fall man Feige schelten. Und weil nun auch die Wagnis; ist so klein Und gar nicht mit dem Nutzen abzuwägen, Erlesen wir die zehn — sprichst du nicht nein — Und gehn dem ehrenvollen Kampf entgegen, — So braucht den Eifer er als falschen Schein, Um sein entflammtes Herz nicht bloßzulegcn. Vom Durst nach Ruhm spricht auch die andre Schaar Da doch nur LiebcSgluth in ihnen war. Allein der junge Bouillon, der mit Schmerzen Der Eifersucht stets hinblickt aus Ninald, Dasi, sieht er ihn, sich ihm die Augen schwärzen. Weil jenen ziert so herrliche Gestalt, Will ihn nicht zum Genossen, und im Herzen Keimt listiger Trug ihm auf und Hinterhalt. Zur Seite sucht er heimlich ihn zu bringen Und legt ihm, also sprechend, feine Schlingen: Des großen Vaters größerer Sohn fürwahr. Dem höchster Waffenprcis schon ward als Knabe, Wer ist'S in unsrer ganzen kühnen Schaar, Der würdig nun sich weiht dem Hcrrscherstabe? Ich, der ich Dudo nur gehorsam war. Weil ich ihn ehrt' als Greisen, nah dem Grabe, Ich, Gottsricd'S Bruder, sehe keinen hier. Dem nach ich stehen möchte, außer dir. Dich, dem an Adel keiner überlegen, Deß Ruhm weit Heller, als der meine gleißt; Den Gottfried selbst im Kampf als besten Degen Sich selber minder achtend schätzt und preist; Zum Führer wünsch' ich dich, kommt nicht gelegen Dir, daß man dich des Weibes Kämpen heißt. Dich, denk' ich, macht der Ruhm nicht lüstern grade. Es führt der Weg durch nächtig duilkle Pfade. 11. Zu hohen Ruhmes Glanz fehlt deinem Degen An diesem Ort nicht die Gelegenheit, Und ich will machen, bist du nicht dagegen. Daß jeder deiner Wahl die Stimme leiht, Doch weiß ich nicht, wie ich mich soll bewegen. Im Herzen Zweifel, Unentschlossenheit, Drum rathe mir, soll ich bei dir verweilen. Soli ich die Nitterfahrt Armidens theilcn? 12. Hier schwieg Eustach, doch eh' dies Wort verhallt. Schaut man sein Antlitz glühend Roth entfachen; Der Liebesgluth, von der er überwallt. Schaut jener Andre zu mit stillem Lachen. 108 Fünfter Gesang. Denn ihn laßt Amors glüh'nder Pfeil ganz kalt. Und kann des Herzens Rinde wund kaum machen. Der Nebenbuhler macht ihm keine Qual, Und ihr zu folgen dünkt ihm völlig schaal. Doch tief war ihm der Wunsch in's Herz gegraben. Für Dudo's Tod die Rache zu vollzieh«, Und schmählich dünkt's ihm, soll das Leben haben Noch längre Zeit Argant, so frevelnd kühn. Zum Theil auch muß ihn der Gedanke laben, Der Glanz, der ihm gebührt, werd' ihm vcrlieh'n; Vom wahren Lobe, das er hat empfangen. Hat süßer Klang sein Herz schon ganz befangen. Er sprach alsdann zu ihm: den ersten Rang Will ich ererben nicht, nein, ihn erjagen. Wenn ich ihn mir durch Tapferkeit errang, Was brauch' ich nach dem Sccpter dann zu fragen? Scheint euer Wahlrus mir ein guter Klang, Und meiner Werth, werd' ich mich nicht versagen. Und daß ihr so erkennet meinen Werth, Ich fühle mich dadurch sehr hochgeehrt. IS. Ich suche nichts, verschmähe nichts; doch bin Ich Führer einst, wähl' ich dich zum Genossen. Drauf geht Eustach bedacht, wie er den Sinn Der andern lenkt, zu dem, was er beschlossen; Allein Gernand strebt auch zur Herrschaft hin, Armida's Pfeil wird fruchtlos da verschossen. Denn sein von Ehrsucht angeschwelltes Herz Lockt nimmermehr der Liebe Reiz und Scherz. Fünfter Gesang. 16 . Gcrnand entsproß von Norwegs Königsthrone, Um den viel Länder unterwürfig stch'n. Und stolz auf manchen Sceptcr, manche Krone, Der Ahnen Erde, sieht man ihn sich bläh'n, Rinald ist stolz auf eigne Kühnheit, ohne Zu schau'n auf Tbaten, so vor ihm geschehen; Obgleich auch seine Ahnen manch' Jahrhundert Im Kriege so, als Frieden hat bewundert. 17. Allein der fremde Herr, dem in der Welt Nichts gross erscheint, als Gold und Herrschaft eben. Der jede Tapferkeit für wcrthlos hält. Strahlt sic vom Diademe nicht umgeben. Zürnt, daß Rinald sich ihm entgegcnstcllt Und gegen sein Verdienst wagt anzustrcbcn. Und läßt durch blinden Haß sich so verleiten. Weit jedes richtige Maß zu überschreiten. IS. Nun schleicht ein böser Geist'der tiefsten Hölle, Der bei ihm sieht den Zugang leicht und frei. Sich leis' in seines Busens tiefste Stelle, Und ködert ihn durch list'ge Schmeichelei, Und stachelt ihn und lässet stets die Quelle, Des Hasses und des Zornes sprudeln neu. So daß in ihm erwachet eine Stimme, Die also spricht in ungefügem Grimme: io. Es kämpft mit dir Rinald; wie kann cr's wagen. Gibt seiner Ahnen Zahl ihm solch' ein Recht? Er will dir gleich sein; nun, so soll er sagen, Welch' gleich ihm zinsbar ist, welch' Volk sein Knecht; 109 kio Fünfter Gesang. Ein KönigSscepter soll zur Schau er tragen. Sein Stamm ist todt, frisch blühend dein Geschlecht! Wie frech für einen Herrn von nieder»! Stande, Geboren in Italiens Sclavcnlande. 20, Siegt er, verliert er — Ruhm wird's ihm bcscheercn, Schon weil er dich als Nebenbuhler fand. ES spricht die Welt, und ihm gereichtes zu Ehren — Der ist es, der in Streit kam mit Gernand. Ruhm könnte dir und Herrlichkeit gewähren Der hohe Platz, auf welchem Dudo stand. Doch nimmer darf verringern sich sein Werth, Wie es geschieht, wenn Rinald ihn begehrt. Und wenn, da keiner spricht im ganzen Heer, Der alte Dudo schaut auf unsre Schwächen, Wie sollte wohl sein Zorn nicht furchtbar schwer Vom Himmcl dann auf uns hcrnicderbrcchcn, Blickt er aus diesen stolzen Jüngling her, Und sein anmaßend frevelndes Erfrechen, Auf ihn, der Alter und Verdienst verlacht. Und noch ein Kind schon strebt nach hoher Macht. Ja er versucht cS, und sein freches Wagen Nicht traft, Ehre bringt's ihm, wenn er siegt. ES wird ihm Rath, Aufmunt'rung zugctragen. Und wer ist in der Menge, der eS rügt? Doch sieht cS Gottfried und wird er'S ertragen. Daß er dich nun um dein Verdienst betrügt. So duld' cs nicht! und zeige, daß eS merke Ein Jeder, wer du seist und deine Stärke. Fünfter Gesang. ss. Bei diesen Worten ihm der Zorn nun schwoll Und wuchs gleich dem bewegten Fackelbrande, Und aus dem schwanger» Busen übcrguoll Die Wutb zum Auge und dem Lippcnrande. WaS in Rinald er findet vorwurfsvoll. Verschweigt er nicht, zu seiner eignen Schande; Er beißt ihn stolz und eitel, seinen Muth Nennt er Verwegenheit und tolle Wuth. 24. Wo er erhaben ist und groß vor allen, Wo seine Großmuth glänzt und wird verehrt. Läßt er mit böser Kunst die Wahrheit fallen. Schmäht, klagt, als wär' mit Laster» er beschwert, So laut läßt seine Stimme er erschallen. Das« öffentlich die Schmähung wird gehört. Er kann den Zorn nicht zügeln, und nicht bänd'gcn Die Wuth, die bald sein Leben sollte cnd'gen. 25. Der Böse, der ibm cingiebt jedes Wort, Und cingenistct sich hat seinem Geiste, Lägt toben ibn in Unbill fort und fort Und schürt die Glutb, die seinen Nnmuth speiste. Im Lager ist ein weiter räum'gcr Ort, Wo stets der Kern crlcs'ner Krieger kreiste. Dort ringend und turnircnd, daß die Kraft DcS Leibs gewinne neue Meisterschaft. sa. Hier klagt er an, im Kreise vieler Ritter — So wollt' cS das Geschick — Rinalden schwer. Und wie ein spitzer Pfeil, ein gift'gcr Splitter Schießt höllisch Gift sein Mund auf jenen her. 112 Fünfter Gesang. Ninald ist nah und wie ein Nngcwitter, Bricht aus sein Zorn, den er nicht fesselt mehr. Er ruft: du lügst! und ihm im Rücken kreisen Läßt seine Rechte nun, das- nackte Eisen. Ein Donner scheint sein Nus, ein Blitz sein Eisen, Der von dem Wcttcrschlage Nachricht bringt, ES bebt Gcrnand, kein Mittel will sich weisen. Das ihn dem unrettbaren Tod entringt. Doch da die Ritter alle ihn umkreisen. Den Schein beherzten Muthcs er erzwingt. So zieht er zur Vcrthcidigung den Degen Und wirft dem großen Feinde sich entgegen. LS. Auf einmal sicht man tausend Schwerter schwirren Hell flammend auf wie lichten Blitzes Schein, Von allen Seiten sieht man Schaarcn irren. Herdrängend rücksichtslos, toll stürmend ein. Es braust und rauscht die Lust vom Lärm des wirren Getöse und dem Durchcinauderschrcin. So wie am Mceresstrand sich mischt das Sausen Des Sturmes mit der Wogen dumpfem Brausen. Lg. Der Zorn indes;, den der Gekränkte nähret, . Wird nicht gedämpfet durch der Andern Schrein, llnd ob ihm auch der Zugang wird verwehret Durch Ruf und Schwert, verachtend schaut er drein; Indem er sich bald hier, bald dorthin kehret. Bricht durch die Waffen er und Krieger ein, Ob tausend Krieger Gernand auch umringe», Gelingt's ihm doch, zu diesem vorzudringen. Fünfte Gesang. 113 so. Und selbst im Zorn' noch Meister im Gefechte Führt tausend Streiche er mit kühner Hand; Er trifft die Brust, das Haupt, und bald die rechte. Und bald die linke Seite schnell gewandt, Sv ungebehrig wüthet seine Rechte, Das; List und Kunst nicht seine Streiche bannt. Und, eh's das Auge ahnt, der Sinn erkundet. Hat er den Feind getroffen und verwundet. Er hält nicht ein, bis er in seine Brust Ein, zweimal hat getaucht den grausen Degen, Zur Erde stürzt der Arme unbewusst, Und haucht die Seele aus auf zweien Wegen. Rlnald steckt ein sein blutend Schwert, nicht Lust Hat er zu bleiben mehr des Todten wegen. Fort geht er, ruhig wird sein wild Gcmüth Und seiner Rache heisse Gier entflieht. ss. Als Gottfried naht, von dem Tumult erschrecket, Schaut unvermuthct er dies grässlich Bild: Gcrnand, dcß Antlitz Todes e decket, Gewand und Haar in schmutzig Blut gehüllt. Er hört die Klagen, die der Tvdte wecket. Er sicht die Thränen fließen ungestillt; Er fragt erstaunt: Wer konnte sich erfrechen. Den Frieden am vcrbot'ncn Ort zu brechen? ss. Nrnald, der hoch den todten Prinzen ehrt. Erzählt den Fall mit schweren Nebcnstückcn, Rinald Hab' ihn ermordet, und das Schwert Aus leichtem Eirund gezückt in tollen Tücken; Taff», befr. Ienis. 8 114 Fünflcr Gesang. Und gegen Christi Schaar den Stahl gekehrt. Den er allein für Christus sollte zücken. Verachtet frech des Fcldhcrrn streng Geheiß, Das jüngst gegeben ward und jeder weiß. Nach dem Gesetz ist er dem Tod verfallen. Straf' ist nach dein Verbot des Frevels Frucht; Theils, weil's an diesem Orte vorgefallen, Thcils, weil ihn drückt der schwersten Unthat Wucht. Und Rache wird genommen, traun, von Alle», Wenn ihn des Richters Spruch zu retten sucht; Sollt' er Verzeihung für den Mord bekommen, Würd' jeder durch dies Beispiel wuthcntglommen. ss. Des Streites und der Zwietracht Keim würd' wach Durch diesen Fall, bei jenen, diesen Degen. Er zählt Gcrnando's Tugenden nun nach. Sagt, was nur Mitleid kann und Zorn erregen. Doch Tancred war's, der fest dagegen sprach. Bemüht, die Thal recht billig auszulcgc». Der Feldherr hvrt's; sein strenges Angesicht Gibt Schreckenvollcs kund, zeigt Hoffnung nicht. se. Und Tancred spricht: mag dir zu Sinne kommen. Wer, was Rinald ist, Herr, an Einsicht reich! Die Ruhmeshoh', die er im Kampf erklommen. Wie hoch sein Haus, und wie er ahnenreich. Da Guelf sein Oheim! nimmer sei genommen An allen Ständen hier die Strafe gleich. In jedem Range gilt ein Fehl verschieden. Nur Gleichen werde gleiches Recht beschicdcn. Drauf Bouillon spricht: von denen, so erhaben, Lernt nur Gehorsam der gemeine Mann, Ich müht' mich schlechtem Rath ergeben haben, Setzt' ich der Großen Unfug keinen Bann. Was ist die Herrschaft mir, wenn nieder» Knaben, Und Pvbelvvlk ich nur gebieten kann? Unmächt'gcs Scepter! Schimpfliche Negierung! Nein! so beschränket, will ich nicht die Führung. ss. Ich übernahm sie ehrenvoll und frei; Drum will ich, keiner schmäl're meine Würde; Wohl weiß ich, wo der rechte Zeitpunkt sei, Verschiede» auszutheilen Preis und Bürde, Dann wieder Gleichbeit zu behalten bei. Nicht trennend Niedre von des Heeres Zierde. Er sprach'?-; bescheiden aber Tancrcd schweigt, Und diesem Worte sich voll Ehrfurcht beugt. so. Doch Raimund, alten Zeiten ganz ergeben. Die rauh und streng, lobt Gottfried'?- Wort und spricht Das ist die Kunst des guten Führers eben. Wie er die Unterthancn mahnt zur Pflicht; Der hat die Mannszucht aus der Hand gegeben. Den man nur gnädig kennt und strafend nicht. Es stürzt ein jedes Reich, dem nur die Milde lind nicht auch Furcht gegeben ist zum Schilde. «o. Er sprach's; und Tancrcd macht nicht länger Halt, Als er die Worte Hort mit klugen Sinnen; Auf seinen Renner steigt er da alsbald. Der flüchtig gleich dem Vogel fliegt von hinnen. 116 Fünfter Gelang. Nachdem dem Feind den Stolz benahm Rinald, Ihn tödtcnd, sucht sein Zelt er zu gewinnen, Es trifft ihn Tanercd, und verkündet dort Ihm Red' und Gegenrede Wvrt für Wort. Drauf sprach er: Wenn ich gleich für wahr nicht halte, Daß äußres Ansehn uns das Herz aufdeckt. Weil gar zu sehr in tiefem Hinterhalte Der Menschen innerster Gedanke steckt, Wag' ich zu sagen dvch, wenn ich gestalte Des Feldhcrrn Meinung, die er nicht versteckt: Daß du dem Rechte, das gemein ist Allen Und seiner Macht, als Schuldiger bist verfallen. Ninaldv lächelt, dvch sein Angesicht, Ob lächelnd auch, erglüht Vvn heißem Brande. Der niedre Sklave, den die Kett' umflicht, Mag wvrteln hier, der Tklav im schnöden Bande! Frei leb' ich; und als Sklave sterb' ich nicht. Nie trag der Fuß, die Hand das Band der Schande. Die Hand, die führt des Siegs gewohnt das Schwert, Verschmäht ein schimpflich Band, das sie entehrt. Lohnt Gottfried so nur Muth in den Gefechten lind sinnt er, wie er in'S Verließ mich schafft. Als wäre ich von den gemeinen Knechten, Die man gebunden wirft in schnöde Haft, Er komme nur! er findet keinen Schlechten, DaS Glück sei Richter hier und Waffentraft! Will er den Feind durch unfern Kampf erbauen, Sv soll ein wildes Trauerspiel er schauen. Fünfter Gesang. 117 44. Kr sprlcht's, begehrt die Wehr, sein Haupt umhüllt Mit feinem Stahl er nun und seine Glieder, Bewehrt den Arm mit dem gewichtigen Schild, Sein durstig Schwert hängt an der Seite nieder; Von Hoheit, Glanz ist sein Gesicht erfüllt. Gleich Blitzen strablt die ganze Rüstung wieder. Den, Kriegsgott gleicht er, der mit Graus bewehrt Vom fünften Sternenhimmel niederfährt. 45. Dies stolze Herz und die empörten Geister' Ist Tancred zu erweichen nun bemüht. Siegreicher Jüngling, spricht er, du bist Meister, Wo hcis; der Kampf in schweren Schlachten glüht; Ich kenne deinen Muth, hell erglcißt er. Wenn er nur Waffen rings und Schrecken sicht; Doch mög' cs Gott pcrhüten, er erweise Sich heut so grausam in der Unfern Kreise. 46. Sag' an, was willst du thun? willst du die Hand Mit der Genossen Blute gar beschmutzen? Und jenem Heere, das in engstem Band Mit Christus lebt, nun schnöde Wunden ritzen? Soll wie die Welte sich zerschellt am Strand In leerem Ruhm sich dieser Muth verspritzen? Vermag in dir denn Preis im Hcldenthum Mehr als bei Gott einst Glaubens cw'ger Ruhm? 47. Beim Himmel, nein! Besiege dich und stille Die Raserei, die jäb in dir ausschosi! Gieb nach! Nicht Furcht sei cs, nein heil'ger Wille, Dies Weiche» beut dir einst das böchstc boos. 118 Fünfter Vesnng. Gestatte mir, daß ich vor dir enthülle. Ein Bild aus meiner Jugend freudenlos; Auch ich ward einst gereizt, doch nicht gerungen Hab' ich mit Christi Volk, nein, mich bezwungen. 48 . Als ich das Reich Ciliciens eingenommen. Und Christi Banner pflanzt' auf jenen Strand, War Baldovin eiligst hinzugekvmmcn. Und nahm mit Schurkcnlist mir ab dies Land, Denn da er stets als Freund sich hatt' benommen. So war sein geiz'gcr Sinn mir unbekannt; Und doch versucht' ich nicht, ihm's abzuringcn. Wenn auch vielleicht Gewalt ihn konnte zwingen. Und willst des Kerkers du dich nicht geduldigen. Wo ehrlos Kettenband dich drücket wund, Magst du dem Brauche und der Meinung huid'gcn. Die als Gesetz der Ehr' ist jedem kund. Geh fort, bei Gottfried will ich dich entschuldigen, Nach Antiochien, geh' zu Bohcmund! Denn in dem ersten Sturme würd's nicht taugen, Kämst du vor des gestrengen Richters Augen. so. Und bald, wenn der Acgyptcr großes Heer Und andres Heidcnvolk kommt angcschrittc». Dann leuchtet deine Kraft erst hoch und hehr. Bist du nicht länger mehr in unsrer Mitten, Gehst du, so ist das Heer ein Rumps, nichts mehr. Dem man so Arm als Fuß hat abgcschnittcn. — Hier kommt auch Guelf herbei, tritt bei dem Wort Und räth, daß schnell der Ritter ziehe fort. Fünfter Gesang. 119 51 . Dem guten Ratbe, den sie ihm crtheilen. Beugt sich der Zorn, der in dem Jüngling glüht. Und er erklärt den Treuen sonder Weilen, Sei's nöthig, daß er aus dem Lager flieht. Der Freunde nun gar viele zu ihm eilen. Und jeder mitzuzichcn ist bemüht. Er dankt, zwei Knappen hat er sich erkoren. Steigt dann zu Roß und sprengt nun nach den Thoren. 52 . Er geht, von hoher Ruhmbegier entzündet. Die edle Herzen stachelt und durchglüht. Jetzt nie Gesehenes zu thun: begründet Ist der Bedank' im herrlichen Gcmüth; Und wo Cypresse oder Palm' er findet. Zum Kampfe für den Glauben cs ihn zieht, Hin nach Aegypten, hin nach jener Stelle, Wo fließt des Nilcs unbekannte Quelle. sa. Doch bleibt, als Abschied nahm der junge Mann Und wüthig fort mit raschen Schritten jagte, Kuelf nicht mehr hier und eilt, so schnell er kann Dorthin, wo Gottfricd's Zeltdach höher ragte. Der ihn erblickend, laut das Wort begann: Du Guclf bist eben der, nach dem ich fragte, Und Boten sandt' ich aus schon kreuz und quer. Daß sie dich endlich bringen zu mir her. St. Er läßt die andern geh'n; mit leisem Sprechen Beginnt er nun dies hochgcwicht'ge Wort: Wahrhaftig, Guclf, unleidliches Erfrechen liebt zornig toll dein Reffe fort und fort; 120 Fünficr Gesang. Kein gültiger Grund kann seine Unthat schwächen. Betrachten, glaub' ich, muß ich sie als Mord. Irrt' ich mich nur, mir wär'S zum Wohlgefallen, Doch Gottfried ein gerechter Herrscher Allen, Wird dem Gesetz, dem, Recht, dem was sich schickt. Sich als Vcrtheid'gcr stets und Wächter setze». Von herbe» Leidenschaften nie berückt. Gerechten Sinn als höchste Richtschnur schätzen. Doch, war Rinald gezwungen, mein Edict Und hcil'ger KricgSpflicht Achtung zu verletzen. Wie mancher spricht, soll er sich nun uns nah'», Hier reden und den Richterspruch cmpfah'n! s«. Was seinem Werth gebührt, es wcrd' ihm immer; Sv komm' als freier Mann er her zur Hast, Doch sträubt er sich, im Zorne grimm und grimmer, — Ich kenne die unbänd'ge Leidenschaft — Führ' du ihn her und rath' ihm, daß er nimmer Aufrcizcn mag des milden Herrschers Kraft. Denn für's Gesetz und Recht ein fester Sprecher, Ist er, wcnii'S recht ist, auch ein strenger Rächer! 57 . Er sprach's; und Guclf beginnt darauf zu sagen: Sein Herz hegt nicht das schwächliche Gefühl, Das wehrlos Schimpf auf Schimpf vermag zu tragen, Und schweigend Schmähung hört, die auf es siel. Und wenn er den Beieid'ger hat erschlagen. Wer setzt gerechtem Zorn dann noch ein Ziel? Wer kann erwägen alles, wenn in Hitze DcS Kampfs sich Hiebe folgen, Schwertcrblitze? Fünfter Gesang. 121 ss. Doch willst du, daß der Jüngling zum Gericht, Und deinem höchsten Richterspruch sich stelle. So thut mir'S leid, er kann es wahrlich nicht, Er floh vom Lager sort in aller Schnelle. Doch zieh' ich gegen jeden falschen Wicht, Der ihn verklagt, mein rächend Schwert zur Stelle, Und gegen jeden, der mit bösem Zahn Sagt, daß den Schimpf er strafend, mißgethan. so. Recht war's, dem aufgeblasenen Gernand Zu stutzen seines frechen Zornes Hörner. Doch daß er des Gebotes Macht verkannt, DaS thut mir leid, ich lob' eS auch nicht ferner. Er schweigt; drauf Gottfried: irr' er nur durch's Land Sich Händel suchend. Doch die Samenkörner Der Zwietracht streue du mir nicht in'S Heer; Bei Gott, hier duld' ich keine Kämpfe mehr! oo. Indessen ist zu werben sich Genossen Die trügerische Jungfrau stets bedacht, Sic fleht den ganzen Tag, zielt mit Geschossen Des feinen Trugs und ihrer Schönheit Macht; Doch als der Tag im Occidcnt, verschlossen Im braunen Mantel ruht der Mutter Nacht, Zieht sie sich mit zwei Rittern und zwei Frauen Jn's Zelt zurück, und senkt die schönen Brauen. «i. Doch ob die Meisterin des Truges gleich. Durch feine Sitt' und Anmuth weckt Verlangen, Ob Schön'reS auch im weiten Erdenreich Nie sah die Sonne, seit sie aufgegangen. Fünfter Gesang. Hat jeden Helden sie an Reizen reich. Mit festem Band der Lust auch schon gefangen, Hat ihre Lockung doch nicht Kraft genug, Daß Gottfried sie umspinn' mit ihrem Trug. 62 . Umsonst ist all' ihr Schmachten, Schmeicheln, Girren, Die Licbesgluth in ihm zu fachen an; Dem satten Vogel gleich, den alles Kirren Nicht nicderlockt aus seiner luft'gcn Bahn; Satt eitler Lust, verachtend ird'schc Wirren, Strebt er auf öden Pfaden himmelan. Wie viel auch um sein schönes Haupt der Schlingen Gott Amor wirst, der Fang wird nie gelingen. 6S. Kein Hindernis; ableitet von den Wegen, Die Gott ihm weiset, seinen hcil'gcn Sinn. Sie tritt mit tausend Künsten ihm entgegen. Ein neuer Proteus schmeichelnd vor ihn bin. Um auch die kältstc Liebe aufzurcgcn. Voll Reiz den Blick, die süße Zauberin. Jedoch an Gottfried schlagen fehl die Proben, Nichts wirkt ihr Reiz; — der Segen kommt von oben 64 . Die schöne Frau, die auch den strengsten Mann Zu locken glaubt durch ihrer Augen Winken, Wie muß sic wundern sich und kränken dann, Sicht ihren Stolz, ihr Prahlen so sie sinken. Doch endlich läßt, wo wcn'gcr hart begann Ei» Herz zu sein, die Waffen sic nur blinken; Dem Feldbcrrn gleich, der unbcsicglich Land Ermattend flieht, nun andrem zugcwandt. Fünfter Gesang. es. Doch ihren Pfeilen, so sie wirst geschäftig, Trotzt auch des Tancred unbezähmt Gemüth, Dem andre Liebe flammt im Busen heftig. Weshalb er nicht für ihre Reize glüht; So wie ein Gift ist gegen Gifte kräftig. So eine Liebe durch die andre flieht. Die nur besiegt sic nicht; doch sonst durchfluthcn Die Herzen Aller ihrer Schönheit Gluthcn. so. Obgleich sie's schmerzt, dasi Alles ihren Werken Trotz ihrer Kunst und Schlauheit nicht gelang. So kann sie doch in diesem Trost sich stärken: Es dient ihr mancher Held als edler Fang;' Doch denkt sic, eh' man ihre List mög' merken. Zu führen sic nach sichrem Ort, wo bang Sie seufzen sollten in noch schwerer» Ketten, Als sic bisher für sie getragen hätten. ar. Drum, als erglommen war des Tages Licht, Wo Gottfried, der's versprach, ihr helfen sollte. Tritt sic voll Ehrfurcht vor ihn hin und spricht Herr, die vcrhcißne Stunde — schon entrollte. Und wenn's vielleicht gehört der Böscwicht, Daß ich dein Heer um Hülfe bitten wollte. So rüstet er gewiß des Heeres Kraft, Und unsre Sache wird dann zweifelhaft. 08 . Drum, eh' ein fabelhaft Gerücht, dem Bosen Ein sich'rcr Kunde, Botschaft hat verlieh», Sci'n cin'ge deiner Starken mir erlesen. Ach! wen'ge nur, und laß sie mit mir zichn! 124 Fünfter Gesang. Denn wenn der Himmel blickt auf ird'schc Wesen Und milde schaut nvch ans die Unschuld hin. So wird mein Reich mir wiederum beschicden Und stets dir zinsbar sein, im Krieg, im Frieden. 69 . Sie spracht; und Gottfried must nun unteerweilt, Was er nicht weigern kann, der Maid gewähren, Obgleich er sieht, das, weil so sehr sic eilt. Ihn das Uleschäft der Auswahl wird beschwere». Den Zehn meint jeder, wcrd' er zugcthcilt. Will ungestüm: man soll auch ihn beehren; Des Wettkampfs Gluth entfacht nun jedes Geist, Und alle fordern rücksichtslos und dreist. 70 . Doch sic, der jedes Herz ist offen kenntlich, Ei» neues Mittel gleich zu Händen nahm, Sic peitscht mit Eifersucht sic unabwendlich. Quält sic durch Bangen und durch falsche Scham; Denn ohne diese Kunst wird alternd endlich Die Liebe — und dies weis; sic — träg' und lahm. Dem Nenner gleich, im Laufe minder flüchtig, Folgt einer nicht, der mit ihm eifert tüchtig. 71 So spendet sic nun Reden, süsi und warm. Und Licbcsblick und Lächeln, das entzückte, Daß reich an Bangen, wie an Hoffen arm. Ein Jeder neidisch auf den Andern blickte; Es läuft der heißen Buhler toller Schwarm, Die zaubrisch eines Mädchens Aug' berückte, Ohn' Scham und Scheu der nach, die sie umgarnt Vergeblich ist es, daß der Führer warnt. Fünfter Gesang. 125 Er, der cs schlichten will zu Aller Fromme», De» Keines Bitten abstosit, Keines zieht, Lucht, bald von Scham und bald von Zorn entglommen, Mit seiner Ritter thorichtem Gemüth Durch neuen Rathschlus! zum Vergleich zu kommen. Weil er im Vorsatz sie beharren sicht; Werst eure Name» l» die llrne, spricht er. Zieht sic dann aus; so sei das Schicksal Richter! 7 ». In einer llrne werden umgcschüttclt Die Namen, welche aufgesetzt zuvor. Man zieht; der erste, durch das Loos ermittelt. Ist Pembrok's edler Graf Artemldor. Als zweiter Gerhard wird herausgcrüttelt. Den Wenzels dann vernimmt der Ritter Ohr, Des Wenzel, der sonst würdig sehr und weise. Jetzt ist verliebt und kindisch fast, der Greise. 7 - 1 . Und von der Lust, von der sie Überflüssen, Wie glänzt ihr Blick, wie sind sic freudenvoll Die drei crles'nen Ersten, und wie schwoll Ihr Herz vom Glück, das ihnen sich erschlossen. Doch bangend sind von Eifersucht und Groll Die Andern, deren Namen noch verschlossen lind aller Blick hängt fest an dessen Munde, Der von den andern Namen giebt die Kunde. 75 . Und GuaSco kam heraus nun als der vierte. Dem folgte Nidolph, und dem Olderich, Drauf Wilhelm, welcher Rousillon regierte. Der Baier Eberhard — der Frank' Heinrich. 126 Fünfter Gesang. Der letzte war Nambald, den dann verführte Der Feind, daß er von Christi Glauben wich. So viel vermag die Liede! ausgeschlossen Ward jeder sonst, die Zahl der Zehn geschlossen. 70 . Entbrannt von Zorn und Neid und Eifersucht Verklagen sie Gott Amor, der so eben Fortunen, die so ungerecht, verrucht. In seinem Reich das Nichteramt gegeben, Doch weil der Mensch stets das Verbotene sucht. Und ihm nachjagt aus angebornem Streben, Beschließen viele, dem Geschick zum Hohn, Ihr nachzuzichn am nächsten Morgen schon. Sic wolle» stets ihr folgen, nächtlich, täglich, Bereit zu wcihn im Kampf ihr Lebensblut. Sic spricht kein Wort und seufzt so süß und kläglich. Und lockt gebrvchnen Tons voll Liebesgluth, Spricht bald zu dem, zu jenem, wie unsäglich Weh ohn' ihn die schwere Reis' ihr thut. Die Zehn sind schon im Panzerhemd gegangen, Um Abschied von dem Führer zu empfangen. Der Weise giebt noch Rath, daß leicht wie Sand Der Heiden Wort auf Ungewisses deute. Wie Hinterlist und Trug bei solchem Pfand, In schlimmen Wegen fliehe der Gcscheidte. Doch Liebe nimmt nicht Rath aus kluger Hand, So, daß dies Wort der nächste Wind zerstreute. Er läßt sic ziehen, und die kühne Maid Ist vor dem Morgen schon zum Zug bereit. Fünfter Gesang. 