Druckschrift 
1 (1854)
Entstehung
Seite
167
Einzelbild herunterladen
 

Siebenter Gesang.

167

IS.

Im Alter, wo der Mensch nachstrebt dem Tande,

Hat mir auch andrer Wunsch die Brust geschwellt;

Den Rücken kehrte ich dem Hcimathlandc,

Mißachtet ward die Heerde auf dem Feld,

In Memphis lebt' ich lang', dem DicnerstandeDes königlichen Hofes beigesellt.

Und hatt' ich nur den Garten zu beschicken.

Erkannt' ich doch der Höfe böse Tücken.

IS.

Durch Hoffnung angcreizt zu kühnem Streben,

Ertrug ich lang' das herbste Ungemach:

Hoffnung sah mit der Jugend ich entschweben.

Mit meiner Blüthe ließ die Kühnheit nach;

Da weint' ich um die Ruh' im kargen Leben,

Gram um verlornen Frieden wurde wach,

Ich sprach: leb' wohl, o Hof! leb wohl! und kehrteZum Wald zurück, der Frieden mir gewährte.

14 .

So spricht der Greis. Herminicn durchwvgenDie Worte, denen still ihr Ohr sie leiht.

Der Schmerz, der bange ihre Brust durchzogen.

Wird durch die weise Rede halb zerstreut.

Nach langem Sinnen fühlt sie sich bewogen,

In dieses Ortes stiller EinsamkeitSo lange wenigstens sich aufzuhalten.

Bis freud'ger die Geschicke sich gestalten.

15.

Sie sagt zum guten Greis: Du bist der Leiden,

O Glücklicher, des Lebens Dir bewußt;

Nicht möge Dir Dein Glück der Himmel neiden.

Und Mitleid sei für mich in Deiner Brust;