Druckschrift 
Aus Jean Paul's Leben
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

digtcn seines Vaters zusammennähte und zurcchtschnitt. DerInhalt war theologisch und protestantisch und bestand jedesmalaus einer aus Luthers Bibel abgeschriebcnen kleinen Erklär-notc unter einem Verse; den Vers selber ließ er im Büchel-chcn aus. So lag in unserem Friedrich Richter schon einkleiner Friedrich von Schlegel, der gleichfalls in seinem Aus-zügeLessings Geist" dessen Meinungen über gewisse Schrift-steller anszog, die Stellen selbst aber nicht besonders angab.

Gleicher Weise warf sich unser Held auch ans die Male-rei: mehre reitende Potentaten saßen oder vielmehr lagen ihm,wenn er mit einer Gabel alle ihre Züge so durchfuhr, daß einfettiges Nnßblatt unter ihnen sie mit der Kehrseite treffendauf einem weißen Blatte nachdruckte. Ob er nicht zu einemzweiten Raphael Mcngs, den man nicht wie den ersten, zudem Malen hin, von ihm wegzuprügeln hatte, unter einemandern Sonnenstände aufgeschossen wäre, weil sich daraus etwasvermuthcn lasse, daß er nach Empfang eines Farbenkästchensden ganzen orlll« pictns (die gemalte Welt) nach dem Lebendurchgcsärbt, das im Kästchen war, sollt' ich vor der Handnicht glauben, so farbig auch in seiner Erinnerung die erstenwcißrothen Lederbälle, und die viereckigen rothen Ziegel, unddie von ihm gewindeten Schiefer, und die herrlichen Farben-muicheln im Kästchen und die grünlichen Goldkäfer noch nach-schimmcrn. Es wäre nur um etwas Weniges richtiger, alswenn man aus seiner Kunst, im Winter Heringe zu machen,auf einen künftigen großen Kameralkorrespondcntcn schließenwollte. Sein Kunstgriff nämlich, sich aus dem Lande den He-ring zu ersetzen in solcher Ferne von der Küste, bestand darin,daß er, wenn er Semmel holen mußte, in den Bach watete,und leise einen Stein aufhob, worunter eine Grundel oder