127 79 . Die Sicg'rin geht und führt mit sich in Schlingen Die Buhlen fvrt, de» Kriegsgefangnen gleich; Jndeß mit bitter» Liebesgualen ringen Die Andern in des Lagerwalls Bereich. Doch wie die Nacht ausbrcitend ihre Schwingen, Das Schweigen weckt und wirrer Träume Reich, Gehn heimlich sie — die Liebe war ihr Leiter — Der Spur Armidens nach und ihrer Streiter. so. Eustach folgt ihr zuerst, voll Eil' und Drang, Erwartend kaum des Abends dunkle Schatten; Er eilt, ob auch die finstre Nacht entsank. Die blinder Führer ihm — fvrt ohn' Ermatten; Die Nacht scheint hell und lau dem irren Gang, Doch als der Tag glänzt über Berg' und Matten, Schaut er Armidcn und der Streiter Schaar Nah einem Dorfe, wo ihr Rastort war. si. Rasch eilt er auf sie zu; an der Devise Erkennt Nambald ihn gleich, worauf er schreit: Was suchst du hier, warum verfolgst du diese? Armidcn, spricht er, geb' ich das Geleit. Und sei's, daß sie zum Diener mich erkiese, Bin ich gleich Euch zu Schutz und Dienst bereit. Der andre drauf: wer wählt dich zu der Ehre? Drauf er: wer sonst, wenn's nicht die Liebe wäre? Mich wählte Amor, dich das Glück; nun sprich. Welch' ein Erwähler scheint dir mehr gewichtig? Drauf spricht Nambald: dein Titel hält nicht Stich, Unnütze Künste das, und falsch und nichtig. 128 Fünfter Gesang. Die echte Schaar der Maid so königlich Will keinen falschen Knecht, gesetzlos, flüchtig! Wer will mir wehren dies? entgegnet wild Der andre nun. Von Zorn und Grimm erfüllt. 8g. Ich wehr' cs dir, so spricht Rambald, der Degen, Und stürzt bei diesem Wort auf jenen lvS: Der andre rennt mit gleicher Wucht entgegen, Und führt mit gleichem Grimm nicht schwächer,, Stoß. Da regt sie ihre Hand, den Kampf zu legen, Sie in der Herrschaft über Seelen groß. Und spricht zum ersten: nimm's nicht auf so bitter. Daß dein Genoss' er sei und mir ein Ritter! 84 . Liebst du mich, liegt mein Heil am Herzen dir. Was raubst du Hülfe mir zu meinen. Frommen? Zum andern dann: mein Ehrenwächtcr hier. Mein Lebensschützer sei mir hoch willkommen! Wollt' ich verschmähen — sinnlos wär's von mir — Solch' edle Ritterschaft, so preisvollkvmmen. Nrmida spricht's; da kommt von Zeit zu Zeit Ein neuer Held, zu folgen dem Geleit. 85 . Der kommt daher, der dorther; daß gegangen Auch der und der, blickt jeder scheel, erbost; Mit frohem Sinn hat jeden sie empfangen. Und zeigt, daß ihr gekommen Freud' und Trost. Zu Gottfried kann die Nachricht erst gelangen. Als schon die Sonne neu erglomm im Ost, Sein ahnend Herz sagt ihm von bösen Dingen, So jenen dröhn und Nebel werden bringen. Fünfter Gesang. 129 86 . Als cr's erwägt noch, kommt ein Bote her Voll Staub.', und athemlos mit so betrübten Gebärden, wie, weß Kunde bitter schwer. Und finstre Wolken seine Stirne trübten. Er sprach: schon naht uns, Herr, im nahen Meer Die große Kriegesflvtte aus Aegypten; Und dies dir zu verkünden mir befahl, Wilhelm, der Genueser Admiral. 87 . Er fügte bei: sie hätten hcrgeschickt Zum Lager Volk, mit Proviant vom Hafen, Ein schwerer Zug, der langsam vorgerückt, Bis auf dem Weg sic Räuberhorden trafen, Und keinem sei die Rettung da geglückt. Sie sei'n im Kampf geblieben oder Sclaven, Denn Räuber griffen sie in einem Thal Vorn und im Rücken an mit einem Mal. Das tolle Wagen sei und das Erfrechen Der schweifenden Barbaren nun so groß, Daß sie gleich einer Sündfluth alles brechen. Und nichts mehr Stand hält ihrem heft'gen Stoß. Drum müsse man, um ihre Wuth zu schwächen. Ein Banner Kriegsvolk lassen aus sie los. Das von dem Meeresstrande alle Wege Durch Syrien zu dem Lager säubern möge. 8g. Und augenblicklich nun von Mund zu Mund Die schlimme Botschaft durch das Lager wallte. Daß schreckenslaute Klage von der Stund Ob Hungersnotls beim niedern Volk erschallte Taffe, bcfr. Jerus. S 130 Fünfter Gesang. Dem weisen Führer wird's in Kurzem kund. Es sei der Krieger Muth nicht mehr der alte, Drum schaut er, wie mit heitrem Angesicht Er sie mit Trost und Muth erfüll', und spricht: Ihr, Krieger Gottes! kühn im Fechten, Schirmen, Die ihr mit mir gezogen seid so weit. Durch schweren Kampf-, die ihr neu aufzuthürmen Die Kirche unsres Herrn geboren seid; Die ihr getrotzt Gebirgen, Meeren, Stürmen, Der Griechen List, der Perser Tapferkeit, Des.Hungers, Durstes Ungemach ertragen, Wie könnt ihr jetzt in bangem Schrecken zagen? si. Und dieser Herr, längst ist er euch bekannt, Wie er in schlimmrcm Fall euch schützte, lenkte; Glaubt ihr, daß fern sei seine milde Hand, Dasi er den Blick voll Huld euch nicht mehr schenkte Bald kommt ein Tag, wo ihr von Lust entbrannt Gelübde löst, deß froh, was einst euch kränkte. Ich bitt' euch, haltet aus mit hohem Sinn, Bewahrt euch selbst dem einstigen Gewinn! 02, So zieht er Trost dem angstbeklommnen Heere Mit frohem Angesicht und heit'rem Blick, Doch tausend schwarzer Sorgen bittre Schwere Preßt tief in seinen Busen er zurück. Er sinnt, wie er so vieles Volk ernähre. Wenn Hunger, Mangel komm', und Mißgeschick; Wie er die Flotte auf der See bekämpfe, Den Trotz arab'schcr Räuber-Horden dämpfe. Sechster Gesang. i. Doch den Belagerten in Zions Kreise Geht nun die Hoffnung auf mit neuer Macht; Weil außer ihrem Vorrath neue Speise Ward ihnen zugcführt bei dunkler Nacht. Mit Waffen, Kriegs-Werkzeugen jeder Weise, Verschanzen sie sich gegen Mitternacht, So daß die Mauer wächst an Breite, Größe, Und Würfe nicht zu fürchten hat, noch Stöße. Sic läßt der König da und dort erhöh'», Vorn, hinten, auf den Seiten unterstützen. Ob nun die Sonne glänzt an HimmclShöh'n, Ob Stern' und Mond die dunkle Nacht durchblitzen Und bei des Hammers ewigem Getön Sieht man den Waffenschmied sich müde schwitzen. Durch diese Zurüstung von Zorn entbrannt Tritt nun zu ihm mit solchem Wort Argant: Wie lange hältst du uns in diesen Klausen, Wie lang' in schimpflicher Lelag'rung Zwang? Wohl hör' ich hier den Ambos klirr'n und sausen. Der Helme, Schilde, Panzer schweren Klang; Doch seb ich nicht wozu; — die Räuber Hausen Frei in den Städten und das Land entlang. Zu hemmen sie will Keiner sich erkeekcn. Noch mit der Kriegstrompcte Klang sie wecken. 132 Sechster Gesang. 4 . Ihr neckt und stört sie nie beim Mittagsmahl, Lasst Abends sie beim Schmause sich vergnügen. Daß sie den ganzen Tag, die Nacht zumal. Im Frieden und in stiller Ruhe liegen;. Doch Ungemach wird euch und Hungers Qual, Wenn ihr noch lange zögert, einst besiegen, Wo euch als Feige nicht der Tod ereilt. Sobald Aegypten mit der Hülfe weilt. ». Ich will in schnödem Dunkel nicht begraben Erleiden hier rühmlos unedlen Tod; In diesem Kerker soll, nicht will ich's haben. Mich treffen mehr das nächste Morgenrot!). Mein Leben mag das Schicksal nun handhaben, Wie cs die Macht dort oben ihm gebot! Nie sei es, daß ich ohne Ruhm und Ehre Und ungcrächt Hinsterbe mit der Wehre. s. Jndeß wenn euer alter Muth und Werth Bis auf die letzte Spur nicht ist zerstoben. Hoff' ich, ihr sterbt nicht kämpfend, hochgeehrt Ihr lebt, durch Preis und Sicgesruhm erhoben. Gehn wir nur kühn entschlossen, stark bewehrt. Dem Schicksal trotzend wie des Feindes Toben! Denn oft geschah's, daß in der größten Fahr Der kühnste Rathschluß auch der beste war. 7 . Doch, hältst du es für allzukühnes Wagen, Zu schicken aus die Schaarcn, kampfbereit. Laß wenigstens zwei Ritter drum sich schlagen, Wie sich auf einmal löse dieser Streit! Sechster Gesang. 133 Und, daß zu thun, was ihr ihm woll'n antragen. Der Führer jenes Frankcnhecrs nicht scheut. Wähl' er die Waffe», und nach seinem Willen Soll jegliche Bedingung man erfüllen. 8 . Hat nur der Feind ein Leben und zwei Hände, Entflammt ihn auch der frechsten Kühnheit Gluth, So fürchte nimmer ich ein schlechtes Ende, Weil das, wofür ich kämpfe, sicher ruht. Statt daß du sorgst, ob sich dein Schicksal wende. Liegt nun der Sieg in meiner Rechten gut. Die frei ich dir zum Unterpfande reiche; j Trau ihr, du bist bewahrt sammt deinem Reiche. o. Er schwieg, drauf jener: Jüngling muthentbrannt. Siehst du mich gleich schon hochbejahrt als Greisen, Ist nicht mein Geist doch träge, schlaff, entmannt. Die Rechte noch sosehr entwöhnt vom Eisen, Daß ich eh' sterben wollte unbekannt, Als mich im Tod noch groß und kühn beweisen, Hätt' ich, so wie du meinest, jener Plagen Irgendwie Sorgen oder Zweifel zu ertragen. 10. Verhüte Gott die Schmach! Dir sei nun klar. Was ich mit andern nimmer will bespreche»; Dem einst Nicäa unterthänig war, Fürst Solyman, brennt, früh're Schmach zu rächen, Drum ließ er eine Leduinenschaar Herein bis von den Grenzen Lpbiens brechen, Damit bei Nacht sie unfern Feind umringt. Und Truppen uns, und Lebensmittel bringt. 134 Sechster Gesang. 11. Bald kommt er an. Wenn unsre Burgen schon Sind unterdrückt durch bösen Feindes Walten. Was kümmcrt's uns-, bleibt doch mein Königsthron, Mein edler Purpurmantel mir erhalten. Bezähme du dein Wagen, Wüthcn, Droh'n, Das dich entflammt mit allzukühnem Schalten, Erwarte hier, bis dir die rechte Zeit Den höchsten Ruhm, mir süße Rache beut. 12. Gewaltiger Zorn erfaßt den Mvhrenritter, Der längst schon neidet Solymans Gewicht. Da er vom König höret — v. wie bitter! — Daß er von seinem Feind sich viel verspricht. — Thu', wie du willst, sei's Frieden, Ungcwittcr Des Kriegs, gleichviel o Herr, ich tadl' es nicht. Bleib nur, bis Svlyman erscheint, hier sitzen! Er, der sein Reich verlor, wird deinS beschützen! 18. Mag er gleich einem Seraph niedcrflicgen, Der Freiheit schenkt den Heiden sicggewandt! Doch glaube ich, mir selber zu genügen. Und Freiheit will ich nur von meiner Hand. Ihr mögt nun hier in sanfter Ruhe liegen, Doch ich will kämpfend streifen Lurch das Land! Will mich — nicht dein Genoss — als Freier schlagen. Und mit den Franken manchen Zweikampf wagen. 14 . Der König drauf versetzt: Obgleich fürwahr Du besser sparen könntest Muth und Degen, Sv ford're einen aus der Feinde Schaar, Wie dir's gefällt, ich bin nicht mehr dagegen. Sechster Gesang. 135 So spricht er, und Argant des Zögerns bar. Ruft einen Herold, der ihm kommt gelegen; Zu Gottfried geh und künde vor dem Heer Den Vorschlag mein, gewichtig, groß und schwer. Ein Ritter, dem cs allzuschlccht gefallt. Sich hinter festen Mauern einzuspinnen. Begehre kund zu thun der ganzen Welt, Was er an Ruhm in Waffen kann gewinnen, Drum ladet er zum Zweikampf auf dem Feld, Das jene Zelte trennt von diesen Zinnen, Die Franken ein, so ihres Hcldcnthums Sich stolz bewußt, zur Probe ihres Ruhms. Nicht Einen sordre er nur zum Gefechte, Steh' auch bereit zum Kampfe nicht blos Zwei'», Mit Drei'n auch, Vieren, Fünfen; von Geschlechtc Ob Hochgebvr'n, gleichviel, ob auch gemein. Man leiste Bürgschaft; doch nach Kriegesrcchte Soll der Besiegte Sclav des Siegers sein. Er sprach's; den Herold aber sogleich schmückte Sein reiches Purpurkleid, das goldgestickte. 17 . Er tritt nun auf vor Gottfrieds hohem Throne, Umgeben rings von edler Ritter Chor, Und fragte v Herr, darf hier in freiem Tone Der Bote reden kühn vor aller Ohr? Er darf's, crwiedert Gottfried, trag' uns ohne Beklommenheit nur deinen Auftrag vor! Der Herold drauf: Es wird sich bald entdecken, Ob Freude meine Botschaft bringt, ob Schrecken. Sechster Gesang. IS. Und stolze Worte gehn aus seinem Mund, Vermess'ne Reden, wie sie nie vernommen, Sv daß die kühnen Schaaren in dem Rund Man knirschen Hort von Zorn und Wuth entglommen. Gleich drauf gicbt Gottfried ihm die Antwort kund: Es hat dein Herr zu Schweres unternommen. Ich glaube sicher, er wird's bald bereu'». Der fünfte Kämpfer wird nicht nvthig sein. Er prob' cs nur! und ohne Hinterhalt Sei ihm ein sichres, freies Feld erkoren. Der Meinen einer beut ihm Widerhall, Und ohne Vorthcil; dies sei zugcschworen. Er schweigt; der Herold eilt zurück alsbald. De» vor'gen Pfad betretend, zu den Thoren, Und. hemmt im raschen Laus die Schritte nicht. Als bis vor des Tscherkesscn Angesicht, 20. Zum Kampfe, hoher Herr, und zogre nimmer! Die Christen nahmen an den Ruf zum Streit, Die wcn'ger Starken selbst sind grimm und grimmer. So wie die höchsten Helden kampfbereit; Ich sah. viel tausend wüth'gcr Blicke Schimmer, Viel tausend Hände reg, den; Schwert geweiht. Der Führer will dir sichres Feld verschaffen. Der Herold sprach's; Argant begehrt die Waffen. Er gürtet sich, eilt dann des Streits gewärtig Hinab zur Ebene voll Kampfbegicr. Clorinda spricht zum Herrn, der gegenwärtig. Recht find' ich's nicht, er geht und du bleibst hier. Kcchstcr Gesang. 137 Drum halte du zu seinem Schul; dich fertig. Und tausend unsers Volkes nimm mit dir. Er mag allein zum edcln Kampfe schreiten, Du aber halte fern mit deinen Leuten! Clorinda schwieg; die Schaaren ziehn hinaus Aus den verschloss neu Thoren nun ins Weite: Argant, der Held, den Andern stolz voraus, Ohn' andern Schmuck der Waffen noch Gereite, Wo vor dem Lagcrwall sich dehnet aus Ein.flaches Feld von großer Läng' und Breite, Ganz eben', strauchlvs, wie durch Kunst gemacht. Dem Marsfeld gleich, geschaffen wie zur Schlacht. Allein tritt nun hierher voll Selbstvertrauen Im Angesicht der Feinde, kühn, Argant, Auf Hoheit, Größe, Stärke, kann er bauen, Drum schaut er drein von Hohn und Trutz durchmannt. Gleich Enkclados, oder so voll Grauen Wie Goliath im Thale, der Gigant. Doch Viele fürchten nicht mit ihm das Rennen, Weil sie des Recken ganze Kraft nicht kennen. Noch hatte Gottfried aus der Kämpen Reih'n Nicht ausgewählt den Besten von den Vielen; Obgleich auf Tancred aller Augen Schein Voll Wunsch und voll Vertrauen mußte zielen. Und zeigt, vollkommen sei nur er allein, Weil aller Blicke günstig auf ihn fielen. Leis flüstert seinen Namen mancher Mund. — Des Führers Blick giebt seine Billigung kund. Sechster Gesang. 2S. Ein jeder tritt zurück, als er sich regen Den sieht, auf dem das Aug' des Feldherr» ruht; Geh hin, sprach der, ich habe nichts dagegen. Und unterdrücke dieses Frevlers Wuth! Kühn durch die Wahl geht hin der junge Degen Vertrauen zeigt sein Antlitz, frohen Muth; Vom Knappen gehrt er Waffen und Gerrite, Und mancher Krieger gicbt ihm das Geleite. 26. Noch war zur Ebne er nicht vorgerücket, Wo Argant ihn erwartet voll Begier, Als er die stolze Kriegerin erblicket In ihrer Schönheit fremdartiger Zier. So weiß wie Alpcnschnce ein Kleid sie schmücket, Und aufgeschlagen war des Helms Visir. So sah er sie auf einem Hügel stehen, Und groß und herrlich war sie anzusehen. 27. Und Tancred nicht den Blick mehr dahin sandte. Wo jener trotzig blickt zum Himmel auf; Weil er das Aug' nach ihr zum Hügel wandte. Schnell zügelnd seines Nosses raschen Lauf. Starr, gleich dem Stein, den heiße Gluth durchbrannte, Von außen eisig, bleibt er stehen drauf. In ihrem Schau'» verliert er sich; den Degen Zu ziehen scheint ihm wenig nun gelegen. 2S. Argant, der keinen aus dem ganzen Heer Sich rüsten sieht und kommen zum Gefechte, Nust: ha! aus Kampfeslust kam ich hierher. Kommt keiner denn heran, der mit mir fechte? — > Sechster Gesang. Doch Tancred steht versteint, betäubt so schwer. Daß nichts ihn aus dem Anschaun wecken möchte. Drum spornt den Nenner Otto nun so heiß. Und sprengt zuerst als Kämpfer in den Kreis. 2 ». Von denen war er, die ein heiß Verlangen Erfüllte, mit Argant zum Kamps zu gehn; Doch wich er Tancred und war ausgcgangen Mit ander», um dem Zweikampf zuzuseh'n. Von andrem Wunsch sicht er nun den befangen. Und trag zu dem Gefechte müßig stehn, Drum nimmt er als ein Jüngling rasch und rührig Auf die Gelegenheit voll Hast und gierig. so. Nicht schneller wohl ein Tiger, Panther schoß Durch das Gebüjch in wilden Waldgchcgen, Als er nun auf Len starken Heiden los. Der ihm die schwere Lanze hält entgegen. Nun endlich schreckt aus wirrer Träume Schooß Tancred empor, dem sich die Sinne regen, Und ruft umsonst: Halt ein! mein ist der Streit! — Doch Otto war gekommen schon zu weit. Er hält, von Zorn und Mißmuth heiß entzündet Im Innern, und von Außen roth, wie Gluth, Weil er die Schande unverzeihlich findet. Daß einer ihm im Kampf zuvor es thut. Indessen traf dort, wo der Helm sich ründct. Den Heiden jener Jüngling fest und gut. Doch jener hat den Schild ihm erst zerbrochen. Und dann mit scharfem Stahl die Wehr durchstochen. 140 Sechster Wcsang. ss. Es fällt der Christ durch diesen herben Streich, Der ihn vom Sattel stürzte hin zur Erde. Der cisenfeste Heide nicht zugleich, Der unbewegt und fest noch sitzt zu Pferde. Er spricht zum Ritter dort am Boden, bleich. Mit stolzer und verächtlicher Gebcrdc: Ergieb dich, und der Ruhm sei dir genug. Daß hier dein Arm sich mit dem meinen schlug. ss. Nein! ruft hier Otto; Brauch war bei uns nimmer. Daß man so schnell dem Feind die Waffen beut. Entschuld'ge mich, wer will, geh ich ln Trümmer Auch hier, ich räche mich nun kampfbereit. Da knirscht gleich einer Furie wilder, grimmer Argant, fast scheint es, Last er Flammen speit. Erprobe meine Kraft nun, spricht er wüthig. Da du verschmähst, was ich dir bot so gütig! S4. Bei diesem Wort spornt er sein Pferd und setzt Hintan, was Nittersitte könnt' beweisen. Jetzt flieht der Frank', sprengt schnell zur Seite jetzt. Und läßt sein Schwert nun ihm zur Rechten kreisen. Wo er die Weiche ihm so schwer verletzt. Daß sich vom Blute rvthet ganz das Eisen. Fruchtloser Stoß, der keine Kraft benimmt, Und wüth'ger nur den Feind macht, mehr ergrimmt! ss. Und rasch Argant das Roß nur rückwärts lenket, Und wendet es so hurtig und so leicht; Daß, ehe noch sein Gegner daran denket. Ihn unverseh'ns ein schwerer Stoß erreicht. Kechsicr Gesang. 141 Die Glieder zittern, die ihm auSgerenket, Der Geist wird wirr, und das Gesicht erbleicht. Der schwere Streich streckt seine matten Glieder Ohnmächlig auf die harte Erde nieder. In grimmer Wuth rast jetzt der Bvscwicht, Er sprengt sein Roß auf den gefali'ncn Ritter: So, rief er, geh' es jedem stolzen Wicht, Zu Füßen mir tritt ihn mein Noß in Splitter! Doch Tancred, sicgSgewohnt, säumt länger nicht. Die grause That macht ihn im Herzen bitter. Er will, es soll sein Muth austilgcn ganz Den Fehl, und strahlen neu im ersten Glanz. ^ 87 . Er sprengt heran und ruft: Du niedre Seele, Selbst gegen Len Besiegten noch gemein! Welch' hohes Lob glaubst du, daß dir noch fehle. Schamloser Bube, welch' ein Titel fein? Bei Beduinen mußt du, in der Hohle Barbar'schcr Horden wohl erzogen sein. Ha flieh das Licht, und wüthe mit den Thieren In Bcrgesklüftcn und in Waldrevieren. ss Er schweigt; Argant, dem nicht Geduld gegeben, Beißt in die Lippen sich, von Wuth erfüllt. Nicht sprechen kann er, dumpfe Töne beben Aus ihm hervor, und wie ein Thier er brüllt; Gleich einem Blitz vom Wolkendunst umgeben. Der allzcrstvrcnd nicderfährt, so wild Saust aus dem heißen Busen mit Geschmette Ein jedes Wort gleich einem Donnerwetter. 142 Sechster Gesang. sg. Dach als die beiden nun durch wildes Droh'», Des Stolzes Wuth entflammt ln solcher Weise, Sprengt von dem andern jeder rasch davon. Und schwenkt zum neuen Laus sein Nos? im Kreise. Jetzt, Muse, stärke meiner Stimme Ton, Daß gleiche Wuth durch meine Adern kreise! Daß würdig dieser That mein Sang auch sei, Wild klingend, waffenglclch wie dlcß Turnei! 40 . Sie lege» ein die knotenreichen Stangen, Sie in die Höhe richtend kriegsgewandt; Nie ward ein Rennen, das so schnell gegangen, Kein Vogelflug so flüchtig je bekannt. Nie solche Wuth wie auf einander drangen. Mit gleicher Kraft hier Tancred, dort Argant. Die Lanzen brechen an den Helmen, brausend. Daß Funken sprühten, Splitter stoben sausend. 41 . Es zittert von der Stoße Hall die Erde Im Innersten, cs schallen rings die Höh'n; Jedoch der Ritter trotzige Gebcrde Läßt sich, dem Sturm zum Trutz, gebeugt nicht seh'n. Wild rennen auf einander beide Pferde, Daß sie vom Sturz sogleich nicht anfcrsteh'n. Vom Sattel springen nun die beiden Streiter Und kämpfen mit dem Schwert zu Fuße weiter. Vorsichtig Jeder sich zum Stoß auslegct, Das Aug dem Aug, der Fuß dem Fuß nachrückt, Und vor- und rückwärts Jeder sich beweget. Umkreist den Feind und weicht ihm aus geschickt; Aechster Gesang. 143 Das Schwert dann plötzlich eine Wunde schlaget Wo es zum Scheine nur schien angezückt. Dann wird ein Theil zum Scheine bloß gegeben Und List sucht auf des Andern List zu heben. 4a. Vom Schwert entblößt und schlecht bedeckt vom Schild Zeigt Tancrcd nun die Seite dem Tscherkesscn, Der gierig ihn zu treffen, Wuth erfüllt, Sich links zu decken hat indes, vergessen. Doch Tancred schlägt zurück das Eisen wild. Das jener schwenkt, verwundend ihn indessen; Dann weicht gewandt er von dem Feind zurück. Und deckt sich gut im nächsten Augenblick. Argant, der wüth'ge, sieht mit rotben Flecken Die Rüstung netzen sich vom eignen Blut, Da brüllt und stöhnt er laut vor Schmerz und Schrecken, Und rasend macht ihn Pein und blind die Wuth; Da schreit er, schwingt das Schwert auf jenen Kecken, Und stürzt auf ihn voll ungestümer Gluth. Doch muß er bald des Gegners Stich empfinden. Wo Schulter sich und Oberarm verbinden. 4S. Gleich einer Bärin, die im Felscnbang Des Jägers Wurfspieß fühlt in ihrer Seite, Sich wüthig nun auf ihre» Mörder schwang, Verachtend kühn Gcsabr und Tod im Streite, So flammt in dem Tscherkessen heißer Drang, Dem Wund' an Wunde, Schmach an Schmach sich reihte. Nach Rache nun er sich so brünstig sehnr. Daß er den Schutz vergißt, Gefahr verhöhnt. 144 Sechster Gesang. 4S. Im Fechten gibt er, tollkühn und verwegen, Sv Riesenkraft als Atbcms Dauer kund. Und übermächtig schwingt er seinen Degen; Der Himmel blitzt, cs bebt das Erdenrund. Schwer schirmt der andre sich vor diesen Schlägen, Sv flink, so stark; kaum Athem hat sein Mund; Argant weiß Kraft mit Eile zu verbinden. Daß cs dem Andern schwer wird Schutz zu finden. 47. Umsonst hofft Tancred, daß dies Ungewitter Nachlassen werde bald in seiner Wucht; Drum bald entgegen, bald zur Seite schritt er. Und wand't mit Meisterschritten sich zur Flucht. Doch da nicht müde wird der Hcidenritter, Jst's Noth nun, daß er seine Kraft versucht. Und tobend nun in fürchterlicher Weise Schwingt kräftig er sein Schwert umher im Kreise. 48. Kunst und Vernunft muß nun der Zorn besiegen, Die Wuth leiht Kraft und stachelt sie noch mehr. Trifft wo ein Hieb, da sicht man Splitter stiegen Von Schienen, Maschen und kein Streich geht leer. Rings auf der Erde sieht man Waffen liegen. Von Blut und Schweiß ist feucht der Ritter Wehr; Es scheint des Donners Hall, des Blitzes Flammen, Wenn mit dem Schwerte trifft das Schwert zusammen. 4g. Die beiden Völker harren auf das Ende Des Schauspiels, das sie sehen hier voll Graun, Indem auf Vortheil sie, wie Mißcwende Der Kämpfer bald besorgt, bald hoffend schau'n; Sechster Gesang. 145 Nicht einen Laut, nicht einen Wink hier fände. Wer sehen könnte diese Schaarcn, traun. Ein jeder steht verstummt und ohne Regung, Nur manches Herz bleibt zitternd in Bewegung. Sie waren Beid' erschöpft, und ihrem Streite Hält' längrer Kampf zu früh ein End' gemacht; Schon hüllt indcß das Nahe wie das Weite, In ihren dunkeln Schleier rings die Nacht, Ein Herold nahet nun von jeder Seite, Bestrebt zu unterbrechen ihre Schlacht, Arid vom Lager, und aus Zions Thoren Pindor, der zur Ausford'rung war erkoren. bl. Sie wagten es, mit ihrem Friedensstab Der beiden Kämpen Schwerter abzuwehren, Mit jener Sicherheit, so ihnen gab Der alte Brauch, den alle Völker ehren: — Ihr hohen Krieger steht vom Kämpfen ab. Gleich seid ihr so an Kraft, wie gleich an Ehren; So sprach Pindor, ihr Ritter nimmer brecht Die Rast der Nacht, cs ist ihr heilig Recht! S2. Zur Arbeit ist es Zeit beim Sonnenlichte, Ein jedes Thier hält Frieden bei der Nacht; Und edlem Herzen scheint nicht von Gewichte, Was heimlich es im Dunkel hat vollbracht. — Drauf spricht Argant: nur ungern wahrlich richte Ich nach dem Dunkel mich mit meiner Schlacht, Des Tages Zeugnis, ist mir wohl willkommen; Doch dieser schwöre, wieder hcrzukommcn. — Tasse, best. 2cnis- lg 146 Sechster Gesang. ss. Allein so spricht nun Tancrcd zum Tscherkessen: Versprich zu kommen du in deine Hast! Denn andres wird dir nimmer zugcmessen Nach unsrem Zweikampf, als Gefangenschaft. Sie schwvren's: doch die Zeit zum Kampf indessen Bestimmt man — das; die Ritter frische Kraft Sich sammeln und für ihre Wunden sorgen — Auf früher nicht, als bis zum sechsten Morgen. 54. Der Kampf grub sich mit tiefem Schauder ein Jn's Herz der Christen und der Sarazenen, Bald füllt sie Staunen, bald bewegt sie Pein, Sic können lange nicht sich drob versöhnen. Man spricht von Kraft, von hohen Werthes Schein, Der diesen hier bekrönt, dort aber jenen; Verschiedne Meinung rings im Schwange geht. Wem man die Palme würdig zugesteht. 55. Ein jeder fragt sich, weichen Ausgang fände. Wenn wieder er begönn' der grause Streit, Ob Tapferkeit wohl vor der Wuth bestände. Ob Kühnheit weiche der Verwegenheit. Doch mehr als andre sorgt für jenes Ende Hcrminia, schon, im Herzen banges Leid, Denn in des Kriegsgotts Wage sieht sie schweben, Der unbeständigen, ihr bess'res Leben. so. Sic war Fürst Cassans Tochter, der im Reich Antiochien herrschte, hochgeehrt von allen. Und war beim Sturz mit andrem Gut zugleich Den sieggewohnten Christen zugefallen; Sechster Gesang. 147 Dach Tancrcd stets an Güte, Milde reich. Dem, wo er herrschte, Unbill nie gefallen, Ließ ehren sie trotz ihres Throns Ruin, Als wäre sie daselbst nach Königin. 57. Der edle Held ihr dienet und sie ehret. Auch wird von ihm die Freiheit ihr vcrliehn; Er lasset ihr, was immer sie begehret, Und was von Gold und Perlen wcrthvoll schien. Nun sehend, daß dem Jüngling war beschceret Auch Wohlgestalt und königlicher Sinn, Da ward ihr Herz von Amors süßen Banden Umschlungen fest, wie sie noch keins umwanden. 5S. Doch dürft' der Leib auch aus den Fesseln scheiden, Sv blieb die Seele immer noch in Haft. Solch' theure» Herrn, solch' liebe Hast zu meiden, Ihr ungleich größere Betrübnis, schafft. Allein die Königsehrc, der sich nicht entkleiden Hochherzige Frau'n in der Gefangenschaft, Zwingt, mit der alten Mutter sie zu gehen, Wo sie ein freundlich Land sich offen sehen. 59 . Sic gehn nach Zion, wo der König Beide Ausnehmend ihren Aufenthalt erlaubt. Jedoch erscheint sie bald im schwarzen Kleide, Weil ihre Mutter hat der Tod geraubt. Doch trotz der Trauer und dem tiefsten Leide, Trotz der Verbannung Unglück nicht ertaubt Die Liebessehnsucht in dem heißen Herzen; Denn solche Gluth ist nimmer auszumerzcn! io* 148 Sechster Gesang. ao. Es liebt und glübt die Arme; ihr verwehrt Die Hoffnung das Geschick, daS sie betroffen. Verborgne Gluthcn so ibr Busen nährt, Sind nur der Sehnsucht Pein, nicht freudiges Hoffen; Je mehr sic einsam nun mit sich verkehrt. Je mehr wird frei das Feuer lodernd offen; Bis endlich ihre Hoffnung neu erwacht. Als Tancred kommt zu Gottfrieds Hceresmacht. sr. Indes; die andern vor den Völker» beben. Die hier sich nahen ungezähmt und roh; Gewinnt ihr trübes Auge neues Leben, lind sie erblickt die stolzen Schaarcn froh; Die Schaaren fragt ihr Blick mit gicr'gcm Streben: Wo habt ibr den geliebten Theuern, wo? Sie sucht ihn fruchtlos oft, sic sucht, und endlich Nuft sie: er ist's, ich seh' ihn deutlich, kenntlich! es. Ein Thurm ist bei dem Königshaus erbaut. Den Mauern nah, uralt und hochcrhaben, Von dessen Zinne rings man alles schaut: Das Christenhecr, den Wall, das Thal, den Graben. Dort sitzt sie, fast eh' noch der Morgen graut. Bis daß die Welt im Dunkel liegt begraben. Blickt nach dem Lager, ihres Lebens Lust, Spricht mit sich selbst und seufzt aus tiefer Brust. 