Druckschrift 
2 (1845)
Entstehung
Seite
320
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übrigens nicht sehr zahlreich in den übrigen Theilen Frankreichsnnd widmeten sich so still, eifrig und ansprnchlos ihrer schönenBestimmung, daß man nur selten in der Welt von ihnen hörte.

Mitten in jenen Stürmen, welche Frankreich eine Menge frommerAnstalten raubten, findet man noch zum guten Tröste einige Schütze,die, unter den Ruinen verborgen, dem Sturme entgingen, und dasVaterland wieder bereichern sollten; so haben auch die Töchter des

Jahre 1625 ein großer Scandal, weil ein Schulmeister sich so weit vergesse»hatte, daß er die Keuschheit einer seiner Schülerinen antastcte. Wasnun anfangen, woher in der Eile Jemand nehmen, um die weibliche Jugendunterrichten zn lassen? Schnell wäre diese Frage heutzutage bei uns beant-wortet, aber nicht also damals in Frankreich. Daher wird das Verdienst jenervier Frauen um so größer erscheinen, welche sich augenblicklich bereit erklärten:ihr ganzes Leben dem Unterrichte junger Mädchen zn widmen, und auch so-gleich ihren Vorsatz in's Werk setzte», indem sie sich zn gemeinschaftlichemLeben verbanden nnd von dem Ortspfarrer Guorin sich Lebensregeln verschrei-ben ließen. Bald vertrieb der Krieg die wackern Lehrerincn; sie irrten umher,bis die fromme Frau von Villenenve ihnen zn Brie-Comte-Robert, unfernvon Paris, ein Haus schenkte, gleichsam als neue Oberin selbst zn ihnen zog,und sie mitunter sogar zn einer Art von Missionen in der Umgegend verwen-dete. Im I. 1640 wurde der indessen bedeutend zahlreicher gewordene Vereinals Eongregation der Töchter des Kreuzes förmlich constitnirt, wor-auf die eifrige» Frauen die Gelübde der Armuth, der Keuschheit, des Gehor-sams und des beständigen Beharrens ablegten.

Das tägliche Wachsthum der Gesellschaft bewog die Frau von Villenenve,das Hütet des Tonrnelles in der Straße St. Antoine zu Paris zu kaufen »ndzn einem zweiten Kloster einzurichten. Dagegen bestimmte Pfarrer Giwrin,ein erklärter Feind jedes Gelübdes, eine Anzahl von Frauen, nach der ursprüng-lichen Regel nnd ohne ei» Gelübde, zu Brie-Eomte-Robert zu bleiben, und vondem Pariser Kloster sich zu trennen. Frau von Villenenve aber gründete zwei neueHäuser zn Rnel nnd Aguillon, nnd nach ihrem im 1.1650 erfolgten Tode erstandennoch Anstalten zn Monlins, Narbonne, Trüguier, St. Brieur, St. Flour, Limo-ges, neben welchen die Eongregation noch in vielen Städten nnd Flecken kleinereAnstalten unter dem Namen H e rb er gen gründete. Sie verbreitete sich auch überCanada, und hatte namentlich zn Quebec ein Kloster von 125 Lehrerinen nndKrankenwärterinc», welche in jenem Lande sehr wesentliche nnd prciswürdigeDienste leisteten.

Auch die Eongregation der ohne Gelübde lebenden Töchter des Kreuzesvermehrte sich ansehnlich und stand in hoher Achtung. Beide Congrcgationengingen in langen schwarzen Röcken mit schwarzen Leibchen, vorn umgeschlagenenAcrmeln mit einem kurzen weißen Halstuch, dessen Spitzen auf der Brust sich,thcilten. Ein schwarzer Schleier bedeckte ihren ganzen Kopf nnd war unterdem Kinn mit einer einfachen Schleife geknüpft. Die Eongregation, welcheGelübde ablegte, trug zur Unterscheidung ein silbernes Kreuz aus der Brust.