Druckschrift 
1 (1854)
Entstehung
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

Sechster Gesang.

155

Wie würd' er dann die leichten Bande segnen,Mit der die liebe Feindin ihn bedacht.

Und hätt' ich so in Fesseln ihn geschlagen.

So würd' ich auch die meinen leichter tragen.

Und hatte auch sein Arm zu jener StundeMein Herz durchbohrt in jenem grausen Streit,Sv war' geheilt nun meine Liebeswunde,

Ich wäre durch den Schlag vom Schmerz befreit;.Mein Körper ruhte dann tm Grabesschlunde,

Und meiner Seele Frieden blüht' erneut;

Und meiner Asche weinte dann zu EhrenAuf meinem Grab der Sieger ein'ge Zähren.

Doch leere Thorheit ist, was ich betreibe.Unmöglichem jagt nutzlos nach mein Herz:

Und gleiche ich nicht dem gemeinen Weibe,

Das zagend sich crgiebet feigem Schmerz!

Sei stark, v Herz! und duld' nicht, daß ich bleibe!Warum nicht trag' auch ich einmal das Erz?Warum sollt' ich's nicht kurze Zeit anlegen.

Bin ich auch sonst nicht kräftig und verwegen?

Ich kann es, ja, und dies? Gewicht zu tragenMacht kräftig kühn mich Amor, der Tyrann,Durch den entzündet scheue Hirsche wagenZum kühnsten Kampfe sich zu schicken an.

Ich will ja Waffen nicht, um mich zu schlagen;Ich brauch' sie nur zum Trug, den ich ersann;Clorinda will ich sein, und nur gewinnenIn ihrer Maske Flucht aus diesen Zinnen.