6g. Von dort schaut' sie den Kampf, und fühlte schlagen Ihr Herz, im Busen zitternd, aufgeregt. Als wollt es: dies; ist dein Geliebter, sagen. Der dort um Tod und Leben kühn sich schlägt. Sechster Gesang. 149 In ihrer Brust sich Angst und Zweifel jagen, Wie sich das Schicksal zweifelhaft bewegt; Sa oft sie hauen sicht den grimmen Heiden, Fühlt sie das Schwert durch ihre Seele schneiden. Doch als sic hört: cS wird der harte Strauß Erneut, und diese Mähr als wahr erkannte, Füll! sich ihr banges- Herz mit Furcht und Graus, Sic fühlt, wie Eis durch ihre Adern rannte. Da stößt sic heimlich tiefe Seufzer aus. Manch' stille Tbränlein auf der Wang' ihr brannte. Blaß, blutlos, schon gebrochen scheint ihr Herz, Sie ist ein Bild des Grams doll bitt'rcm Schmerz. os. Sic wähnt ein gräßliches Gesicht zu sehen. Das ihre Seele ganz mit Pein erfüllt, Ihr Schlaf ist schrecklicher denn Todeswchen, Verfolgt von grauser, wüster Larven Bild. Den Thcuren sieht sie dann um Hülfe flehen. Zerfleischt und blutig liegend auf dem Schild, Und beim Erwachen muß sie naß die Brauen Und ihren Busen von den Thräncn schauen. va. Doch nicht allein die Furcht vor künft'gcm Leid Bewegt ihr Herz in tausend Kümmernissen, Die Wunden, so ihm schlug der harte Streit, Sie lassen nimmer ruhen ihr Gewissen. Und das Gerücht, stets lügend weit und breit, Läßt sic vom Fernen Grvßres, SchlimmrcS, wissen. So, daß sie glaubt, cs liege matt der Held, Und todeskrank und wund in seinem Zelt. Sechster Gesang. « 7 . Doch da sie aus der thcucrn Mutter Munde Einst lernte jeden Krauts geheime Kraft, Und manchen Zaubcrspruch, der jeder Wunde Genesung, Schmerzen Linderung verschafft; — Nur Königstöchtern war die rechte Kunde Seit alter Zeit von dieser Wissenschaft — Beschließt Genesung sie mit eignen Händen Des thcuern Ritters Wunden zuzuwenden. Hier soll dem Feind sie weihen ihre Kräfte, Und zum Geliebten ist ihr Sinn gewandt; Sie sinnt bisweilen, wie durch böse Säfte Sie in dem Feind entzünde gift'gen Brand, Doch wendet von so böslichem Geschäfte Sich ab der frommen Jungfrau reine Hand; Es lebt indeß der Wunsch in ihre Seele, Daß Spruch und Säften jede Wirkung fehle. oa. Sie ginge zu dem Feinde sonder Zagen; Sic war ja mit der Fremde längst vertraut, Gefahr und Mühen hatte sie getragen, Und Schlachten, schwere Kämpfe viel geschaut; Gewohnheit lehrte sic gleich Männern wagen. So daß ihr nimmer weibisch bangt und graut, Ihr Herz nicht leicht wird zittern und erbeben. Sollt' auch ein Schreckbild ihr vor Augen schweb Doch mehr als alles läßt der Liebe Feuer Die Furcht aus ihrer zarten Brust entsliehn, Sie scheute selbst nicht Lybiens Ungeheuer, Und furchtlos würd' sie wandeln durch sie hin. Sechster Gesang. Doch mehr noch als ihr Leben ist ihr thcuer — Das macht ihr bang — der Unschuld reines Blühn; So stürmen ihr in dem bewegten Sinne Zwei Feinde mächtig kämpfend: Ehre, Minne. 71 . Die Eine spricht: o Jungfrau, keusche Maid, Du hast so treu, was ich gebot, gehalten! Ich gab dir unter Feinden das Geleit, Rein haltend Seel' und Leib mit treuem Walten. Und willst du von dir werfen, nun, befreit, Was im Gefängniß du so rein behalten? Was weckt in zarter Brust dir solchen Sinn, Was hoffst du Mädchen, weh! wo denkst du hin? 72. So wenig achtest du den Preis der Ehre, Und strebst dem Namen keusch so wenig nach. Daß du dich wagen willst zum Feindesheere Als nächt'ge Buhlin, wo du erntest Schmach? Damit der Sieger stolz sich von dir kehre. Weil mit dem Thron dein Königssinn zerbrach; Unwürd'ge flieh', und werde nun für Leute Gemeinen Schlages eine leichte Beute! 7S. Die Andre locket sie mit Schmeichelzungcn, Und trügrisch sie für ihren Rath gewinnt: Du bist nicht rauhem, kaltem Fels entsprungen. Es zeugte dich kein Bär, o zartes Kind, Daß du, von Amors Kluthcn nicht durchdrungen. Winkt dir die Lust, entfliehen solltest blind; Dein Herz ist nicht von Demant, noch metallen. Und liebst du, bist du drum noch nicht gefallen. 152 Sechster Gesang. 74 . - Geh' hin, um deiner Sehnsucht Durst zu stillen! Was denkst du, wird der Sieger grausam sei»? Weißt du denn nicht, wie seine Thräucn quillen. Sein Schmerz ist rege, weiß er dich in Pein. Grausam bist du, wenn mit so trägem Willen Du gehst, dem Treuen Hülfe zu verleih'». Entmenschte schau, dein Tancrcd dort verschmachtet, Jndeß dein Sinn den Feind zu heilen trachtet. Ja heile den Argant, daß er erschlägt Dir den Befreier dein, das süße Leben! So zeigst du also dich von Dank bewegt. Und solchen Lohn willst du dem Theuern geben, Jst's möglich aber, daß nicht Graun erregt Der schnöde Dienst, dem du dich hier ergeben? Ist Grau'n, ist Abscheu nicht für dich genug. Zu treiben dich hinweg im schnellsten Flug? 76 . Wie übtest du so schön die Mcnschenpflicht, Wie wär dir's Lust und Freude, wenn voll Segen Du deine fromme Hand unkundig nicht, Könnt'st auf des theuren Kranken Busen legen; Wenn auf des Helden bleichem Angesicht Du der Gesundheit Färb' sich sähest regen. Und seine Schönheit, die bereits verblich, Mit neuen Reizen strahlte nun durch dich? 77 . Dir würd' ein Thcil von seinem Ruhm gebühren. Von seiner Thaten ruhmvoll hohem Schein; Er würde dich hin zum Altäre führen. Beglückend dich umarmen, keusch und rein. Sechster Gesang. 153 Und aller'Glückwunsch würde dann dich zieren. Von Latiums Frau'n würd'st du gepriesen sein; Du würdest in Italiens schonen Gauen Die wahre Treu, die wahre Tugend schauen. 78 . Von solcher Hoffnung läßt sie ein sich wiegen. Träumt — thöricht Weib! — des höchsten Glückes Traum! Doch tausend Zweifel sind ihr aufgestiegen, Denn wie die Stadt verlassen, weiß sie kaum, Weil vom Palast zur Zinn' in starken Zügen Die Wachen ziehn durch jeder Gasse Raum, Und weil nur wicht'gen Werken offen waren Die Thore, da man bangte vor Gefahren. Sie pflegt zur Kriegerin hinaus zu eilen. Mit der sie längst in inn'gcr Freundschaft lebt: Oft sieht das Abendroth sie dort noch weilen. Oft schon der neue Tag, der sich erhebt. Und eine Lagcrstätt' die Beiden theilen. Wenn völlig ist des Tages Licht entschwebt. Und kein Gedanke, außer dem der Liebe, Der vor der Andern ein Geheimnis; bliebe. so. Nur dieses barg Herminia Clorinden; Und, wenn sie jemals klagt, von ihr gehört. Weiß andern Grund des Grames sie zu finde». Und scheint nur durch ihr herbes Loos verstört; Jndeß da Freundschaftsbande sie verbinden. Ward ihr der freie Ausgang nie verwehrt. Und kein Gemach, das ihr nicht offen stünde. Ob auch im Nathc oder Kampf Clorinde. 154 Sechster Gesang. 81 . So kam sie einst hieher, als nicht zugegen Die Freundin war, mit schwerer Sorgen Wucht. Sie sann bei sich den Mitteln nach und Wegen, Wie heimlich ihr gelänge schnelle Flucht. Indem nun in verschiedenem Erwägen Ihr Geist den Weg der Rettung sucht, Gicht sie ClorindenS Waffen oben prangen Nebst ihrem Schild, und seufzt in schwerem Bangen. 8S. Sic spricht bei sich, und seufzet tief und bang: Wie glücklich ist die Maid so muthcntglvmmen! Wie ncid' ich sie! nicht ob des Ruhmes Klang, Ob ihrer Schönheit nicht so hochvollkommcn; — Ein langer Mantel hemmt nicht ihren Gang, Noch muß in dumpfer Zell' ihr Muth verkommen; Sie nimmt die Wehr, geht hin, wo'S ihr gefällt. Und Zagen nicht und Scham zurück sic hält. 88 . Weshalb ließ sich der Himmel nicht bewegen. Mir kräft'ge Brust und Glieder zu verleih»! Den Schleier und das Kleid würd' ich ablegen, Und Helm und Panzer dafür tauschen ein. Nicht Frost und Sturm, nicht Sonnenbrand und Ncg Sollt' hindern mich, dem Theuern mich zu wcih'n. Beim Mondesschimmer, wie im Sonnenscheine Zog' ich ins Feld, begleitet wie alleine. 84 . Dann hätte nicht mein Herr mit dem verwegnen Argant den ersten Waffcngang gemacht. Ich war geeilt, zuerst ihm zu begegnen. Und hielte ihn vielleicht in meiner Macht. Sechster Gesang. 155 Wie würd' er dann die leichten Bande segnen, Mit der die liebe Feindin ihn bedacht. Und hätt' ich so in Fesseln ihn geschlagen. So würd' ich auch die meinen leichter tragen. Und hatte auch sein Arm zu jener Stunde Mein Herz durchbohrt in jenem grausen Streit, Sv war' geheilt nun meine Liebeswunde, Ich wäre durch den Schlag vom Schmerz befreit;. Mein Körper ruhte dann tm Grabesschlunde, Und meiner Seele Frieden blüht' erneut; Und meiner Asche weinte dann zu Ehren Auf meinem Grab der Sieger ein'ge Zähren. Doch leere Thorheit ist, was ich betreibe. Unmöglichem jagt nutzlos nach mein Herz: Und gleiche ich nicht dem gemeinen Weibe, Das zagend sich crgiebet feigem Schmerz! Sei stark, v Herz! und duld' nicht, daß ich bleibe! Warum nicht trag' auch ich einmal das Erz? Warum sollt' ich's nicht kurze Zeit anlegen. Bin ich auch sonst nicht kräftig und verwegen? Ich kann es, ja, und dies? Gewicht zu tragen Macht kräftig kühn mich Amor, der Tyrann, Durch den entzündet scheue Hirsche wagen Zum kühnsten Kampfe sich zu schicken an. Ich will ja Waffen nicht, um mich zu schlagen; Ich brauch' sie nur zum Trug, den ich ersann; Clorinda will ich sein, und nur gewinnen In ihrer Maske Flucht aus diesen Zinnen. Sechster Gesang. ss. Es lassen sicherlich am Thor' — die Wachen Jedweden Ausgang für Clvrinda frei. Kein Mittel sonst kann ich aussindig machen. Der Weg allein ist offen. Nun, es sei! Gott Amor wird des kleinen Truges lachen. Der mir ihn cingab; Glück, nun steh' mir bei! Gelegen kommt mir diese Zeit nicht wenig. Indes; Clorinda noch verweilt bei»; König. Beschlossen ist's. Von Liebcswuth entglommen Und wundgespornt, hält sie nicht länger ein. Schon hat sie schnell die Waffen wcggenommen. Und trägt sie dann in ihr Gemach hinein. Sie könnt' es leicht; denn als sie hingekommen. Gehn alle weg, und sie bleibt ganz allein. Auch war der Diebin nicht die Nacht mehr ferne. Die Räuber wie Verliebte seh'n so gerne. so. Und als sic rings den Himmel sicht sich füllen Mit Sternen, als Verkündigern der Nacht, Rust einen Knappen sie zu sich im Stillen, Der längst ihr seine Treue dargebracht. Zum Thcil entdeckt sie diesem ihren Willen Und einer oster schon erprobten Magd. Sic wolle flichn, sagt sie; indes; erdichtet Sic andern Grund, der sie zum Flichn verpflichtet. si. Der treue Knappe Alles schnell bereitet. Was er zu ihrem Werk für nöthig hält. Von ihrer Schulter nun hcrniedcrgleitet Das Prachtgewand, das bis zum Fuße fällt. Sechster Gesang. 157 Im leichten Kleide sie jetzt einherschreitet, Und scheinet doch die schönste Frau der Welt. Von einer Magd nur lies; sie sich beistehen, Von der, die sie zur Flucht sich ausersehen. 92 . Der harte Stahl nun drücket und beschwert Den weichen Hals, des Hauptes goldne Zierde; Es greift die zarte Hand nach Schild und Schwert, Und unerträglich schwer deucht ihr die Bürde. Im Schimmer glänzt sie der metallnen Wehr, Und zwingt sich auf des Kriegers stolze Würde. Gott Amor sieht ihr heimlich zu und lacht, Wie einst ob Heralles in Frauentracht. 9g. O, wie sie unter dem Gewichte stöhnet. Wie langsam schleppt sie fort den matten Schritt! — Sie an der treuen Freundin Arm sich lehnet, Die schützend vor ihr her den Weg betritt. Jedoch das Liebesglück, das sic ersehnet. Hält sie und theilt den Gliedern Stärke mit; Bis sie dahin kommt, wo des Nosses Zügel Der Knappe hälr; schnell steigt sie in den Bügel. Verkleidet gehn sie, wählen kluger Weise Geheim entlegnen Weg mit Vorbedacht. Zwar stoßen sie auf Volk, und rings im Kreise Die blanke Wehr hell flimmert durch die Nacht. Doch Niemand wagt zu hindern ihre Neisc, Man räumt die Bahn und läßt sie außer Acht; Vorm weißen Kleid und drohenden Gefunkel Des Schildes hat man Achtung auch im Dunkel. 158 Sechster Gesang. ss. Obwohl so schwer die Sorgen nicht mehr drücken. Ist doch zu Ende nicht Herminia's Noth. Sie bangt, ob ganz die Kühnheit möge glücken. Und fürchtet, daß ihr noch Entdeckung droht. Doch um der Pforte Wächter zu berücken. Sie Schweigen ihrer Furcht am Thor gebot. Clorinda bin ich, offene die Pforte, Mich schickt der Fürst nach einem wichtigen Orte. Die Wciberstimme, ähnlich sehr den Tonen Der Kriegcrin, erleichtert den Betrug. — Wer glaubt' auch wohl, daß eine von den Schönen In Waffen ginge, die sich niemals schlug? — Der Pförtner eilet, dem Geheiß zu stöhnen; Die Flücht'gen reiten fort in raschem Flug, Und wenden sich, um Sicherheit zu finden, Auf krummem Wege zu des Thales Gründen. 07. Hcrminia sieht im Thalc sich allein, Und zügelt nun den raschen Lauf der Pferde; Da sie entgangen ist der ersten Pein, Bangt ihr nicht mehr, daß sie ergriffen werde. Nun fällt ihr, was sie nicht bedachte, ein, Und der Gedanke machet ihr Beschwerde; Denn schwerer däucht ihr, als der Liebesdrang Ihr täuschend log, sei zu dem Feind der Gang. S8. Sie sieht, es wäre thorichtcs Erkecken, In Waffen hin zum kühnen Feind zu gehn; Auch will sie Keinem vorher sich entdecken, Eh den geliebten Herrn sie nicht gesehn. Sechster Gesang. 1S9 Noch will sie ihrer Ehre Glanz beflecken. Geheim will, ungeahnt sie vor ihm stehn. Sie hält, und da jetzt besserer Rath sic leitet. Spricht sie zum Waffenknecht, der sie begleitet: os. Zum Boten, Treuer, bist du ausersehen; Gewandt und klug, das weiß ich, wirst du sein. Ins Lager geb' und suche zu erspähen. Wer dich ins Zelt zu Tancred führet ein. Ihm Heil zu bringen, Frieden zu erflehen. So sage, harre eine Jungfrau sein; Den Frieden! weil die Liebe mich bedränget. Daß mir Erquickung wird, er Heil empfanget. ION. Und die so festen Glauben zu ihm trage. Daß sic nicht fürchte Schande noch Gewalt. Rur dies; sag' ihm; auf jede andre Frage Antworte nicht und kehr' zurück alsbald. Ich wähle, da mir sicher scheint die Lage, Hier unterdessen meinen Aufenthalt. Herminia spricht's; der Treue eilt auf Schwingen — Sv scheint's — hinweg, den Auftrag zu vollbringen. INI. Er handelt so, daß freundlich von den Franken Im Lager ihm Aufnahme wird gewährt. Sodann läßt er sich führen zu dem Kranken, Der seine Botschaft frohen Blicks anhört. Und während dieser zweifelnde Gedanken In seinem Geiste hin und wieder kehrt. Eilt, er, die frohe Nachricht ihr zu bringen. Sie könne heimlich zu dem Helden dringen. 160 Sechster Gesang. 102. Doch ungeduldig wartet sie indessen. Denn jeglichen Verzug erträgt sie schwer; Sic sucht des Boten Schritte auszumessen: Jetzt kommt, jetzt tritt er ein, jetzt eilt er her, Ihr scheint, die sonstige Eil' Hab' er vergessen, Und drob betrübt ihr Herz sich nur noch mehr. Doch endlich klimmt empor sie zu den Höhen, Wo sie vom Lager kann die Zelte sehen. ivs. Schon breitet aus die Nacht den Stcrncnschlcier, Die klar und wolkenlos sich niedersenkt. Schon zieht heraus der Mond in stiller Feier, Und perlndcr Thau ringsum die Fluren tränkt. Nun haucht sie aus das heiße Licbesfeucr Und schüttet aus das Leid, das sie bedrängt; Der holden Stille und den stummen Auen, Wagt sie die alten Schmerzen zu vertrauen. 101. Zum Lager blickt sic dann und spricht voll Beben Italiens Zelte meiner Augen Lust! Ich fühle Luft von echu herüber schweben. Ein Labsal meiner hoffnungsreichen Brust. O Himmel magst du dort mir Ruhe geben, Die so viel dulden, leiden schon gemußt, Dort such' ich Frieden, unter jenen Waffen, Die Trost allein dem kranken Herzen schaffen. ivs. So nehmt mich aus, und lasset mich empfangen. Wie Liebe mir verhieß des Mitleids Lohn, Und den, als anderwärts ich war gefangen. Mein milder Herr gewährt mir früher schon. Sechster Gesang. 161 Ich strebe nicht mehr, wicderzucrlangen Durch eure Kunst den königlichen Thron; Auch ohne dies wird das mir Glück bcscheerct. Ist mir bei euch zu dienen nur gewähret. tos. So spricht die Jungfrau; und sie ahnet nimmer. Daß das Geschick ihr droht mit schwerem Leid. Sie stand, wo reich und voll des Mondes Schimmer Bestrahlt ihr silberglänzend Panzcrklcid, So daß des Kleides und der Waffen Flimmer Ein Blitz, das Thal durchleuchtet weit und breit, Sv klar das Tigerthier vom Helme brannte. Das Jeder sie am Silberblick erkannte. 107 . Im Hinterhalt gelagert dicht daneben War eine Frankenschaar, so will's ihr Stern. Zwei Brüdern war die Führung übergeben, Mander hießen sie und Pvlifern. Ihr Auftrag war's, die Heerden aufzuhcbcn, Die in die Stadt man trieb von nah' und fern. So konnte es dem Knappen nur gelingen. Auf einem Umweg Botschaft ihr zu bringen. 10s. Der junge Polifern, vor dessen Blicken Clvrinde seinen Vater einst erschlug. Schließt aus den leichten, weißen Waffenstücken, Die hohe Feindin sei's, und glaubt dem Trug; Die Schaar, die dort versteckt, muß näher rücken. Er folgt des ungestümen Herzens Zug, Schreit voll gewaltigen Grimms und hast'gen Strebens: Du stirbst! und wirft auf sie den Speer — vergebens. Tasso. befr. Ienis. ^ 162 Sechster Gesang. ins. Gleich einem Reh, das lechzend, müd' und müder Nachspürt dem Wasserspiegel klar und hell. Da wo der Gießbach rauscht durch Wälder nieder, llnd wo vom Felsen niedcrrinnt ein Quell, Wenn's lehen will im Naß die müden Glieder, Und Kühlung kosten, hört des Hnnd's Gebell, Und ob der Furcht vergißt des Durstes Brennen Die Mattigkeit, und sucht znrückzurennen; 110, So diese, deren Herz im lichten Lohen Der Licbcsflamin', die sie verzehrt, erglüht, — Da sic geglaubt, ihr Kummer sei entflohen llnd froh schon in des Theuren Arm sich sieht — Als sie nun Hort des wilden Feindes Drohen llnd Waffenklang, erschrickt ihr sanft Gcmüth, Geschehen ist's um Dich und dein Verlangen! So denkt sie nun und spornt ihr Pferd mit Bangen, in, Herminia flicht, die Arme, es enteilet Mit ihr das flücht'gc Roß durch's weite Feld. Das Mädchen folgt, nachstürmt ihr unverweilet Mit vielem Kricgesvolk der grimme Held. Nun trifft sie auch der Knappe an und theilet Ihr mit der Botschaft Wort aus Tancrcds Zelt; Und ungewiß folgt er der Flucht der Beiden, Und so zerstreut die Furcht sie auf den Haiden, ns. Der klngrc Bruder, der an jenem Orte Die fälschliche Clorinde auch gesehn. Folgt Jenem nicht und bleibt mit der Cohorte Geruhig in dem Hinterhalte stehn; Sechster Gesang. 163 Jn's Lager läßt er sagen nur die Worte: Zwar seien keine Heerdcn zu crspähn, Noch andres Gut; doch folge man Clorindcn Die sich sein Bruder mühe aufzufinden. iig. Er nehme an und glaube nicht zu fehlen — Daß sie, die leitet, nicht blos kämpft, im Streit, Nicht würde solchen kleinen Anlaß wählen, Und ausziehn zu so ungewohnter Zeit. Doch möge Gottfried ordnen und befehlen,. Er sei zu seinem Dienste stets bereit. — Die Kunde kommt zum Lager, und verbreitet Sich da, wo Latium seine Zelte spreitet. 114 . Tancred, in welchem sich noch Zweifel regen, Denkt, als die neue Botschaft ihm gebracht: Die dir vielleicht aus Liebe kam entgegen Ist jetzt in Noth! Nichts weiter wird bedacht. Er eilt, die schwere Rüstung anzulegen, Steigt schnell und still aufs Roß, beginnt die Jagd, Und sorgsam prüfend alle frischen Spuren, Sprengt raschen Laufes er durch Feld und Fluren. Siebenter Gesang. i. Indessen führt durch schattcndunklc Hallen Des alten Wald's Herminien ihr Pferd, Mit Beben läßt die Hand den Zügel fallen. Sie schwankt halb todt, halb lebend, sinnverstört, IN 164 Siebenter Gesang. Der Renner trägt nach eigenem Gefallen Sic da, und dorthin, wo kein Strauch ihm wehrt. Daß jedem Späherblicke sie entschwindet Und Niemand mehr sich zum Verfolgen findet. 2. Wie athcmlos und matt, durch das Gefilde, Vom langen Jagen zieh'n einher die Hunde. Die jüngst die Spur verloren von dem Wilde, Das sich versteckt in dichten Waldes Grunde, So zieh'n, die Zorn und Gluth der Scham erfüllte. Die müden Christen, heim zu dieser Stunde. Doch sie flieht immer noch voll Furcht und Grauen, Und wagt nicht, nach dem Feind sich umzuschauen. s. Sie flieht die ganze Nacht; in hast'gem Jagen Irrt sic den Tag, so rath- als führerlos; Sie hbrt nur ihre eignen lauten Klagen, Schaut nur das 'Naß. das ihrem Aug' entfloß. Doch als nun Phöbus von dem schmucken Wagen Die Rosse lost und in des Meeres Schoos; Versinkt, da steigt sie zu dem Jordan nieder. Und ruht auf seinem blum'gen Strand die Glieder. 4 . Nicht nimmt sie Speise da nur Gram sie nähret, Und mit der Thränen Naß den Durst sic tränkt. Der Schlaf, der Trost den Sterblichen gewähret Und des Vergessens Frieden auf sie senkt. Stillt leisen Fittichs jetzt was in ihr gährct, Und wiegt in Schlummer ein was sie bedrängt. Doch ist ihr Vvll'ge Ruhe nicht beschiedcn. Denn Amor stört durch Träume ihren Frieden. Siebenter Gesang. 165 ö. Sie wacht nicht auf, bis von den grünen Bäumen Den Tag begrüßt geschwätziger Vögel Sang; Die Blätter rauschen und die Wellen schäumen, Mit Blumen kost der West den Strand entlang. In diesen einsam ländlich stillen Räumen Erhebt den matten Blick sie scheu und bang; Die Wellen, Zweige, scheinen ihr zu stöhnen, Und rufen Thränen wach und banges Sehnen. s. Indes; sie weint, hört sie mit Hellem Klange, Ihr Klagen unterbrechend, Töne kreisen; Es sind — so schcint's — vom frohem Hirtensange Begleitet, der Schalmeiin einfache Weisen. Sie steht nun auf, und naht mit leisem Gange, Da sieht sie unter Schatten einen Greisen, Beim Körbcslechten nah der Heerde liegen. Und sich an dreier Kinder Sang vergnügen. Als diese Plötzlich fremde Waffen schauen, Erschrecken sie und fliehin im Augenblick; Doch weckt Hcrminiens holder Gruß Vertrauen, Ibr gold'nes Haar, ihr liebcreicher Blick: Beglückte Menschen, kcbret sonder Grauen Zur Arbeit, die Gott segnen mag, zurück! In eurem Treiben, cuern süßen Cbören Soll dieses Kriegsgewand euch nimmer stören! 8 . So sprach sie, und fuhr fort: In Flammen glühte Des Kriegs, o Vater, lange dieses Land, Wie kommUs, daß ruhig hier in dem Gebiete Und unberührt ihr bliebt von Kriegers Hand? 166 Kiebcntcr Wcsang. Sohn, sprach der Greis — bis jetzt hat Gottes Güte Von Heerd und Haus noch Schimpf und Schmach gewandt! Und niemals drang der Kricgesgvti, der wilde, Mit seinem Waffcnlärm in dies Gefilde. o. Vielleicht verleiht den unschuldsvolien Hirten Des Himmels Gnadcnwink der Demuth Frucht; Wie Blitze Berge suchend nie sich irrten. Um einzuschlagen in des Thales Bucht, So kommt's daß auf der Kön'gc Häupter schwirrten Des Fremdlings Schwerter mit verstärkter Wucht; Die wilde Habgier niedrer Krieger trachtet Nach unsrer Armuth nicht schlecht und verachtet — Verachtet, schlecht für Andre! — mir so theucr, Daß Gold und Herrschcrstab mich nimmer rührt. Daß Sorg', und Geiz nicht, nicht der Ehrsucht Feuer, Den Willen meiner stillen Brust verführt. Mit Wasser lösche ich den Durst, von scheuer Bcsorgniß ferne, Gift sei d'rinn gerührt. Und was ich brauche für mein mäß'ges Leben, Muß Heerd' und' Garten unentgeldlich geben. Gering sind unsre Wünsche, unsre Güter, Wir brauchen wenig nur zum Unterhalt. Die Söhne wurden meiner Hecrden Hüther, Denn über keinen Knecht Hab' ich Gewalt. Sv leb' ich, stiller Einsamkeit Gebieter, Die Hirsche eilen um mich durch den Wald, Ich seh' im Fluß die Fische munter springen. Und bunte Vögel sich zum Himmel schwingen. Siebenter Gesang. 167 IS. Im Alter, wo der Mensch nachstrebt dem Tande, Hat mir auch andrer Wunsch die Brust geschwellt; Den Rücken kehrte ich dem Hcimathlandc, Mißachtet ward die Heerde auf dem Feld, In Memphis lebt' ich lang', dem Dicnerstande Des königlichen Hofes beigesellt. Und hatt' ich nur den Garten zu beschicken. Erkannt' ich doch der Höfe böse Tücken. IS. Durch Hoffnung angcreizt zu kühnem Streben, Ertrug ich lang' das herbste Ungemach: Hoffnung sah mit der Jugend ich entschweben. Mit meiner Blüthe ließ die Kühnheit nach; Da weint' ich um die Ruh' im kargen Leben, Gram um verlornen Frieden wurde wach, Ich sprach: leb' wohl, o Hof! leb wohl! und — kehrte Zum Wald zurück, der Frieden mir gewährte. 14 . So spricht der Greis. Herminicn durchwvgen Die Worte, denen still ihr Ohr sie leiht. Der Schmerz, der bange ihre Brust durchzogen. Wird durch die weise Rede halb zerstreut. Nach langem Sinnen fühlt sie sich bewogen, In dieses Ortes stiller Einsamkeit So lange wenigstens sich aufzuhalten. Bis freud'ger die Geschicke sich gestalten. 15. Sie sagt zum guten Greis: Du bist der Leiden, O Glücklicher, des Lebens Dir bewußt; Nicht möge Dir Dein Glück der Himmel neiden. Und Mitleid sei für mich in Deiner Brust; 168 Siebenter Gesang. Nimm Du mich auf, und Deine stillen Freuden, Dein Haus zu theilcn, sei mir seel'ge Lust! Vielleicht, daß meine Brust, wenn hier ich raste, Zum Tbcil der schweren Bürde sich entlaste. lind wärst Du von des Pöbels Wahn befangen, Verlangtest Du nach Gold und Edelstein, Du könntest leicht der Wünsche Ziel erlangen. Denn noch genug von diesem Tand ist mein. Da aus Herminiens schönen Augen drangen Des Schmerzes Thräncn wie Krystall so rein, llnd sie beginnt, ihr Schicksal zu enthüllen. Dem Hirten, dessen Thränen gleichfalls guillen. 17 . Sanft ist sein Trost; die Hütte, arm und nieder Als Wohnung beut er väterlich ihr dar, Bringt sie zur Gattin, fromm wie er und bieder Die durch den Himmel längst die Seine war. Ein rauhes Kleid verhüllt der Fürstin Glieder, Ein grober Schleier deckt das schöne Haar, Doch zeigt Gestalt und Blick und Gang und Rede, Sie sei nicht hier geboren in der Ocde. i«. Nicht schwindet ihre angeborne Würde Im schlechten Kleid', in dem einher sie geht, llnd trägt sie auch gemeiner Dienste Bürde, Erglänzt sie doch in stolzer Majestät. Sie treibt die Hecrden Morgens aus der Hürde, Und führt sic wieder heim des Abends spät. Dann sammelt aus den Eutern, aus den zottigen. Sie den Gewinn der Milch in runden Bottichen. Siebenter Gesang. 19 . Oft wenn die Heerde sich in Waldesgründcn Verbirgt vor mittagsheißem Sonnenschein, Gräbt sie in Lorbeer- und in Buchenrinden Wohl tausendmal dc§ Theuern Namen ein; Ihr seltsam Unglück will dem Wald sie künden, Den Bäume» sagen ihre Licbespein, Drauf lies't sie ihre eignen Züge wieder, Und Thränen rinnen auf die Wangen nieder. 20. Dann spricht sie weinend: liebe Pflanzen, euch Sei nun vertraut Herminia's Schmcrzcnskunde! Vielleicht zu eurem holden Schattenreich Kommt ein Verliebter einst in später Stunde, Süß Mitleid fühlt er dann im Herzen gleich, Wird Ahnung ihm von meines Herzens Wunde; Und spricht: Geschick und Lieb' ist ungerecht. Und lohnt so große Treue also schlecht! 