30
Zweiter Gesang.
11.
Doch, als der König sieht, daß ihm entgangenDer Christ, auf dem zumeist sein Argwohn ruht,
Wird seine Brust von bösem Kroll befangen,
Wild flammt sein Zorn empor und seine Wuth.
Um jeden Preis will Rache er erlangen,
Und ohne Schonung kühlen seine Gluth. —
Mein Grimm soll fehl nicht gehn in diesen Horden,Der Räuber sterb' im allgemeinen Morden!
12.
Die Unschuld soll, fällt nur der Thäter, fallen!
Die Unschuld? ha, was sag' ich, wer ist rein?
Voll Schuld ist jeder von den Christen allen,
Nie tonnt' auch einer uns gewogen sein.
Wär' Einer auch nicht neuer Schuld verfallen,
Sv büßt er alte Sünd' in neuer Pein! —
Aus, meine Treuen, auf! vertilgt durch FlammenUnd durch des Schwertes Schneide all' zusammen.
IS.
So spricht er zu der Schaar; wovon die SageDas ganze Christenhäufchen schnell durchdringt;
Sie sind bestürzt von diesem schweren Schlage,
Den Tod erschauend, der sic nun verschlingt.
Nicht Einer denkt, daß Flucht, daß Kamps man wage,Daß er Barmherzigkeit durch Fleh'n erringt.
Doch wie sie unentschlossen, zagend bange»,
Ist unverhoffte Hülfe aufgcgangen.
14 .
Denn eine Jungfrau lebt in ihrer Mitte,
Die königlichen Sinn im Busen trägt.
Zum Schmuck der Tugend wird von reiner Sitte,
Der Reiz der hohen Schönheit ernst gepflegt.