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oder die man gar derselben unfähig hält, kann man wohldie Theologie rechnen. Nie wird man mehr darüber schreien,als wenn in der Theologie eine alte Lehre verändert oder eineneue hincingebracht werden soll, nnd Niemand kann sich mehrverhaßt machen als eben der, der solche Neucrnngen vorbringt.In gewissem Verstände kann man anch Recht dazu haben: wennman nehmlich Religion und Theologie als Dinge einerlei Artbetrachtet. Aber ich mnß erst sagen, daß zwischen Religionund Theologie ein Unterschied zu sein scheint. Diese bestehtaus einem künstlich geordneten Vortrage der Neligionslchrenund ist besonders dem Lehrer nöthig; jene ist der Unterricht,der jedem Menschen zur Gottcsverchrung nöthig ist, und be-steht aus einem stempeln nnd praktischen Inbegriff der Reli-gionslehrcn. Theologie hängt eben nicht so genau mit derReligion zusammen, sondern steht nur insofern mit ihr inVerbindung, wiefern sie eine Anstalt genannt werden kann,die Bildung der Lehrer der Religion zu erleichtern. Diechristliche Religion hat Jahrhunderte ohne Theologie bestanden— recht wohl bestanden. Ist nun Theologie eine Wissenschaft,so ist sie Neuerungen fähig; nnd sie sind in ihr ebenso nöthigund nützlich als in irgend einer. Oder sollte diese Wissenschaftallein, wenigstens in ihren Sätzen und Lehren, des Weiter-schrcitcns, oder wie jeder Schritt vorwärts neu ist, der Neue-rung unfähig sein? Oder ist sic nicht vielmehr, so lange Men-schen sind, merklich weiter fortgeschritten? Stellet den Mönch,der ein Jahrhundert vor Luthcr'n lebte, und lasset ihn seinReligionssystem Vorträgen, wie schwankend! wie widersprechendaller gesunden Vernunft und der Bibel! — und dann einenMönch aus dem vergangenen Jahrzehcnt, und verhört sie —welcher auffallende Unterschied! Jener wird Sätze für Ketzerei