21. Vielleicht kommt einst — ward ja vom Himmel eine Bitte der armen Sterblichen erhört — Durch Schicksals Fügung Der zu diesem Haine, Den — ach, mein tiefes Leid wohl nicht beschwert. Und wenn zum Grabe dann, das die Gebeine Der Armen birgt, er seine Augen kehrt, So wird er späten Lohn mir noch gewähren. Und feiern meinen Gram durch Seufzer, Zähren. 22 . Mag mir alsdann der Tod das Glück erschließen. An deren Herzen nur der Gram genagt. Und meinem kalten Staub die Freude sprießen, Die mir das Leben immerdar versagt. — 170 Siebenter Gesang. Aus ihren schönen Augen Thränen fließen. Als so dem stummen Waid ihr Leid sic klagt. Tancred indeß, der eifrig sucht und reitet, Wird vom Geschick stets weiter ab geleitet. 23 . Er folgt den eingedrückten Spuren eilig, lind lenkt den Renner nach dem nahen Wald, Wo von den dichten Bäumen schwarz und gräulich Sv tiefe Finsternis; hcrniedcrwallt, Daß er, voll Zweifel suchend, nicht mehr treulich Erkennen kann der rechten Spur'Gestalt, Da steht er nun, mit allem Fleiß zu lauschen: Ob er nicht Waffen hört, nicht Tritte rauschen. 24 . Wenn durch der nächtigen Lüfte leises Regen, Der Nlm' und Buchen zartes Laub sich rührt. Wenn Wild und Vögel einen Zweig bewegen, Dann wird von ihm dem Rauschen nachgcspürt. Doch endlich tritt er aus den Waldgehegcn Auf unbekanntem Pfad, vom Mond geführt. Bis daß zu einem Orte er gekommen. An dem von fern schon Plätschern er vernommen. 2ö. Er sicht sich dort, wo rein und klar die Welle Vom Felsen springt in hell lrystall'nem Fluß; Sic wird zum Strom und eilt in stürm'scher Schnelle Zur grünen Flur hinab mit leichtem Fuß. Voll Schmerz hält Tancred an bei dieser Stelle, Er ruft, doch nur das Echo beut ihm Gruß; Indessen sieht er sich mit lichten Strahlen In rothen Tönen schon den Osten malen. Siebenter Gesang. 171 26 . Er ächzt' und flucht dem Himmel, der ihm wehret Das lange schon gehoffte, hohe Glück. Doch heiße Rache er zu nehmen schwöret. Wenn seine Dame traf ein Mißgeschick. Ob ungewiß auch, wie er wiederkehret. Will er in's Christenlager nun zurück, Denn er bedenkt des Tages Näherschreiten, Wo mit dem Heiden er versprach zu streiten. 27. Er reitet fort auf ungebahnten Wegen, Als plötzlich Noßgctrapp sein Ohr erreicht. Und aus dem engen Thale ihm entgegen Kommt bald ein Mann, der einem Boten gleicht. Die Peitsche schwingt er, und, wie Franken pflege». Trägt er ein Horn, des Schnur zur Hüfte reicht. An diesen richtet Tanered nun die Frage: Daß er den Weg ihm zu den Christen sage. 2S. Der sagt ihm italienisch: Dorthin eben Werd' eilig ich geschickt von Bvhemund. Daß Auftrag ihm der große Ohm gegeben. Das glaubt Tanered und folgt dem Lügenmund. Sie kommen dann zu einer Burg, umgeben Von schmutzig dunkeln See's morast'gem Grund, Zu jener Zeit, wo schon die Sonne eilte Zum weiten Schovß, in dem die Nacht verweilte. 29. Der Bote stößt in's Horn bei ihrem Kommen, Und nieder senkt die Brücke sich sofort. Du bist, als Franke, sagt' er ihm, willkommen, Und magst bis morgen auch verweilen dort. 172 Siebenter Gesang. Drei Tage sind's, da hat mit Sturm genommen Cosenza's Graf den Heiden diesen Ort. Tancrcd beschaut das Schloß und seine Werke, An Lag' und Kunst von ungeheurer Stärke. so. Er zweifelt noch ein wenig, ob nicht Trug In dieser Mauern Wehr verborgen liege; Doch Todesgefahr ist ihm bekannt genug, D'rum spricht er nichts, »och wechseln seine Züge; Wohin ihn Wahl und Schicksalsspruch verschlug — Er weiß, daß immer seine Rechte siege; Nur, da die Pflicht ihn ruft zu andrer Schlacht, Ist er auf neue Kämpfe nicht bedacht. So hält er vor dem Schlosse, wo die Brücke Zum Wicsengrunde er sich senken sieht. Er folgt nicht mehr dem Führer, der voll Tücke, Stets vorwärts ihn zu treiben sich bemüht. Indes; erscheint ein Ritter seinem Blicke, Des Angesicht von Zorn und Wuth erglüht. In seiner Neckten schwingt er hoch den Degen Und spricht voll kühnen Trotzes und verwegen: S2. O du, der zu Armida's Zaubergründcn Gekommen — sci's Geschick, sei's eigne Wahl — Der Kette beut die Hand, sie zu umwinden. Nicht denk' ans Fliehen, lege ab den Stahl, Laß so wie wir durch ihr Gesetz dich binden, Geh' durch's bewachte Thor zu ihrem Saal, Und wolle nie den Himmel wieder schauen. Ob Jahre schwinden und die Locken grauen — Siebenter Gesang. 173 ss. Wenn du nicht schwärst, zu kämpfen mit uns Allen Wider das Volk, nach Jesus Christ genannt! — Tancrcd blickt auf, da diese Warte schallen. Und hat die Wehr und Stimme bald erkannt. Rambaldo ist's. ArmiLen zu gefallen Ist er, ihr falzend und in Lieb' entbrannt. Für sie zu einem wilden Heiden Warden Und ficht nun für des falschen Glaubens Orden. Da spricht der Held': weh salchem schnöden Knechte — Und heil'gen Zvrnes vall die Wangen glüh'» — Tancred bin ich, und für des Glaubens Rechte, Für Christus sichst du mich den Degen zieh'». Und, wenn ich jetzt mit dir, Verräthcr, fechte, Sa wird durch seine Kraft mir Sieg verlieh'». Der Zarn des Himmels hat mich auserlesen. An dir das Amt der Rache zu verwesen. Sb. Als er den hahcn Namen nun vernommen, Erbleicht vor Furcht des Frevlers Angesicht, Wie — spricht er d'rauf: bist du denn hergckammen Zum sichern Tode? ihm entgehst du nicht! Hier wird die Kraft gelähmt dir unbenommen. Dein stolzes Haupt, vom Rumpf getrennt, du Wicht, Send' ich den Frankenfürsten zu als Beute, Vermag ich, was ich sonst gethan, auch heute. se. So spricht der Heide. Ihren schwarzen Schleier Senkt auf die Ebene indeß die Nacht. Jetzt aber leuchten plötzlich so viel Feuer, Als wäre schon der neue Tag erwacht. 174 Siebenter Gesang. Das Schloß erglänzt, wie wenn zu hoher Feier Die Bühne strahlt in Heller Festcspracht. Wo nichts dem Ohr und Auge kann entgehen, Da thront Armida hoch, doch ungesehen. 37 . Der hohe Held bereitet zur Gefährde Des Kampfs die Waffen nun und den Entschluß; Er bleibt nicht sitzen auf dem müden Pferde, Da er den Feind schon nahen sieht zu Fuß. Der zückt das Schwert mit drohender Gebende, Vom Schild gedeckt, da§ Helmdach fest im Schluß; Der Fürst stürmt auf ihn los, entbrannt von Grimme, Mit wildem Blick und fürchterlicher Stimme. 3 «. Der Feind durchmißt in rasch gezognen Bogen Mit vielen Wendungen die Kampfesbahn. Vom Streit und daß er heut herumgezogen Noch matt, dringt Tancred doch voll Muth heran. Und als Rambald sich weit zurückgebogen, Sucht er dem schlimmen Feinde sich zu nah'n; Nückt vor, drängt nach und läßt das schnelle Eisen Dem Blitze gleich ihm vor den Augen kreisen. so. Vor allem sucht den Ort er zu erreichen. An den Natur die Lebenskraft gebannt, lind stolzes Droh'n gesellt er zu den Streichen, Daß der Gascogncr bebt vor seiner Hand; Auch sucht' er ihm behende auszuwcichen. Indem bald hier, bald dorthin er sich wand. Und seiner fürchterlichen Wuth entgegen Bald mit dem Schilde trat, bald mit dem Degen. Siebenter Gelang. 175 40 . Doch will so schnell nicht ihm die Abwehr glücken, Wie ihn verfolgt des Andern wilde Wutb. Schon klafft sein Helm, schon ging der Schild in Stücken, Der Harnisch ist durchbohrt und voller Blut; Kein Streich, mag noch so kühn das Schwert er zücken, Trifft seinen Feind, da sinkt Nambaldo's Mutb, Er bangt und zagt, und fühlt sein Herz zerrissen Von Zorn und Scham und Liebe und Gewissen. 41 . Verzweifelnd wünscht er jetzt des Kampfes Ende, Zur letzten Probe ruft er das Geschick. Er nimmt den guten Stahl in beide Hände — Noch rein von Blut — und wirft den Schild zurück; Dann nähert er dem Feinde sich behende. Sein Schwert saust nieder, dem kein Waffenstück Zu wtderstch'n vermag, will Blut es trinken. Und fährt ihm in den Schenkel, in den linken. D'rauf haut er nach der breiten Stirn ihm wieder. Daß hell der Schlag wie eine Glocke schallt. Der Helm bleibt ganz, schwer fällt die Waffe nieder. Daß Tancrcd wankt von dieses Streich's Gewalt. Da schüttelt heißer Zorn ihm alle Glieder, Der Grimm entflammt sein Auge, durch den Spalt Des Hclmvisir's ertönt und sieht man glühen Sein Zähneknirschen und der Blicke Sprühen. 40 . Nicht länger aber trägt der falsche Heide Den Anblick dieses zornigen Gesichts. Es zischt das Eisen, und durch's Eingeweide, Durch Adern und durch Lungen, glaubt er, bricht's. 178 Siebenter Gesang. D'rum flieht er schnell. Des guten Schwertes Schneide Trifft eine Säule, aber weiter nichts. Zum Himmel sprüh'n die Funken und die Splitter, lind kalt im Busen wird's dem Heidenrittcr. 44. Er flieht zur Brücke, nicht mehr trotzt und ficht er, Sein Hoffnungsstern scheint ihm die Flucht allein. Doch Tancred solgt ihm immer näher, dichter. Schon greift er zu, schon setzt er Bein an Bein. Da schwinden zu des Flüchtigen Glück die Lichter Der Fackeln all'; es lischt der Sterne Schein, Auch ist der Mond von Finsternis; umzogen Und Dunkel deckt den armen Himmelsbogen. 45. Von Zaubernacht und Schatten rings umschwommen. Kann Tancred nicht ihm folgen, noch ihn sehn. Wohin er spähend blickt, es will nicht frommen. Nur zweifelnd, tappend, kann er weiter geh'n. Sv, an die Schwelle eines Thors gekommen. Geht er hindurch, bevor er sich's verseh'n. Da knarrt in seinem Rücken eine Pforte, Und schließt ihn ein am wüsten, dunkeln Orte. 40. Dem Fische gleich, der in den sumpfigen Schluchten — Die bei Comacchio bildet unser Meer — Das still're Wasser sucht und sich're Buchten, Stürmt wild und ungestüm die Wog' einher. Jedoch sich selbst nur fängt auf seinen Fluchten Im Sumpfgefängnisse, weil kreuz und quer Der Strom sich biegt, daß, wer hineingeschwommen, Doch nimmermehr vermag hinauszukommen: Sicbenlcr Gesang. 177 47 . . So ging auch Tancred hier in diese Falle Seltsamer Art, nur durch sich selbst bethört. Und fand dort einen Kerker, welcher. Alle Gefangen haltend, dem Entkommen wehrt. Wie laut sein Faustschlag auch am Thor erschalle — Verloren ist die Mühe. Endlich Hort Er eine Stimme- Eifre nicht vergebens, Du bleibst Armidens Sklav' trotz deines Strebens! 48 . Hier schwinden dir fortan die Jahr' und Tage, Obwohl du lebst, doch gleich als wärst du todt! — Der Krieger schweigt; er drängt zurück die Klage, Die Seufzer und des Herzens tiefe Noth: Er klagt den Wahn an und die Licbcsplage, Des Feindes Trug, des Schicksals Machtgebot, Dann spricht er zu sich selbst in stummen Qualen; Entbehren könnt' ich leicht der Sonne Strahlen; Doch ach! mir scblt der Glanz der süßern Sphäre, In meinem Elend weis; ich cs ja nicht, Ob je zu jenem Ort ich wiederkchre. Wo mich erfreut der Liebe holdes Licht! Er denkt Argants, da wächst des Kummers Schwere, Zu sehr, spricht er, verletzt' ich meine Pflicht, Verachtung wird mir, Hohn im heil'gen Lande, O, schwere Schuld, o große, ew'gc Schande! so. So wühlt der Ehre und der Liebe Nagen, Mit scharfem Zahne in des Ritters Brust; Doch auch der Gegner hat sich zu beklagen. Vom weichsten Flaume treibts Arganten just; Tasse, befr. Jerus. 12 178 Siebenter Gesang. Sein Blutdurst kann die Ruhe nicht ertragen: So spornt ihn Friedenshaß und Kampfeslust, Daß er, trotz der Verwundung harter Plage, Voll Eifer lechzte nach dem sechsten Tage. sr. Zum Schlafe neigt der grimmig wilde Heide Die Stirne kaum die ganze Nacht vorher, Er ist schon auf, als des Gebirges Scheide Im Dunkel noch sich tief begräbt und schwer. Dem Knappen ruft er nach dem Waffcnklcide, Der steht bereit, nicht, ihm die alte Wehr, Stein, jene glänzend neue darzureichen. Die ihm der König gab zum Ehrenzeichen. S2. Er zögert nicht, er eilt sie anzulegen. Denn nicht beschwert ihn das gewichtige Kleid; Er gürtet sich mit dem gewohnten Degen Vom feinsten Stahl, der oft bewährt im Streit. Gleich dem Kometen, der auf seinen Wegen Durch glüh'nde Luft mit blutigem Schweife dräut. Hier Reiche stürzt und dort die Pest entzündet, Bepurpurten Tyrannen Unglück kündet: ss. So flammt Argant in Waffen. Finster schauen Bluttrunken seine Augen, und ihr Drohn, Die ganze Miene athmet Todesgraucn; Tod sprüht des giftigen Blickes Helles Lohin. Kein Herz mag eigner Kühnheit so vertrauen, Daß nicht vor solchem Auff sein Muth entstehn. Er hält sein nacktes Eisen hoch erhoben. Und spaltet dann die Luft mit lautem Toben. Siebenter Gesang. 179 St. Bald wcrd' ich zeigen diesem Christenhunde, Der mir sich gleichzustellen sich erlaubt, Daß er sich wälzen soll auf blut'gcm Grunde, Zerrauften Haars, besudelt und bestaubt; Er sch's, daß diese Hand in letzter Stunde Zu seines Gottes Schmach die Wehr ihm raubt; Nicht soll mein Herz sein Flehen dann erschüttern. Ich will mit seinem Fleisch die Hunde füttern! ss. Nicht anders brüllt, um seine Wuth zu künden. Der wilde Stier, spornt ihn die Eifersucht; Gestachelt von dem Zorn, dem rasend blinden. Erschüttert sein Gestöhn des Körpers Wucht, Er wetzt am Stamm das Horn, und giebt den Winden Manch leeren Stoß, bis er den Kampf versucht; Sein Fuß wirft Sand empor, und schon von weitem Droht er dem Feind und fordert ihn zum Streiten. 56 . Den Herold ruft er, so von Wuth durchdrungen. Und spricht zu ihm, vom Zorn erstickt, dies Wort: Dem Kämpfer Jesu, den ich bald bezwungen. Entbiete blut'gen Kampf, im Lager dort! — Spricht's, und schon hat er sich auf's Roß geschwungen. Reißt den Gefangenen eilend mit sich fort. Und sprengt, die Stadt verlassend, dann vom Hügel. Voll Ungestüm und mit verhängtem Zügel. 57. Er stößt in's Horn, des ungefüges Tönen, Mit fürchterlichem Schall erfüllt das Feld, Dem Donner gleichend, des gewal'ges Dröbnen, In manches Herz und Ohr mit Schrecken fällt. 180 Siebenter Gesang. Versammelt ist schon mit den Fürstcnsöhiicn Der Christen Führer in dem Hauptgczelt, Dort ruft der Herold auf zu Kampf und Fehden, Wer kämpfen will, zuerst jedoch Tancreden. 58 . lind nun schaut Gottfried, Zweifel im Gcmüthc, Voll Ernst und langsam, in dem Kreis umher, Doch Keinen, wie sein Blick auch späht' und glühte, Sieht er dem Feind gewachsen in dem Heer. Ihm fehlt der tapfcrn Rittern beste Blüthe, Von Tancrcd bringt nicht Einer neue Mähr, Weit weg ist Bvhcmund, und nicht zu Händen Der Heldenjüngling, der erschlug Gernandcn. Auch Mancher von den Besten dieser Schaarcn Wagt, außer den vom Loos bestimmten Zehn, Da sie verdeckt von Nacht und Schweigen waren. Der trügrischcn Armida nachzugehn. Viel wen'ger kräftig und im Streit erfahren. Sieht man beschämt und stumm die Andern steh'n, Und so verzagt ist das Gefühl für Ehre, Daß Keiner sucht, wie er den Ruhm vermehre. 6 ». Am scheuen Blick, am Schweigen aller Zungen Sieht gleich der Herr, wie sic die Furcht umflicht; Von edlem Zorn wird da sein Herz durchdrungen, Vom Thron erhebt er sich behend und spricht: Unwürdig wäre wohl mein Ruhm verklungen, Wagt ich in solchem Kampf mein Leben nicht, Und duldet' ich, daß ein verruchter Necke Des Heidenvolks der Christen Ruhm beflecke. Siebenter Gesang. 181 61 . Der Frieden mag in meinem Lager blühen, In Ruh' und Muße schaut nun meine Schlacht! Reicht mir die Wehr! zum Kampfe will ich ziehen! — Die Rüstung wird im Nu herbeigcbracht. Doch Raimund, dem das Alter Rath verliehen, Gereist im Geist, an Jahren wohlbedacht Und frisch an Kräften noch in jeder Weise, Den Ersten gleich, der tritt nun vor im Kreise. ss. Auf Eines Haupt das ganze Heer zu wagen — Spricht er ihm zugewandt — das darf nicht sein! Des Kampfes Lasten müssen Alle tragen. Doch du bist Führer, Krieger nicht allein. Durch Dich wird Babels Reich zerstört, zerschlagen. Der Glaube ruht auf dir, die Macht ist Dein, Du kämpfe mit dem Scepter und dem Geiste, Auf daß des Kriegers Schwert das Seine leiste. o». Und ich, ich will den Kampf jetzt unternehmen. Obgleich das Alter meinen Rücken bückt. Es soll der Greis sich drr Entschuldigung schämen, Selbst wenn der jüngre Mann das Schwert nicht zückt. O, möchte mich die Jugcndkraft durchströmen, Wie euch, die ihr euch furchtsam schmiegt und drückt. Und euch nicht schämt, und nicht vom Zorne lodert. Da jenes Schmäh'» und Schrein zum Kampfe fvdcrt: S4. Wie mich, als ich am Hof Konrad des Zweiten — Ganz Deutschland sah's — gewagt, im Waffengang Mit jenem wilden Leopold zu streite», Dem tötend in die Brust mein Eisen drang. 182 Siebenter Gesang. Die That ist mehr, man wird es höher deuten, Daß ich dem Tapfersten den Sieg entrang. Als wenn Ihr hier, allein, mit nacktem Arme, Verjagt ein ganzes Heer von diesem Schwarme. ss. Wie wollt' ich Jenem seinen Stolz entreißen, Hätt' ich noch Jugendkraft und junges Blut! Doch, wie ich sei, auch in der Brust des Greisen Wohnt noch kein Bangen, sondern fester Muth. Und nimmt im Feld mir all mein Blut sein Eisen, Sv soll's doch thcuer zahlen seine Wuth. Ich waffne mich, daß meiner frühern Tage Bekannter Ruhm, verschone neue Sage. So spricht der große Greis. Gleich scharfen Sporen Trifft jedes Wort, drob neu die Tugend glimmt. Die erst geschwiegen und den Muth verloren, Sie sprechen nun gar kühn, gar fest, bestimmt. Ein Jeder scheint zur Fehde jetzt erkoren. Sie eifern um die Wette, wild, ergrimmt. Guelf, beide Guido, Stephan wollcns wagen, Gcrnier, Rüd'ger und Nalduin sich schlagen. S7. Dann tritt der schlaue Pyrrhus aus der Mitte, Dem Antiochien dankte Bohcmund; Nebst Eberhard thut auch Ridolf die Bitte, Hier mitzukämpfen, gleich wie Nvsamund. Ein Schotte kommt, ein Ire und ein Dritte, Aus Inseln, die das Meer getrennt vom Grund, Gildipp' uttd Odoardo, die Vermählten, Ihr heißes Kampfgelüste nicht verhehlten. Siebenter Gesang. 183 es. Doch mehr als Alle zeigt der wilde Greise, Nach Krieg und Schlacht das glühendste Begehr; Gcwaffnet ist er schon mit allem Fleiße, Nur fehlt des Helmes Zier der vollen Wehr. Zu ihm spricht Gottfried: Alter tapfrer Weise Lebendiger Spiegel bist du für das Heer; O mocht' es Zucht und Kriegskunst von dir lernen. Den Mars geschmückt mit seiner Ehre Sternen. es. O zählt' ich andre Zehn, die jung an Jahren, An Werth und Kraft dir großem Greise gleich! Wie wollt' ich siegen über Babels Schaaren, Und pflanzen unser Kreuz aus Thule's Reich! Doch stehe nun zurück, dich zu bewahren Für größrc That, du rath- und tugendrcich; Der Andern Namen mag die Urne fassen. So wollen wir das Schicksal richten lassen — 70 . Vielmehr den Herrn, denn Zufall und Geschicke, Sie ruhen ganz in seiner hohen Hand! — Doch Raimund tritt deshalb noch nicht zurücke. Er will darunter sein und mit genannt. Der Feldherr sammelt nun im Augenblicke Die Los' im Helm und wirft sie durcheinand'. Und auf dem ersten Zettel, den sie trafen. Steht Raimund's Name, des Toulouser Grafen. 71. Der Name wird mit frohem Ruf empfangen. Und Keiner tadelt, was der Zufall schickt. Erneute Kraft belebt ihm Stirn und Wangen, Von frischer Jugcndgluth scheint er durchzückt. 184 Siebenter Gesang. Gleich jenen stolzen, goldbeglänzten Schlangen, Wenn neue Haut im Sonnenstrahl sie schmückt. Mehr hat, ais Andre, Gottfried ihn erhoben, Und prophezeiht ihm Sieg mit lautem Loben. 72 . D'rauf lös't er seinen Degen von der Seite Und reicht ihm diesen mit den Worten dar: Dies ist das Schwert, das in so manchem Streite, Der Schutz des fränkischen Empörers war. Ich nahm sein Leben, das von Schuld entweihte. Und mit Gewalt gewann ich's und Gefahr; Nun führe Du's, mir half es stets zum Siege, Sei giücklich, so wie ich, mit ihm im Kriege. 7S. Von ihrem Zögern wird der Saracene So ungeduldig, das; er droht und schreit: O, kriegerisch Volk, Europa's stolze Sohne, Es ruft ein einz'ger Mann euch auf zum Streit. Tancred mag kommen, daß ich ihn verhöhne. Der so vertraut der eigenen Tapferkeit! Er dehnt sich wohl auf weichen: Federbette Und harrt der Nacht, daß wieder sie ihn rette? 74. Ein Andrer komme, bangt ihm vor Gefahren! Kommt rvttenweis, zu Fuß, zu Pferd, heran. Wen» nicht ein Einziger sich aus tausend Schaaren Erkühnt mit mir zu kämpfen Mann für Mann; Dort ist das Grab, in dem sie ihn bewahren, Mariens Sohn, was geht ihr nicht voran? Löst die Gelübde, schaut, der Weg ist offen. Welch' grvß're That hat euer Schwert zu bvffcn? — Siebenter Gesang. 185 75 . So peitscht der Heide sic mit scharfem Hohne, Der sie gleich Geißclhiebcn trifft und hetzt. Mehr als die Andern fühlt von diesem Tone, Sich Raimund, der die Schmach nicht trägt, verletzt. Gereizter Sinn steht in der Wildheit Frohne Indem er sich am Fels des Zornes wetzt! Den Aquilur — des Rosses Schnelle zeigt der Wohlausgedachte Name schon — besteigt er. 7ö. Geboren ward dies Thier an Tajos Wellen, Wo oft der Heerde Mutter, lüsternkühn, — Dann, wenn vom Frühlingsdust die Herzen schwellen. Und liebesseellg im Naturtrieb glüh'n, — Sich offnen Mundes pflegte hinzustellen, Fruchtbaren Windes Saamen cinzuziehn. Der Hauch, o Wunder! — stillte ihr Verlangen, Und so gebar sie denn, was sie empfangen! Du sagtest wohl, den leichtsten Himmelswinden, Entsprossen sei der flüchtge Aquilin, Vermöchtest du die Hufspur nicht zu finden. Springt schnellen Laufs er durch den Sand dahin Und säh'st Du ihn gelenk und leicht sich winden. Bald rechts, bald links die engen Kreise zieh'n! — Zum Kampf gewandt, von dieses Rosses Rücken, Sieht man den Grafen auf zum Himmel blicken. Herr, der du einst auf Goliath, den Riesen, Unkräst'gc Wehr gelenkt in Tercbinth, Daß siegreich sich für Israel erwiesen. Der leichte Schlcuderwurf von einem Kind; 286 Siebenter Gesang. Laß mich nun triumphiren über Diesen, Der Welt zum Beispiel! daß mein Schwert gewinnt, Und vor dem Greis der Stolz sich wend' in Schande, Wie einst ein schwaches Kind ihn schlug in Bande! 7g. So betete der Graf. Es steigt sein Flehen, Von sichrer Hoffnung auf den Herrn bewegt, Empor im Fluge zu des Himmels Hohen, Der Flamme gleich, die immer aufwärts schlägt. Zum ewgen Vater dringt der Bitte Wehen, Und aus den Himmelsschaaren überträgt. Er Einem seinen Schutz, daß er als Sieger Des Heiden Hand entziehen soll den Krieger. Der Schutzgeist, der dem guten Raimund eigen. Sein Schirm und Wächter seit dem ersten Tag, Da das Geschick ihn rief, heraufzustcigen Zur Pilgerfahrt, in's ird'sche Ungemach — Als jetzt der Herr aufs Neu mit gnäd'gem Neigen Erlaubt, daß er den Schützling decken mag. Schwingt sich zur stolzen Veste, wo die Heere Der Himmlischen bewahren ihre Wehre. Dort ruht, womit der Lindwurm einst bezwungen. Zunächst den Donnerkeilen jener Speer, Und dann, die unsichtbar in's Volk gedrungen. Der Seuchen Pfeile und der Hebel Heer; Da hängt der große Dreizack, der, geschwungen. Den Sterblichen stets brachte viel Beschwer: Denn bis zur Tieft bebt die Erdenrundc Von seine»; Schlag und Städte gehn zu Grunde. Siebenter Gesang. 187 82 . Hier unter andern Waffen, ist zu schauen Ein riefger Schild aus Hellem Diamant, So groß, daß er bis zu des Atlas Gauen, Vom Caucasus so Land als Volk umspannt; Er schützt die Städte, die dem Herrn vertrauen, Gerechte Fürsten und kcuschfrommes Land. Zu Raimunds Schutz erreicht mit diesem Schilde, Der Engel ungesehn das Kampfgefilde. «s. Die Zinnen und den Mauerfirst bemannte Jndeß viel Volk; ein kriegsgeübtcr Haus, Den mit Clorinden der Barbar entsandte. Zog zu des Hügels Mitte sich herauf Und, wohl geordnet, an der andern Kante Ritt eine kleine Schaar von Christen auf. Den Kämpfern war das Feld, das eben Dazwischen lag, zum Tummelplatz gegeben. 84 . Argant schaut auf; das find nicht Tancreds Mienen, Ein Fremder ist es, den er nie gesehn. — Tancred ist fern, und so bin ich erschienen. Den Kampf mit dir — spricht Raimund — zu bestehn, D'rum sei nicht stolz, ich werde dich bedienen. Geprüft an Kraft nur sollst du von mir geh'n; Du forderst Alle, deshalb darf ich's wagen. Für ihn und jeden Andern mich zu schlagen. Der Stolze drauf: Ei wirklich, fortgeritten Ist Tancredlein? Sv sag' nur, wo er weilt. Er, der vertrauend seinen flücht'gen Schritten, Mit himmeidroh'ndcm Schwert die Lüfte theilt. 188 Siebenter Gesang. Doch flöh' zur Erd er, zu des Meeres Mitten, Ich jage ihn, bis daß ich ihn ereilt! — Du lügst! — versetzt der Andre — sagst Du, solch' ein Hvchsttapfrer steckt sein Schwert vor dir, du Strolch, ein. ss. Der Heide ruft voll Zorn: Nimm Raum zum Rennen, Statt jenes Fehlenden nehm' ich dich an, Zahl des Verweg'nen Schuld, und laß erkennen. Daß, trotz der Tollheit, Du mir stehst als Mann, Und zu dem Stechen sprengt mit kräst'gen Sennen Das Paar, nach ihren Helmen zielend, an: Der edle Raimund trifft, Argant verdankte Es seiner Kraft, daß er im Sitz nicht wankte. Der grimme Heide, der umsonst durchrannte, — Ein seltner Fall für ihn — das Kampfgefild, Da von dem Christen seine Lanze wandte. Der Himmelsbootc mit dem Demantschild, Biß sich die Lippen, brach, der Wuthentbrannte, Den Speer am Boden ab und fluchte wild. Zog dann mit großem Ungestüm den Degen, Und flog dem Feind zum zweiten Gang entgegen. Der mächt'ge Renner selbst begehrt zu streiten. Und kommt, dem Widder gleich, den Kopf gesenkt, Raimund weicht rechts und trifft mit raschbereiten Schwerthieb des Feindes Haupt, indem er schwenkt. Aegyptens Ritter eilt, zurückzureite». Und Raimund, welcher wieder rechtsab lenkt. Trifft abermals den Helm, doch keine Schalte Von seinen Streichen zeigt der demantharte. Siebenter Vesang. 189 8g. Der Heide kehrt zum engern Kampf das Rennen, Da an den Feind er sich zu drängen sucht. Dcr Andre glaubt nicht wiederstchn zu können Mit seinem Roß dcr ungeheuer» Wucht, kimkreist ihn, ohne Ruhe ihm zu gönnen. Greift an, entweicht und bleibt in rascher Flucht. Unfehlbar folgt mit seinem leichten Tritte, Das schnelle Pferd dem Zaum bei jedem Schritte. Wie der Belag'rcr — dcr vor einer Veste, Auf Berghuhn oder auch im sumpf'ge» Hast Bon tausend Weg' und Künsten wählt die beste. Den Zugang suchend — also macht'S der Graf. Er sieht, daß er gleich Jenem nicht zum Neste Sobald gelangt, nicht Brust nach Stirne traf; Drum eilt er, schwäch're Stellen auszulugen, Und sucht mit seinem Schwert der Rüstung Fugen. si. Zwei, dreimal bohrt er in die blut'gen Falten Dcr Feindesrüstung ein das gute Schwert; Doch seine Waffen sind noch wohl erhalten, Ja selbst der Hclmbusch frisch und unversehrt. Vergebens wird von seines Zorns Gewalten, Und von fruchtloser Wuth Argant verzehrt, Dcr Hieb und Stich verdoppelt, und im Fehlen Die ungeheure Kraft noch scheint zu stählen. 92 . Da endlich führt Argant nach tausend Streiche» Noch einen Hieb, der Graf ist ihm so nah, Daß selbst der schnelle Aquilin nicht weichen Und wenden kann und schon sein Ende sah. 190 Siebenter Wesang. Allein der Bote aus des Himmels Neichen Ist ungesehn, wie Gott ihn sandte, da. Erhebt den Arm, und fängt das Schwert, das wilde. Auf mit dem diamantenen Himmelsschilde. ss. Die Klinge springt entzwei — denn nimmer messen Kann ird'sche Waffe sich, von Menschenhand Gemacht, mit Waffen aus des Himmels Essen, Die nichts zerstört. — Der Stahl fällt in den Sand. Es schwinden fast die Sinne dem Tschcrkesse», Als er sein gutes Schwert zersplittert fand. Er staunt, daß er entblost mit einem Schlage, Und daß sein Feind so feste Waffen trage. 