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Vergleichungen und Schlüffe Wahrheiten erfinden. Nothwendi-gerweise muß hernach der, der mehr kultiviert, mehr denkend ist,Wahrheiten erfinden, die jenem, der lange vor ihm lebte, derweniger gedacht hatte, neu und unglaublich scheinen müssen,wenn er sie hörte. Und ist alsdann diese Erfindung nicht gut,nicht edel? Oder sollen wir sie gar verwerfen, weil sie neuist? Was hat denn dieses Neue für ein Kennzeichen des Ver-werflichen, des Falschen, an sich? Keines. Außer daß tausendMenschen nicht den Verstand und Len Tieffinn gehabt haben,um dahin zu dringen wie dieser— vielleicht anch nicht gekonnthaben. Gemeiniglich erfindet der große Geist, das Genie dasNene, über welches der Dummkops*) schreit, das aber derKluge untersucht. Jede Erfindung neuer Wahrheiten, dieGründe für sich haben, muß uns dcmnthigcn, zeigt unsre Ein-geschränktheit an, unfern stumpfen Blick, der nicht scharfsichtiggenug war, um schon längst eben dieses zu erfinden. Dennwenn z. B. ein Newton eine ganz neue Theorie der Schwereerfindet, so erfindet er jetzt nicht die Sache selbst; — denn schonMillionen Jahre vor ihm zog schon ein Weltkörper den an-dern an, er legt auch nichts Neues hinein, sondern er ent-wickelt nur unsre dunklen Ideen davon, er macht nur das Un-sichtbare unsrer Vorstellungen sichtbar, er verbindet nur dieSätze, die vor uns lange da lagen, und macht die Conclufiondaraus. Und eben dieß ist's, was uns die Erfindung neuer
-) Die Handschrift enthält die Correctnren des Rectors, die hiernatürlicher Weise Wegfällen. Für den „Dummkopf" hatteder Rector Einen substituiert, „welcher im Denken am wenig-sten geübt ist" und am Rande bemerkt: „Dummkopf," zwarwahr, aber auffallend in einer solchen Versammlung.