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Sechster Gesang.
102.
Doch ungeduldig wartet sie indessen.
Denn jeglichen Verzug erträgt sie schwer;
Sic sucht des Boten Schritte auszumessen:
Jetzt kommt, jetzt tritt er ein, jetzt eilt er her,
Ihr scheint, die sonstige Eil' Hab' er vergessen,
Und drob betrübt ihr Herz sich nur noch mehr.Doch endlich klimmt empor sie zu den Höhen,
Wo sie vom Lager kann die Zelte sehen.
ivs.
Schon breitet aus die Nacht den Stcrncnschlcier,Die klar und wolkenlos sich niedersenkt.
Schon zieht heraus der Mond in stiller Feier,
Und perlndcr Thau ringsum die Fluren tränkt.Nun haucht sie aus das heiße LicbesfeucrUnd schüttet aus das Leid, das sie bedrängt;
Der holden Stille und den stummen Auen,
Wagt sie die alten Schmerzen zu vertrauen.
101.
Zum Lager blickt sic dann und spricht voll BebenItaliens Zelte meiner Augen Lust!
Ich fühle Luft von echu herüber schweben.
Ein Labsal meiner hoffnungsreichen Brust.
O Himmel magst du dort mir Ruhe geben,
Die so viel dulden, leiden schon gemußt,
Dort such' ich Frieden, unter jenen Waffen,
Die Trost allein dem kranken Herzen schaffen.
ivs.
So nehmt mich aus, und lasset mich empfangen.Wie Liebe mir verhieß des Mitleids Lohn,
Und den, als anderwärts ich war gefangen.
Mein milder Herr gewährt mir früher schon.