9t. Ganz sicher glaubt Argant, es sei zersprungen Am festen Schild, den Raimund führt, sein Schwert, Auch dieser weiß nicht, wer für ihn gerungen, Und ist deshalb von gleichem Wahn bethört, Er sieht erstaunt, die erst den Stahl geschwungen, Des grimmen Gegners Rechte, unbewehrt: Da scheint ihm niedrer Sieg, unedle Beute, Was er gewinnen kann in solchem Streite. Nimm dir ein ander Schwert! — so will er sagen. Als neuen Zweifels Qual sein Herz gebar. Denn mußten nicht den Schimpf die Seinen tragen. Sobald Er siel, der hier ihr Kämpfer war! Nun will er nicht unwürdigen Sieg erjagen, Doch scheut er auch des Christenruhms Gefahr, Und da er stockt in seinem Zweifeldrange, Wirst ihm Argant den Schwertknauf an die Wange. Siebenter Gesang. oe. Und blitzschnell dann, um mit dem Feind zu ringen, Treibt sporenstachelnd er das Roß heran. Der Wurf läßt Raimunds Helmgegitter klingen Und quetscht ihm das Gesicht, so prallt er an. Allein der Graf entzieht sich dem Umschlingen Des starken Arms gefaßt, und haut ihm dann Die Faust entzwei, die wie mit Naubthiers Krallen, Bereit und fertig ist, ihn anzufallen. 97 . Drauf lenkt sein Noß gewandt herum im Kreis er. Das bald zur Rechten, bald zur Linken fliegt. Und wenn er geht und wenn er kommt, so weiß er Den Heiden gleich zu treffen wie sich's fügt. Was noch an Kraft und Kunst bewahrt als Greis er, An neu und altem Grimm, der nie versiegt — Das Alles drängt er jetzt in seine Rechte, Und mit ihm sind des Glücks und Himmels Mächte. Argant steht unverzagt den mächtigen Streichen, Sich selbst vertrauend und der starken Wehr. Dem stolzen Schiffe ist er zu vergleichen. Das ohne Masten treibt auf stürm'schem Meer, Das aber dennoch, da aus starken Eichen Die Balken sind und Planken ringsumher. Den wilden Fluthen wagt zu widerstehen. In Hoffnung, dem Verderben zu entgehen, oo. So gingest Du, Argant, nun wohl in Trümmer, Wenn Satan dir nicht Rettung ausgedacht, Der aber hat schon hohlen Ncbelfllmmer — O Ungeheur! — ln Menschenform gebracht, 192 Siebenter Gesang. Ganz init Clorindens Aussehn, wie sic iinnicr Der Welt erscheint in reicher Waffcntracht; Und gicbt ihm ihre Stimme, ihre Mienen, Daß, seelenlos zwar, es ihr gleich erschienen. io». Dies Luftbild spricht zu Qradin gewendet. Dem kundigsten der Schützen: Dradin! Der nach Gefallen sein Geschoß versendet. Und dem kein Ziel je unerreichbar schien, Wie schmählich wär's, wenn dort der Kampf beendet, Judäas Streiter müßt' im Tod verglüh», lind zu den Seinen, mit den Siegstrophäcn, Wir sicher seinen Gegner reiten sähen! 101. Zeig' deine Kunst, und färbe mit dem Blute, Des fränk'schen Wegelagrers dein Geschoß. Dein wartet, nächst der Ehre ew'gci» Gute, Der Lohn des Königs mit der That gleich groß! So sprach's: des Schützen Zweifel schwand und ruhte, Da Lockung in das Herz der Lohn ihm goß. Er nimmt den Pfeil aus seines Köchers Lehne, Legt auf den Bogen ihn und spannt die Sehne. Der Bogen klingt. Der Pfeil mit Flügclschnellc, Zischt schneidend in der Lust, die er durchfliegt. Er trifft sein Ziel, und zwar an jener Stelle, Wo sich der Gürtel an den Panzer schmiegt. Doch taucht er leicht nur in des Blutes Welle, Da schon am Harnisch seine Kraft versiegt. Die ihm des Hiinmels Krieger so vermindert, Daß tiefer einzudringcn er verhindert. Aicbcnler Gesang. 193 INS Als nun der Graf den Pfeil herausgczoge» Aus seiner blut'gen Wunde, warm und roth. Wirst er den Treubruch und daß er gelogen Dem Heiden vor, indem er ihn bedroht. Der Feldherr, dessen Blick nichts abgezogen Von seinem Raimund, sicht der Wunde Roth, Und daß die Gegner den Vertrag umgangen, Und athmet kaum, erfüllt von Sorg' und Bange». I0t. Mit seinem Haupte winkt er den Genossen, Es ist sein Wort, das sie zur Rache weckt. Nun werden die Vifire all' geschlossen, Der Zaum gelockert und der Speer gestreckt. Und als die Schaarcn plötzlich sich ergossen. Wird ringsumher nur Kriegcsvolk entdeckt, Man sieht den Kampfplatz kaum vor dem Getümmel, In dichten Wolken steigt der Staub gen Himmel. ros. Beim ersten Anprall tönt wie Ungewitter Der Helm' und Schild' und Lanzen wild Gekrach. Dort läuft ein Streitrvß ohne seinen Ritter, Jndeß ein andres hier zusammcnbrach. Ein Krieger stirdt, ein andrer flucht, ein dritter Stöhnt, sich in Schmerzen windend, Weh und Ach. Die Schlacht ist hart: je mehr sich drinn verwoben. Je mehr fließt Blut, je ärger wird das Toben. 106. Argant sprengt leicht, behend, in das Gedränge, Ein Krieger muß die Eiscnkeul' ihm lcih'n. Die schwingend, bricht er in die dicht'ste Enge Der Kriegerschaar sich eine Bahn hinein. Tasse, best. Jerus. IS Siebenter Gesang. Nur Raimund sucht er; i» der ganzen Menge Gilt ihm sein Zorn und seine Wuth allein. Und wie beim gicr'gcn Wolf, ist cs sein Wille, Daß sein Geweldc ihm den Blutdurst stille. 107 . Doch tapfrer Widerstand tritt ihm entgegen. Schwer wird's ihm, bis den Weg er finden kann, Guido und beide Gerbard's hier sich regen. Mit Balmavilla's Rüd'gcr kommt Ormann. Als er im Weg sich sieht die tapfer» Degen, Da weicht und wankt er nicht, stürmt trotziger an; Wie eingepreßte Flammen kühn sich regen lind lodernd alles dann in Asche lege». ros. Es fällt Ormann, Guidos Wunden bluten Und Rüd'ger liegt am Grund im Todcsschweiß; Doch neue Schaaren sind's, die ihn umsluthen. Von Wehr' und Menschen rings ein dichter Kreis. Auf beiden Seilen flammen gleich die Gluthcn Des Kampfs, die jeglich Volk zu schüren weiß, D'rum ruft den Bruder Gottfried auf die Seite Und spricht zu ihm; Nun führe deine Leute ros. Zum linken Flügel, wo im blutigen Morden Die Schaar der Unfern mit den Heiden ficht! — Der stürmt hervor und faßt der Feinde Horden Mit mächt'gcm Stoß, der ihre Flanke bricht. Da, vor der Franken Angriff schwach geworden, Stehn Asiens wilde Volker länger nicht: Gesunkne Fahnen rings, zerstreute Glieder, Und auf den Reiter stürzt das Roß danieder! Siebenter Gesang. iru. Durch diesen Sturm weicht auch der rechte Flügel, Und Niemand trotzt dem Drängen als Argant; Die Andern sliebcn,mit verhängtem Zügel, Von Furcht gepeitscht, dem Freien zugcwandt! Er hält und steht mit trutz'gem Blick in: Bügel: Mit hundert Armen und in jeder Hand Links einen Schild und rechts ein Schwert, — wer machte Wohl je so viel, alc jetzt Argant vollbrachte! irr. Die Lanzen hält er aus, die auf ihn fielen, Wurfspieße, Keulen und der Rosse Drang, Da er allein, wo Alle auf ihn zielen, Nach jeder Seite seine Waffe schwang. Voll Schweis; und blutend, scheint cr's kaum zu fühlen. Das; Leib und Waffen schon an Wunden krank, Doch ist er so bedrängt, so eng umrungen. Daß es ihn fvrtreißt, und er weicht gezwungen. 112 . Er weicht der Ucbermacht und dem Gcwüthe, Der Sündftuth, diesibn drängend mit sich reist. Doch Flucht lebt nicht im Gange und Gcmüthe Des Mannes, dessen Herz und Arm so dreist. Noch aus dem Auge, welches schrecklich glühte. Blitzt drohend des gewohnten Zornes Geist; Zu halten sucht er noch durch alle Proben — Doch isl's umsonst — sein Volk, das rings zerstoben. IIS. Ja, nicht einmal gelingt es jenem Kecken, Zu sammeln und zu mäß'gen diese Flucht, Nicht Kunst noch Zügel hemmt den jähen Schrecken, Umsonst wird Bitte, wird Befehl versucht. 196 Siebenter Gesang. An Allem nun glaubt Gottfried zu entdecke», Das Schicksal schenke ihm der Mühen Frucht. Drum folgt er froh dem frohen Lauf der Sieger, Und schickt den Siegenden stets frische Krieger. 114 . Und war der Tag dies, welchen auserkoren Zum letzten Siege Gottes cw'gc Macht, So ward zu Ende schon an Zions Thoren Des Christcnhccrcs heilige Müh' gebracht. Jedoch die Hvllenrottc ficht, verloren Ist, duldet sie's, ihr grauseS Reich der Nacht, Und da sic darf, so läßt sie Stürme brüllen Und ballt die Luft zu dichten Wolkcnhüllcn. 115 . Der Menschen Auge deckt ein schwarzer Schleier, Die Sonne flicht, der Tag verloscht in Nacht, Dann bricht cs durch den Höllcngraus wie Feuer In dunkler Bergcshvhlen tiefsten Schacht. Die Saat zerknickt, die Fluth deckt Feld und Weihen, Die Schloßen prasseln und der Donner kracht. Der Sturmwind tobt, als wollte er im Jagen Nicht Bäume nur, nein, Fels und Berg zerschlagen. im. Mit Einemmal trifft Wcttersturm und Rege» Der armen Franken Nug' und Angesicht; Vcrhängnisivoller Schrecke» packt die Degen, Da auf sic ein dies jähe Wüthcn bricht. Die Meisten flichn, der klein're Tbeil dagegen Umschließt die nachtverhülltcn Banner dicht. Clorindc aber folgt dem Zug verwegen Und mahnt, die Schlacht von Neuem zu erregen. Siebenter Gesang. 117 . Die Ihren laut: Es kämpft für uns, Genossen, Der Hinimcl selbst, der Schutz dem Recht verlieh». Nicht unser Antlitz treffen seine Schlossen, Wir brauchen noch die Rechte, stark und kühn. Seht, wie sein Zorn sich auf den Feind ergossen. Wie sie vor seinem Grimme bang/ entflieh»; Des Lichts beraubt, der Waffen und des Glückes, Als uns vcrfallne Opfer des- Geschickes. 118 . So stachelt sie ihr Volk, und ohne Wanken Rast gleich dem Höllcnsturm sic durch das Land; Mit Ungestüm einbrechcnd in die Franken Verhöhnt sic deren schwachen Widerstand. Jetzt wendet auch Nrgant des Rosses Hanken, Schwer trifft, die erst schon Sieger, seine Hand: Sie wagcn'S nicht mehr, fest im Feld zu stehen. Und fliehn, dem Schwert und Sturme zu entgehen. wo. Und in der flücht'ge» ChristciUNackcn hrcche» Der Feinde Schwerter und der Geister Wuth, Es mischt das Blut sich mit den Wasscrbächcn Und jede Straste färbt sich roth von Blut. Bei Tobten, und die dort in Todesschwächcn Da liegen Pyrrhus und Nidolfv gut. Den hat Tscherkessiens wilder Sohn bezwungen, Ob dem Clorinde edeln Sieg errungen. iso. Auf ihrer Flucht den Franken dicht im Rücken Bleibt stets der Syrer und Dämonen Schaar. Doch ob der Hagel schloßt, ob Blitze zücken — Dem Feind, dem Sturm und jeglicher Gefahr 198 Siebenter Gesang. Wagt Gottfried fest in's Angesicht zu blicken. Er schilt die Ritter streng, nimmt Alles wahr, Und, hoch zu Roß, schützt er am Lagcrthore, Was sich im Wall birgt vom zersprengten Chore. ISI. Zweimal — er bringt ihn Beidemal zum Weichen — Lenkt zum Tschcrkessen er sein gutes Pferd, Zum Drittcmnalc kreis't mit wilden Streichen Im dicksten Kampfe sein gewaltiges Schwert, Bis — da der Sieg doch nimmer zu erreichen — Er mit den Andern sich zum Lager kehrt. Und als die Franken so geborgen waren, Da weichen auch der Saracenen Schaaren. 122. Der Holle wildes Wetter tobt noch immer. Sein Zorn und seine Wuth sind grausenhaft; Es lischt bald hier, bald dort der Fackeln Schimmer, Entfesselt ras't des Fluthcnsturmcs Kraft, Zerfetzt die Leinwand, schlägt die Pfähl' in Trümmer; Ja, ganze Zelte werden fortgerafft, Indes; das Brausen, Heulen, Donncrbrüllen Die Welt mit grausen Harmonicen füllen. Achter Gesang. Es schwieg der Sturm; cs hörten auf zu tosen West, Nord und Süd; der Donner war verhallt. Als von dem Himmelszelt, das Haupt mit Rosen, Den Fus, mit Gold geschmückt, Aurora wallt. Doch tückisch blieben jene gnadenlosen Verderber, die die Wolken erst geballt. Und einer drauS, den Astragor man nannte. Mit diesen, Wort sich zur Alecto wandte: Sieh' dort, Alecto, nah » den jungen Necken, (Wir dürfen ihn nicht hindern) dcm's gelang. Das, lebend er der Faust und ihren Schrecken DcS Hauptvcrthcid'gcrs unsers Reichs entsprang! Beginnt nun der den Franken zu entdecken Des Führers und der Brüder Untergang, So könnte man bei dieser wicht'gcn Mähre Bcrtoldcns Sohn beimrufeu zu dem Heere. a. Wie viel cs nüht, nicht brauch' ick dich's zu lehren, Daß dem wir widerstehn mit List und Kraft. Jn's Lager geh', in Schaden zu verkehren. Was etwa Gutes seine Rede schafft. Las, Feuer und las, Gift das Blut verzehren Der Welschen, Schweizer, Britten! fortgerafft Zu Grimm und Aufruhr mag, von dir getrieben. Das ganze Heer der Christen wild zerstieben. 200 Achter Gesang. 4 . Das Werk ist deiner würdig; und vermessen Hast du dich oft deshalb vor unser»; Herrn. — Dies sagt er ihr; Alcctv, wuthbcscsscn, Enteilt zur That, denn sie vvllführt sie gern. Dem Arankenlagcr nahte sich indessen Der Ritter und, dem Thore nicht mehr fern. Befragt er sich: wer ist's, ich bitt' euch, Leute, Der mich zum Zelte Gottfrieds hingclcite? Da scheint ein Jeder neue Mähr' zu wittern, Vollzähliges Geleit wird ihm geschenkt, Und küssend, welche Babel macht erzittern. Auf die erlauchte Hand sein Haupt er senkt: O, hoher Herr, du Vorbild allen Rittern, Des; Ruhm das Sternenzelt und Weltmeer nur beschränkt, Kam' ich zu dir als besircr Mähr' Verbreiter! — So sagt' er, seufzte tief und sprach dann weiter: n. Sven», des Däncnkönigs Ruhm und Segen, Des greisen Vaters Stolz und cinz'gcr Sohn, Wünscht sich zu sehn bei jenen tapfer» Degen, Die unter dir das Heidenland bedrobn. Den alten Vater und sein Reich zu pflegen, Nicht kümmert's ihn; er spricht den Mühen Hob»; Selbst die Gefahren können nicht zerstören Die edle Kluth, das heil'gc Kampfbegchren. Den Krieg zu lerneu, das ist sein Verlangen, Zu theilcn Kampf und Müh' an deiner Hand, Glorreicher Herr; es drückt ihn Schaam und Bangen, Weil noch sein Name gänzlich unbekannt; Achter Gesang. 201 Denn von Ninaldo hat er Kund' empfangen. Den schon als Jüngling preist ein jedes Land, Doch mehr als dies spornt ihn sein glühend Ringe», Nach cw'gcm Ruhm, nicht irdischem, vorzudringen. Die Hindernisse slielm vor seinen Tritten, Er wählt sich Kriegsgefährten stark und kühn. Nach Thracicn geht cs nun mit raschen Schritten, »m in des Reiches Hauptstadt einzuzieh'n. Von Hellas Kaiser scheint er wohlgelitten; Da kommt von dir ein Bote zu ihm hin, Der ihm erzählt, wie ihr Antiochiens Veste Erst nahmt und dann verthcidigt halt aufs Beste, Vcrthcidigt gegen Persien, dessen Heere Sich so geschickt verstanden zu vereinen. Daß dies von Waffen und von Menschen leere, Sehr große Reich nun öde könnt' erscheinen. Er nannte dich und von den andern mehre, Doch nach Rinaldo nannt' er weiter Keine». Indem er dessen kühne Flucht berichtet, »nd welche Thaten glorreich er verrichtet. Er fügte bei, wie schon das Volk der Franken Die Mauern Zions nun mit Sturm bedräut. Er weckt in seinem Busen den Gedanken, Mit zu bestehn den allerletzten Streit. Und in des kühnen Sveno's Seele ranken Die Worte sich wie Stacheln schmerzbcrcit. Er lechzt nach Hcidenblut und Hcidcnwundcn, Und fast zu Jahren werden ihm die Stunden. 202 Achter Gesang. 11. Für ihn — und dies beginnt in ihm zu zählen — Ist Tadel Andrer Ruhm und Andrer That. Den hört er nicht, den will er nicht erhören. Der ihm zum Harren räth, der ihn drum bat. Er kennt Gefahr nicht, gönnt nur Kampf und Ehren Mit dir zu tbcilen ihm des Schicksals Rath, Als ob nur die Gcfabr zu scheuen wäre. Und sonst ihn weiter keine Furcht beschwere. 12. Und Eile heischt er selbst von dem Geschicke, Das dennoch ihn und Alle leitend führt; Fast geht er, eh' die ersten Sonnenblicke Des Tags der Späher am Gewölk verspürt. Der nächste Weg scheint ihm die beste Brücke Zum Ziele stets; er leitet und regiert; Ihn schreckt kein enger Pasi, noch Ländcrstrccken Wo grimme Feind' ihn unablässig necken. m. Bald plagt' uns Hungcrsnoth, bald schlechte Wege, Die List verfolgt uns und die offne Macht, Doch siegten wir ob allem nimmer träge. Hier ward der Feind zersprengt, dort umgebracht. Bald aber ward im sichern Sieger rege Der Hochmuth, der Gefahr als nichts verlacht, AIS wir, nicht fern von Palästina's Gauen, Uns mühten, unser Lager aufzubauen, 14 . Von unsrem Vortrab hatten wir vernommen Man seh' und höre kriegerische Wehr, Und Alles deute auf das Nähcrkommcn Von einem Ungeheuern Kricgeshecr. Achter Gesang. 203 Doch wechselt unser Herr, van Muth entglommen, Nicht Farbe, Miene oder Stimmesmehr, Ob von der Kunde auch gar manche Mienen Erbleichten und vor Schrecken weis; erschienen. IS. Hier — spricht er — ist's, wo man die Martyrkrone Vielleicht, vielleicht den Siegerkranz uns flicht! Die wünsch' ich mir zu höhcrm Ruhm und Lohne, Doch lieb ich wcn'gcr auch den andern nicht. Dies Schlachtfeld, Brüder, wird zum Tcmpclthrone, Unsterblichen Gedenkens hcil'gcs Licht, Hier soll die Nachwelt unsre Gräber sehn. Wo nicht, bewundern unsre Siegstrophäen. io. Er spricht's, und stellt ringsum die Waffenbrüder, Austheilcnd Amt und Pflichten, auf die Wacht. Er selbst legt nicht den Eisenpanzer nieder. Und will, ein Jeder ruh' in Waffentracht. Nun war cs grade, wo die matten Glieder, Im schwersten Schlaf, zur Zeit der tiefsten Nacht, Als der Barbaren Brüllen rings ertönte, Daß drob der Himmel und der Abgrund dröhnte. 17. Man ruft: Allarm! und enge eingeschlossen Sprengt Sveno kühn hervor und sprüht und loht. Indem aus seinem Auge Flammen schossen, Scheint er von Wuth entzündet glühend roth. Ein dichter Kreis hat sich um uns ergossen. Der uns von allen-Seiten drängt, und droht. Ein Wald von Sperren winkt uns und von Degen, Und Pfeile sausen d'rein gleich dichtem Regen. 204 Achter Gesang. IS. Der Kampf ist ungleich, aber ohne Wanken Steht unsre kleine Schaar der llcbcrzahl; Von blinden Streichen siebt man Manchen schwanken, Und Mancher fühlt im Dunkel Todesqual. Allein die Zahl der Tvdten und der Kranken Kennt keiner in den Schatten trüb und fahl; Die Nacht bedeckt die Todten, uns verloren. Und unsre Heldcnthaten, auserkoren. io. Nur Sveno sieht man fechten, und sich schirmen. Denn zu gewaltig ist es, was er thut; Im Dunkel selbst siebt man ihn streiten, stürmen. Unglaublich scheint die ungemesinc Wuth, Und ihn umgiebt gleich Gräben und gleich Thürmcn Ein Berg von Leichen und ein Strom von Blut. Wohin er geht und sich die Augen wenden. Lebt Schreck im Blick und Tod in seinen Händen. 20. Sv kämpften wir in unverkürzter Dauer Bis rosiges Frühroth stand am Himmels Rand; Doch als, die in sich barg des Todes Schauer, Mit ihrem Grau'n die dunkle Nacht entschwand. Ward uns ein Anblick voller Leid und Trauer; Da beim ersehnten Lichte wir erkannt. Das, unser ganzes Volk fast aufgcriebcn Und wenig von den Unfern übrig blieben. 21. " Kaum Hundert von Zweitausend. — Als umflossen So viele Leichen ganz von Blut er schaut. Ich weist nicht, ob der Wehmuth bang erschlossen Sich nun sein Herz, ob es dem Starken graut. — Achter Gesang. 205 Er zeigt cs nicht. Auf! laßt uns den Genessen Des Kampfes folge» — ruft er hell und laut — Die fern vom Styx und des Avcrnus Fluren, Zum Himmel flohn auf blutgcn stolzen Spuren. ss. Er rufr's und stürzt dem Feinde sich entgegen. Der Tod war, wie ich glaube, seine Wahl. Sv sucht er freudig der Barbaren Degen, Und trägt mit Heldcnmuth die letzte Qual; Ha, keine Wehr mehr schützt vor dessen Schlägen, Wär' sie von Diamant auch, nicht von Stahl, Der Blut umher verstreut auf jenem Grunde, Und dessen Leib nur eine einz'ge Wunde. 23 Nur Hcldenmuth, nicht Leben, giebt den Streichen Des wilden Leichnams ihre hohe Kraft. Getroffen, trifft er wieder, will nicht weichen, Je mehr verletzt, je wen'ger er erschlafft, Da kommt auf ihn ein Recke sonder Gleichen Voll Wuth heran, von Ansehn grausenhaft, llnd stürzt, nachdem er lang gekämpft und bilter, Mit Andrer Hülfe hin den edlen Ritter. 24 . Er fällt — o schwerer Fall! — denn nicht zu rächen Von unsrer Einem ist der tapfre Man», Dich cdeles Gebein, für mich zu sprechen. Dich Blut des theucrn Herrn, ruf' ich nun an, Daß ich's gewagt des Feindes Kraft zu brechen Und nicht mein Leben schont', auf Rettung sann, Denn wollte Gott mir nur den Tod verleihen, Durch ureine Thaten könnt' ich mich ihm weihen. 206 Achter Gesang. 2S. Von den Genossen blieb nur ich am Leben, Verwundet fiel ich, Niemand dachte mein; Drum kann ich auch vom Feind nicht Kunde geben, Betäubung hüllte mir die Sinne ein. Als mir's gelang, das Auge zu erheben, Umtanzte mich ein trüber, dunst'ger Schein; Nacht schien mir alles; vor den matten Blicken Sab ich ein Flämmlein hin und wieder zücken. 2 ,!. Es lag so gänzlich meine Kraft darnieder. Daß ich nichts mehr erkannte um mich her; Wie Einer, dem die matten Augcnlieder Sv zwischen Schlaf und Wachen noch zu schwer. Die grausen Wunden aber schmerzten wieder, Und diese Qual ergriff mich um so mehr. Weil unter freiem Himmel auf der Erde, In kalter Nacht sich mehrte die Beschwerde. 27 . Ich sah, wie jene Flämmlein näher wallte», Dann schlug ei» schwaches Flüstern an mein Ohr. Nun kam's heran, und schien bei mir zu halten. Da — und ich hob das Auge kaum empor — Sah ich in langen Mänteln zwei Gestalten, Und hörte dumpf dies Wort, das sich verlor: Dein Herrn vertraue, Sohn, er hilft dem Fromme», Bevor er flehend noch zu ihm gekommen.. 28 . Sv sprach der Ein' und mit dem heil'gcn Zeichen Hob er zum Segen huldvoll seine Hand. Er murmelte den Spruch, den segensreichen, Den ich kaum horte, wcn'ger noch verstand. Achter Gesang. Steh' auf! so sprach er dann, und von den Streichen Des Feindes war's, als wenn ich nichts empfand. Ich stand — o süßes Wunder! — Meine Glieder Erlangten plötzlich ihre Schnellkraft wieder. 2g. Bestürzt schaut' ich umher, noch zweifelnd wanken Fühlt' ich mein bang Gemülh; ich glaubt' es nicht. Der Eine sagt: was sinnst du in Gedanken? Kleinmüth'ger, dem des Glaubens Kraft gebricht; Nicht sind's Gespenster, die hier vor dir schwanken, Ilnd Christi Diener ist's, der mit dir spricht. Wir zogen uns in Einsamkeit zurürke Und floh» die Welt mit ihrem falschen Glücke. Als Werkzeug deines Heils mich zu erküren. Gefiel dem hohen Gott, der droben thront; Durch schwache Hände Wunder zu vollführen. Das ist's, womit er oft den Glauben lohnt. Der Leichnam, will er, soll sich nicht verlieren. Den solche große Seele einst bewohnt, Die schimmernd und verklärt Hinüberschweben Zu ihm nun soll, und ewig mit ihm leben. si. Dem kühnen Sveno soll ein Grabmal steigen. So, wie's gebührt solch' hohem Heldcnmuth, Der fernsten Nachwelt sollen preisend zeigen Noch Kindcskinder, wo der Tapfre ruht. Erhebe nun den Blick zum Sterncnreigcn, Schau jenen dort in sonnenheller Gluth: Er wird mit seiner Strahlen Glanz dich leiten Hin, wo der Körper liegt des Benedeiten. 208 Achter Gesang. S2. Nun sch' ich, wie vom lichten Stcrnenkranze Durch's nächt'gc Blau ein Lichtstrahl abwärts steigt, llnd sich gleich einer goldbeglänzten Lanze Auf Svcno's Heldcnlcichnam niedcrneigt. Ihn schmückend mit so prächtigem Strahlcnglanze, Daß jede Wunde schimmernd hell sich zeigt, Und da erkenn' ich ihn im blutig rothcn Schauerverbreitcnden Gewühl der Todtcn. ss. Er lag nicht auf dem Antlitz. Aug' und Wangen, — Wie Eines, der mit seinem Gott ver>bhnt, — Sie schienen an dem Sternenzelt zu hangen. Wohin er sich so oft und heiß gesehnt. Die Faust hielt krampfhaft wie im Kampfverlangcn Das Schwert gezückt, der Arm war straff gedehnt; Es lag voll Demuth aus der Brust die Linke, Als strebte sie nach der Vergebung Winke. 34 . lind da von schwerem Gram mein Herz gedrückt war. Benetzt' ich ihn mit meinen Thräncn heiß. Da nimmt das Schwert, das hier so kühn gezückt war, In seine Faust der ehrwürdige Greis lind spricht: Der Stahl, der schon so oft geschmückt war Mit blut'gem Purpur in der Feinde Kreis, Ist, wie du weißt, an Güte ohne Gleichen, llnd keinen giebt cS, der ihn möcht' erreichen. ss. Daher gefiel es Gott in jener Stunde, Als seinen Herrn umsing des Todes Schooß, Daß er nicht müßig ruh' auf diesem Grunde, Und daß ein Held ihn führe, kühn und groß. Achter Gesang. Der ihn gebraucht mit gleicher Kraft und Kunde, Allein auf längrc Zeit zu bessrem Laos. Und der da nimmt in muthig kühnem Wagen Ticfbittre Nach' an dem, der Sven erschlage». S6. Sven ward vom wilden Svlymann erschlagen Durch Svcno's Eisen falle Solymann. Umgürt' es Dir, nach Zions Mauern tragen Sollst Du's bis in des Christcnlagers Bann. Und fürchte nicht. Dich in das Land zu wagen, Da Niemand mehr Dich ferner halten kann. Geebnet wird Dein Pfad von jene» Händen, Von jenen hohen, die dorthin Dich senden. Mit Hellem Athem sollst Du es verkünden. Und lauter Stimme, die er Dir bewahrt, Wie deinen Herr» Du sahst den Kampf entzünden, Wie fromm, wie muthig, mit welch' kühner Art Das herrlich Beispiel alle an ihm finden. Die um das Kreuz von Purpur sich geschaarl. Von jetzt bis in die spät'ftcn letzten Zeiten. Entflamme dies die Edelsten zum Streiten. Nun red' ich noch von einer einz'gen Sache, Den Erben nenn' ich Dir von Sveno's Schwert. Es ist Rinaldo, den ich dazu mache. Dem Jeder weicht an Tapferkeit und Werth. Ihm gieb's und sage, daß zur vollsten Rache Ihm Erd' und Himmel diesen Stahl verehrt.— Noch merksam lauschte ich auf diese Worte, Da zeigt' ein neues Wunder sich am Orte. Tesso, befr. Jerus. 14 210 Achter Gesang. sg. Denn dort, wo eben Svcno noch gelegen. Entdeckt' tch plötzlich ein erhaben Grab, Das, steigend, ihn begonnen zu umhegen. Nicht sagen kann ich, wie es sich begab. Vom Namen und vom Muth des todten Degen Legt eine kurze Inschrift Zeugniß ab. Es hielt mich fest, doch kaum den Augen traut' ich. Die Inschrift bald und bald den Stein beschaut' ich. 40 . Hier bei der treuen Kriegerschrar begraben, So sprach der Greis, liegt deines Herrn Gebein, Es mag sich nun an ew'ger Glorie laben Sein seel'ger Geist und sich des Himmels freu'n. Du aber mußt nun endlich Ruhe haben, Durch Thränen gnügtest du den Pflichten dein, Drum sei mein Gast, daß dich der Schlummer decke. Bis ich beim Frühstrahl Dich zur Reise wecke. 41 . Er schwieg; und führte über Hohn, durch Tristen, Durch welche ich mit Noth mich durchgezwängt, Mich weiter fort, wo in den Felsenschlüsten Die tiefe und geräum'ge Höhle hängt. Bei Wolf und Bären wohnt in jenen Klüften Er mit dem Schüler, nie von Furcht bedrängt. Denn besser kann unschuldiges Bewußtsein Als Schild und Panzer einer nackten Brust sein. 42 . Bald hat neu Leben in die matten Glieder Des Waldes Speis' undhartes Bett gebracht, Doch als im Ost sein purpurn Goldgefieder Der Morgen zeigt in wunderbarer Pracht, Achter Wcsanss. 211 Erheben zum Gebete sich die Brüder, Und ich, ich folge ihnen, schnell erwacht. Drauf nahm ich Abschied von dem heil'gen Greise, Und lenkte, wie er rieth, hierher die Reise. Der Deutsche schweigt, der Feldherr spricht: Vernommen O Ritter, haben wir die Traucrmähr, Die Herzen Aller sind davon beklommen. Das ganze Lager fühlt sie tief und schwer. Der Boden deckte schnell, wie es gekommen, In kurzer Zeit solch' tapfres, treues Heer, Und ach! dein Führer schwand vor dem Geschicke Wie Blitzgeleucht, in einem Augenblicke. Doch, trägt nicht solch' ein Tod des Glückes Stempel Weit mehr, als der Gewinn von Land und Gold? Kiebt wohl das Kapitol uns ein Exempel, Daß größrcr Lorbeer Einem je gezollt? Sie tragen in des Himmels lichtem Tempel Urcw'gen Kranz als ihres Sieges Sold, Und zeigen dort mit freudigem Ergötzen Manch Wundenmaal, am Anblick sich zu letzen. 