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Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
155
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Fliehe die giftige Süßigkeit des Zorns und wähle Mit-leiden am Andern.

Sei stumm, lasse die Gährungen sich abreiben und denke,wenn dir die Besiegung des Zorns unmöglich ist, an etwasandres.

Frage nach den körperlichen Aufwallungen nichts und seifroh, wenn Vernunft nachher herrscht.

Mäßige die Stimme und übrigen Verräther des Zorns.

Stelle dir gewisse Fehler der Menschen als schlechterdingsunheilbar und nothwendig vor.

Lasse dir im Anfang lieber Unrecht thun, als daß dudurch eine gerechte Gegenwehr dich in Hitze bringst.

Das verstärkt den Zorn, daß man den andern von sei-nem Unrecht zu überführen sucht, weil man deswegen sich dieschlimme Seite desselben und alle ihn anklagcnden Gründe leb-hafter denken muß.

Du ärgerst dich über Handlungen, die dir blos unange-nehm sind, aber gar nicht gegen dich gethan werden.

Warum zürnen wir über dasselbe Unrecht so sehr, wennes uns widerfährt, und so wenig, wenn es einem andern be-gegnet?

V. Allgemeine Regeln.

Thue ein Ding gar nicht oder mit aller Anstrengung.

Verschiebe nichts auf die folgenden Stunden, denn indiesen wird dir's nicht leichter.

Suche nicht alle deine Handlungen zu rechtfertigen. Be-reue nicht.

Schätze nichts, weil cs an dir ist, und flehe nicht immerauf dich.