Sechster Gesang.
1S9
Noch will sie ihrer Ehre Glanz beflecken.
Geheim will, ungeahnt sie vor ihm stehn.
Sie hält, und da jetzt besserer Rath sic leitet.
Spricht sie zum Waffenknecht, der sie begleitet:
os.
Zum Boten, Treuer, bist du ausersehen;
Gewandt und klug, das weiß ich, wirst du sein.
Ins Lager geb' und suche zu erspähen.
Wer dich ins Zelt zu Tancred führet ein.
Ihm Heil zu bringen, Frieden zu erflehen.
So sage, harre eine Jungfrau sein;
Den Frieden! weil die Liebe mich bedränget.
Daß mir Erquickung wird, er Heil empfanget.
ION.
Und die so festen Glauben zu ihm trage.
Daß sic nicht fürchte Schande noch Gewalt.
Rur dies; sag' ihm; auf jede andre FrageAntworte nicht und kehr' zurück alsbald.
Ich wähle, da mir sicher scheint die Lage,
Hier unterdessen meinen Aufenthalt.
Herminia spricht's; der Treue eilt auf Schwingen— Sv scheint's — hinweg, den Auftrag zu vollbringen.
INI.
Er handelt so, daß freundlich von den FrankenIm Lager ihm Aufnahme wird gewährt.
Sodann läßt er sich führen zu dem Kranken,
Der seine Botschaft frohen Blicks anhört.
Und während dieser zweifelnde GedankenIn seinem Geiste hin und wieder kehrt.
Eilt, er, die frohe Nachricht ihr zu bringen.
Sie könne heimlich zu dem Helden dringen.