4S. Du nun, der zu Beschwerden und Gefahren Zurückgeblieben bist im Dienst der Welt, Laß ihren Sieg mit heiterem Gebühren Dein Auge heben, das gesenkt sich hält. Nicht suche Bertholds Sohn tn unfern Schaaren, Denn irrend schweift umher der junge Held; Ich rathe Dir, bis man was Sichers horte. Nicht nachzugehn der ungewissen Fährte. 14 212 Achter Gesang. 40 . Da za Ninald in jeglichem Gcmüthe Bei dem Gespräch die Liebe nen erwacht. Sagt Mancher wohl: in seiner Jugcndblüthe Umgiebt ihn jetzt des Heldcnvolkes Macht. Und jeder fast, weil Alles für ihn glühte. Erzählt dem Dänen, was er einst vollbracht. So daß sich seiner Thaten Glanz enthüllte. Und Svcno's Brnst mit tiefem Staunen füllte. 47 . Als von Ninaldo's Lob »och weich und bange Manch Herz sich fühlt, in diesem Augenblick Kehrte ein Kriegerhauf vom Beutegange, Wie Kriegesbrauch ihn heischt, zum Heer zurück. Sie brachten Schaf und Rinder mit vom Fange, In großer Menge, manches gute Stück, Und auch Getraide, um des Hungers Brüllen Der ihre Rosse nagt, damit zu stillen. 48 . Auch bringen sie ei» sicher Unglückszcichen, So muß es mindstens scheinen — mit daher. Mit Blut besudelt und zerfetzt^von Streichen Den Waffenrock Ninalds und seine Wehr. Ein Jeder hört den Unfall sonder Gleichen Und bald entsteht manch' ungewisse Mäbr; Voll Schmerz bespricht das Volk, was hier geschehen. Und läuft, des Kriegers Rüstung anzusehen. 49 . Wohl sieht es und wohl kennt es seine Lanze, Des Panzers Last, den blanken Schild genug. Den Helm, auf dem die Brut zum Sonnenglanze Schon schauen lehrt der Aar, im kühnen Flug. Achter Gesang. 813 Es sicht die Wehr, die, wenn zum Kriegestanze Er munter eilte, stets der Jüngling trug; Zerschellt und blutig liegt sic auf dem Grunde: Von Zorn und Mitleid giebt ein Jeder Kunde. so. Indes; im Lager nun Gerücht' entstanden Und Zweifel um den Todten auferwacht. Da ruft der fromme Gottfried Nlipranden, Des Fähnleins Führer, das die Beute bracht' Und sagt dem Mann, des; Geist er wohl verstanden. Zu sprechen frank und wahr, wie er gedacht: Sprich, sagt er, wie bekamst du diese Wehre, Verhehle nichts, so schlimm' als gute Mähre. si. Und Jener sagt: So weit von hier entlegen. Wie in zwei Tagen rüst'gc Boten gehn. Trifft man ein Thal, abseits von allen Wegen, An Gaza's Grenzen, zwischen wald'gen Höhn. Von oben strömt ein frischer Qucllenregen Und läßt im Grase sich als Bächlein sehn. Und herrlich kann dort in Gestrüpp und Hecken Im Schatten sich ein Hinterhalt verstecken. Wir dachten, daß hier Heerdcn hergckommen. Weil sich viel Futter und viel Gras dort fand, Da wird ein Leichnam von uns wahrgenomnlen In seinem Blut an jenes Bächlein Rand: Die blut'ge Wehr und Rüstung macht beklommen Ein jedes Herz, sie ward sogleich erkannt. Ich nahte mich, sein 'Antlitz zu beschauen. Allein vom Rumpfe war das Haupt gehauen. 214 Achter Gesang. sg. Die Rechte fehlte auch; mit Blut und Wunden An Brust und Rücken war der Rumpf besteckt. Daneben ward der leere Helm gefunden. Auf dem der Aar den meisten Fittich reckt. Ich suchte etwas Weitrcs zu erkunden. Auch war sehr bald ein Bauersmann entdeckt. Der aber rasch die flüchtigen Schritte wandte. Sobald er uns bemerkte und erkannte. 54 . Wir fingen ihn sogleich, und auf Befragen Ward uns oo» ihm das Folgende vertraut: Versteckt sich haltend, Hab' er vor zwei Tagen Vom Wald herkommend Kriegcsvolk erschaut. Von dem der Eine in der Hand getragen Am blonden Haar ein Haupt mit Blut bethaut. Das, sah man es so ohne Bart am Kinne, Das eines Jünglings schien in jedem Sinne. ss. Der Träger liest den Kopf am Sattel hangen Nach dem er ihn mit einem Tuch verhüllt. Die Reiter aber, welche dies begangen, Hab' als die Unser» er erkannt am Schild. — Ich liest den Rumpf entkleiden voller Bangen Und weinte bitterlich, von Gram erfüllt. Die Rüstung nahm ich mit; die Krieger gaben Sich Mühe, ihm ein ehrsam Grab zu graben. ss. Ist nun der Rumpf des Edlen, wie ich dachte. Dann sei ihm auch ein würdiger Grab bcschcert. Sv Aliprand. Weil er nicht weitre Kunde brachte. Wird baldige Entlassung ihm gewährt. Achter Gesang. 215 Tief seufzt Bouillon, dem All' das Kummer machte, Doch glaubt' er noch nicht ganz, was ihn beschwert. Das Schicksal soll ihm trcure Zeichen senden. Vom Blutenden und dem mit blutigen Händen. S7. Indessen kam die Nacht mit dunkeln Schwingen Und deckte der Gestirne weites Feld, Um holden Schlaf und süße Ruh' zu bringen Der Seele, welche Sorge wach erhält. Du Argillan nur quälst mit großen Dingen, Du sinnst so tief und schwer, daß deine Augen Die Brust, in die der Schmerz den Pfeil geschnellt, Sich schließend milden Schlaf nicht wollen saugen. ss. Aufbrausend, stark von Fäusten und vermögen. Ein Geist voll Ungestüm und heißer Gluth, Ward Argillan am Tronto-Strand erzogen Im Bürgerkriege, unter Haß und Wuth. Hernach verbannt, hat er das Land durchslogen, lind kämpfend Berg und Thal getränkt mit Blut, Bis er zum Krieg nach Asien hergekommcn. Und dort für bess'rer Thaten Ruhm entglommen. ss. Giebt seinem Schlummer man den süßen Namen So schlief er zwar beim späten Morgenrot!,, Allein Alecto warf den Schreckens-Samen Der Starrheit auf ihn, tief und schwer, wie Tod. Er fühlt die inn'rc ManncSkraft erlahmen. Weil selbst der Schlaf ihm keine Ruhe bot. Da ihm die Furie naht mit grausem Walten, Und ihn erschreckt mit gräulichen Gestalten. 216 Achter Gesang. 60 . Sie zeigt ihm einen Rumpf, dem abgeschlagen Vvm rechten Arm die Hand wie auch das Haupt, Die Linke muß den bleichen Schädel tragen. In dessen blulbeschmutztcm Haar sie klaubt. Nach athmend scheint das Todtenbaupt zu sagen, Indem cs Blut vergießt und röchelnd schnaubt: Flieh', Argillan! Wird Dirs nicht klar? O siehe! Das Lager flieh', den grausen Fcldherrn fliehe! 61 . Wer sichert euch vor Gottfrieds List und Grollen Ihr theuern Freunde, da er mich erschlug? Des Bösen Seele sinnt, von Neid geschwollen. Euch zu ermorden, meuchlings und voll Trug. Doch wohnt in deiner Brust noch edles Wollen, Lebt in Dir Männertugend sonder Lug, Dann fliehe nicht! dann nicht! zur Sühnung wasche Mit des Tyrannen Herzblut meine Asche! 62 . Ich bin mit Dir, und leb' in Herz und Händen — Des Eisens Schatten und des Zornes Magd. — Sprach's, und der Hauch schien seinen Kleist zu wenden Zu jäher Wuth, die nichts mehr weiß und fragt. So springt er auf; es glüht gleich wilden Bränden Von Zorn und Gift sein Aug', das kreisend jagt. Bewaffnet, wie er ist, ruft er im Laufen Um sich herbei Italiens Kriegerhaufen. Er führt sic hin, wo aufgehangen waren Ninaldo's Heldenwaffen, und er spricht Mit lauter frecher Stimme zu den Schaaren, Indem aus jedem Wort sein Ingrimm bricht: Achter Gesang. 217 Soll denn ein Volk, Tyrannen und Barbaren, Das Treue nicht, Vernunft nicht kennt, noch Pflicht, Das Nimmersatt von Gold und Blut, uns placken. Den Zaum im Mund, das Joch auf unser»! Nacken? Was Leid und Druck und Kränkung uns genommen. Ja, was seit sieben Jahren auf uns kam, Drob sind gewiß nach tausend Jahr entglommen, Rom und Italien noch vor Zorn und Schaam. Ich will nicht sagen, wie an Geist vollkommen Und Waffenkunst Tancred Cilicien nahm, DaS nun dem Franken dient, dem Hochverräther, Weil List den Lorbeer raubt dem edlen Thäter; ns. Nicht, daß, wenn kühnen Geist und rasche Hände Die Zeit erheischt, und Thaten unverweilt. Die Unfern stets zuerst so Schwert als Brände Hochschwingend tausend Toden zugeeilt; Und nicht, daß immer, wenn des Sieges Spende Die Beute man zur Friedenszeit vcrtheilt. Niemals zu uns, nein, stets zu jenen Andern Gold, Länder, Ruhm, Triumph und Ehren wandern. Vielleicht schient hart einst, daß sie uns so traten. Daß sie in uns jedwedes Recht verletzt. Allein die greulvoll schändlichste der Thaten Macht leicht und mild das frühre Unrecht jetzt. Was göttlich, menschlich Recht will, ist verrathen, Rinald ist hin, Rinald ist todt gehetzt! Zuckt nicht der Blitz und schleudert nicht den Schlechten Die Erd' hinab zu ihren ew'gen Nächten? 218 Achter Gesang. 67 . Ninald ist ladt! der dach zum Schwert und Schilde Dem Glauben diente, liegt dort hingestreckt Noch ungerächt und nackt auf dem Gefilde, Verstümmelt und von keinem Grab bedeckt! Ihr seid erschreckt, ihr fragt: wer war der Wilde, Der ihn getödtet? Ach, wem blieb's versteckt! Wer weiß cs nicht, mit welchen neidischen Tücken Gottfried und Balduin auf die Welschen blicken? 68 . Was red' ich noch? beim Himmel, bei dem reinen Beschwör' ich es, der wahr mich sprechen heißt. Da Frühroth aufstieg, sah ich ihn erscheinen. Den Nnglückseeligen als irren Geist. Ein grausig Schauspiel, ein Gesicht zum Weinen, Das Gottfrieds künft'ge Bosheit uns beweist. Ich sah ihn o, es war kein Traum, dies Grauen. Wohin ich blicke, immer muß ich's schauen. 69 . Was thun wir jetzt? Soll, die vom Meuchelmorde Noch blutig und beschmutzt ist, jene Hand Uns ferner leiten? — Gehn wir zu dem Borde Des Euphrat hin, dem üppig reichen Land, Bewohnt von einer weibisch weichen Horde, Wo Stadt und Dörfer blühn am fruchtbar» Strand Sie blühn auch uns. Ja, dorthin laßt uns ziehen. Der fränkischen Gesellschaft zu entfliehen. 70 . So laßt uns gehn, und wenn ihr's gut so findet, Bleibt ungerächt auch jenes edle Blut; Obgleich, war' euer Tugendmuth entzündet. Der ganz erschlafft scheint und im Schlummer ruht, Achter Gesang. 219 Die Schlange, die Italiens Blüth' umwindet. Und Latiums Zier verdarb mit gift'ger Gluth, Die Schuld euch müßte mit des Tvdcs Qualen Zum Beispiel andern Ungeheuern zahlen. 71 . Und ich, und ich, vermöchtet ihr zu wollen Das, was ihr könnt, bliebt ihr im Muthe fest. Durchbohrte heut das Herz des Siindcnvollen,' Das unheilreiche, des Bcrrathcs Nest! Sv spricht er wild; von Zorn und Wuth und Grollen Wlrd bei der Rede jedes Herz gepreßt; Wahnsinnig tobend und wie umgeschaffen Rust er und Alle mit ihm: Waffen! Waffen! 72 . Es schwingt Alecto die bewehrte Rechte, Und schüttet Gift und Kluthcn auf den Chor, Der Wahn, der Durst nach blutigem Gefechte Wächst, alle Fesseln sprengend, hoch empor. Es schleicht die Pest zu jeglichem Geschlechtc, Kriecht aus den Zelten Latiums hervor Eilt den Helvetiern zu mit raschen Schritten, Facht dort die Gluth und sucht alsdann die Britten. 78 . Nicht nur das allgemeine Unglück machte. Daß drohend brechen des Gehorsams Schranken, Da längst verjährter Zwist sich neu entfachte. Und Nahrung giebt erbitternden Gedanken. Schon längst entschlafener wilder Grimm erwachte. Tyrannisch schilt und ruchlos man die Franken, Der Groll bricht aus mit wildem stolzem Drohen, Und offen glüht des Hasses blut'gcs Lohen. 220 Achter Gesang. 7t. Sv schlägt, zu stark erhitzt, das Wasser Blasen Es siedet im Gefäß und raucht und zischt. Und hvchauswallend steigt der beiße Wrasen ' Zum Rand empor und überläuft der Gischt. Nicht zügeln mehr des Volkes tolles Rasen Die wenigen Guten, die sich drein gemischt',— Camill und Wilhelm, Tancred und noch Mehre, Die sonst was galten, sind jetzt fern vom Heere. 75 . Die Völker, welche durch einander irrten. Sie stürzen schon auf ihre Waffen ein. Und die Drommeten und der Aufruhr schwirrten Des rauhen Krieges wilde Lieder drein. Manch hast'ger Bote sucht des Heeres Hirten, Daß er sich waffne, während Alle schrei'», In voller Rüstung, um ihm beizustchen. Sieht Balduin zuerst man zu ihm gehen. 76 . Bouillon erhebt den Blick, als er solch dreistes Beschuld'gen hört er, der sich Gott geweiht: O hoher Herr, so betet er, du weißt es. Wie meine Hand vor Bürgerblut sich scheut, Zerreiße du den Schleier ihres Geistes, Und dämpfe diese Wuth, die uns bedräut. Laß meine Unschuld rein sich offenbaren Daß man, wie dort, auch hier sie mög' erfahren. 77 . Er schweigt und fühlt, daß Gluth aus Himmclshvhen Nun stärkend ihm durch alle Adern wallt, Es naht der Hoffnung kräftigendes Wehen Und leiht dem Ansehn höheren Gehalt. So mit den Seinen, die ihn eng umstehen, Sucht er und trifft den Rächer des Rinald, Und was er auch aus seinem Gang mag Horen — Tumult und Drohn — es scheint ihn nicht zu stören. 7S. Den blanken Harnisch, und ein Kriegskleid trägt er, Sv kvstbar, wie cS selten ihn umflicht. Entblößt sind Haupt und Hand, im Auge hegt er Der Himmelsmajestät glanzfrisches Licht, Das goldne Sccptcr in der Hand bewegt er, Ais Waffe, die allein den Aufruhr bricht. So zeigt er sich und spricht; der Worte Wehen Scheint übermenschlich von ihm auszugehen. Welch' thöricht Droh'n? Was muß ich sehn und hören, Was soll der Kampf, der hier ringsum entbrennt? Auf solche Weise hält man mich in Ehren, Mich, den man durch so lange Prüfung kennt? Kann der Verdacht, der Trug euch so bethören. Daß Gottfrieds Schuld man offenkundig nennt? Denkt ihr, ich werde reuig vor euch stehen, Bon Gründen sprechen und um Gnade flehen? Nie will ich so die eigne Ehre kränken, Den Namen, der mit Ruhm die Welt erfüllt, Nein, meiner Thaten ruhmvoll Angedenken, Dies Scepter und die Wahrheit sei mein Schild! Heut will ich euch die harte Strafe schenken. Das Recht, zur Gnade werd' cs sanft und mild, Da ältre Thaten manch Verdienst euch leiben, So will ich um Rinaldo euch verzeihen. 222 Achter Gesang. 81 . Nur Argillan, der Stifter der Verschwörung, Er sühne Aller Schuld mit seinem Blut, Dem schändlichsten Verdacht gab er Erhörung, Und reizte frech der Andern argen Muth! — So dämpft der fromme Gottfried die Empörung; Wie Wetterstrahlen zuckt des Auges Gluth, Daß Argillan vernichtet und voll Zagen Vermag des Blickes Zürnen nicht zu tragen. ss. llnd dies Empörervolk, das übermüthig Mit Schmähungen und wildem Trotz gedroht, Das Schwert und Speer und Feuer grimm und wüthig Ergriffen, und heraufbeschwor die Nvth, Es senkt den Blick voll Furcht und ehrerbietig. Hört, tief verstummt, ergehn das Machtgebot, Und läßt sogar den wehrhast sic umringen. Den Argillan, hinweg zum Kerker bringen. So läßt der Leu die stolze Mähne wallen, Und kündet im Gebrüll der Wildheit Drang, Doch hört er seines Meisters Stimme schallen, . Der einst die Herrschaft über ihn errang. So läßt er sich das harte Joch gefallen. Aus Furcht vor Drohungen und härtrem Zwang, Was helfen ihm die Klauen und die Mähne, Stumpft kraftlos Mißtraun ihm die scharfen Zähne! Von einem Flügelritter geh'n die Sagen Mit drohenden Mienen und von Anblick wild, Der habe, ihn beschützend, vorgetragen Dem frommen Feldherrn Gottfried einen Schild, Und mitgcführt ein blitzend Schwert zum Schlagen, Von welchem Blut geträufelt; — Wohl ein Bild Des Bluts von jenen Landen oder Städten Die vor des Herrn erwachtem Zorn verwehten. 85 . Der Lärm verstumm:, die Waffen sinken nieder. Bei Manchem sinkt auch wohl der alte Groll, Und Gottfried geht nach seinem Zelte wieder. Erwägend, was ersetzt beginnen soll; Denn stürmen sollen alle Waffenbrüder Eh' noch die dritte, vierte Sonne voll. Und sinnend sicht er zu das Holz behauen. Um große Sturmmaschinen zu erbauen. Neunter Gesang. Kaum sieht das große Höllcnungeheuer Daß still die Herzen, die der Zorn geschwellt. Und leer sein Trotz, da wandeilos kein neuer Schicksalsbcschluß den Lauf regiert der Welt: So weicht's. Es bleicht vor ihm der Sonne Feuer Und schnell verdorrt, wohin cs zieht, das Feld. Bon Wuth beseelt und andern bösen Dingen, Zu neuen Thatcn regt es seine Schwingen. 2, Die Furie weiß, daß weit vom Christenheere Durch ihrer höllischen Genossen List Bertoldens Söhnlein irrte und noch mehre Der Tapfersten; auch Tancred ferne ist. Sie spricht: Was warten wir? zur Rache kehre Sich Soliinan hierher in kürzslcr Frist! Denn sicher müssen wir den Sieg erhalten, Wo uneinS man und in Partei'» gespalten. s. So sprechend eilt sie zu der Heiden Fahnen, Von denen Soliman der Führer war. Der unter allen, die von Gottes Bahnen Sich abgcwandt, der wildeste Barbar, llnd dies auch bliebe, selbst wenn die Titanen Die alte Erd' in neuer Wuth gebar. Einst war das Türkcnreich ihn, unterthänig Und in Nicäa thronte er als König. Neunter Gesang. 225 Er herrschte weit, — bis Hellas und vom Strande Des Sangar zum Mäander; daß der Phrnger, Der Myscr, Lydier, der Bithyner Lande Wie Pontus Volk ihm huldigten als Sieger. Doch als mit Türk und Heiden Krieg entbrannte Und Asien überzogen fromme Krieger, Ward er alsbald von Thron und Reich vertrieben, Nachdem sein Heer zwei Schlachten aufgeriebcn. s. Er sucht umsonst, wie sein Geschick er wendet; Gewalt jagt aus der Hcimath ihn, vom Thron, Worauf Aegyptens Herr ihm Gnaden spendet Am prächtigen Hofe, dem er zugeflohn. Beglückt, daß solch ein Krieger ihm gesendet Zur Unterstützung bei des Kampfes Drohn, Da er beschlossen, mit Gewalt und Listen Zu schützen Palästina vor de» Christen. (!. Doch, eh' er öffentlich den Krieg erklärte, Den er mit ihnen dachte zu bestclm. Läßt Svliman, den er mit Gold beschwerte. Er nach Arabien auf die Werbung gehn. Indes; er Mauretaniens Volk bcwebrte Und Asiens, wird auch Soliman gesehn Mit Haufen Arabern, bereit zum Streiten, Ein'käuflich Räubcrvolk zu allen Zeiten. 7 . Er zieht auf Beute aus mit diesen; Heere, Läßt in Judäa Raub und Plündrung üben. So daß dem Frankenvolk zum Mittelmeere Der Zugang nirgends offen mehr geblieben. Tasso, befr. Zerns. 15 226 Ueunicr Gesang. Noch wohnt in seiner Brust des Grolles Schwere, Daß man vom gleiche ihn und Thron getrieben; Es reizt sein Herz, dem Gräsern nachzusinnen, Doch weiß er noch nicht, was er will beginnen. Ihm naht Alecto, welche sich erkoren Die äusire Form, die einem Greise gleicht, Die Lippe bärtig und das Kinn geschoren, Das falt'ge Antlitz bluilcer und erbleicht; Ein Linnen legt um Stirne sich und Ohren, Indes das Kleid ihr bis zum Knöchel reicht; Vom Nucken schwankt der Köcher, an de» Lenden Trägt sic das Schwert, den Bogen in den Händen. s. Wir, sagt sie ihm, durchstreifen öde Wüsten, Der unfruchtbarsten Gauen dürren Sand, Wo nichts befriedigt unser Raubgclüstc», Und nie der Sieg verlockt die kühne Hand. Indes; mag Gottfried sich zum Sturme rüsten. Er hat die Stad! durch Thür,ne schon berannt; Und säumst du länger noch — du wirst cs sehe» — So kann in Flammen Zion untcrgehen. 10. Soll denn geraubtes Vieh, verbrannte Hütten Für Svliman Triumph, Trophäe sein? So rächst du, was an Schmach du einst erlitten. Und glaubst, dies werde dir dein Reich verleih',;? Sei kühn, sei kühn! in seines Lagers Mitten Zur Nachtzeit dring' auf den Barbaren ein! Trau de»; Arasp, des reifer Rath zur Seite Dem König sonst und dem Verbannten heute. Neunter Gesang. 227 11. Er scheut uns nicht, kaum mag er uns beachten, Arabiens Volk, so nackt und so verzagt, Er denkt, daß, wer gewohnt nach Raub zu trachten Und stets zu flieh», auch Solches nimmer wagt. Doch wenn den Muth an Deinem sie entfachten. Wird Nachts der wehrlos ruh'ude Feind gejagt! Sie spricht eS, und, als ihre Wuth, die blinde. Sein Herz durchhaucht, verschwindet sie im Winde. 12. Der Krieger ruft, die Hand zum Himmel hebend: Der Du mit solcher Wuth mein Herz durchglühst. Nicht bist du Mensch, ob menschlich vor mir schwebend: Ich folge Dir, wohin du mich auch ziehst, Und will, daß D», im Kampfe mich umwebend, Non Todten und Gcfallnen Berge sichst! Blutstrvme zapf' ich, sei du mein Begleiter, Und durch die blinde Luft der Waffen Leiter. in. Er sammelt nun das Heer und weiß in Alien Den Muth zu wecken; selbst im feigsten Schuft. Die Schaare» folgen, wie eS ihn: gefallen, Denn Glutb durchströmt die Krieger, die er ruft; Aleeto selbst laßt die Trompete» schallen. Und schwingt daS Banner flatternd in der Luft. Fort zichn so rasch und so behend die Haufen, Daß des Gerüchtes Flug voraus sic laufen. ii. Aleeto folgt zuerst; allein zur Stunde, Wo zweifelhaft noch zwischen Tag und Nacht Das Licht vertheilt ist auf dem Erdcurunde, Eilt sie, ein Bote an Gesicht und Tracht, IS 228 Neunter Gesang. Durch traurig Volk zur Stadt, und bringt dort Kunde Dem Kön'gc Zions von der nah'ndc» Macht, Auch wann das Heer die Christen will erreichen. Vom Nachtangriff, dem Plane und den Zeichen. — IS. Schon breitet rings die Nacht den grausen Schleier, Besprengt und leicht getüncht von rvthcm Duft, Als statt des Abend-Reifs ans Feld und Weiher Ein lauer Blut-Thau träufelt aus der Lust. Am Himmel drohen grause Ungeheuer, Es schwirren Schreckens-Larve» aus der Gruft; Der Abgrund leert sich; Pluto lässt den Hohlen Die ganze Nacht des Orkus sich cntstchlcn. io. Durch solches Krau'n hat seinen Weg genommen Zum Lagerort des wilden Sultans Zug. Doch als die Nacht den Pfad zur Hälft' erklommen, Von wo sic nicdcreilt mit raschcrm Flug, Sind bis auf eine Meile sic gekommen Vom sichern Franken und ihm nah genug. Hier speist das Volk, und dann mit solchen Worten Aufregt zum grausen Sturm er die Cohorten; 17 . Seht dort das Lager, voll von tausend Dingen, Weit mehr berühmt, als durch die Stärke grog. Das, gleich den Wellen, die das Land verschlingen. Die Schätze Asiens schlang in seinen Schoosi. Des Schicksals Kunst scheints heut euch darzubringen Kefährdelos fast und fast mühelos. Es soll das Gold, der Purpur, Ross' und Waffen Euch Beute, doch nicht Jenen Schutz verschaffen. Munter Gesang. 229 , ^ Auch ist's nicht jenes Heer, das einst besiegte Die Perser und Nicäa's tapfre Schaar, Weit deren größter Thcil ins Grab sich schmiegte Van langem Ungemach und vieler Fahr. Dach wär's auch ganz, gleichviel, den» wer sich wiegte In süßem Schlaf, ist wchrlaS, nimmt man'S wahr; Bald stirbt, wen tiefen Schlummers Macht umfangen, Und Mancher ist vam Schlaf zum Tad gegangen. n>. Auf, auf. hinan! ich, ich will eine Gasse Ban Körpern Sterbender für euch erbau»! Lernt neu« Grausamkeit vam alten Hasse, Und laßt wie meines eure Schwerter hau'n. Heut endige der Christen Reich und Nasse! Frei will ich Asien, mich berühmt erschau»! — Zum nahe» Kampf entflammt er sa die Streiter, Und führt sie dann in tiefem Schweigen weiter. 20. Da sieht er Plöhlich Wachen auf den Wegen Im ungewissen, schattenreichen Licht; Drum überrascht auch unverschnS sei» Degen, Wie er gehafft, den weisen Feldherrn nicht. Die stürzen weiter rückwärts und errege» Mit ihrem Schreien, daS den Schlummer bricht. Die Varhut, deren Männer sich bereiten, Sa gut eS geht, zur Abwehr und zum Streiten. Nu» tönen rauh der Araber Metalle, Da dach ihr Nahe» schan den Christen kund. Zum Himmel Lringt's mit fürchterlichen! Schalle, Die Rasse wiehern, ja, cs dröhnt der Grund, 230 Ueuntcr Gesang. Durch Berg' »nd Thälcr brüllt's im Wiedcrhallc Und durch der Felsen schauerlichsten Schlund. Die Fackel Pblcgctons, Nlecto schwingt sie. Zum Zeichen Jenen auf dein Berge winkt sic. Der Sultan stürzt daraus gleich wilden Winde» Auf jene Wachen, die nach nicht gefasst, Das, sell'st der Sturm, aus Hahlen BcrgeSschlündcu Herniederbrcchcnd, nicht sa wüthcnd ras't. Ein Wagensturz, drin» Bäum' und Häuser schwinden, Der Blik, der nicdcrreisit der Thüriue Last, Der Erdbewohner Grau», des Badens Beben, Mag kaum ein Bild van seinem Wüthcn gebe». 2S. Es trifft sein Schwert bei jedem Niedersprüben, Und wa cs trifft, da zapft cs Blut genug. Und wo cs Blut zapft, must die Seel' entfliehe». Ich sagte mehr, dach Wahrheit scheint hier Trug. Ob cr's nicht fühlt, ab Täuschung sein Bemühen, , Er achtet keines Schwertes, das ihn schlug, Wenn gleich sein Helm erschüttert von den Schläge» Wie Glocken tönt und blitzt im Funkenrcge». 2-1. Var ihm allein und seinen kübne» Streichen Entflicht das erste Fähnlein pan dem Heer, Nun kommen, einer Sündfluth zu vergleichen. Die Araber in tausend Strömen her. Die Franken müssen vollen Laufs entweichen. Es giebt kaum Sieger und Besiegte mehr, Sie sind vermischt, und in die Wälle rollen Zerstörung, Schrecken und des Kampfes Grollen. Neunter Vcsnng. 231 Ein Lindwurm ist des Sultanshclmes Zeichen, Der lang hervorstreckt seines Halses Reif, Er hebt sich, schlägt die Flügel, peitscht die Weichen Mit dem zum Ring gekrümmten Gabelschweif, Voll gelben Schaumes aus dem Rachen reichen Drei zischend flinke Zungen jenem Greif; Jetzt, in des Kampfs Bewegung speit zusammen. Das glühnde Ungeheuer Rauch und Flammen. 2«, In solchem Licht zeigt Knappen sich und Rittern Der wilde Sultan, so das; Jedem graust, Gleich Schiffern, die in schrecklichen Gewittern Mit tauscndsachem Blitz das Meer umbraust. Die eine Schaar der Christen flieht mit Zittern, Die andre legt an's Schwert die kühne Faust, Die Nacht verbirgt und mischt der Kämpfer Schaaren, Und durchs Verbergen wachsen die Gefahren. 27 . Von denen, die sich kühn gezeigt im Streite, Kämpft liier Latin, erzeugt am Tiberstrand, Nicht Alter wehrt's ihm, das; er mächtig dräute. Nicht Kampf und Noth schwächt seine kräft'ge Hand. Fünf Sohne stehn, fast gleich, ihm stets zur Seite, Wenn er der Fcldschlacht wo sich zugewandt. Beschwert hat sie der Vater schon mit Eisen, Eh' ihre jungen Glieder reif sich weisen. 28 . Und durch des Vaters Beispiel nachgezogcn. Schärft jeder rasch sein Schwert und seinen Muth. Er ruft: Auf, wo die wild'ftcn Kämpfe wogen, Und Flücht'ge schlägt des Heiden arge Wulh. L82 Neunter Gesang. Mit rascher Kühnheit, wie ihr stets gepflogen, Geht wacker ihm entgegen, trotzt dem Blut, Denn Ruhm, o Söhne, ist und bleibt geringe. Fehlt ihm die Schreckcnszier vergangner Dinge. 29 . So führt die Löwin ihre jungen Leuen Eh' noch vom Halse hängt die busch'ge Mähne, Eh' Jahre noch den Krallen Kraft verleihen. Eh' noch der Rachen dräut voll starker Zähne, Zum Raubkampf, den Gefahren sie zu weihen. Und reizt durch ihren Grimm die Wuth der Söhne Auf jene Jäger, die im HeimathSwaldc Die schwächer» Thicre scheuchen von der Halde. so. Auf Soliman nun Alle loszubrechcn, Folgt blind dem guten Vater diese Schaar, Und wie jetzt Aller Lanzen nach ihm stechen. Ein Plan, ein Geist in allen Sechsen war. Da drängt, den Speer fortwerfend an den Freche» Der Aclt'ste sich, kühn trotzend der Gefahr, Und lenkt vergebens in des Kampfes Nöthen Auf's Roß das Schwert, cs unter ihm zu tödlen. sr. Doch wie bespült von schäum'gcn Mecreöwogen Dem Himmel trotzt der feste Felsenhang, Und nicht erzittert, kommt der Sturm gezogen lind folgt dem Blitz des Donners lauter Klang: Sv steht, ob Schwerter auch und Lanzen flogen, Des Sultans kühne Stirn dem Feindesdrang, Und spaltet haarscharf zwischen beiden Brauen Den Schädel dem, der nach dem Pferd gehauen. Neunccr Wcfang. ss. Den Sturz des Bruders helfend zu vermeiden, gleicht ihm Armant den Arm, der junge Heid. O thoricht Mitleid, weil's das eigne Leide», Den eignen Tod des Andern Tod gesellt! Des Heiden Schwert muß seinen Arm durchschneiden. Und mit ihm stürzt anch Jener, de» er hält, Sv sinken auf einander diese Beiden, Und mische» Blut und Acchzen im Berscheiden. ss. Durchhaut, womit Tabin von fern ihn neckte. Darauf der Heide dessen festen Speer, Wirft ihn herab, und den zur Erd' er streckte. Zerstampft der Huf des Nasses mehr und mehr. Vom Leibe, den die Hand des Todes reckte. Trennt sich die Seele langsam nur und schwer. Und scheidet nur mit Leid und Widerstreben Vom süßen Hauch des Tags, vom jungen Leben. 