Zweiter Gesang.
3l
Ihr höchster Ruhm ist, daß in enger HütteSolch hoben Werth sie still und schweigsam hegt.
Vor Buhler Blick und Lob geht eng verschleiertSie einsam nur einher und ungefeiert.
15.
Doch keine Macht kann Schönheit so verstecken,
Dasi man nicht ihren Reiz erkennt und preist;
Du, Amor, willst's nicht, suchst sie zu entdeckenAn eines Jünglings sehnsuchtsvollem Geist.
Du machst uns blind und Argus gleich, dem kecken,Machst, daß das Aug' sich schließt und offen kreist.Du lenkst auch nach dem keuschesten GemacheDes Andern Blick durch tausendfältige Wache.
16 .
Olind, Sophronia nennen sich die Beiden,
Die gleichem Ort und Glauben angehören.
Sie ist so schön und er ist so bescheiden,
Gr glüht, doch ohne Hoffen und Begehren,blicht weiß noch wagt er, kund zu thun sein Leiden,Und sie verschmäht den Blick ihm zuzukehren.
So hat der Arme denn bis jetzt geschmachtet.
Für sie, die ihn nicht kennt, nicht sieht, nicht achtet.
17 .
Nun kommt die 'Nachricht, daß des Zwingberrn TückeGin Blurbad droke allen Christen hier.
Und daß ihr Volk sie dieser Nvth entrücke.
Entsteht und keimt ein edler Plan in ihr.
Das Schamgefühl hält sie auf Augenblicke;
Doch mächtig treibt des Opfermuths Begier;
Die Kühnheit siegt; nein, macht nur schamcrglühen.Und läßt die Scham zum höchsten Muth erblühen.