Sechster Gesang.
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Dach Tancrcd stets an Güte, Milde reich.
Dem, wo er herrschte, Unbill nie gefallen,
Ließ ehren sie trotz ihres Throns Ruin,
Als wäre sie daselbst nach Königin.
57.
Der edle Held ihr dienet und sie ehret.
Auch wird von ihm die Freiheit ihr vcrliehn;
Er lasset ihr, was immer sie begehret,
Und was von Gold und Perlen wcrthvoll schien.Nun sehend, daß dem Jüngling war beschceretAuch Wohlgestalt und königlicher Sinn,
Da ward ihr Herz von Amors süßen BandenUmschlungen fest, wie sie noch keins umwanden.
5S.
Doch dürft' der Leib auch aus den Fesseln scheiden,Sv blieb die Seele immer noch in Haft.
Solch' theure» Herrn, solch' liebe Hast zu meiden,Ihr ungleich größere Betrübnis, schafft.
Allein die Königsehrc, der sich nicht entkleidenHochherzige Frau'n in der Gefangenschaft,
Zwingt, mit der alten Mutter sie zu gehen,
Wo sie ein freundlich Land sich offen sehen.
59 .
Sic gehn nach Zion, wo der König BeideAusnehmend ihren Aufenthalt erlaubt.
Jedoch erscheint sie bald im schwarzen Kleide,
Weil ihre Mutter hat der Tod geraubt.
Doch trotz der Trauer und dem tiefsten Leide,
Trotz der Verbannung Unglück nicht ertaubtDie Liebessehnsucht in dem heißen Herzen;
Denn solche Gluth ist nimmer auszumerzcn!
io*