54. Nur Lorenz ist und Pico noch geblieben. Die ihrem Vater einst ein Tag gebar; Zu liebe» Jrrthums Anlaß oft getrieben Hat schon die Nchnlichkeit vom Zwillingspaar: Doch Feindes Wuth will Unterscheidung üben. Wo nichts von der Natur bezeichnet war. O harte Theilung! dem die Brust zerhacken. Und dem das Haupt zu trenne» von dem Nacken! 55. Der Vater — ach, nicht Vater mehr! des; Erben Mit eins umfing des Todes schwarzer Schooß — An den fünf Todtcn siebt er, daß zu sterben Das eigne Loos ist, wie des Stammes Loos. 234 Hcunier Gesang. Ich weiß nicht, wie im tastenden Verderben Sein Alter »och so stark sich zeigt' und groß. Daß er noch kämpft und atbmet! doch — im Lichte Sah er wohl nicht der Tvdtcn Angesichte. so. Ja, es verbarg der Nacht mitleid'gcr Schleier Den, Blick zum Theil des bitter» Kampfes Drang, Doch, wie dem sei, cs ist kein Sieg ilnn theuer, Der ikn nicht fübrt zum eigne» Untergang. (fr lechzt nach Blut von jenem Ungeheuer, Und gicbt drum seines bin im Uebcrschwang; Er weiß es nicht, was ihm jetzt mehr vonnöthcn. Was mehr sein Wunsch: ob Sterben oder Tödtcn. S7. Er ruft dem Feind: Kann ich dir nichts gewähren. Ist denn so schwach mein Arm, so ohne Krast, Daß deines Grimmes Stolz aus mich zu kehren Mein Trachten und mein Stürmen nimmer schafft? Er schweigt und führt den Hieb; des Gegners Wehren, Die Ring' und Schienen trennt er meisterhaft. Dem Sultan in die Seite dringt das Eisen Und einen Blutstrom zapst die Krast des Greise». 38 . Nach diesem Ruf und Streiche stürzt der Heide Voll Wuth und mit gezückten, Schwert auf ihn. Den Panzer spaltet er mit scharfer Schneide, Zerhaut den Schild, den sieben Haut' umziehn. Und stößt den Stahl ihm i» daS Eingeweide. Mit Aechzcn und mit Stöhnen stirbt Latin, Im Wechselschwalle strömt bald aus der Wunde Das heiße Blut ihm und bald aus den, Munde. kleunter Gesang. No. 6lleichwie ein starker Stamm, der oft den Winden Aus Nord und Ost getrotzt aus Alpenhobn, Vom Sturm eutwurzctt, nieder zu den Gründen Noch andre Bäume reist, dricht los der Föhiw So fällt er vor dem Schwerte jetzt, dem blinden. Und, waS er fast, eS muß mit untcrgeh'n. Wohl täst sich solchen Tod ein Held gefalle», Das, wenn er fällt, auch Andre mit ihm fallen. ro. Wenn Soliman, ein wüthend ttngebeuer. Die Feinde mordend, stillt des Herzens Gluth, Löscht seinen Grimm und seines Zornes Feuer DaS Volk der Araber im Chriftcnblut. Durch deine Kraft fällt Olifern der Baier, Heinrich, der Dritte, wütbigcr Dragut! Gitbert und Philipp, von deS Rheins Getänden, Erliegen Ariadnens mächt'gcn Händen. -!I. Albazar schlägt den Erncft mit der Keule, Den Engerlan Algazci nut dem Schwert. — Doch wer erzählte nur zum kleinsten Tbeite. Wie vieles Volk und wen der Tod verheert? Bouillon, vom Lärm erwacht, verfügt in Eile, WaS ihn die Noth des Augenblickes lehrt. Schon ist er ganz gcwaffnet, und zum Streiten Kann er, von einer Schaar umrungcn, schreiten. r2. Da er daS wilde Schreien bört und Toben, DeS Kampfrufs immer drohenderen Schall, Denkt er, das ihn die Araber erhoben. Auf eines StreifzugS jähem Ueberfall. Neunter Gesang. Denn vorläugst hatte er schon viele Proben, Daß sic das Land durchstreiften überall; Doch glaubt' er nicht, wie er das Naubvolk kannte, Daß man das Lager plangemäß berannte. Schon bricht er auf, da Hort von andrer Seite Den Ruf zum Kampfe er, der dort entbrannt; Der Himmel widcrhallt in fernste Weite, Da heulend die Barbaren hergerannt. Clorindc ist's, sie führt dorthin zuin Streite Des Königs Volk, und mit ihr kommt Argant. Zum edel» Guelf, an seiner Seite sicht er. Kehrt sich der Christen Führer und so spricht er: Hörst du der Saraccnen Kriegsgehcule Vom Hügel und der Stadt herüberwehn'k Hier heischt es Muth und Kunst, d'rum geh' und eile Dem ersten Angriff jenes Feinds zu stehn. So hilf denn dort, es soll zu deinem Theilc Die Hälfte meiner Treuen mit dir gehn; Mit meinem Theil halt' ich am andern Flügel De» wilden Feind, der uns bedroht, im Zügel. 45 . Dies wird beschlossen; aus verschiednen Wegen Geleitet sic des gleichen Glückes Hand. Guelf geht zum Hügel, Gottfried eilt entgegen Den Heide», denen nichts mehr widerstand. In, Gehn verstärkt er sich, wie durch den Regen Ein Strom, mit allen Kriegern, die er fand. So daß sein Haufe Achtung schon gebietet. Als er dort anlangt, wo der Türke wüthet. Neunter Gesang. 4 «. Sv füllt, von seinen Hcimathshohn sich schwingend Demüthiglich, der Pv sei» Bette nicht. Dvch wächst er, vvn der Quelle abwärts dringend. An Kraft und Fülle, bis er Bahn sich bricht. Und über hvchgcthürmte Dämme springend, Hebt er, ein Stier, als Sieger sein Gesicht, Stößt mit den Hörnern, zvllt nichts vvn Tributen, Und bringt dafür den Krieg den Mccresfluthcn. 47 . Bvuillvn sprengt hin, wv, vvn der Furcht erschüttert. Sein Vvlk entflicht, er ruft, er droht und spricht: Wozu die Furcht? wer ist's, vvr deni ihr zittert? Betrachtet dvch zuerst, wer mit euch ficht. Gesindel ist's, das euren Schrecken wittert. Nie Wunden nimmt und austhcilt im Gesicht; Und, wenn ihr's wagt, entgegen ihm zu gehen. So kann'S selbst euer»! Blick nicht widerstehen. — 48 . Er ruft cs, spornt sein Roß, und führt die Schaaren Dorthin, wo er den glüh'nden Feind entdeckt. Durch Blut und Staub, durch Nvth und durch Gefahr, Durch Tvdesdrohn und was sonst Furcht erweckt. Durchbricht die Ncih'n, wv sic am dichtsten waren. Mit Hieb und Stoß, der sie vom Pfade schreckt. Und rechts und links fällt uni den mächt'gen Streiter So Wehr als Krieger, Rosse so wie Reiter. 49 . In Sprung um Sprung setzt über Lcichcnhügel -- Das Roß hinweg durch Nacht und tiefen Graus, Der Sultan ahnt sein Nahn, und fest im Bügel Sich ballend, weicht dem Stürmer er nicht aus; 238 Ucunter Gesang. Dann stürzt cr vorwärts mit verhängtem Zügel Und mit geschwungnem Schwert zum harten Strauß. Welch' Paar von Kämpfern, die aus fernsten Landen Sich durch das Schicksal hier zusammen fanden! Im enge» Kreis um Asiens Herrschaft ringen Die Hcldeniugcnd hier und dort die Wuth; Wer sagte wohl, wie schwer, wie rasch die Klingen? Wie unerhört und wild des ZweikampsS Gluth? Ich will nichts sagen von den furchtbar« Dingen, Die hier geschebn, weil Finstcrniß drauf ruht: Sie wären'S werth, daß auf den hellsten Auen Im lichtsten Glanz die Sterbliche» sie schauen. si. Durch solchen Führer wieder neu erhoben, Dringt Christi Volk heran mit starkem Muth, Der mörderische Sultan wird umwobe» Nom Kern der Krieger wie von dichter Fluth, lind gleich verströmen, welche Christum loben. Wie die, so ihn verleugnen, nun ihr Blut. Und die, wie die erliegen, überwinde», Versenden Tod, und müsse» Tod hier finden. 52 . Wenn Nord- und Südwind, in den Kampf gezogen Von da und dort, an Wuth und Kraft sich gleicht. Daß Crd und Himmel und daß Lust und Woge», Daß Wolk um Wolke, Fluth um Fluth nicht weicht — So ist es hier, wo stets in gleichem Bogen Der beiden Völker Wuth zum Himmel steigt. Und auf einander rasselnd im Gefilde Klingt Schwert am Schwert, am Helm Helm, Schild am Schilde Neunter Gesang 239 Gleich wüth'ger Kan>pf tobt auf der andern Seite, Wo dicht gedrängt die Schaar der Krieger hält; Es füllt des Luftraums ungcmeff'iic Weite Dunstwolken gleich die Schaar der Unterwelt, Sie giebt den Heiden Muth und Kraft zum Streite, Daß keiner je zu räume» denkt das Feld. Argant, deß Brust schon eigne Gluthcn schwellen. Wird nun entflammt noch von der Gluth der Hollen. S4. Er schlägt wie Soliman die Wachen nieder, llnd überspringt mit einem Satz den Wall. Die Gräben füllt er durch zerstückte Glieder, Und ebnet so den Weg zum Ucberfall; Auch folgen ihm die schnellen Waffenbrüder, Die ersten Zelte tränkt des Blutes Schwall; Ihm nahe sieht man, doch mit Unbehagen, Daß sic am zweiten Platz, Clorinden rage». ss. Die Franke» sliehn bereits. Mit seinen Schaaren, Naht ihnen nun sich Guelf zur rechten Zeit. Er widersteht dem Sturme der Barbaren llnd führt die Flüchtigen wieder in den Streit. So wird gekämpft, daß gleich die Strome waren Des Blutes, welche stoffen weit und breit. Die Augen wirft von seinem Thron im Himmel Der Fürst der Welt auf dieses Schtachtgcwimmcl. Dort saß er, wo er gut, gerecht und weise Des Alls Gesetz, der Welten Ordnung spricht. Weit ob der nieder» Erde engem Kreise, Fern von der Menschen Sinn und Angesicht, 240 Neunter Gesang. Auf hochcrhabncm Thron im ew'gcn Gleise, Verklärt von reinem, dreifach einen Licht. Zu seinen Füßen demuthsvoll erschienen Geschick, Natur, Bewegung, die ihm dienen, Und Maaß und Raum, und die nach eignem Wollen, Was gleich dein Rauch ist, Ruin», Gold, Macht verschenkt, Und Alles wieder in den Staub läßt rollen, Die, göttlich, nie der Mcnschcnnoth gedenkt. So strahlt er dort im Glanz, der ihm cntguollcn. Vor dem der Blick des Würdigsten sich senkt. Unzähl'gc Geister stehn umher im Kreise, Gleich seclig, doch auf ganz verschicdnc Weise. ns. Und durch die Himinelsburg quillt manche Welle Erhab'nen Tvn'S in heil'gcn Melodien. — Er rust den Michael, des Waffen heile In reinem Demantglanze blendend glühn. Und spricht zu ihm: Siehst du die Schaar der Holle Dort gegen meine treue Heerde zieh». Die Rotte des Avcrn aus ihren Schürften, Daß sie das ganze Erdenrund vergiften? Geh', sage ihnen: daß den KriegcShccren Fortan des Krieges Sorge bleib' allein; Sic sollen nicht das Reich des Lebens stören. Nicht schwärze mehr ihr Häüch den Himmel ein! EUeich sollen sie zur Nacht der Hölle kehren, Zum würd'gen Sihe der gerechten Pein; Zur Strafe ihnen und den Qualgenosscn! Mein Will' ist dies; so Hab' ich es beschlossen. Ucunler Gesang. 841 so. Er schweigt. — Und voller Ehrfurcht Leugt sich nieder Der Flügelkrieger Fürst vor Gottes Thron, Dann dehnt er aus sein goldenes Gefieder Und fliegt wie ein Gedanke schnell davon. Durch Licht und Feuer tauchen seine Glieder Bis zu der Seel'gen schöner Region; Dann trifft er auf der weiten HimmelKeise Der Doppclsternc klarkrystallne Kreise. St. Saturn und Jupiter zur Linken kreisen. Verschieden an Gestalt, an Bahn und Glanz, Und andre, die auf ihren Sphärenrcisen Der Engel Hand hält im gewohnten Tanz. Dann tritt er aus des ew'gen Lichtes Gleisen, De» Stcrnenfcldern, zum Gcwitterkranz, Wo sich die Welt verzehret und ernähret. Im Kampf sich tödtct und sich neu gebäret. os. Sich! wie vor seines Fittich's Flug das dichte, Tiefschwarzc Graun der Finsternis; zerfließt! Die Nacht vergoldet sich im Himmelslichte, Das aus des Göttcrboten Antlitz grüßt, Wie wenn nach Regen auf die Wvlkenschichte Die Sonne ihre prächtigen Farben gießt. Wie Sterne, wenn den Reiher sic zcrtheilcn. Um in der großen Mutter Schovß zu eilen. ss. Doch angelangt, wo unter seinen Füßen Der Höllenschwarm entflammt der Heiden Wuth, Da hört er auf, die Lüste zu durchschießen, Er schwingt den Speer und spricht zur argen Brut: Lass» befr. Zerns. 16 242 Ueunrcr Gesang. Soll euch sich erst des Weltherrn Macht erschließen, v Des Donners Graun, -er Blitze wilde Glut? Denkt ihr denn noch mit Hochmuth zu bezahlen Das tiefste, Elend und die höchsten Qualen? Beschlossen ist's im Himmel, vor dein Zeichen Des Kreuzes soll sich offnen Zions Thor, . Ihr kämpft mit dem Geschick mit matte» Streiche», lind ruft — wozu? — des Himmels Zorn hervor! Verfluchte! Geht, ihr sollt zur Tiefe weichen. Zur Todesqual, zu der euch Gott erkor; In den verdienten Höhlen voll von Wehen, Dort führet Krieg, errichtet Sicgestrvphäcn. « 5 . Dort wüthct an Verdammten sonder Weile! Dort übt an ihnen eure ganze Kraft; Bei Zähneklappern, cw'gcm Webgcheulc Und Kettenllirren in des Jammers Hast! — Er spricht's; und die nicht flieh» in höchster Eile, Trifft hart und schwer der Lanze schwerer Schaft, lind aus den Hellen stcrnbcgiänzte» Lüften, Entfiiehn sie seufzend nach des Abgrunds Grüften. oo. Und, der Verdammten Qualen zu vermehren, Geht nach des Abgrunds Tiefen nun ihr Flug. Nie heim nach wärmern, mildern Zonen kehren. Sah noch das Meer solch großen Vogelzug; Nie — kommt der Hcrbstsrost, Flur und Wald zu leeren, So viel verdorrtes Laub der Boden trug, Ihr schwarzes Kleid legt die von ihnen freie Beglückte Welt nun ab und lacht aufs Neue. Ilcuntcr Gesang. 243 « 7 . Allein aus Deiner grimmen Brust Nrgante Weicht nicht die Kühnheit und die tolle Wuth, Obgleich Alectv's Fackel nicht mebr brannte. Nicht mehr Dich peitscht der Höllcngcißel Gluth. Wo fränkisch Volk er dicht gedrängt erkannte. Da kreis't sein grausam Schwert in wildem Muth. Das hohe Haupt den, nieder» gleich zu machen. Mäht nieder er die Mächtigen wie Schwachen. 08 . Mit halbzcrfetzten Gliedern deckt geschäftig Das weite Kampfgefild Clorindcns Schwert, Berlingiers Brust durchbohrt sie kühn und heftig. Und trifft das Herz, das alles Leben nährt. So voll ist ibres Schwertes Stoff so kräftig, Daß cs ihm blutig aus dem glücken fährt. Und dann wird Gallus im Gesicht gespalten, Albin, wo Nahrung wir zuerst erhalten. og. Und Gcrnier's Rechte, die sie erst verwundet, Fliegt auf den Boden, wo sic zappelnd bebt; Fest hält die Hand das leisen und bekundet. Daß Kampflust noch die Halblebcnd'gc hebt. Sv macht's der Schweif der Schlange, der sich rundet Und wieder zum getrennten Haupte strebt. Die Krieg'rin läßt, den sie verletzte, stehen, Ilm auf Achill zum Kampfe loszugche». 70 . Sie weiß das Schwert im Nacken aufzusetzcn, Haut so durch Nerv' und Kehle wie Genick, Das blut'ge Haupt muß nun die Erde netzen. Staub schwärzt das Angesicht im Augenblick, iv* 244 Neunter Gesang. Nicht fällt der Rumpf — o Anblick voll Entsetzen! Er bleibt im Sattel leblos noch zurück. Doch frei vom Zügel wird's in tausend Sprüngen Ihn abzuwerfen wohl dem Roß gelingen. Wie diese hier, an Kühnheit zu beneiden. Zur Geißel wird dem Volk vom Abendland, So wüthct minder nicht im Volk der Heiden Gildippe's starke, kricgsgcwohntc Hand; An Muth und an Geschlecht sind gleich die Beiden Und Beide auch im Fcchten^vielgcwandt, Doch dürfen sic, weil sie noch aufgehoben Dem größer» Feinde, heut sich nicht erproben. 72 . So drängen sie im Schlachtgewühl, im heißen, Den dichten Schwarm, der nirgends Oeffnung bot. Jetzt aber braucht der edle Gneis sein Eilen, Mit welchem er Clorinden nah bedroht. Er hebt den Stahl, er läßt ihn schwirrend kreisen Und ihre schöne Seite färbt sich roth. Sie denkt ihm räuberen Bescheid zu bringen. Und läßt ihr Schwert ihm in die Rippen dringen. Guclf sucht noch einmal, daß er sie verwunde. Da aber stürmt der Heid' Osmin herbei, Und der empfängt von seinem Schwert die Wunde; Er haut die Stirn, den Schädel ihm entzwei. Doch nun umdrängt den Führer in der Runde Sein Volk, das ihm zu Kampfe folgte frei; Auch von der andern Seite wächst die Menge, Und immer mächtiger wird das Gedränge. Neunter Gesang. 245 AIS so verbreitet war des Kampfs Bedrängnis;, Und schon Aurorens purpurn Angesicht Vom Söller winkte, stürzt aus dem Gcfängniß Wild Argillan, der seine Ketten bricht. In Eil' nach Waffen, wie sie das Verhängnis; — Schlecht — gut — ihn; reichte, greift der kühne Wicht: So will er tilgen seine neuen Schulden, Durch neuen Ruhm gewinnen neue Huldcn. Gleich einem Nos;, das königlichen Ställen, Wo man's zum Kriegsdienst auferzog, entflieht. Und zu der Heerde springt, zum Bach, dem Hellen, Und zu der Wiesen blumigen; Gebiet; Die Mähne spielt uni Kopf und Hals in Wellen, Hoch hebt's den Nacken und Las Auge glüht, Voll Feuer saust's dahin, die Hufe schallen. Und rings hört man sein Wiehern widerhallcn: 76 . So naht sich Argillan mit wildem Toben. Sein Auge glüht, die hohe Stirne dräut. Schnell ist sein Lauf, sein Fuß so rasch gehoben. Daß er dem Staube kaum die Spur verleiht. Der Feind, den er durchläuft, wird angeschnoben Von ihm, der Alles wagt und nichts mehr scheut: Arabischer Abschaum, ohne Ehr' und Kühnheit, Was läßt euch denn so trutziglich erglühn heut? 77 . Euch fehlt die Kraft, den Helm und Schild zu tragen, Nie drückt den Leib der Rüstung schwere Wucht; Ihr seid gewohnt, euch mit dem Wind zu schlagen Und findet euer Heil in schnöder Flucht; 246 Neunter Gesang. Nur nächtig ist eu'r Werk und euer Wagen, Im Schatten nur pflückt ihr erschlich'ne Frucht, Doch flicht die Nacht, waö wird euch Hülfe schaffen? Jetzt gilt's Entschlossenheit und Kunst der Waffen! — So ruft er laut mit wildbewegter Seele, Stürmt dann auf Algazel so mordrisch ei». Daß er das Wort ihm durchhaut und die Kehle, Bereit, ihm eine Antwort zuzuschrcin; Nacht deckt sein Auge wie in dunkler Hohle, Graunvoller Frost durchrieselt sein Gebein, Er siel, und sterbend mit den Zähnen faßte Er voller Wuth die Erde, die verhaßte. ra. Dann tödtet er im Kampf die Heidenritter Muleaß und Agricalt und Saladin. Draus überwältigt er, ein grauser Schnitter, Den Aldiazil; trennt in zwei Hälften ihn Und spaltet nun mit Hohn, der schwer und bitter Den Andern trifft, die Brust dem Ariadin. Der läßt, das Aug' aufschlagcnd, dem Nerweg'nen Mit mattem Blick dies Todeswort begegnen: so. Du wirst, wer du auch seist, ob meinem Ende Und deinem Sieg nicht allzulang Dich freu». Dein harrt dasselbe Schicksal; stärkre Hände Sie werfen neben mich Dein tvdt Gebein. Doch Jener höhnt: Wie mein Geschick sich wende, Das überlaß Lein Himmel nur allein! Du, stirb! der Hund' und Vogel Fraß! — so reißt AuS seiner Brust sein Tritt ihm Schwert und Geist. Neunter Gesang. 247 81 . Da war von Solyman ein Edelknabe Im Lanzenträger- und im Schützcntroß, Um dessen Kinn noch nicht die Erstlingsgabe Der waltenden Natur in Blüthen sproß; Die Wange bot die perlenreichste Habe Im lauen Schweiß, der thauig nicderfloß; Der Staub selbst muß zur Zier der Locken dienen Und kriegerisches Drohn zum Reiz der Mienen. 82 . Ihn trägt ein Roß, des; reinem weißen Glanze Der frisch gefallene Schnee der Alpen weicht. So rasch, so zierlich geht es wie im Tanze, Daß Flamm' und Sturm dagegen träge schleicht. In seiner Rechten wiegt er eine Lanze, Das Schwert an seiner Seit' ist krumm und leicht. Nach Maurenart prangt er in prächt'gem Kleide, Von golddurchwirkker, purpurfarbner Seide. 8S. Indes; des Jünglings Brust im wilden Streite Die Schmeichelei des Ruhms zur Kampflust weckt. Daß bald auf dieser, bald auf jener Seite Unaufgehalten er die Feinde neckt Und g'rad die Lanze hebt, die stoßbereitc. Hat ihn das Auge Argillans entdeckt; Er würgt sein Roß, das ihn im Sturz verwoben, Und fällt ihn an, als er sich kaum erhoben. 84 . Das flehnde Antlitz kann nur schwach vertheid'gen Des Mitleids Wehr, die ihm zur Seite stand. Das Schönste, was Natur gab, zu beleid'gen. Hebt jener Unerbittliche die Hand. 248 Ucumer Gesang. Doch wird i»chr Menschlichkeit im Schwert, im schneid'gen, Als in des Menschen harter Brust erkannt. Es trifft nur flach. Umsonst — nvch einmal schwirrte Die Kling' und traf dort, wo zuerst sie irrte. ss. Der Sultan, der nicht ferne im Gedränge Dem Gottfried sicht und seiner Neiterschaar, Verläßt des Kampfes fürchterliche Enge, Da er den Jüngling sieht in Todsgefahr; Er haut sich eine Gasse durch die Menge, Zu rächen, wo nicht Hülfe möglich war; Denn sein Lesbiu — v Schmerz! er liegt zerschmettert Gleich einer Blume, die der Sturm entblättert. ss. Nvch schmachtet süß des Auges fliehndes Leben Und rückwärts sinkt der Hals so zart und leicht. So lieblich ist dies Blaß und dies Verschwcben, Daß reizend noch des Todes Hauch sich zeigt. Und trotz des Zorns im Auge Thränen beben Und sich das marmorharte Herz erweicht. Du Svlyman, du weinst, deß trockne Blicke Den Untergang gesehn vom eignen Glücke? Kaum aber sieht er seines Feindes Degen, Nvch naß vom Blut des Jünglings und noch warm. So fühlt er seinen Zorn sich mächtig regen. Die Thräne flieht, das Mitleid und der Harm. Gezückten Schwerts stürzt er dem Feind entgegen, Zerhaut den Schild am ausgestreckten Arm, Den Helm, den Kopf, den Schlund — mit Einem Hiebe, Wohl würdig Solhmans und seiner Triebe. Ueuntcr Gesang. öS. Das aber kühlt sein Wüthcn nie und »immer; Er springt vom Pferd, haut auf den Tobten ein. Gleich dem getroffncn Hund, der grimm und grimmcr Die Zähne fletschend, packt des Gegners Stein. O Rache, die sich wirft auf Schutt und Trümmer, Wie wenig tröstest Du des Herzens Pein! Jedoch der Franken Feldherr hat indessen Sich nicht vergebens mit dem Feind gemessen. so. Es standen tausend Türken ihm entgegen In Helm und Schild und sonstiger Eiscnwehr, Die kühn von Muth, erprobt bei Schicksalsschlägen Und unermüdlich waren in Beschwer. Dem Sultan folgten sic auf allen Wegen, Ein Theil des Kerns von seinem alten Heer, Selbst »ach Arabien auf den irren Fahrten, Da sie die Treu' im Unglück auch bewahrten. so. Wie Franken stehen sie in jedem Streite Und schließen ihre Reihen fest und gut. Auf sie sprengt Gottfried an, trifft Nustans Seite Und das Gesicht des strahlenden Cvrcut, Da fliegt der rechte Arm Rvssan's in's Weite, Hier wälzt sich Selim ohne Haupt im Blut. Nicht diese nur, durch andre Schwertesspicle Verwundet er noch Viel' und tödtet Viele. So zeigt er sich den Saracenenschaaren, Sv kämpft und giebt er sich den Feinden bloß. Doch lacht der Stern des Glückes den Barbaren, Noch beugt ihr Hoffen nicht der kleinste Stoß; SSO Ucunter Wcsang. Da läßt sich eine Wolke Staubs gewahren, Sie trägt des Krieges Blitz in ihrem Schvoß, Denn Helles Waffcnlcuchten d'rinn gewittert, So daß der Heiden Heer erbebt und zittert. 02. Sieh! fünfzig Krieger sind's; des Kreuzes Zeichen Führt purpurn ihr Panier auf Sibergrund. Dürft' auch dein Erzklang meine Stimme gleichen llnd hundertfach mir dienen Zung' und Mund, Ich zählte dennoch nicht, wie viele Leichen Dies kleine Häuflein legte auf den Grund. Der Araber, so feig, der Türk, so muthig. Sie decken das Gefild, entseelt und blutig. »». Der Greul, die Grausamkeit, die Furcht, die Trauer, Sie zieh» umher in wechselnder Gestalt; Seht hier des Sieger Todes schwarze Schauer, Ein See von Blut, der durch das Schlachtfeld wallt! Schon führt der Fürst, siegahnend, vor die Mauer Noch ci'ngc seiner Schaaren und macht Halt Auf einem Berg, von dem er überblickte. Wie man im Blachseld auf einander rückte. 9t. Doch als sein Hauptheer sich zum Fliehen wandte, Da läßt er Rückzug blasen von den Hoh'n, Und schickt gleich an Clorinden Abgesandte Und an Argant, vom Kampfe abzustehn; Doch da dies wilde Paar von Blutdurst brannte. So will's blindwüthend nicht von hinnen geh'n. Zuletzt erst weicht cs, und versucht die Seinen In minder slücht'gem Rückzug zu vereinen. Neunter Gesang. 251 ss. Doch wer gebeut dem Pöbel, hält in Zucht Feigheit und Bangen? Der wirft weg den Degen, Der seinen Schild; nichts nützt ja bei der Flucht Die Wehr; am Kampf ist Keinem mehr gelegen. — Es trennt die Stadt ein Thal, deß fels'gc Schlucht Südwestlich hin sich zieht in krummen Bögen, Dort hin geht ihre Flucht und bis zum Thor Wallt, sie begleitend, dunkler Staub empor. so. Sic stürzen fort und mit gewaltigen Schlägen Sic niederwerfend folgt die Christenschaar, Doch auswärts geht cs bald aus rauhen Wegen Und dort bereit zum Schutz steht der Barbar. Guelf sieht, daß Kampf in jenen Felsenstegen Verbunden ist mit sichtlicher Gefahr, D'rum hält er an; des Volkes bringt nicht wenig Aus diesem Unglückskampf zurück der König. S7. Was irdischer Kraft vergönnt und Mcnschensöhnen Thut noch der Sultan; mehr vermag er nicht. Er trieft von Schweiß und Blut, mit schwerem Stöhnen Hebt sich die Seite und der Athen, bricht, Des Schildes Wucht scheint seine Kraft zu höhnen, Träg wird der Arm, der sonst so gerne sicht. Es sinkt sein Stahl; nur schmettern, nicht mehr trennen Kann noch sein Schwert, ein Schwert nicht mehr zu nenne». ss. Dies fühlt er tief. Und nun? was nun beginnen? Nachsinnend und in Zweifeln bleibt er stehn. Soll, um den Ruhm dem Feind abzugcwinnen, Er durch sein eignes Eisen untergehn? 252 Neunter Gesang. Soll er allein sich sichern durch Entrinnen, Da er den Untergang des Heers gesehn? Ja — spricht er dann — ich weiche Dir, Vcrhängniß, Siegszeichen sei Dir meiner Flucht Bedrängnis!. »g. Der Feind mag meinen Stücken sehn und spotte Der neuen Niederlage noch mit Holm. Bald nah' ich srischgewaffnct dieser Rotte, Ihr Reich erschüttc' ich, ihren schwachen Thron. Ich wanke nicht, nein! bei dem cw'gen Gotte, Ich denk' aus kränkender Erinn'rung Lohn! Als nackter Geist, als Asche, die begraben. Will ich nur immer graus're Rache haben! Zehnter Gesang. i. So spricht er noch, da sicht er näher schweifen Ein freies Roß in langsam irrem Lauf, Es glückt ihm auch, den Zügel zu ergreifen. Und matt und traurig schwingt er sich hinauf. Sein Helmbusch, der den furchtbar grausen Greifen Stolz überragt, fehlt auf dem hohen Knauf; Zerrissen ist das Kleid, die Wehr zerhauen. Vom Königsglanze ist nichts mehr zu schauen. Wie oft ein Wolf, den man vom Schafstall schreckte, Entweicht auf stiller, schlauverstecktcr Flucht, Und, ob auch voll sein Eingeweide steckte Vom süßen Fleisch, des Raubes schnöder Frucht, Blutgierig aus dem Maul die Zunge reckte Und sich die Lippen abzulecken sucht; — So weicht jetzt der, des Blutdurst cs nicht stillte. Daß grauser Tod und Mord ihn rings umbrüllte. Sein günstig Schicksal führt trotz allen Pfeilen, Gleich Hagelwetter schlagend an den Schild, Trotz Degen, Lanzen und trotz Eiscnkeulen lind andrem Mordwerkzeug ihn durch's Gesild, Um auf verlassnen Pfaden fvrtzueilen Und Gegenden, die öde sind und wild. Und — überlegend, was nun zu beginnen. Durchwogt ihn wie ein Meer sein stürmisch Sinnen, 254 Zehnter Wcsang. 4 . Du — denkt er endlich — gehst mit ruschen Schritten Zum König von Egypten, der zum Streit Die Heersmacht sammelt und in deren Mitten Sich siegreich dann der alte Kampf erneut. — Beschlossen ist's, Verzug wird nicht gelitten, Auf gradcm Pfade braucht er kein Geleit, Der Weg ist ihm bekannt durch aile Lande Hin nach der alten Gaza fand gem Strande. s. Und sinkt dahin ihm auch die Kraft der Glieder, Und fühlt er, daß der Wunden Schmerz sich mehrt. Legt dennoch er zur Ruh' die Wehr nicht nieder. Und spornt den ganzen Tag zum Lauf das Pferd, Doch als die Welt sich hüllt in Schatten wieder. Und ihre Farbenpracht in Schwarz verkehrt, Da steigt er ab, die Wunden zu verbinden. Und an der Palme süße Frucht zu finden. o. Er labt sich, legt sich nieder aufs Gefilde Und sucht den Gliedern Ruhe zu gewähren. Er stützt das Haupt mit seinem harten Schilde Dem matten Geiste Frieden zu bescheeren. Da fühlt er Qualen, brennende und wilde An seinen tiefen Wunden nagend zehren. Ein innrer Geier frißt an seinem Herzen, llnd füllt die arme Brust mit Grimm und Schmerzen. 