192
Siebenter Gesang.
Ganz init Clorindens Aussehn, wie sic iinnicrDer Welt erscheint in reicher Waffcntracht;
Und gicbt ihm ihre Stimme, ihre Mienen,
Daß, seelenlos zwar, es ihr gleich erschienen.
io».
Dies Luftbild spricht zu Qradin gewendet.
Dem kundigsten der Schützen: Dradin!
Der nach Gefallen sein Geschoß versendet.
Und dem kein Ziel je unerreichbar schien,
Wie schmählich wär's, wenn dort der Kampf beendet,Judäas Streiter müßt' im Tod verglüh»,lind zu den Seinen, mit den Siegstrophäcn,
Wir sicher seinen Gegner reiten sähen!
101.
Zeig' deine Kunst, und färbe mit dem Blute,
Des fränk'schen Wegelagrers dein Geschoß.
Dein wartet, nächst der Ehre ew'gci» Gute,
Der Lohn des Königs mit der That gleich groß!
So sprach's: des Schützen Zweifel schwand und ruhte,Da Lockung in das Herz der Lohn ihm goß.
Er nimmt den Pfeil aus seines Köchers Lehne,
Legt auf den Bogen ihn und spannt die Sehne.
Der Bogen klingt. Der Pfeil mit Flügclschnellc,Zischt schneidend in der Lust, die er durchfliegt.Er trifft sein Ziel, und zwar an jener Stelle,Wo sich der Gürtel an den Panzer schmiegt.
Doch taucht er leicht nur in des Blutes Welle,Da schon am Harnisch seine Kraft versiegt.
Die ihm des Hiinmels Krieger so vermindert,
Daß tiefer einzudringcn er verhindert.