Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen
 

Nicht ganz so glücklich war der Erfolg in der Stadt Hofund von vielen Seiten erhob sich heiliger Eifer »nd frommeSchen gegen den jungenAtheisten." Dagegen schlossen sicheinige seiner Mitschüler mit besondrer Liebe an ihn an undRichter erlebte das Glück der Freundschaft, nach dem seineSeele als nach der höchsten Jünglings-Secligkcit schmachtete.

Der eine der jungen Männer, mit denen Richter denBund der Freundschaft schloß, war der obengenannte Chri-stian Otto, eines wohlhabenden Kaufmanns Sohn, dessenBesonnenheit und Sinn für Recht und Schicklichkeit von in-niger Liebe und Herzlichkeit durchwärmt wurden. Er wardspäter der erste Vertraute für Richters literarische Pläne, Un-ternehmungen und Werke, sein Censor und Rathgcber (wieaus dem Briefwechsel beider hervorgeht *)), und Jean Paulhat die Conjcetural-Biographie **) an ihn gerichtetund darin, wie an vielen andern Stellen in seinen Werken,vielfältig von seiner großen Liebe zu ihm Zengniß gegeben.Otto überlebte seinen Freund um einige Jahre, nachdem ernoch angcfangen, den literarischen Nachlaß desselben zu einerBiographie (Wahrheit ans Jean Pauls Leben") zu be-nutzen.

Der zweite war Joh. Beruh. Hermann, der Sohneines armen Zcnchmachcrs, der neben seinem wissenschaftlichenEifer auch noch die Forderungen des Vaters befriedigen,Wolle spinnen und Kinder warten mußte. Er war ein ma-

') Jean Pauls Briefwechsel mit seinem Freunde Otto. Ber-lin 1829.

*') Jean Pauls Briefe und bevorstehender Lebenslauf. S. W.2. Aufl. Vd. 13.