7 . Doch als in nächtig stillem Schweigen ruht Das All, besiegt die Mattigkeit die Glieder, Sie senkt die Sorge tief in Lethe's Fluth, Und all' sein Herzenskummer sinkt danieder, Zehnter Gesang. 255 Ein Schlummer, kurz und tief, erfrischt sein Blut Und gicbt dem kranken Blick sein Feuer wieder. Als ihn noch fesselte des Schlummers Band Dies Wort den Weg zu seinem Ohre fand: 8 . Auf, Solyman! was soll dies träge Rasten? Das spare Dir für eine bess're Zeit. Fühlst Du das Joch auf deinem gleich nicht lasten. Seufzt nicht dein Volk in schnöder Dienstbarkeit? Du schläfst auf diesen Schollen, und sie faßten Neoch nicht die Leichen deiner Brüder? Beut Nicht jeder Zoll des Lands der Schmach Gedenken? Hier willst du dich in schnöde Ruh' versenken? Der Sultan wacht; und als er um sich blickte, Gewahrt er einen Mann, deß Haupt ergraut. An krummem Stabe geht der Tiefgebückte, Da nur der Stütze noch der Fuß vertraut. — Wer bist denn du, der mich dem Schlaf entrückte, Beschwerliches Gespenst? — so fragt er laut — Was kümmert dich, du Störer, ineine Sache, Ob Schande ich erjage oder Rache? io. Nun, ich bin Einer, der bekannt zum Theile — So spricht der Greis — mit deinem neuen Plan, Und komme her, weil hier durch dich zum Heile Mehr als du denkst, geschehn wird und gethan. Deucht dir mein Wort auch gleich dem scharfe» Keile, Denk', daß der Zorn des Muthcs schärfster Zahn, Gestatte drum, o Herr, dies meinem Zorne, Daß deinen Muth er jetzo peitsch' und sporne! 256 Zehnter Vesang. 11. Errath' ich recht, so geht im besten Gleise Hin zu Egvptcns Herrn dein nächster Weg, Doch fruchtlos machst du diese schwere Reise, Und davon schaff' ich dir sogleich Beleg. Das Heer Egyptens ist in bester Weise, Auch ohne dich, bereit zur Fahrt und reg. Was hilft dir da der Muth, die Kraft, der Degen? Dort trittst du ja nicht unserm Feind entgegen. is. > Doch folgst du mir nach den bedrängten Zinnen, Die dort der Franke noch umlagert hat. So führ' ich ohne Schwertstreich dich von hinnen Und mitten durch die Feinde in die Stadt. Vergnügen magst du, Äuhm dir dort gewinnen, Denn Noth und Kämpfe hast du wahrlich satt; Egypten naht; cs kann nicht lange dauern: Ncrtheid'ge du indessen jene Mauern! 18. Der wilde Türke staunt, als Blick und Stimme Des Greises er gewahrt, der mit ihm spricht. Sein Herz wird frei vom alte» Stolz und Grimme, Der Zorn durchglüht nicht mehr sein Angesicht. Du weißt, ob Muth — so sagt er — in mir glimme. Dir folg' ich gerne, Vater, zweifle nicht! Am besten scheint mir immer der zu rathen. Der von Gefahren spricht und kühnen Thatcn. Es lobt der Greis dies Wort, und weil die Schmerzen Der Wunden ihm die Nachtlufk größer macht, Gießt einen Saft er ein, deß Kraft dem' Herzen i Bcruh'gung und den Wunden Heil gebracht. Zehnter Gesang. 257 Er sieht nun, das? Apoll mit glühnden Erzen Vergoldet der Aurora ros'ge Pracht, Und spricht: die Zeit ist da; du kannst entdecken Der Sonne Strahlen, die zur Thal uns wecken. IS. Darauf besteigen Beide einen Wagen, Der dort in ihrer nächsten Nähe stand; Der Alte läßt die flinken Rosse jagen lind treibt sie wechselswcis mit leichter Hand. Sv wird Nicäas Fürst dahingetragen. Daß weder Huf noch Rad sich zeigt im Sand. Die beiden Nenner fliegen, und vom Zaume lind vom Gebiß tropft eine Fluth von Schaume. IS. Der Wagen aber mit den dsthcn Nossen — Ich künde Wunder — zeigt sich ganz umringt Von einer Wolke, die ihn eingeschlossen, lind selber unsichtbar, ihn rings umschlingt, Sv dicht und fest, daß selbst ans Wurfgeschossen Geschleudert, ihn kein Pfahl, kein Stein durchdringt. Die Zwei, gleichwie in einer Hohle, schauen Den Nebel drin», und drauf den Himmel blauen. 17 . Der Ritter hebt erstaunt die Augenbrauen, Und faltet seine Stirn, den Nebel blickt Er an, den Wagen auch, der Lurch die Gauen Sv rasch, als wär's im Fluge, ihn entrückt. Der Andre merkt an seinem stieren Schauen Gar bald, was den Genossen so verzückt; Er bricht das Schweige», sucht ihn aufzustörcn. Und endlich läßt der Fürst die Worte hören: affe, befr. Jcnis. 17 258 Zehnter Gesang. 18 . Wer du auch seist', der, magischer Gewalten Beherrscher, die Natur zum Dienste zwingt. Und in des Herzens tiefversteckten Fallen Der Menschenbrust Geheimnisse durchdringt, Gelang es je dir, Kunde zu erhalten Von jenen Dingen, die die Zukunft bringt: Sprich, welche Rast, welch' härtere Bedrängnis; v Beschloß den Wirren Asiens das Verhängnis;? IS. Jedoch erst nenne dich, und dann gicb Kunde, Wie deine Kunst dies Unerhörte schafft! Denn wohnt dies Staunen mir in Herzens Grunde, Wie find' ich wohl dein Wort zu hören Kraft? Mit Lächeln spricht der Greis: mit freiem Munde Geb' ich, wovon du willH, dir Rechenschaft; Ich heiß' Ismen; der Syrer aber nannte Mich Zaubrer, weil verborgne Kunst ich kannte. 2 ». Doch daß ich dir das Künftige enthülle. Entrolle, was das Buch des Schicksals lehrt, — Die Bitte ist zu hoch, zu kühn dein Wille, — So viel ward nie uns Sterblichen gewährt. Laß wirken deiner Kräst' und Sinnen Fülle Den Nebeln zu entgehn, die uns bcschecrt. Denn öfter mag sich's auf der Erde finden. Daß Weis' und Tapfre selbst ihr Glück begründen. 21. Vertheid'ge du mit dieser tapfern Rechten Vor der des Frankcnrciches Kraft erliegt, Die Mauern, welche drohend sie umflechten Und die das wilde Volk so hart bekriegt. Zehnter Gesang. 259 Laß gegen Schweiler sie und Feuer fechten. Vertraue, wage, dulde — Hoffnung siegt. Doch jetzt soll Freude dir mein Wort bereiten; Hör', was ich schaut' im Nebel ferner Zeiten. Ich sehe oder glaube zu erblicken. Daß, eh' viel Lustren der Planet noch kreis't. Ein Mann, deß hohe Thaten Asien schmücken, Zugleich Egyptens höchster Lenker heißt. Nicht wag' ich Kunst und Muße auszudrücken. Des Friedens Preis, weil fern nur dies sich weist; Dir mag das Einzige für jetzt genügen. Daß er der Franken Macht nicht nur besiegen, Nein! ganz zerstreuen wird er, und zerspalten Dies ungerechte Herrscherthum zuletzt. Der traur'ge Rest, kann nur am Meer sich halten. Wo er zu seinem Schutz den Strand besetzt. Aus deinem Blut wird sich der Held entfalten! — Der Zaubrer schweigt; der Fürst crwiedert jetzt: O Glücklicher, zu solchem Ruhm erkoren! — Er rust's halb neidisch, halb in Lust verloren. Dann fügt er bei: Mag denn mein Schicksal kreisen! Mag's gut, mag's schlecht dort ausgezeichnet stehn! Mir soll cs keine Meisterschaft beweisen. Mich soll es immer unbesicglich seh'n; Es mögen, rollend aus den alten Gleisen, So Mond als Stern' am Himmel irre gehn. Ich aber werde nie vom Pfade weichen! — Da flammt sein Blick in Gluthen sonder Gleichen^ 17 » 260 Zehnter Gesang. ss. So sprechend waren sie dahingcflogcn. Wo sich die Zeltstadt ihren Blicken bot. Welch' grässlich Schauspiel, den, sie näher zogen. Wie vielgestaltig hauste dort der Tod! Der Sultan, welchen Grimm und Gram durchwogen, Blickt drauf, als wie in schwerer Herzensnoth. Ha, wie verachtet sicht am Boden liegen Er sein Panier und in Len Staub sich schmiegen! so. Die Franken setzen oster zum Vergnügen Den Sporn in seiner Freunde Angesicht; Die bleiben nackt und „„begraben liegen, Man gönnt selbst Wehr und Kleider ihnen nicht; Indes; die Christen man in langen Zügen Bestattet, wies gebeut die letzte Pflicht. Doch Araber und Türken wirst zusammen Das Volk in eines Scheiterhaufens Flammen. Der Sultan stöhnt und zieht hervor das Eisen, Schwingt sich vom Wagen voll von Kampfesgluth. Der alte Zaubrer will zurück ihn reißen, Er schilt ihn hart und tadelt seine Wuth. Ihn sortzuziehu gelingt dem klugen Greisen, Nun wird den Hügel aufwärts nicht geruht: Sie halten erst, als sie in ihrem glücken Der Franken weites Lagerfeld erblicken. 28 . Da steigen, um den Weg zu Fuß zu enden, Sie von dem Wagen, der in Lust zerfließt. Indem sic dann sich links und thalwärts wenden. Vom Nebel stets verhüllt, der sie umschließt. Zehnter Gesang. Gelangen sie bis zu den Fclscnwänden, Die, Zions Bcrgcsarm, der Westen grüßt. Dort hält der Magier und zögert lange. Als suchte er am steilen Felsenhangc. 2». Es ist ein tiefer Schacht, vor dem sic stehen, Im Felsen ausgchöhlt in frühster Zeit; Doch ist der Weg verstopft durch Dorn und Schlehen, Geröll und Strauchwerk sperrt ihn weit und breit. Der Magier schafft sich Raum, und einzugehen In diesen Engpaß ist er bald bereit; Die eine Hand greift vor, den Weg zu spüren. Die andre muß Nicäas Fürsten führen. sa. Da spricht der Sultan: welch' ein Weg für Diebe Ist dieser da? den soll ich mit dir gehn? Ich kenne bessern, meines Schwertes Hiebe Sie zeigen ihn dir gleich, willst du ihn sehn. — Drauf der: O sprödes Herz, voll heißer Trieb Nicht darf dein Fuß die dunkle Bahn verschmähn. Durch die Herodcs einstmals cingcdrungen. Von dessen Ruhm noch voll sind Aller Zungen. sw Dem Volke aufzulegen seinen Zügel Brach jener König in den Bergcshang lind durch die Reihe fester Fclsenhügel Sich zum Antoniusthnrme einen Gang, Auf dem er zu des alten Tempels Flügel, Sooft er wollte, ungesehen drang. Damit er heimlich mit den Söldnerschaaren Vermochte aus und in die Stadt zu fahren. 262 Zehnter Gesang. S2. Mir ganz allein von Allen, die jetzt leben. Ward Kunde von dem öden dunkeln Pfad, Er führt uns hin, wo jetzt der König eben Die Mächtigen und Weisen zieht zu Rath; Er hat, so scheint es, sich der Furcht ergeben. Da das Geschick so hart bedroht den Staat. Du kommst jetzt recht. Schweig, halte dich zurücke, Doch rede keck im rechten Augenblicke. ss. Er spricht's; der Ritter treibt ihn, daß er eile. Zu führen aus der Hohle ihn hinaus; Der Magier führt ihn vorwärts sonder Weile Durch dumpf'ge Pfade voll von Nacht und Graut-, Erst gehn sie tief gebückt, im inncrn Theile Wird aber mählig weit das Felsenhaus, So daß bequem sic schreiten in den Gründen, Und bald sich in der Grotte Mitte finden. Es öffnet nun Ismen im Felsgetrümmer Ein klein' Gemach, das eine Trepp' enthält. In das von oben her ein trüber Schimmer Unheimlich, düster leuchtend niederfällt. Sie kommen in ei» unterirdisch Zimmer, Von da in eines Saales Prachtgezelt. Von Traurigen umringt sitzt auf dem Throne Der König dort, mit Scepter und mit Krone. Der Türke schaut, bedeckt vom Nebel, ohne Daß man ihn sicht, mit späh'ndem Aug' umher. Und hört den König, der vom prächt'gen Throne Zuerst beginnt: In Wahrheit, trüb' und schwer Zehnter Gesang. War an Verlust und Schmach und bittrem Huhne Der vor'ge Tag dem Reich und unserm Heer. Es liegt das höchste Hüffen nun im Staube, Nur an Egyptens Schaar hängt unser Glaube. Wohl seht ihr bei solch' mächt'gcn Ungewittern Die Hoffnung fern und die Gefahr erneut. Darum entbot ich euch erlauchten Rittern, Daß Jeder mir sein bestes Urtheil leiht. — Er schweigt; und wie im Busch die Lüfte zittern, Macht sich im Saale leises Flüstern breit. Im heitern Blicke des Vertrauens Fülle, Tritt nun Argant hervor, und da wird's stille. 87 . Hochherziger König, — spricht mit Selbstvertrauen Der Ritter, dessen Muth stets kühn und groß — Warum versuchst du uns, und weckest Grauen In uns, da doch das Schwatzen wirkungslos. Ich sage dies: auf uns nur laß uns bauen. Denn nimmer giebt der wahre Muth sich blos. So sei er unser Schirm, und wie cr's lehrte. Steh' unser Leben nicht zu hoch im Werthe! So sprech' ich nicht, als käme fort und fort Mir Zweifel, ob Egypten Hülfe sende, Denn Frevel war' es, wenn des Königs Wort In meinem Herzen keinen Glauben fände. Ich spreche nur, weil ich an manchem Ort Gern träfe kübnern Geist und stärkre Hände, Die jedem Schicksal fest entgcgengchn, Und Muthes voll dem Tod tn's Auge sehn. — 264 Zehnter Gesang. »g. Nur diese Worte spricht Argant, der Kühne, Wie Einer, den durchaus kein Zweifel quält. Darruf ersteht mit höchlichst wichtiger Miene, Orkan, ein Mann, der viele Ahnen zählt; Nicht unberühmt sonst auf der Kriegcsbühne, Doch jetzt an eine junge Frau vermählt. Muß unter Vater-, unter Gattenfreuden Der Trieb des Muths in seinem Herzen leiden. 40 . Er spricht: v Herr, ich tadle nicht die Gluth, Die sich im prächtigen Strom der Worte kündet. Wenn sic erzeugt des Herzens heißer Muth, Der in der Brust des Raums genug nicht findet; Drum Haiti ^ Tschcrkessen es zu gutst Wenn, was er denkt, sich nicht so recht verbindet Mit dem, was sich vor dir und hier gebührt. Weil stets sein Werk der Worte Gluth vollführt. 41 . Du aber, König, welchen Ucberlcgung Und Klugheit lehrte manches Lebensjahr, Du bändige deiner Räthc kühne Regung, Wenn sie dahinrennt jeden Zügels bar, lind wäge ab mit reiflicher Erwägung, Sv ferne Hülst als nahe Kriegsgefahr, Des Feindes Sturm und deiner Waffen Stärke, Die alten Mauern und die neuen Werke. 42 . Zwar läßt der Stadt sich — darf ick/s frei hier sagen Durch Kunst und Lage fest, gar viel vertraun. Doch auch der Feind beginnt schon aufzuschlagcn Maschinen, groß und mächtig anzuschaui». Zehnter Gesang. 265 Was sei» wird, weiß ich nicht; doch muß ich zagen, Denn auf das Kriegsglück ist nicht viel zu bau'». Und schließt der Feind noch enger seine Kreise, So fehlt cs uns am Ende wohl an Speise. 43. Denn was du gestern brachtest in die Zinnen An Korn und Vieh, ein Brocken für das Leid — Indessen ringsumher mit wilden Sinnen Man nur auf Kampf bedacht und sich bedräut — Hilst wenig nur den Vielen, die hier drinnen, Währt die Belagerung noch längre Zeit. Nnd das geschieht, selbst wenn bis zum Termine, Den man uns stellt, Egypten auch erschiene. Doch wenn cs säumt, wie dann? — Auch früher halten Könnt's wohl sein Wort, das räum' ich ein sehr gern. Nur bleibt, bedrängt von mächtgen Feinds Gewalten Dann immer noch uns Sieg und Freiheit fern. Wir haben gegen Gottfried uns zu halten Und gegen jenes Heeres andre Herrn, Die schon so oft zerstreut als tapfre Führer Die Perser, Türken, Araber und Syrer. 4S. Du weißt es ja, ob sie im Kampf zu loben. Wichst ihnen oft, m mächtiger Argant, Hast oft zur schnellen Flucht den Fuß erhoben Und ihnen oft den Rücken zugewandt! Clorinde weiß es; auch ich mußt's erproben. Denn Niemand sei vor'm Andern hier genannt; Auch tadl' ich keinen, denn durch kühne Werke Erprobte oft im Kampf sich unsre Stärke. 266 Zehnter Gesang. 46 . Ich sag' es frei, obwohl in dessen Blicke Der Tod mir droht, den Wahrheit tief verletzt; Ich schaue schon des Schicksals Grimm und Tücke, Wie's feindlich unfern Todfeind auf uns hetzt; Nicht Kriegsvolk hindert, nicht der Mauern Dicke, Daß er auf diesen Thron sich niedersetzt. Ich sprach es aus — der Himmel mag mich hören Dem Fürsten und dem Vaterland zu Ehren. 47 . O kluger Fürst von Tripolis! Er bot Den Franken Frieden um sein Reich zu retten! Der trotz ge Sultan aber ist nun todt. Wenn nicht sein Fuß in rauhen Sclavenketten, Und auf den Flächigen harrt die bittre Noch, Um ihn in's schwerste Ungemach zu betten. Doch opfernd einen Thcil von seinem Gute Blieb ihm der andre Theil ja durch Tribute. 48 . So spricht er, läßt der Rede Sinn verschwimmen In ungewissem Wort und hohlem Schein; Denn offenbar für Zinsbarkeit zu stimmen. Wagt er nicht recht vor Allen ganz allein. Die Rede läßt den Sultan schwer ergrimmen, Der's schwer erträgt, verborgen noch zu sein. Da spricht der Magier: wirst du es ertragen, O Herr, daß Jener darf dergleichen sagen? 49 . Ich — sagte der — nur wider Willen weilte Ich im Verborgenen, voll Scham und Wuth — Kaum sprach er das, als sich die Wolke theilte. Die bis dahin auf jenem Paar geruht Zehnter Gesang. 267 Und nun hinauf zum heitern Himmel eilte; Der Sultan stand in Hellen Tages Gluth, Des Strahlen sich auf seinem Antlitz brechen. Im Saale da, und so hört man ihn sprechen: so. Ich, dem die Rede gilt, bin gegenwärtig, Kein Flüchtling und kein Sclave, nicht verbannt. Zu jedem Kampfe stets bereit, erhärt' ich. Daß jener Feigling log, mit fester Hand. Blutströme Hab' vergossen mit dem Schwert ich. Und Leichenberge thürmt' ich auf den Sand. Sagt man von mir, ich sei dem Kamps entflohen. Der ganz allein getrotzt der Feinde Drohen? Wird er, wird einer, der ihm gleicht, es wagen. Indem das Reich, den Glauben er verläßt. Ein Wort von schmählichem Vertrag zu sagen. Dem kürzt — vergib o Fürst — des Lebens Nest Mein Schwert. Eh' mag sich Wolf und Schaf vertragen. Eh' Schlang' und Taube in demselben Nest, Eh' anders, als im Kampf voll Grimm und Schauer Uns und die Franken einschließt eine Mauer. S2. Er zückt das Schwert, indem er also spricht. Und schwingt es hoch mit drohender Erregung, Bei diesem grimmen Blick, bei dem Gewicht Des Heldenwvrts bleibt Jeder sonder Regung. Mit sanftem Ton dann kehrt sein Angesicht Zum Herren er in höflicher Bewegung, Und sagt: o König hoff'! ich bringe dir Nicht kleine Hülse: Solyman ist hier. 268 Zehnter Gesang. ss. Vom Thron erbebt sich Aladin sogleich Und spricht: Geliebter Freund, sei mir willkommen, Nicht fühle ich des Unglücks herben Streich, — Vor schlimmeren bangte mir — da du gekommen. Befestige du durch deine Kraft mein Reich, Dann wird von uns das deine eingenommen. Will cs der Himmel so. Voll Freud' und Lust Umarmt er ihn und drückt ihn an die Brust. si. Der König will dem hohen Saracenen Nach der Begrüßung seinen Thron verleih». Er seht zur Rechten ihn und lädt JSmenen Zum Sitz an seiner linken Seite ein. Sodann fragt er nach seiner Reise Jenen, Kaum läsit sich der auf die Erzählung ein. Da tritt Clorindc vor mit ihrem Gruße, Es folgen ihr die andern auf dem Fuße; ss. Auch Ormuz, dem der Sultan Hut und Wacht Der Truppen aus Arabien verliehen. Der in dem grimmsten, wild'stcn Glühn der Schlacht Begann auf ungewohnter Bahn zu fliehen. Dann durch des Schweigens Beistand und der Nacht Sich glücklich wußte nach der Stadt zu ziehen, llnd durch geraubte Beut' an Korn und Vleh Den hungervollen Städtern Trost verlieh. so. Allein mit stierem Blick in Wuthgedankcn Schweigt der Tschcrkessc, den der Grimm bewegt. Gleich einem Leun, der festhält seine Pranken, Und sich mit rollenden Augen niederlegt. Zehnter Gesang. 269 So sitzen hier die Ersten in dein Staate Die Ritter und die Könige zum Rathe. Nicht wagt Orkan, denn seine Blicke sanken, Ihn so zu schaun, so stumm und so erregt, — S7. Jndeß verfolgt Len Sieg, und die sich flüchten Bouillon, der bald vom Feind das Land befreit. Dann lebt er heiligen und frommen Pflichten, Indem er der Gefallnen Grabmahl weiht; Die Andern sollen sich — dies heischt er — richten Am zweiten Tag zum Sturm und kühnem Streit, Mit größeren Schrecken wist er dann die Schaaren Bedräun der eingeschlvssenen Barbaren, Und weil er in dem Fähnlein wohl erkannte. Das heut im Heidenkampf dazwischen schoß. Die Krieger, die er seine besten nannte. Und die entflohen als der Zauberin Troß, An die auch Tancred's Loos das Schicksal bannte, Den jüngst Armida fing in ihrem Schloß: — Sv ließ er diese nebst dem Eremiten Und ein'gen Klügcrn in sein Zelt entbieten. SS, Und spricht: ich bitte, laßt mich jetzt erkunden. Wie auf der kurzen Irrfahrt euch geschehn, Und wie ihr euch so schnell bereit gefunden. Mir in der Noch so tapfer beizustehn. — Doch bitter hat die Schuld ihr Herz empfunden, Und jedes Auge muß zu Boden sehn. Am Ende hebt der Brittenprinz die Lider, So bricht sein Wort das tiefe Schweigen wieder: 270 Zehnter Gesang. oo. Wir, denen nicht — die Wahrheit nur bericht' ich Das Loos gewogen, flohn in Heimlichkeit. Ein trügrisch schönes Antlitz macht' uns flüchtig. Und Amor, der zur Täuschung stets bereit. Aus wilden Pfaden, immer eifersüchtig. Folgt' ihr die Schaar, stets unter sich entzweit. Sie weckte Lieb' und Groll in einem Jeden — Ich seh's zu spät — durch Blick' und Schmeichelrcden. si. Wir kamen an den Ort, wo einst ein Negen Bon flammend Feuer siel vom Himmel her, Auf jenes Volk, das der Natur entgegen In Freveln lebt' nach sündigem Begehr. Einst war's ein fruchtbar Land voll Glück und Segen, Jetzt ist es nur ein heisieS Schwefelmeer, Ein todter Sec, auf dem der Lüste Odem Verpestet wird durch gift'gcn Dunst und Brvdem. 02. Was man auch mag in dieses Wasser bringen, Sei's noch so schwer, schlingt nicht die Welle ein; Gleich Tannen-Eschenholz, ja leichtern Dingen Schwimmt hier der Mensch, der Stahl, der harte Stein. Ein Schloß liegt mitten drinn, in das zu dringen Ein Brückchen nur gestattet, schmal und klein. Dort blieben wir mit ihr, cs ging nicht weiter. Und innen glänzte Alles lieblich heiter. 63 . Die Luft ist weich, im frohsten Grün verschwistern Sich Wies' und Baum, der Himmel wolkenlos. In dichten Myrthcnbüschen sprudelt lüstern Der sanfte Quell, der sich als Bach ergoß. Zehnter Gesang. 271 Im Laube tönt ein wonnerciches Flüstern Manch süßer Traum steigt aus der Blumen Schooß Beim Vogelfang, — um gänzlich zu verschweigen. Die Wunder, welche Gold und Marmor zeigen. 64 . Nah beim gcschwätz'gen Bach stand in dem Grase, In eines dichten Schattens kühler Bucht, Auf reichem Tisch manch' schön getriebne Vase Und Speisen, die der feinste Gaumen sucht. Was jede Jahrszeit bot in vollem Maße, Des Meeres leckrer Zoll, der Erde Frucht, Mit Kunst gewürzt; und hundert Mädchen glühten Von Eifer uns die Speisen anzubieten. ss. Ihr Wort, ihr Lächeln, um uns zu berücken, Versüßte unfern Trank, dies Todesmahl, Und lang Vergessen tranken mit Entzücken Wir dort am Tisch aus flammendem Pokal. Dann stand sie auf, und kam, mit wildern Blicken Und finsterer zurück in jenes Thal. Ein Nüthchen schwang die eine Hand im Kreise, Die andre hielt ein Buch, draus las sie leise. 06 . Die Zaubrin las. — Ort, Wille und Bewußtsein Fühlt' ich vertauscht, vertauscht mein Leben auch. — Seltsame Kraft! — mir ward die Fluth zum Lusthain, Ich sprang hinein mit wonnigem Getauch! Mein Leib verschrumpft, — die Arme zog die Brust ein, Ich weiß nicht wie — das Beinpaar schwand im Bauch. Auf meiner Haut wuchs eine schupp'ge, frische, Und so — vom Menschen wurde ich zum Fische. 272 Zehnter Gesang. 07 . Die nämliche Gestalt verlieh sie allen. Wir schwammen, schnalzten all' im Silbcrschaum. Wie mir da war, es ist mir fast entfallen, Und scheint nur noch ein wüster, trüber Traum. Als wieder zu besrci'n uns ihr gefallen. Gab jeder nur dem Schreck und Staunen Raum; Stumm blieben wir, da finstern Blicks — gebrochen Hört's unser Herz — sie drohend so gesprochen: Ihr kennt nun meine Macht, die volle, ganze. Wißt, wie ich sieg' ob euch durch Zauberkraft. Von mir hängt's ab, ob fern vom Himmclsglanze Sein Leben der verseufzt in cw'ger Hast, Ob der ein Vogel wird, und der als Pflanze Saugt aus der Erde Busen Lebenssaft, Zum Kiesel der, zum Bache wird der andre. Und der in haar'gem Fell die Flur durchwandre. so. Noch könnt' ihr meines Zornes Wucht vermeiden, Wenn ihr nach meinem Sinn zu thun versprecht. Folgt unserm Glauben, dient dem Reich der Heide», Indem an Gottfried euer Schwert uns rächt. — Doch wir verwarfen es, bereit zu leiden Das Bitterste, nur Rambald folgt, der Knecht! Da schließt sie uns — Vertheid'gung wird zum Spotte Gefesselt ein in eine dunkle Grotte. 70 . Auch Tancred kam, so wollt' cs das Verhängniß, Zum Schloß, wo er sich bald in Ketten fand. Doch hielt die falsche Zaub'rin im Gefängnis! Uns nicht mehr lang — denn, ist mir's recht bekannt. Zehnter Gesang. - 273 Erlöste uns aus der Qual voll Schmach und Bängniß Ein Bäte, van Damaskus Herrn gesandt. Uns als Geschenk in Banden, sonder Waffen, Mit hundert Kriegern nach dem Nil zu schaffen. 71. Sv zichn wir fvrt. Und, wie stets Alles fügend Der Himmel wacht in seiner Herrlichkeit, Trifft uns Ninald, der, unablässig kriegend. Durch kühn're Thaten stets den Ruhm erneut. Die Wächter fällt er an, und, sie besiegend. Beendet er, wie er's gewohnt, den Streit. Er tvdtet sie, und wußt' uns so zu^schaffen. Die erst die unfern waren, ihre Waffen. 72. Ich sah ihn, diese sahen ihn; er drückte Die Rechte uns; auch hörten wir sein Wort; Und Las Gerücht, das in die Wclr man schickte. Ist eine Lüge, denn er lebte dort. Erst vor drei Tagen zog der Siegbcglückte Nach Antiochien sicher von uns fvrt Mit einem Pilger, und vorher zurücke Ließ er die schlechten, blut'gen Waffenstücke. 7g. So spricht er noch, da hebt der Ercmitc Entzückt zum Himmel Augen und Gesicht, Sein Antlitz wandelt sich, das hocherglübte. Es strahlt und leuchtet in ehrwürd gen, Licht. Voll seines Gottes, schwebt er im Gemüthe Hinauf, wo ihn der Engel Chor umflicht; Der Zukunft Schleier fällt; in ewgen Weiten Erblickt er da die Jahrcsreihn und Zeiten. 7«. Und als er nun die mächt'ge Stimm' entsendet. Und ernst verkündet, was er jetzt geschaut. Da alles Volk gespannt sich zu ihm wendet. Und horcht auf seiner Stimme Donnerlaut. Rinaldo, spricht er, lebt, ihr seid geblendet Durch list'gen Trug, von Weiberhand gebraut. Er lebt, und es bewahrt sein juisges Leben Der Himmel noch zu glorreich reis'rem Streben. Tasso, befr. Jcrus. 18 274 , Zehnter Gesang. 75. Was Asien kennt von seinem Streiten, Ringen, Ist Vorspiel, das wie Kindes Lallen klingt. Klar seh' ich's, wen'ge Jahre wcrdcn's bringen. Das; er den freveln Herrscher mächtig zwingt. Weit breitet dann sein Aar die Silberschwingen, In dessen Schul; Rom und die Kirche sinkt, Gelingt's ihm, sie dem Unthier zu entwinden. Auch wird er seiner würd'ge Söhne finden. 76. Für Kindcskinder, künftige Geschlechter Wird er ein hoch und edel Beispiel sein, Daß gen Cäsaren und gen Gottverächtcr, Sie ihren Arm dem Schutz der Kirche wcibn. Da sinkt vom Roß manch' übcriuütb'ger Fechter, Die Unschuld siegt, der Schuld wird Straf und Pein Dies ist ihr Amt. Voll königlicher Wonne Erhebt sich Este's Adler so zur Sonne. 77. ' Und schaut er dann des Lichts, der Wahrheit Wesen, So geb' er Pctcr'n seinen Donnerkeil; Zum Sieg und zum Triumph ist er erlesen. Wo man für Christum ficht und ew'gcs Heil; Denn durch Geburt ist er bestimmt gewesen. Durch göttliches Gesetz ward ihm dies Theil. Mag's euch gefallen, zu dem hohen Werke, Hcrbeizurufen dieses Helden Stärke. So weiß der weise Peter zu verscheuchen Die Furcht, die um Ninaldo's Heil erwacht. Nur Gottfried sieht gedankenvoll man schweigen. Da lauten Beifall Jeder dargebracht; Bis schwarze Schleier auf die Erde steigen. Die dunkeln Hüllen einer tiefen Nacht. Hin gehn sie, wo sie Ruh und Schlummer trafen; In ihm allein will nicht die Sorge schlafen.