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Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
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n. dgl. auch seinen Glauben. Diesen findet der christlicheSohn in dem Gesang-, Gebet-, Predigt- und Evangelicnbnchso wohl verwahrt, wie die alten verschlagnen Münzen in denangezeigtcn Beuteln. Er lies't von Sonntag zu Sonntag dieMeinungen der ältesten und rarestcn Kerntheologen, um sie zuglauben; er drückt sie ties ins Gedächtnis, um seinen Verstandfest davon zu überzeugen. Er glaubt sie, ohne sic zu unter-suchen, denn er weiß gewiß, daß sie ihre Urheber erfanden, ohnezu denken. Den Teufel, der ihm zuweilen in der Gestalt derVernunft zusctzt, treibt er mit Seufzern zurück, und seine inSchwcinsleder cingebundne Postille braucht er zum undurch-dringlichen Schilde gegen die Pfeile der Weisheit. Ferner, erist so heilig, daß er selten tugendhaft zu sein braucht. Betenist seine Hauptsache: denn seine Zunge ist das einzige Glied,welches er mit der größten Leichtigkeit und dem wenigsten Ver-stand bewegen kann. Vor den glänzenden Lastern der Heidenhütet er sich mehr als vor ihren nichtglänzcnden, und alle seinegottessürchtigcn Handlungen qnintcsscnzirt er in einen einzigenSeufzer. Er flieht die Arbeit, um besser den Müßiggang sei-ner Seele zu betrachten und Wetterbeobachtungen über die aus-steigenden Dünste aus seinem Unterleibe anzustellen. Er kannniemals seinem Nächsten dienen, denn er muß immer Gott die-nen. Ja, er thut ihm oft aus christlicher Liebe einen kleinenSchaden an, um ihn zur Buße zu leiten, und wird zum Scheinder Todfeind seines Nachbars, um keinen Antheil an seinerVernunft zu nehmen. Sein Haß wird nicht selten durch dieErleuchtung von oben noch heftiger, so wie der Essig durchden Strahl der Sonne noch schärfer wird. Allein gegen seineSeelenschwester beweist er wahre Bruderliebe; vermuthlich weilsie seine geistigen Entzückungen durch andere unterhält, und